Zahlreiche Politiker haben Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in der Affäre um ihren Doktortitel dazu aufgefordert, ihr Amt niederzulegen. „Stellt sich heraus, daß sie getäuscht hat, bleibt ihr nur der Rücktritt“, sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki der Bild-Zeitung. Es gebe keinen logischen Grund, warum bei ihr andere Maßstäbe gelten sollten als bei Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

Kritik kommt auch aus der eigenen Partei. Giffeys Erklärung, auf das Führen ihres Titels zu verzichten, komme „viel zu spät, um mit Anstand aus der Nummer rauszukommen“, betonte Heinz Buschkowsky (SPD) gegenüber Bild. Ihr bleibe eigentlich nichts anderes übrig, „als die Konsequenzen zu ziehen, die sie selbst vor gut einem Jahr angekündigt hat“. Damals hatte die Politikerin einen Rücktritt in Aussicht gestellt, falls die Freie Universität (FU) Berlin ihr den Titel aberkennen sollte.

Auch der wissenschaftspolitische Sprecher der Berliner AfD-Fraktion, Martin Trefzer, forderte den Rücktritt der Ministerin und stellte fest: „Giffeys Verzicht auf den Doktortitel kommt zu spät und entspringt rein taktischen Überlegungen“. Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz (CDU), zeigte sich „sehr gespannt, ob bei der SPD-Ministerin die gleichen Maßstäbe angelegt werden wie in den Fällen Guttenberg und Schavan.“

Giffey verzichtet auf Doktortitel

Giffey hatte am Freitag erklärt, auf ihren Doktortitel zu verzichten. „Ich bin nicht gewillt, meine Dissertation und das damit verbundene nun neu aufgerollte Verfahren weiter zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zu machen“, schrieb sie in einem Brief an die Freie Universität Berlin.

Sie werde den 2010 an sie verliehenen Titel „Dr. rer. pol.“ nicht mehr führen, um „weiteren Schaden von meiner Familie, meiner politischen Arbeit und meiner Partei abzuwenden“. „Wer ich bin und was ich kann“, sei nicht von dem Titel abhängig. „Was mich als Mensch ausmacht“, liege nicht an dem akademischen Grad.

Ihre Arbeit als Familienministerin werde sie fortsetzen, betonte Giffey. Ebenso werde sie beim Parteitag der Berliner SPD als Landesvorsitzende antreten. „Ich kandidiere beim digitalen Parteitag am 27. November für den Landesvorsitz der Berliner SPD und freue mich darauf, im nächsten Jahr gemeinsam mit den Berliner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten einen engagierten Wahlkampf zu führen“, teilte sie am Freitag mit.

Berliner SPD stellt sich hinter Giffey

Zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin äußerte sich die Ministerin nicht. Zusammen mit dem Berliner SPD-Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh soll Giffey allen Erwartungen nach im Dezember zur neuen Doppelspitze des Landesverbands gewählt und als Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl bestimmt werden.

Die SPD Berlin bekannte sich in der Plagiatsaffäre zu der 42jährigen. „Großer Respekt vor deiner Entscheidung, liebe Franziska Giffey. Wir stehen solidarisch an deiner Seite“, schrieb die Partei am Freitag auf  Twitter.

Die FU plant eine erneute Überprüfung

Die FU Berlin hatte Giffey vor einem Jahr eine Rüge erteilt, nachdem bei einer Überprüfung ihrer Dissertation wissenschaftliche Mängel festgestellt wurden. Die Universität entzog ihr jedoch nicht den Doktortitel in Politikwissenschaft. Nach einem neuen Gutachten hatte die FU vergangene Woche allerdings bekanntgegeben, ihre Entscheidung zu überprüfen. Diesem Verfahren wollte sich Giffey anscheinend nicht stellen.

