MAITLAND. Das Holocaust Memorial Ressource and Education Center of Florida in Maitland hat für eine Ausstellung über den bei einem Polizeieinsatz getöteten Schwarzen George Floyd teils heftige Kritik geerntet. „Das Florida Holocaust Museum ist dabei, die Vernichtung der europäischen Juden zu einer Farce zu machen. Das ist eine Verzerrung und eine Beleidigung der Juden. Und ich befürchte, das ist nur ein Vorgeschmack auf den Irrsinn, der noch kommt“, schrieb die Newsweek-Kolumnistin Caroline Glick auf Twitter.

 Der frühere EU-Abgeordnete der britischen Brexit-Partei, Martin Daubney äußerte: „Unglaublich: Das Holocaust-Museum in Maitland, Florida, hat eine George-Floyd-Sektion hinzugefügt. Floyds tragischen Tod mit dem Massaker an sechs Millionen Juden in Verbindung zu bringen, ist äußerst unsensibel. Aber es ist auch politisch: Es assoziiert die Polizei mit Nazis.“

Der US-Radio-Moderator Dan O`Donnell kommentierte: „Wir leben in einer Welt voller Idioten, in der Worte keine Bedeutung mehr haben.“

Tod von George Floyd löst Unruhen aus

Ähnlich äußerten sich auch andere Journalisten wie der Gründer des rechten Nachrichtenportals Rebel News, Ezra Levant. Er kritisierte, der Vorgang trivialisiere und verzerre den Holocaust und impliziere groteskerweise, daß amerikanische Polizisten Nazis seien.

Die Ausstellung im Holocaust Museum zeigt Fotos von Demonstranten, die nach Floyds Tod gegen Polizeigewalt und Rassismus protestierten. Sie trägt den Titel: „Uprooting Predjudice: Faces of Change“ (Vorurteile entwurzeln: Gesichter des Wandels).

George Floyd war im Mai bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis im US-Bundestaat Minnesota  umgekommen, nachdem sich ein Beamter minutenlang auf seinen Hals gekniet hatte. Zuvor hatte Floyd sich geweigert, den Anweisungen der Polizisten zu folgen. Zum Todeszeitpunkt stand er unter Drogen. Sein Tod hatte in den USA über Wochen und Monate zu Demonstrationen, Ausschreitungen und Plünderungen gesorgt. (ag)

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NEW YORK. Die Random-House-Verlagsgruppe hat mit der Ankündigung, das neue Buch des kanadischen Psychologen Jordan B. Peterson zu veröffentlichen, bei ihren Mitarbeitern für Empörung gesorgt. „Er ist eine Ikone der Haßrede und der Transphobie. Und unabhängig vom Inhalt seines Buches ist er auch eine Ikone weißer Überlegenheit“, begründete ein Angestellter laut Vice seine Kritik.

Der Verlag habe eine Besprechung einberufen, um seinen Mitarbeitern mitzuteilen, daß er Petersons Buch „12 More Rules for Life“ im März 2021 veröffentlichen werde. Dabei hätten mehrere Kollegen geweint. Sie warfen dem Psychologen vor, ihr Leben beeinträchtigt und ihre Väter radikalisiert zu haben, berichtete ein anderer Angestellter. Zudem werde das Buch ihre Freunde verletzen, die sich nicht auf ein Geschlecht festlegten.

Verlagsmitarbeiter wollen Erlös aus Peterson-Buch spenden

Das Unternehmen habe sich seit dem Erstarken der „Black Lives Matter“-Bewegung im Juni gegen Rassismus eingesetzt und sich solidarisch mit schwarzen Menschen gezeigt. Mit der Veröffentlichung von Petersons Buch stelle es sich nun völlig gegen diese Haltung.

Einige Mitarbeiter befürchteten nun, daß Autoren des Verlags, die der LGBTQ-Gemeinschaft angehörten, sich nicht mehr bei dem Unternehmen wohlfühlten. Deshalb schlugen kritische Angestellte vor, die Einnahmen aus dem Buch an Vielgeschlechter-Organisationen zu spenden.

