Mit der Wahl Armin Laschets und dem erneuten Scheitern von Friedrich Merz als Parteichef hat die CDU ihren konservativen Flügel abgesprengt. Endgültig. Laschet hat sich demonstrativ zur Kontinuität der Politik Angela Merkels bekannt, wohl auch als Dank für deren indirekte Wahlempfehlung zu Beginn des Parteitags.

Auch CSU-Chef Markus Söder hatte in den vergangenen Tagen demonstrativ freundliche Worte für seinen Ministerpräsidenten-Kollegen aus Nordrhein-Westfalen gefunden. Ganz zu schweigen von Laschets gescheiterter Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Und schließlich war sich Laschets Tandem-Partner Jens Spahn auf dem digitalen Parteitag nicht zu schade, die Fragerunde an die Kandidaten mit einem Werbeblock für Laschet zu mißbrauchen. Fazit: Das Partei-Establishment hat seinen Kandidaten durchgesetzt, der Kandidat der Basis ist durchgefallen.

Ausdrücklich hat der neue CDU-Vorsitzende ein „weiter so“ als „Kontinuität des Erfolgs“ verteidigt. Bei dieser Einstellung bleibt unklar, welche Akzente Laschet setzen will. Er übernimmt eine inhaltlich völlig entkernte Partei. Wie will er sein Ziel erreichen, die CDU wieder zur „Ideenschmiede“ zu entwickeln? Zumal sich sein Gegenspieler Friedrich Merz sträubt. Alle Appelle waren vergebens. Nach seiner Niederlage hat er auf eine Kandidatur für das Parteipräsidium verzichtet. „Viel Erfolg bei dem, was du jetzt vorhast“, waren die beredten Worte des Unterlegenen an den Wahlgewinner.

Kein gutes Vorzeichen für den neuen Vorsitzenden

Was wird aus den Themen innere Sicherheit und rot-rot-grüne Mehrheiten, die Merz angesprochen hatte? Kein gutes Vorzeichen für den neuen Vorsitzenden. Zweifellos kennt er die Brüche und Zerwürfnisse in der Partei, hat deshalb fast flehentlich den Wert der CDU „als letzter verbliebener Volkspartei“ beschworen.

Und wer erwartet hatte, Laschet, der potentielle Kanzlerkandidat von CDU und CSU, werde das Thema ansprechen, das im Moment alle Menschen bewegt, die Impfstoffknappheit, wurde enttäuscht. Wie kommt Deutschland aus der Krise? Fehlanzeige. Laschets Rede war vielmehr an die Delegierten, also nach innen gerichtet. Bald wird er nach außen reden, denn die Kanzlerkandidatur wird sich der neue Parteichef kaum abhandeln lassen.

Über Laschets Wahl kann sich die FDP freuen. Inhaltlich und personell. Inhaltlich, da der CDU nach Merz` Scheitern keinen überzeugenden Wirtschaftspolitiker aufbieten kann. Oder wird er gar Wirtschaftsminister noch im Kabinett von Angela Merkel? Kaum vorstellbar, daß die Merz-Feindin dafür ihren langjährigen Gefolgsmann Peter Altmaier den Laufpaß gibt.

FDP und AfD können sich freuen

Gerade nach der Pandemie kommt es darauf an, die soziale Marktwirtschaft gegen linke Verstaatlichungs-Phantastereien zu verteidigen. Personell kann sich die FDP freuen, da Laschet seit 2017 eine schwarzgelbe Koalition in Düsseldorf führt und die Liberalen auch bundespolitisch hofiert.

Mit Laschets Wahl kann auch die AfD zufrieden sein, sofern dem liberal-konservativen Flügel um Parteichef Jörg Meuthen die Abgrenzung nach Rechtsaußen gelingt. Potentielle AfD-Wähler werden sich von einem möglichen Unions-Kanzlerkandidaten Laschet wenig beeindrucken lassen. Bei Merz wäre das anders gewesen. So kann die AfD argumentieren, mit Laschet bleibe die CDU auf Merkel-Kurs. Da könnte man ihr noch nicht einmal widersprechen.