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Annette Schavan (CDU) waren 2011 beziehungsweise 2013 als Minister zurückgetreten, als ihnen der Doktortitel aberkannt worden war. (gb)

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KÖLN/MANNHEIM. Im Streit um die Entlassung eines Offiziers des Kommandos Spezialkräfte (KSK) hat die Bundeswehrführung eine weitere juristische Niederlage kassiert. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg wies eine Beschwerde des Personalamts der Bundeswehr zurück und bestätigte damit den Beschluß des Verwaltungsgerichts Sigmaringen.

Das hatte als erste Instanz in dem Fall Ende Juli entschieden, daß die Gründe, die das Personalamt angeführt hatte, nicht ausreichen, den Berufssoldaten nach über 30 Dienstjahren zu entlassen. Der Oberstleutnant und frühere Leiter der Kommandoausbildung am Standort des KSK in Calw, dem Ende Januar vergangenen Jahres vom Kommandeur der Division Schnelle Kräfte die Ausübung des Dienstes und das Tragen der Uniform verboten worden war, erhielt danach rückwirkend wieder sämtliche Bezüge. Dies hat nun das höchste Verwaltungsgericht Baden-Württembergs mit seinem Beschluß bestätigt.

Zuvor hatte der Stabsoffizier schon einen juristischen Erfolg gegenüber seinem Dienstherrn vor dem zuständigen Truppendienstgericht erzielt, das bereits seine Suspendierung wegen kritischer Äußerungen in sozialen Netzwerken über die Asylpolitik für Unrecht erklärt hatte. Den aktuellen Beschluß des Mannheimer Verwaltungsgerichtshofs werten Beobachter als Hinweis darauf, daß der KSK-Offizier auch im Hauptsacheverfahren gute Chancen hat, einen juristischen Erfolg gegen das Personalamt der Bundeswehr und damit gegen das Bundesverteidigungsministerium zu erzielen. (vo)

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Die zarten, ausgefransten Eiswolken stehen hoch am Himmel. Ein scharfer Wind fegt über die noch satten grünen Wiesen und zerrt das welke Laub von den Bäumen, die auf sanften Hügeln stehen. Die Sonne scheint. Die Luft ist glasklar. Der Blick von den Seelower Höhen reicht über das Oderbruch und den Strom bis weit nach Osten. „Das müssen Sie hier erst mal im Frühjahr sehen“, schwärmt Joachim Kozlowski, „ein Meer von Adonisröschen, einfach wunderbar.“

Vor 75 Jahren war das hier allerdings ein wahres Schlachthaus – soweit das Auge reichte. Die Erde bebte, russische Bomben und Granaten zermalmten deutsche Verteidigungsstellungen. Verbissener Kampf um jeden Zentimeter Erde auf beiden Seiten. Eine Million sowjetische gegen 130.000 deutsche Soldaten. Teilweise blutjung. Jahrgang ‘25, ‘26, ‘27 ist auf den Grabkreuzen der Deutschen Kriegsgräberstätte Lietzen zu lesen. Kozlowski hat viele derer, die in der größten Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden gefallen sind, bestattet. Seit zehn Jahren arbeitet er für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge als hauptamtlicher Umbetter. Er ist der einzige.

„Joachim, das ist ein Notfall, eine Baustelle ruht.“ Kozlowski steht an einem Mittwoch Anfang November gerade bei Franz Kemmel (26) im Garten in Alt Zeschdorf, als ihn die Einsatzzentrale der Kriegsgräberfürsorge in Kassel alarmiert. Eben noch füllte er einen Plastikeimer mit Knochen. Der junge Mann hatte beim Ausschachten und Abdichten des Sockels der Hausaußenmauer Gebeine gefunden. „Da habe ich schon einen Schreck bekommen“, erzählt Kemmel. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Sofort alarmierte er die Polizei.