Verlegerin plädiert für Meinungsvielfalt

Anne Collins, die Verlegerin der Knopf-Random-Canada-Gruppe, bei der Petersons Buch erscheinen soll, habe die Besprechung mit den Mitarbeitern eröffnet und die Entscheidung des Unternehmens verteidigt. Sie selbst stamme aus der Journalismus-Branche. Dort habe sie gelernt, wie wichtig es sei, eine Vielzahl an Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Auch für die Kritik ihrer Angestellten sei die Verlagsgruppe dankbar und offen.

Peterson ist Hochschulprofessor und ein Verfechter der freien Rede. Er hatte 2016 an der Universität von Toronto für Empörung gesorgt, weil er sich während einer Vorlesung weigerte, mehrere seiner Studenten mit geschlechtsneutralen Pronomen anzusprechen. Zudem erteilt er der politischen Korrektheit immer wieder Absagen. (zit)

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BREMEN. Das Bremer Amtsgericht hat am Mittwoch den evangelischen Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Richterin Ellen Best sah es als erwiesen an, daß der Geistliche in einem Eheseminar zu Haß gegen Homosexuelle angestachelt habe, berichtet die Nachrichtenagentur epd. Sie schloß sich der Forderung der Staatsanwaltschaft an und verhängte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, die zu einer Geldstrafe von 8.100 Euro (90 Tagessätzen à 90 Euro) umgewandelt wurde. Latzels Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang Juli Anklage erhoben. Darin warf sie dem Pastor vor, „Homosexuelle generalisierend als Verbrecher und die Homosexualität als Degenerationsform der Gesellschaft“ sowie „Menschen, die in Bezug auf ihre Geschlechtsidentität von der angeblichen Norm abweichen, als ‘Genderdreck’ und als ‘Angriff auf die göttliche Schöpfungsordnung’“ bezeichnet zu haben.

Kritik an Homosexuellen bei Eheseminar

Hintergrund ist ein Eheseminar im Oktober 2019, bei dem Latzel vor 30 Paaren unter anderem geäußert hatte, daß Homosexualität eine „Degenerationsform von Gesellschaft“ sei. Außerdem sagte er: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Eine Aufnahme des Seminars wurde im März mit Latzels Einwilligung auf YouTube gestellt.

Die Bremische Landeskirche hatte ein Disziplinarverfahren ausgesetzt und dies damit begründet, sie wolle das Strafverfahren abwarten. Latzel hatte sich für die Äußerungen entschuldigt und betont, nicht alle Homosexuellen als Verbrecher bezeichnet zu haben. (ls)

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BERLIN. Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) hält ein Verbotsverfahren gegen die AfD unter bestimmten Bedingungen für möglich. „Wenn diese Partei – was mich nicht wundern würde – weiterhin konsequent diesen Weg beschreitet, muß man irgendwann in den kommenden Jahren bei entsprechender Belegbarkeit auf allen Ebenen über ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht nachdenken“, sagte Pistorius der Rheinischen Post.

Pistorius hatte als damaliger Vorsitzender der Innenministerkonferenz das Verbotsverfahren gegen die NPD belgeitet. Das Bundesverfassungsgericht lehnte ein Verbot der Partei ab, da sie zu unbedeutend sei. Mit Blick auf die AfD könne jedoch „kein Zweifel darüber bestehen, daß große Teile der Partei sich immer weniger bemühen, sich ein demokratisches Gewand überzuwerfen“, gab der SPD-Politiker zu bedenken. Aktuell sei es jedoch notwendig, daß der Verfassungsschutz in Bund und Ländern die AfD genauer beobachte.