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BERLIN. Mehrere AfD-Politiker haben die Wahl Armin Laschets zum neuen CDU-Chef als positives Signal für ihre Partei, aber als negatives für Deutschland gewertet. „Laschet steht für die nahtlose Fortsetzung der für Deutschland fatalen Merkel’schen Durchwurstlpolitik ohne Kompaß und ohne jedes klare Wertegerüst“, sagte der AfD-Co-Vorsitzende Jörg Meuthen am Sonnabend der JUNGEN FREIHEIT. „Es wird spannend, zu beobachten, wie sich nun die letzten verbliebenen konservativ-freiheitlichen Mitglieder der Union dazu verhalten werden. Wer dort jetzt immer noch bleibt, wird für das sich immer klarer abzeichnende schwarz-grüne Desaster mitverantwortlich sein.“

AfD-Co-Chef Tino Chrupalla schrieb auf Twitter: „Mit Armin Laschet nimmt die CDU Kurs auf eine Koalition mit den Grünen. Damit ist die AfD endgültig die einzig verbliebene freiheitlch-konservative Kraft in Deutschland.“

„Laschet. Sehr gut- leider nur für die AfD. Merkels Kurs wird nun nicht mal verbal korrigiert. Alles bleibt, wie es ist. Und dann wird es noch schlimmer: in der Koalition mit den Grünen. Bei Merz und Röttgen wäre es auch so. Insofern: egal“, schrieb die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch auf Twitter. Einen Kurswechsel gebe es nur mit der AfD.

Weidel: „Wer schwarz wählt, bekommt grün“

Laut der AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Alice Weidel sei mit der Wahl Laschets der Weg geebnet für eine schwarz-grüne Koalition. „Wer schwarz wählt, bekommt grün. Die Chance, das Ruder herumzureißen, wurde endgültig vertan.“

„Armin Laschet ist exakt der Vorsitzende, den die CDU verdient und die AfD braucht!“ schrieb der EU-Abgeordnete Maximilian Krah auf Twitter. „Was muß eigentlich noch passieren, ehe ‘bürgerliche Konservative’ begreifen, daß es kein Zurück der CDU zur vor-Merkel-Partei geben wird? Diese Partei wird nie mehr konservativ. Wer konservative Politik will muss die AfD unterstützen, alles andere ist Unsinn!“

Die Bundestagsabgeordnete Mariana Harder-Kühnel kommentierte: „Einen farbloseren Kandidaten hätte die CDU nicht zum Bundesvorsitzenden wählen können: Mit Armin Laschet wird die Beliebigkeit zum Programm. Die Chance, sich auf einstige Kernpositionen der CDU zu besinnen, wurde damit vertan.“

Merkel: „Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ mitteilen: „Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zu Deiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.“ Parteikollege und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zollte auch den unterlegenen Kandidaten Respekt. „Glückwunsch, lieber Armin Laschet, Respekt für Friedrich Merz und Norbert Röttgen“, twittert Altmaier. „Das waren ein fairer Wahlkampf und ein klares Signal für den Gestaltungswillen- und Regierungswillen der Union!“

Der Bundesvorsitzende der Werte-Union, Alexander Mitsch, teilte mit. „Mit der Wahl Armin Laschets haben die Delegierten des Parteitags leider die Chance verpaßt, die Parteibasis abzuholen und eine inhaltliche und personelle Neuausrichtung zu gestalten.“ Es entstehe der Anschein, daß Posten und die Bewahrung etablierter Strukturen den Delegierten wichtiger seien als die inhaltlich richtige Politik für Deutschland. „Der neu gewählte Vorsitzende sollte nun alles tun, um auf den konservativen Parteiflügel einzugehen“