Knochen von Kriegstoten.
Knochen von Kriegstoten. Foto: JF

Die Gebeine von vermutlich sechs Wehrmachtssoldaten hatte Kozlowski teils schon am Montag geborgen, dazu Helme, Kochgeschirr und Erkennungsmarken. Doch durch den starken Regen war es nicht möglich, weiterzuarbeiten. Immer weitere Überreste treten jetzt, nachdem das Wasser im Schacht versickert und ausgepumpt ist, zutage. „Ich muß jetzt mal schnell nach Frankfurt (Oder)“, sagt Kozlowski dem Hauseigentümer. „Ich komme nachher wieder.“

„Tote findet man hier überall“ 

„Eine Baustelle, die ruht, heißt Geldverlust für die Gewerke. Da müssen wir schnell reagieren“, erklärt Kozlowski die Situation und gibt Gas. Sein Geländewagen, ein schwarzer Mitsubishi-Pickup, schluckt die schlechten Straßen einfach weg. „Solch ein Fahrzeug ist hier Gold wert. Ich muß durch unwegsames Gelände, auch mal einen Bagger abschleppen können. Da bringt hier ein normaler Kombi gar nichts.“ Unter einer Brücke stoppt er. „Die ist ein Neubau. Bei den Abbrucharbeiten der alten Ziegelbrücke entdeckten wir Skelette.

Es waren Wehrmachtssoldaten. Alle schwer bis schwerstverletzt, wie sich später rausstellte. Die hatten sich vor den Russen in einen Tunnel, hier an der Brücke, gerettet. Die Russen gingen mit einem Flammenwerfer ran.“ Nach einer Minute des Schweigens meint er dann: „Oftmals frage ich mich, über wie viele unentdeckte Tote wir hier fahren. Es kann doch nicht sein, daß wir hier einfach auf den Toten rumtrampeln. Es kann nicht sein, daß wir heute sagen, das ist 75 Jahre her, das ist nicht mehr wichtig.“

Während der Fahrt nach Frankfurt telefoniert er mit der Polizei und dem Bauleiter, kündigt sein Kommen an und bespricht den Ablauf. 30 Minuten später stoppt Kozlowski in der Kieler Straße. „Ich bin der Umbetter“, stellt er sich den wartenden Bauarbeitern vor. „Wo ist der Tote?“ Der Bauleiter David Liebenau von der Firma Kesslau zeigt ihm die Stelle. „Wir sollen hier die Trinkwasserleitungen anschließen. Und heute morgen hat der Bagger plötzlich einen Schädel, einen Armknochen und Rippen in der Schaufel. Da habe ich natürlich gleich die Polizei alarmiert.“ Für Liebenau ist das nichts Ungewöhnliches. „Sicherlich schon das fünfte Mal. Tote findet man hier überall, viel Volkssturm, dabei allerdings auch Munition.“

Ein Wehrmachtshelm bringt 150 Euro auf Ebay

Beim Toten von der Kieler Straße ist nichts dabei. Keine Erkennungsmarke, kein einziger Knopf. Mit einem Metalldetektor, der denen vom Zoll auf den Flughäfen gleicht, prüft Kozlowski die einzelnen Erdschichten. Vorsichtig sticht er mit einem Spaten, „den habe ich mir mal in der Ukraine gekauft, der ist unverwüstlich“, in den Boden, dann schiebt er mit einer kleinen Schaufel den Sand waagerecht weg. Immer wieder dreht er Sand- und Lehmkugeln prüfend in der Hand, zerdrückt sie, um wirklich sicherzugehen, daß es kein Knopf, Orden oder eine Münze ist. Sondieren, graben. Kozlowski wird warm, die Arbeit ist körperlich anstrengend, er zieht die Jacke aus, hängt sie über den Bauzaun. Ein Minibagger der Firma rollt an, schaufelt die vorstehenden Hänge vom Rand der Grube, damit Kozlowski sicher weiterarbeiten kann und keine Erde nachrutscht.