Gauland: Debatte zeigt „Nervosität der Altparteien“

Seit den Störaktionen durch einige Besucher von AfD-Abgeordneten im Bundestag diskutieren Politiker anderer Parteien über ein AfD-Verbot oder die Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Der amtierende Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Georg Maier (SPD), hatte ein Verbot gefordert. SPD-Chefin Saskia Esken und der CSU-Innenpolitiker Michael Kuffer sprachen sich für die vollständige Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz aus. Der FDP-Innenexperte Konstantin Kuhle sagte, die Diskussion sei „unseriös“ und helfe der AfD.

Deren Fraktionsvorsitzender im Bundestag, Alexander Gauland, bezeichnete die Debatte als Zeichen der „Nervosität der Altparteien angesichts des bevorstehenden Superwahljahres“. „Nachdem es den Altparteien in den vergangenen drei Jahren nicht gelungen ist, die AfD-Fraktion – wie zu Beginn der Legislaturperiode großspurig angekündigt – inhaltlich zu entzaubern, versuchen sie nun, die AfD bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu diskreditieren.“ (ls)

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LUGANO. Nach der Messerattacke in einem Kaufhaus in Lugano geht die Schweizer Bundesanwaltschaft von einem islamistischen Terroranschlag aus. Bei der Täterin handelt es sich um eine 28 Jahre alte polizeibekannte Konvertitin, berichtete der Tagesanzeiger. Eine Behördensprecherin sagte, bislang habe die Datenlage nicht für ein Verfahren gegen die mutmaßliche Terroristin ausgereicht.

Am Dienstag nachmittag habe die Angreiferin in dem Geschäft im Kanton Tessin zwei Frauen mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Laut regionaler Medien habe sie während der Tat gesagt, sie gehöre zur Terrormiliz IS. Außerdem soll sie „Allahu Akbar“ gerufen haben. Zeugen überwältigen sie demnach und hielten sie bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Die Chefin des Bundesamts für Polizei, Nicoletta della Valle, sagte auf einer Pressekonferenz, die Tat habe sie nicht überrascht. Derartige Angriffe gebe es überall auf der Welt. Die Behörden zogen Parallelen zu einem Mord in Morges im Schweizer Kanton Waadt. Dort hatte vor zwei Monaten ein Täter mit türkischer und Schweizer Staatsbürgerschaft einen Mann erstochen. Als Grund gab der als Islamist bekannte Täter an, er habe sich an der Schweiz rächen wollen. (ag)

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Es ist noch früh am Morgen, da steckt Yukio Mishima schon akribisch in den Vorbereitungen für den anbrechenden Tag. Der 45jährige ist sofort hellwach, rasiert sich, duscht, legt ein frisches weißes fundoshi an, ein Lendentuch aus Baumwolle. Darüber streift er seine Tatenokai-Uniform, das Erkennungszeichen der von ihm gegründeten „Schildgesellschaft“, eine Art Privatmiliz, die aus rund 100 ihm treu ergebenen Studenten besteht. Mishima ergreift sein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Samuraischwert, das katana, und tritt vor die Haustür.

Auf dem Wohnzimmertisch hinterläßt er einen Umschlag, der die letzten Seiten seiner Romantetralogie „Das Meer der Fruchtbarkeit“ enthält, sein Opus Magnum, an dem er sechs Jahre lang akribisch gearbeitet hat. Zu diesem Zeitpunkt, am 25. November 1970, ist Mishima Japans bekanntester Schriftsteller. Dreimal nominierte ihn die Jury für den Literaturnobelpreis, sein weltweiter Ruhm eilt ihm voraus. Heute aber will er unsterblich werden.

Gemeinsam mit vier jungen Studenten der Tatenokai-Miliz fährt der glühende Nationalist gegen 10 Uhr zum Hauptquartier der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte in Tokio, wo er mit dem befehlshabenden General verabredet ist. Doch ein nettes Pläuschchen soll es nicht geben. Das Besuchskommando nimmt den hochrangigen Militär kurzerhand in dessen Büro als Geisel und verkündet dem perplexen General ihren absurden Plan: Die rund 1.000 Mann Besatzung der Kaserne sollen sich unverzüglich auf dem Vorplatz sammeln. Mishima will vom Balkon aus eine Ansprache halten.