CSU-Chef Markus Söder gratulierte Laschet zu seinem Sieg und betonte: „Freue mich auf unsere Zusammenarbeit! Gemeinsam werden wir die Erfolgsgeschichte der Union fortschreiben.“ Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) wünschte dem neuen CDU-Vorsitzenden ein glückliches Händchen für die „große Aufgabe“. „Dieses Jahr hat es in sich und wird eine Herausforderung für uns alle. Glück auf sagt man bei uns dazu – alles Gute!“

Die Grünen-Co-Vorsitzende Annalena Bearbock gratulierte Laschet zur „erfolgreichen Wahl“. Es werde ein „spannender politischer Wettbewerb um die Frage, welche Kraft unser Land mutig, entschlossen, mit neuem Schwung aus der Krise führt“.

Auch FDP-Chef Christian Lindner, der wie Laschet aus Nordrhein-Westfalen (NRW) kommt, beglückwünschte Laschet. „Auf so gute Zusammenarbeit und so sportlichen Wettbewerb als Bundesvorsitzende wie wir beides als NRW-Landesvorsitzende früher schon hatten.“ Linkspartei-Chefin Katja Kipping meinte: „521 – das sind nur 20 Stimmen über den Durst. Das heißt auch, Laschet wird in den kommenden Monaten dem rechten CDU-Flügel so viel Zucker geben müssen, daß die Grünen sich dreimal überlegen werden müssen, ob sie sich tatsächlich auf Gedeih und Verderb der Union hingeben wollen.“ (ls)

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BERLIN. Armin Laschet ist zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt worden. Der nordhrein-westfälische Ministerpräsident setzte sich in der Stichwahl auf dem Digitalparteitag am Sonnabend in Berlin gegen den früheren Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz durch. Laschet erhielt 521 der 991 Stimmen, Merz 466. Vier Delegierte enthielten sich.

Im erstern Durchgang hatte Merz mit 385 Stimmen knapp vor Laschet gelegen, der 380 Delegierten-Stimmen erringen konnte. Röttgen schied mit 224 Stimmen aus. Merz erhielt damit weniger Stimmen als auf dem Parteitag in Hamburg 2018, als er Annegret Kramp-Karrenbauer unterlegen war. Die Abstimmung muß nun per Briefwahl bestätigt werden, da die rein digitale Abstimmung als rechtlich unsicher gilt.

„Wir werden nur gewinnen, wenn wir in der Mitte stark bleiben“

Laschet sprach in seiner Bewerbungsrede zunächst über seinen Vater, einen Bergmann. Unter Tage habe man seinen Kollegen vertrauen müssen, egal welcher Herkunft jemand gewesen sei. Ein solches Vertrauen sei in den USA unter der Präsidentschaft Donald Trumps zerstört worden. Er betonte, man müsse nicht polarisieren. Am Ende komme es darauf an, Kompromisse zu suchen. „Manche nennen das: weiter so.“

Die CDU sei keine „One-Man-Show“. Allerdings spiegle die Partei nicht mehr die gesamte Breite der Bevölkerung wider. Dies wolle er ändern. „Wir brauchen mehr Frauen, ihre Meinung, ihre Stärke, ihre Erfahrungen, ihr Wissen. Wir werden nur gewinnen, wenn wir in der Mitte stark bleiben.“ Laschet erwähnte in seiner Rede auch noch einmal, daß er im Team mit Gesundheitsminister Jens Spahn antrete.

Außerdem stellte er mit Blick auf Merz klar: Das Land brauche keinen Vorstandsvorsitzenden, keinen CEO. „Jeder kann groß sein, jeder kann glänzen.“ Laschet lobte die Politik Angela Merkels. Seitdem sie regiere, würde niemand mehr von Deutschland als den „kranken Mann Europas“ sprechen. Zugleich relativierte er: Die CDU werde aber nicht für die Verdienste in der Vergangenheit gewählt.