Endlich stößt der Umbetter auf eine Beckenschaufel, dann einen Oberschenkelknochen. „Der Tote liegt horizontal, die Arme am Körper, er wurde ordentlich bestattet“, sagt Kozlowski. Er gräbt weiter, sucht Unterschenkel und Fußknochen, findet sie. „Niemals aufhören, wir bergen den ganzen Menschen, das sehe ich als meine Pflicht an. Meines Erachtens erhalte ich ihm so seine Würde.“ Später schaut er sich noch an der Baustelle die Überreste an. „Die Zähne haben keine Amalgamfüllungen, aber einen starken Abrieb. Ich vermute mal, daß er ein osteuropäischer Zwangsarbeiter war.“ Ein Bauarbeiter, der interessiert zugeschaut hat und auch treffsicher einige Knochen identifizieren konnte, scheint enttäuscht. Er habe einen Kumpel, der sucht nach toten Soldaten. „So“, fragt Kozlowski, „wie heißt der denn?“ „Nee, verrate ich nicht“, sagt der junge Mann.

Kozlowski bei einem frisch aufgefundenen Skelett in Frankfurt an der Oder.
Kozlowski bei einem frisch aufgefundenen Skelett in Frankfurt an der Oder. Foto: JF

„Die Nachtschicht“, nennt Kozlowski diese Grabräuber. „Das sind Polen, Deutsche, Russen und auch Holländer. Die suchen nur nach Helmen, Schädeln und Orden. Damit zerstören sie die Grablagen, eine Identifizierung der Toten machen sie für uns unmöglich.“ Ein Wehrmachtshelm bringt 150 Euro auf Ebay. „Mit Schädel noch ein Vielfaches. Es ist vorgekommen, daß die sogar extra mit Handbohrern durch Helm und Schädel bohren, um einen Kopfschuß vorzutäuschen.“ Kozlowski erzählt das mit hörbarem Widerwillen. 

Sammler schwärmen von ihren Erkennungsmarken

Dabei benötigt der Volksbund ehrenamtliche Helfer, die recherchieren und dokumentieren. Deshalb hält Kozlowski auch Vorträge, zum Beispiel bei Militariatreffen. „Und da schwärmen dann Sammler von ihren vielen Erkennungsmarken. Manche haben 200 Stück im Setzkasten – 200 Soldaten der Identität beraubt. Das sind dann diese Leute, die uns anfragen, ob sie uns bei der Arbeit unterstützen können. Und dann wollen sie doch nur ein sogenanntes Andenken von der Grabung und Fotos. Solche Leute können wir nicht gebrauchen.“

Nach rund zwei Stunden sind die Knochen des Toten geborgen. Kozlowski dokumentiert dessen Lage mit einem Metermaß, macht Fotos für die Akten und die Polizei. Dann geht es zurück ins Gebeinhaus nach Lietzen. In der schmucklosen rechteckigen Halle trocknen die Gebeine. Erst später können sie in die schwarzen Pappsärge, die Kozlowski selber zusammenfaltet und tackert, gelegt werden. „Die schimmeln sonst.“ Auf einer kleinen Werkbank mißt er jetzt den Oberschenkelknochen des Toten aus Frankfurt (Oder) ab: 49 Zentimeter. „Danach müßte der Mann 1,76 Meter groß gewesen sein.“ Alle Informationen über ihn, wie von jedem Toten, dokumentiert Kozlowski und meldet sie an eine Abteilung des Bundesarchivs.

In einer Petrischale auf dem Schreibtisch liegt seit drei Tagen eine Erkennungsmarke in einer Flüssigkeit aus Widder-Kalkfrei und ein paar Zusatzstoffen. „Welche, verrate ich nicht, ist meine Geheimrezeptur. Den Kalkreiniger kann ich aber wirklich empfehlen“, schmunzelt Kozlowski.