Um Punkt 12 Uhr setzt der Weltliterat schließlich zu seiner Rede an, die Soldaten warten bereits. Journalisten strömen herbei, auch ein Polizeihubschrauber kreist über dem Geschehen. Mit ungläubigen Blicken schauen alle Anwesenden auf den 1,63 Meter kleinen Mann, der die nächsten Minuten auf dem Balkon unermüdlich gegen den Lärm anschreit … und tatsächlich einen Staatsstreich fordert.

Mishima hält Rede
Der japanische Schriftsteller Yukio Mishima steht am 25.November 1970 in der Uniform der „Schildgesellschaft“ auf dem Dach des Armee-Hauptquartiers in Tokio Foto: dpa – Bildarchiv

Yukio Mishima wird am 14. Januar 1925 unter seinem bürgerlichem Namen Kimitake Hiraoka in Tokio geboren. Er ist Sohn eines hohen Ministerialbeamten, seine Familie entstammt einem alten Samurai-Geschlecht. Die Kindheit verbringt der kränkliche Junge unter der Erziehung seiner Großmutter. Sozial isoliert, entdeckt er früh seine Leidenschaft für Literatur und Sprache. Bisweilen entwickelt er eine eigentümliche Faszination für heroische, maskuline Formen und Figuren, was sich später auch in seinen Werken abzeichnet.

Schönheit und Brutalität

Vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erscheint sein bereits zweiter Roman, der ihm schließlich mit nur 24 Jahren zum Durchbruch verhilft. Die autobiographisch gefärbten „Geständnisse einer Maske“ werden ein Sensationserfolg, nicht nur in Japan, sondern auch in der englisch- und französischsprachigen Welt. Mishima, der fließend Deutsch und Englisch spricht, experimentiert fortan mit einem breiten Spektrum literarischer Traditionen – von der Romantik bis zur Science-fiction, von philosophisch bis skandalös, von satirisch bis pathetisch. Er schreibt Romane, Bühnenstücke, Kurzgeschichten, Gedichte, dreht Filme. Seine Werke bettet er immer wieder in zwei primäre Charakteristika der traditionellen japanischen Kultur ein – Schönheit und Brutalität, bei Mishima vereint in einem ästhetischen Ideal, das als Widerstand gegen die Moderne zu verstehen ist.

Sein Denken durchdringt ein Aufschrei gegen die „Verwestlichung“ der japanischen Kultur und die geistige Leere, die diesem Vorgang innewohnt. Jene Moderne also, die keinen Platz mehr für Helden oder tragische Schicksale hat. Jene materialistische Welt, die sich an Erfolgszahlen mißt und keine höhere Erlebniswelt mehr kennt. Der Tod habe heute keine Dramatik mehr, bedauert Mishima zutiefst. „Wir leben in einem Zeitalter, in dem es keinen heroischen Tod mehr gibt.“ Er hält die Vorstellung, daß man nur um seiner selbst willen leben kann, „für offenkundig vulgär“. Wenn man keinen höheren Wert finde, der sich selbst transzendiert, werde das Leben selbst, in einem spirituellen Sinne, bedeutungslos.

Im heroischen Sterben in der Tradition der Samurai, dem rituellen seppuku, sieht Mishima dieses Ideal vollendet. Kunst und Tat bilden hier eine Einheit, und Mishima versucht auch die eigene Persönlichkeit danach zu formen. Er weiß: das größte Geheimnis des Lebens liegt in einer simplen Botschaft, die auch heutzutage nichts von ihrer Bedeutung verloren hat: Wenn du dich so verhältst, wie du wirklich sein willst, dann wirst du dich auch zu dieser Person entwickeln. Er sieht sich zunächst als Künstler und als sich die Dinge in ihm zu entwickeln beginnen, fängt er damit an, sich selbst auf andere Weise zu betrachten. Sein Leben und die Kunst verschmelzen.