Merz: „Ich werde es mir nicht leicht machen, Ihnen aber auch nicht“

Friedrich Merz verläßt die Bühne
Friedrich Merz verläßt die Bühne Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Friedrich Merz betonte den Führungsanspruch der CDU. „Wir sind fest entschlossen, die Bundesregierung wieder zu führen.“ Mit Verweis auf die jüngsten Krisen sagte er, das Land werde morgen nicht untergehen. Zugleich verdeutlichte er: „Nach Corona wird es kein Zurück geben zur alten Normalität.“ Man müsse auf die Technologie bauen.

Überdies ging Merz auf seine Rolle in der Partei ein, sollte er CDU-Chef werden. „Ich werde es mir nicht leicht machen, Ihnen aber auch nicht.“ Anschließend erwiderte er die Kritik gegen ihn im Hinblick auf seine gesellschaftspolitischen Ansichten. „Lassen Sie mich noch ein Wort zu den Frauen sagen“, begann er. Seine Ehefrau hätte ihn nicht vor 40 Jahren geheiratet, wenn er ein rückständiges Frauenbild gehabt hätte, erklärte Merz. Auch seine Töchter hätten ihm längst darauf angesprochen, sollte dies anders sein.

Auch Merz lobte den angeblich integrativen Anspruch der CDU. Diese sei die einzige Partei, die die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nicht gegeneinander ausspiele.

Röttgen: „Ich bin kein Lager“

Norbert Röttgen schied im ersten Durchgang aus
Norbert Röttgen schied im ersten Durchgang aus Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Odd Andersen

Norbert Röttgen, der als letzter der drei Kandidaten sprach, forderte: „Wir müssen jünger und weiblicher werden.“ Er traue sich zu, neue „Wählerinnen und Wähler für die CDU zu gewinnen“. Erfolg gebe es nur als Mannschaft. „Ich bin kein Lager. Ich möchte integrieren. Ich kann integrieren.“

Zugleich betonte er die Wichtigkeit der Wirtschaft. Deren Wiederaufbau nach der Corona-Krise müsse auch auf der Agenda stehen. „Eine Partei, die nichts von der Wirtschaft versteht, wird auch für den Klimaschutz nichts erreichen.“ Klimaschutz und Wirtschaft müßten zusammengehen. „Wohlstand muß zuerst geschaffen werden, bevor er verteilt werden kann.“

Auch Röttgen verwies auf den Führungsanspruch der CDU. Das Land brauche diese Partei. „Wir werden alles geben, aus Liebe zu unserem Vaterland.“ (ls)

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Schweizer Angriff auf den deutschen Medienmarkt: Mit einem bürgerlichen Kurs und zusätzlichem Personal versucht die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) im „Kanton Nord“ Fuß zu fassen. Zum 1. Januar stellte das Blatt den früheren Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters als Geschäftsführer der NZZ Deutschland ein. Die Ausgabe wird nun nicht mehr in der Schweiz, sondern in Berlin gemacht. Erklärtes Ziel: die „Beschleunigung der Expansion in Deutschland“.

Die Schweizer Tageszeitung will eine Marktlücke schließen, die der Linksschwenk fast aller Medien hinterlassen hat. Der Zürcher Chefredakteur Eric Gujer sagt: „In der Schweiz ist vieles Mainstream, was in Deutschland schon als rechts gilt.“ Es gebe dort aber „viele freiheitlich und liberal denkende Menschen“. Diese werden „von deutschen Medien vernachlässigt“. Er beklagt einen „stark links-liberalen Hintergrund“ vieler Journalisten.

NDR wirft NZZ „positiven Trump-Kommentar“ vor

Entsprechend groß ist die Wut hiesiger Medien über den „Rechtsruck“ des 241 Jahre alten Mediums. Die Zeitung vertrete auch „Positionen der rechtspopulistischen AfD“, faßt Wikipedia die Kritik zusammen. Der NDR warf der NZZ schon 2019 vor, daß dort „ein po- sitiver Kommentar zu Trump“ erschienen sei. Auch daß muslimische Vollverschleierung „nicht nach Europa“ gehöre, habe die NZZ geschrieben, heißt es in der Anklageschrift des öffentlich-rechtlichen Senders.