Zeugen der letzten Stunden eines Menschen 

Ortswechsel – Halbe, 60 Kilometer südöstlich von Berlin in Brandenburg. Neben der alten schmucken Kirche ist im alten Schulhaus der Landesverband Brandenburg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge untergebracht: Oliver Breithaupts Arbeitsplatz. Der Architekt und Landschaftsplaner ist Geschäftsführer des Volksbundes Brandenburg. Kozlowski hat eine graue Hartplastikkiste mitgebracht, in der liegen drei Stahlhelme, zwei Wasserflaschen, der Deckel eines Kochgeschirrs. „Die habe ich für eine Ausstellung zusammengestellt. Hier schauen Sie“, sagt Kozlowski, „das war ein Kopfschuß“, und zeigt auf ein kleines Loch an der rechten Vorderseite des Helms, der mit rostigen Erdanhaftungen verkrustet ist. „Der hatte keine Chance, war sofort tot.“ In den Deckel des Eßgeschirrs ist ein Buchstabe eingekratzt. „Das wurde oft gemacht. Wir haben schon Stahlhelme mit kompletten Namensschildchen gefunden.“ 

All diese Dinge erzählen Schicksale. Sind Zeugen der letzten Stunden, Minuten und Sekunden eines Menschen. Eines gefallenen Soldaten. Seit 1991 wurden 300.000 Kriegstote in Brandenburg entdeckt. Der Kessel von Halbe war ein Teil der Schlacht um Berlin. Hier fielen innerhalb von nur fünf Tagen, vom 24. bis 28. April 1945, 30.000 deutsche Soldaten, mehr als 50.000 deutsche Soldaten wurden gefangengenommen. 10.000 deutsche Zivilisten sollen hier ums Leben gekommen sein.

„Nie wieder Krieg“ steht auf einem Denkmal.
„Nie wieder Krieg“ steht auf einem Denkmal. Foto: JF

Die Verluste der Roten Armee scheinen dagegen im Verhältnis gering: rund 20.000 Tote. „Mit den Zahlen muß man allerdings vorsichtig sein“, warnt Breithaupt. „Auf den Trecks zum Beispiel wurden ja keine Verlustlisten geführt“, ergänzt Kozlowski. „Und die Russen haben die Zahl der Gefallenen aus Propagandagründen extra niedrig gehalten.“ Aktuell liegen auf dem Friedhof von Halbe mehr als 26.000 Tote: Soldaten und Zivilisten, Kriegsgefangene und Opfer des sowjetischen Geheimdienstes NKWD aus dem Speziallager Nr. 5 Ketschendorf bei Fürstenwalde/Spree.

„Sie müssen sich die damalige Situation hier vorstellen, ich habe noch mit Zeitzeugen gesprochen“, sagt Oliver Breithaupt. „Überall Tote, die Bäume hingen voll mit Leichenteilen, darauf Schwärme von Fliegen. Es war die Aufgabe auch von Mädchen und Frauen, die Toten zu vergraben, an Ort und Stelle. Die wurden dazu von den Russen verdonnert. Dabei hatten sie große Angst, von den Russen verschleppt oder vergewaltigt zu werden. Die Russen hatten wiederum Angst vor Seuchen, immerhin drohte ein heißer Sommer. Ganz anders die Situation der Frauen aus Berlin. Aus Furcht vor dem Hungertod zog es sie wiederum nach Halbe zum „Verbuddelngehen“. Denn für das Verscharren der vielen Toten wurden sie mit Lebensmittelkarten bezahlt. Identifiziert wurden die Toten natürlich nicht.