Kurzgeschichte nimmt Mishimas Tod vorweg

Der eigenen Todessehnsucht nähert sich Mishima am prägnantesten in der Kurzgeschichte „Patriotismus“, die vom gemeinsamen feierlichen Suizid eines jungen Offiziers und seiner Ehefrau erzählt. Der blutige Akt des seppuku vollzieht sich dabei detailliert in einer gewaltigen Sprache über mehrere Seiten hinweg.

Sein eingeschlagener Weg führt Mishima schließlich auch in den politischen Aktivismus. Ein knappes Jahr bevor der Schriftsteller den Umsturz probt, ist er an der Universität von Tokio zu Gast. Mishima nimmt an einer Diskussion mit linksradikalen Studenten teil, den zengakuren, die sich im Januar 1969 tagelange Straßenschlachten mit der Polizei geliefert hatten. Das Auditorium platzt aus allen Nähten, niemand will sich dieses Spektakel entgehen lassen.

Mishima tritt von der ersten Minute an völlig schmerzbefreit auf: „Ob links oder rechts – ich bin für Gewalt“, ruft er in den verrauchten Saal hinein. Auch wenn die Anwesenden es nicht glauben mögen: „Wir haben viel gemeinsam“, versucht er die Brücke zu den marxistischen Studenten zu schlagen. „Eine rigorose Ideologie und eine Neigung zur Gewalt. Ich glaube an eure Leidenschaft.“ Bislang könnten sie sich einander lediglich zulächeln, „aber wir dürfen uns nicht küssen“. Dabei ständen die Studenten und er praktisch für dasselbe ein, hätten dieselben Karten auf dem Tisch. Nur habe er noch einen Joker, fügt Mishima geheimnisvoll hinzu: „Den Kaiser.“ Doch welche Rolle spielt der tenno für ihn?

„Tennō heika banzai!“

Schon im Januar 1946 hatte Kaiser Hirohito in der Neujahrsansprache seine eigene Göttlichkeit verneint und damit die japanische Kriegsniederlage auch kulturell und seelisch zementiert. Dieser Tiefpunkt, der Tod Gottes, der seit Friedrich Nietzsche bereits die Abendländer verzweifeln ließ, traf die japanische Gesellschaft mit voller Wucht. Zwar war der tenno kein metaphysisches Wesen, doch die Transzendenz, die er verkörperte, war kaum zu leugnen. Die Gedanken der Nation liefen unmittelbar in ihm zusammen. All dies zersplitterte und an die Stelle seiner Person trat die zerstreute Existenz des einzelnen, die Mishima so sehr ablehnte.

Am 25. November 1970 fordert er also auf dem Balkon nichts Geringeres als die Wiedereinsetzung des Kaisers. Er beschwört den nationalen Geist, verweist auf das militärische Ideal Japans, warnt vor der Dekadenz der Moderne. Doch die Soldaten lachen ihn nur aus, die Zeiten sind längst andere. „Komm herunter! Das genügt!“

An einen Erfolg seines grotesken Schauspiels hat Mishima ohnehin nicht gelaubt. „Tennō heika banzai!“ (Lang lebe der Kaiser!) ruft der Schriftsteller in den Himmel und kehrt zurück ins Büro des Generals. Ruhig und gelassen knüpft er seine Uniform auf. Nun beginnt der letzte Akt seines Lebens. Er nimmt das katana, rammt es sich unterhalb des Nabels in den Bauch und schneidet – wie das heilige seppuku-Ritual es verlangt – quer durch seine Eingeweide. Stöhnend sackt er zusammen. Anschließend enthauptet einer der jungen Begleiter – er braucht hierfür drei Versuche – seinen Anführer mit einem Schwerthieb.

JF 48/20

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