Allem Aufschrei zum Trotz hält Gujer, dessen wöchentlichen Deutschland-Newsletter „Der andere Blick“ inzwischen 55.000 Leser abonniert haben, an seinem Kurs fest. Zur neuen Mannschaft gehört auch Alexander Kissler, der mit fulminanten, gegen den Strich gebürsteten Analysen beim Cicero auf sich aufmerksam machte.

Deutschland ist für die Zeitung, die lange eng mit der Freisinnig-Demokratischen Partei der Schweiz (FDP) verbandelt war, ein Wachstumsmarkt. Die hiesige Ausgabe hat nun erstmals einen eigenen Chefredakteur. Marc Felix Serrao, seit 2017 Leiter des Berliner NZZ– Büros, besetzt den Posten, bleibt aber Gujer unterstellt.

Zuwachs bei den Digitalabos

Mit Ulrich Machold verfügt die Schweizer Zeitung, die der entlassene Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen mit dem einstigen „Westfernsehen“ in der DDR verglichen hat, seit Jahresbeginn auch über einen „Leiter Produkte der NZZ Deutschland“. Er ist ebenfalls ein Springer-Mann, arbeitete für die Welt, war Büroleiter des Ex-Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann und bringt die Erfahrung mit, die die Neue Zürcher Zeitung für ihre Expansion benötigt. Er entwickelte für das Berliner Medienhaus Digitalprodukte.

Der Verkauf digitaler Abonnements nördlich der Alpen soll der NZZ neue Erträge liefern, denn auch in der Schweiz ist das Anzeigengeschäft eingebrochen. Den Preis dafür hat das Unternehmen zum Jahreswechsel von 10 auf 14,90 Euro erhöht. Die Zahl der bezahlten Abos wächst rasant. Innerhalb eines Jahres sei sie, so der Verlag, um 73 Prozent auf 32.000 gestiegen.

Damit übererfüllen die Zürcher ihren Plan: Denn das Deutschland-Geschäft hat dafür gesorgt, daß die angepeilte Marke von 200.000 Digital-Abos bereits jetzt geknackt wurde. Ursprünglich stand dieses Ziel erst für Ende 2022 an. Trotzdem, so der Flurfunk in der Zentrale am Zürichsee, sei das Deutschland-Engagement noch ein Minusgeschäft.

Nichtlinker Journalismus könne „Erfolgsgeschichte“ werden

Der 55jährige Peters, der zuletzt Springers Nachrichten-Plattform für Smartphones „Upday“ zum Erfolg führte, soll das Tempo weiter erhöhen: „Da ist noch mehr drin, wenn wir den deutschen Markt direkt bearbeiten und mehr Angebote machen.“ Ihm gefalle „die freiheitliche Perspektive der NZZ“. Die Redaktion pflege „einen offenen Diskurs“. Es gebe „Debatten, die weniger von Tabus belastet“ seien als in Deutschland. Peters besetze eine „Schlüsselposition“, sagt der CEO der NZZ-Mediengruppe Felix Graf. Seine Aufgaben: Investitionen und Einstellung weiterer Journalisten. Neben zahlreichen weiteren Newslettern wird es demnächst auch einen Podcast geben.

Graf stellte schon im März gegenüber Horizont fest: „Wir erreichen inzwischen mehr zahlende Nutzer online als im Print.“ Der Umsatz sei bei der gedruckten Zeitung aber höher, weil der Preis der Digitalprodukte niedriger sei. Dennoch sei die Strategie „erfolgreich“.