Ein offizielles Totengedenken gab es in der DDR nicht 

„1948“, so steht es in den Aufzeichnungen von Ernst Teichmann, dem Pfarrer vom Waldfriedhof Halbe, „verlangte die Verwaltung des für Halbe zuständigen Landkreises Teltow von allen Gemeinden, die Kriegstoten auf Friedhöfe umzubetten.“ Die kleine Gemeinde Halbe war damit überfordert. „Die evangelische und auch die katholische Kirche wollten eine zentrale Kriegsgräberstätte errichten, was die Landesregierung in Potsdam verbot, allerdings beschloß sie, selbst einen zentralen Friedhof für die Deutschen in Halbe anzulegen.“

Es ist Teichmann zu verdanken, daß er sich frühzeitig an die Zeitzeugen wandte und um Hinweise auf die Gräber bat, er setzte sich auch für die Identifizierung der Toten ein. „In der DDR war diese Arbeit erschwert“, sagt Breithaupt. „Ein offizielles Totengedenken, eine Grabpflege und eine Angehörigenbetreuung wie im Westen durch den Volksbund, gab es hier nicht. Deshalb ist es nur privaten und kirchlichen Initiativen zu verdanken, daß viele Kriegsgräber erhalten geblieben sind.“

Zeitzeugen benötigt der Umbetter immer noch für seine Arbeit. Frauen sind ihm da lieber als Männer. „Wenn eine Frau mir sagt, da und da liegt ein Toter, ist auf ihre Aussage Verlaß.“ Beim Auffinden helfen ihm alte Meßblätter, auf denen noch die Feldwege eingezeichnet sind, die später überackert wurden, sowie Senkrechtluftbilder.

Die Gedenkstätte Seelöwe Höhen.
Die Gedenkstätte Seelöwe Höhen. Foto: JF

„Im Grunde sollten die Frauen ein Ehrenmal bekommen“

Doch manchmal kann auch der Volksbund nicht helfen. „Ein älterer Herr rief vor einiger Zeit an und fragte, ob wir ermitteln könnten, was aus seiner Mutter geworden sei“, erzählt Kozlowski. „In den letzten Apriltagen waren beide ins Forsthaus Halbe geflüchtet. Die Mutter war am Bein verletzt. Sie muß gewußt haben, daß sie stirbt. Ihren Sohn wollte sie retten. Sie kämmte ihm also die Haare und zog ihn ordentlich an. Dann befahl sie ihm, sich an die Straße zu stellen, in der Hoffnung, daß ein Mensch sich seiner annehmen und ihn aus Halbe in Sicherheit bringen würde.“ Irgendein Mensch muß in diesem Wahnsinn ein Herz gehabt haben, der Junge überlebte, doch die Mutter ist verschollen. „Es ist bei den toten Frauen ein Problem, daß wir sie gar nicht identifizieren können“, sagt Breithaupt. „Dabei dürfen wir nicht vergessen, daß immerhin 30 Prozent der Toten in Halbe auf dem Friedhof Zivilisten sind. Im Grunde sollten die Frauen ein Ehrenmal bekommen, doch auf ihren Grabstein können wir nur schreiben: eine Unbekannte.“

Der Volksbund arbeitet eng mit der Bundeswehr zusammen. Bei feierlichen Begräbnissen sind Minister und Bundespräsidenten anwesend. Kränze liegen von ausnahmslos allen Parteien an den Reihengräbern. Doch der Umgang mit den eigenen Kriegstoten ist in Deutschland immer noch problematisch. „Es gibt Bürgermeister, die rufen an und sagen, schaffen Sie hier die SS weg“, erzählt Breithaupt. „Es geht doch hier nicht um Verurteilung“, meint Kozlowski, „es geht um Verlust und Trauer. Diese Gefühle müssen wir zulassen, sonst wird die Trauer um die eigenen Toten in Deutschland niemals abgeschlossen sein.“

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Programme für den Kampf gegen Islamismus und Islam-Terror haben nach der Serie blutiger Terroranschläge in Paris, Nizza und Wien Konjunktur. Sogar ein Robert Habeck spricht sich nunmehr für „Null-Toleranz“ gegenüber islamistischen Gefährdern aus. Das ist bemerkenswert; galten doch seiner Partei und ihrer Klientel solche Forderungen bislang eher als „rechtspopulistisch“ und „islamfeindlich“.