So ist der Begriff „Medienkrise“, der in Deutschland zum Synonym für Vertrauens-, Auflagen- und Anzeigenverlust geworden ist, für die Schweizer trotz der- selben Sprache ein Fremdwort. Gujer sagt: „Nach Jahrzehnten der Stagnation sind wir in einer Phase des Experiments, das ist eine gute Zeit für den Journalismus.“ Auch das Deutschland-Engagement bezeichnet er zwar als „Experiment“. Aber die große Nachfrage nach hintergründigem, nichtlinkem Journalismus zeigt, daß daraus eine Erfolgsgeschichte werden könnte.

JF 3/21

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Zu den seltsamen Begleiterscheinungen der Debatte um den „Sturm“ auf das Kapitol am 6. Januar gehört die religiöse Konnotation. Die Rede war von einem „Menetekel“ für die westliche Welt, von der Schändung des „Tempels“ der Demokratie. Aber das ist nur die eine Seite, die andere der „Exorzismus“, den der bizarre Schamane mit dem Büffelhörnerkopfputz vollzogen hat, getragen von der Überzeugung der Besetzer, daß sie „das Böse“ oder gleich „Satan“ bekämpften.

Bringt man das Gewollt-Hysterische der offiziellen Kommentare in Abzug und ergänzt das Bild der Trumpisten um den Unernst ihres Vorgehens, das Clowneske der Aktion und das ständige Posen vor den mitgebrachten Aufnahmegeräten, stellt man indes ernüchtert fest, daß hier weder ein Sakrileg stattfand noch ein neues „1933“ versucht wurde, nicht einmal ein postmoderner Putsch- oder Revolutionsauftakt.

Die Masse ist dümmer, hemmungsloser und heroischer …

Es ist im Grunde auch unerheblich, welche Folgen die Vorgänge für die Beurteilung der Präsidentschaft Trumps haben. Den Ausschlag gibt, daß man es mit einer Massenaktion als solcher zu tun hatte. Typisch am Vorgehen der „Besetzer“ war die Spontaneität ihres Ausbruchs, das Mitreißende in dem Augenblick, als der erste Regelverstoß ungeahndet blieb, die Ratlosigkeit nach dem Erfolg, das Fehlen von Gliederung und gezieltem Vorgehen.

Typisch insofern, als man seit langem um das Gefälle zwischen der Gesamtintelligenz einer Masse und der Durchschnittsintelligenz der Beteiligten weiß. Eine Eigenschaft, die die Erregbarkeit der Masse erklärt, ihre Anfälligkeit für Agitation und die Möglichkeit, sie zu Taten zu verleiten, die der einzelne bei ruhiger Überlegung niemals begehen würde. Die Masse ist dümmer und hemmungsloser, aber auch heroischer als der, der für den Moment in ihr aufgeht.

Einige Kommentatoren haben deshalb auf vergleichbare Vorgänge – von den Ausschreitungen der „Black Lives Matter“-Bewegung bis zur „Umzingelung“ des Pentagon im Rahmen der Anti-Vietnam-Proteste – hingewiesen. Das ist zwar politisch unerwünscht, gibt aber doch Aufschluß darüber, daß nicht erst seit gestern diffuse Strömungen latent vorhanden sind, sich unter gegebenen Umständen rasch verstärken und punktuell zusammenschließen. Ähnliche Phänomene sind aus allen Epochen bekannt.

Die Gesellschaft hat selbst Massencharakter angenommen

Allerdings wuchs ihre Bedeutung unter den Bedingungen der Moderne. Sie hat alle älteren Ordnungen, die dazu dienten, Massen zu bändigen, in Frage gestellt. Versuche, diesen Prozeß einzufangen, rückgängig zu machen oder eine dauerhafte neue Formation zu erreichen, sind bisher gescheitert.

Die Gesellschaft hat selbst Massencharakter angenommen. Was die Versuchung wachsen ließ, diese „Massengesellschaft“ durch forcierte Vermassung zu kontrollieren. Dazu müssen alle hemmenden Bestände, ganz gleich, ob es um Sitte, Religion, kulturelle Überlieferung geht, geschwächt oder beseitigt werden. Ziel ist die geräuschlose Durchsetzung ähnlicher Lebensumstände überall, ergänzt um eine Indoktrination, deren Kern der Gleichheitsgedanke bildet.

An der Geschichte der westlichen Welt in der Nachkriegszeit ist zu beobachten, wie erfolgreich dieses Vorgehen sein kann. Allerdings handelt es sich nicht um einen Automatismus. Hannah Arendt meinte, daß die Vermassung notwendig an Grenzen stößt, „wenn die Gesellschaft auf verhältnismäßig kleinem Raum die Unterschiede klar ans öffentliche Licht bringt und damit eine Fülle von Konflikten erzeugt“. Letztlich bewegen wir uns permanent in „verhältnismäßig kleinem Raum“. Das gilt, auch wenn der durch die Medien und die Globalisierung künstlich erzeugt wird.

„Populistische“ Bewegungen als Störungen?

Gleichzeitig wächst seine Störanfälligkeit, und man kann „populistische“ Bewegungen als Störungen betrachten, die der Vermassungsprozeß selbst hervorruft. Kaum ein Kommentator widerstand der Versuchung, die Akteure von Washington als „Hinterwäldler“, „Hillibillies“, „weißen Trash“ zu charakterisieren, auf ihre Häßlichkeit, ihre Schratigkeit, ihr Übergewicht und die Verwüstung der Gesichter durch Drogenkonsum zu sprechen zu kommen.

Übersehen wird dabei nur, daß die Entbehrlichen und die Verlierer nicht einfach dumm oder schlecht oder beides sind, sondern daß ihr kompaktes Auftreten direkt mit der Vermassung zu tun hat. Das erklärt viel von der Macht des Ressentiments in diesem Populismus, seiner elementaren Kraft und Vulgarität, dem Fehlen einer echten Programmatik und der Schwäche der Führer. Die werden, trotz der Attitüde des „starken Mannes“, rasch zu Gefangenen der eigenen Basis, deren Erwartungen selbst bei dauernder Radikalisierung nicht erfüllbar sind.

Was ist die wichtigste Aufgabe des Staatsmannes?

Die Amtszeit Trumps sollte deshalb auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, welche Grenzen dem Populismus von Natur gezogen sind. Was Trump nach oben getragen hat, war die Tatsache, daß er als Massenmensch die Unterstützung der Masse fand. Die vielen haben sich in dem einen wiedererkannt und ihre Sehnsucht auf ihn projiziert. Das hat der eine zu nutzen gewußt, auch um durchaus bemerkenswerte politische Erfolge zu erzielen. Genügen konnte das aber nicht.

Letztlich weil Trump blind dafür war, an welcher Stelle er die Bedingungen des Populismus hätte überschreiten müssen, um Entscheidendes zu leisten. Friedrich Naumann, der als einer der ersten die wesentlichen Probleme unseres Zeitalters erkannte, meinte auf die Frage, was die wichtigste Aufgabe des Staatsmannes sei: „Aus Massen Menschen machen.“

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In Florida ist ein Arzt nach einer Corona-Impfung verstorben. Während seine Ehefrau einen Zusammenhang zwischen der Impfung und seinem Ableben herstellt, teilte der Impfstoffhersteller Pfizer mit, dass es dafür noch keine Beweise gebe. Der Vorfall wird aktuell untersucht. Die Ergebnisse müssen abgewartet werden.

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Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten schilderte Rabbi Abraham Cooper vom „Simon Wiesenthal Center“, dass die Juden in Deutschland und Europa aus verschiedenen Richtungen attackiert werden. Die Corona-Pandemie habe ihre Lage verschlimmert. Schwere Vorwürfe erhebt er gegen die deutsche Medien- und Kulturelite.

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