Sollten den Worten diesmal auch Taten folgen, wäre das immerhin ein Anfang. Haßprediger und Gefährder aus unserer Mitte zu entfernen, radikal-islamische Vereine und Moscheen zu schließen und ihnen die finanzielle und ideologische Munitionierung aus dem Ausland zu verwehren, ist zweifellos ein notwendiger Schritt im Kampf gegen den Islamismus und die Quellen des Islam-Terrors.

Aber damit ist es noch lange nicht getan. Das Substrat für den islamischen Terror, der in Deutschland und zahlreichen weiteren westeuropäischen Ländern zur alltäglichen und allgegenwärtigen Bedrohung geworden ist, läßt sich nämlich nicht auf eine begrenzte Zahl von Gefährdern, Aufhetzern, extremistische Islamvereine und radikalisierte und vom Ausland finanzierte Moscheegemeinden reduzieren.

In der islamistischen Gegenwelt gedeiht der Terror

In den nach Millionen zählenden muslimischen Bevölkerungen Deutschlands und Westeuropas hat sich eine islamistische Gegenwelt formiert. Zwei Drittel der Muslime in Europa halten ihre religiösen Regeln für wichtiger als die Gesetze des Landes, in dem sie leben, hat der niederländische Sozialwissenschaftler Ruud Koopmans in einer sechs Länder umfassenden Studie festgestellt.

In dieser Parallelwelt, in der die fundamentalistischen Auffassungen der Terroristen breite Sympathie genießen und auch von einer Vielzahl derer geteilt werden, die selbst nicht zur Tat schreiten, können sich radikale Islamisten, Terroristen und Gefährder frei bewegen und schwimmen wie der Fisch im Wasser. Und sie können in diesem wachsenden und von außen laufend mit neuen Sympathisanten versorgten Gegenuniversum jederzeit Unterstützer und Mitkämpfer rekrutieren.

Das unterscheidet den islamischen Terror von rechtsextremistisch motivierter Gewalt, die Politik und Medien als größte Bedrohung für Freiheit und Demokratie hinstellen wollen. Rechtsextremer Terror ist, allen gegenläufigen Behauptungen zum Trotz, gesellschaftlich und auch im eigenen Lager isoliert und geächtet. Der islamische Terror ist ungleich gefährlicher, weil er sich über die muslimischen Gegengesellschaften schon aufgrund der schieren demographischen Dynamik immer tiefer in die Gesellschaft hineinfrißt.

Grün-linke Sozialpädagogik hat versagt

In den Jubelorgien, die die sozialen Netzwerke nach jedem Terrorakt weitgehend unwidersprochen fluten, blitzt diese Dynamik ebenso auf wie in der Weigerung ganzer Schulklassen, an einer Gedenkminute für den zum Märtyrer der Meinungsfreiheit gewordenen französischen Lehrer Samuel Paty teilzunehmen, weil dessen Mörder für sie ein Held ist.

Daraus folgt in unerbittlicher Logik: Wer es ernst meint mit der Bekämpfung des islamischen Terrors, der muß ihm den Nährboden entziehen; der muß sich den islamischen Parallelgesellschaften entgegenstellen und den Willen aufbringen, das für die freiheitliche Republik bereits verlorene Gelände zurückzuerobern. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist zumindest rhetorisch inzwischen bei dieser Konsequenz angekommen.

Der Kampf gegen Islamismus und Islam-Terror ist Teil eines Kampfes der Kulturen, bei dem es um die Macht über Europa geht und darum, welche Rechts- und Werteordnung hier künftig gelten soll. Diesen Kampf können die europäischen Staaten nicht an die Sicherheitsbehörden delegieren und ansonsten alles weiterlaufen lassen.

Es reicht auch nicht, schöne Dinge in Lehrpläne zu schreiben und die Schulen als Reparaturbetrieb für falsche Einwanderungspolitik zu mißbrauchen, wenn die Lehrer anschließend allein auf verlorenem Posten stehen. Und die grün-linken Patentrezepte der Sozialpädagogik sind eine Lachnummer, wenn die Attentäter von Wien und Dresden angeblich erfolgreich an „Deradikalisierungsprogrammen“ teilgenommen haben und danach mit Messer und Sturmgewehr zum Dschihad ausrücken.

Es geht um das Überleben unserer Zivilisation

Um das Blatt zu wenden und den Kampf der Kulturen gegen den radikalen und erobernden Islam zu gewinnen, müssen die Europäer sich von der Illusion der multikulturellen Gesellschaft verabschieden, die den Migranten als Betreuungsobjekt und Projektionsfläche für gesellschaftliche Utopien mißbraucht, das Eigene verleugnet und importierten feindseligen Ideologien Narrenfreiheit einräumt.

Sie müssen auf warnende Stimmen wie die von Ayaan Hirsi Ali hören und als ersten Schritt die weitere Einwanderung aus muslimischen Ländern sofort und vollständig beenden. Sie müssen zweitens allen hier lebenden Moslems, eingebürgert oder nicht, die klare Ansage machen: Es gibt keine Sonderrechte, wer die hier geltende Rechts- und Werteordnung nicht ausnahmslos akzeptiert, der muß gehen. Und sie müssen drittens die Kollaboration mit den großen Islamverbänden beenden, die das Individualgrundrecht der Religionsfreiheit für den Anspruch pervertieren, einen Staat im Staate zu errichten.

Die „Deutsche Islamkonferenz“ steht paradigmatisch für das Scheitern Deutschlands im Kampf gegen den Islamismus: Während andere europäische Länder Razzien gegen die „Muslimbrüder“ durchführen, sitzt der deutsche Innenminister mit ihren Marionetten am virtuellen Konferenztisch und vergrault loyale Persönlichkeiten wie Hamed Abdel-Samad, der seine Mitarbeit in der Konferenz gekündigt hat, weil er nicht länger als Feigenblatt herhalten will. Auch dieser Warnschuß wird wohl ungehört verhallen. Es geht um das Überleben unserer Zivilisation – doch die deutsche Politik sendet aus Bequemlichkeit weiter Signale der Unterwerfung.

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht noch keine wesentlichen Erfolge des Teil-Lockdowns. „Wir werden zumindest in den nächsten vier bis fünf Monaten mit erheblichen Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen leben müssen“, meint er.

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Die große „Great Reset“-Konferenz sollte eigentlich im Januar 2021 stattfinden. Doch sie wurde auf den Monat Mai 2021 verschoben.

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Kleine und mittlere E-Händler leiden derzeit unter der zunehmenden Zahl von “Spaßkäufern”. Dies sind Kunden, die ohne Kaufabsicht Ware bestellen und dadurch Schäden bei den Firmen anrichten. Ralf Armbrüster, Geschäftsführer vom Online-Vermarkter intellicon, erklärt, wie groß das Problem mittlerweile ist.

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Die Hamburger Umweltbehörde will sich von der Steinkohle verabschieden und die Lücke mit Brennholz aus Namibia schließen.

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Riesen Skandal aufgedeckt: Covid-19-Impfung zerstört unser Immunsystem nachhaltig

Laut einer Studie, in der untersucht wurde, wie die Einwilligungserklärung für die Teilnahme an der COVID-19-Impfstoffstudie erteilt wird, werden die Freiwilligen in den Offenlegungsformularen nicht darüber informiert, dass der Impfstoff sie für eine schwerere Krankheit empfänglich machen könnte, wenn sie dem Virus ausgesetzt sind. von Dr. Joseph Mercola Die Studie Informed Consent Disclosure to Vaccine […]

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