Die Welt atmet auf. Trump ist abgewählt. An Bidens Einzug in das Weiße Haus bestehen kaum noch Zweifel. Folgt man dem herrschenden „Narrativ“, hat damit der Gute gesiegt und der Böse verloren. Vorbei ist es mit der Herrschaft eines alten weißen Mannes, der nicht nur häßlich, sondern auch gierig, rücksichtlos, sexistisch und rassistisch war.

Jetzt kommt einer, der zwar noch älter und auch weiß und auch ein Mann ist, aber hinter ihm steht als Reserve eine jüngere Frau bereit, die man uns als „schwarz“ präsentiert. Also sieht die Zukunft strahlend aus, und man kann sich endlich den wichtigen Themen zuwenden: Mehr Diversität, mehr Klimaschutz, mehr Maske, mehr Umverteilung.

Wer diese Einschätzung nicht teilt, wird zügig einer Minderheit zugeordnet. Einer Minderheit, die keinesfalls schutzwürdig ist. Allerdings umfaßt sie in den USA wenigstens 70 Millionen Trump-Wähler.

Trumps Mobilisierungskraft überraschte Demokraten

Ohne Zweifel haben sie für ihren Kandidaten gestimmt. Was man bei einem Großteil der Biden-Anhänger nicht voraussetzen darf. Diese buntscheckige, in vielem tief zerstrittene Allianz hat vor allem zusammengehalten, daß es gegen Trump ging. Überzeugt, in eine letzte Schlacht zu ziehen, sahen sich die Demokraten allerdings durch die außerordentliche Mobilisierungskraft des Feindes überrascht.

Trump hat nicht nur die absolute Zahl der für ihn abgegebenen Stimmen erhöht – um sieben bis zehn Millionen Voten gegenüber 2016 –, sondern auch in jenen Bevölkerungsgruppen zugewonnen, die für jemanden eigentlich unerreichbar sein müßten, der systematisch in den Ruch des „Suprematismus“ gebracht wurde: Bei dieser Wahl entschieden sich 36 Prozent der männlichen und 32 Prozent der weiblichen Hispanics für Trump, 18 Prozent der schwarzen Männer (gegenüber 13 Prozent im Jahr 2016) und acht Prozent der schwarzen Frauen (gegenüber vier Prozent im Jahr 2016); nebenbei bemerkt: mehr als jeder republikanische Präsidentschaftskandidat seit den 1960er Jahren erreicht hat.

Damit ist nicht bestritten, daß Trump zuerst der Kandidat der Weißen war und Biden eine Regenbogenkoalition verschiedener ethnischer Gruppen geschmiedet hat. Sein Versuch, als „Middleclass Joe“ auch für den weißen Jedermann attraktiv zu wirken, zeitigte schon deshalb nur begrenzten Erfolg.

Biden muß mit Widerstand rechnen

Das Mißtrauen gegen ihn war zwar nicht so stark wie das gegen seine Vorgängerin Hillary Clinton. Aber es blieb doch bei vielen ein tief verwurzelter Affekt, ein Widerwille gegen Biden, der auf dem Verdacht beruhte, er repräsentiere eine Klasse, deren Angehörige kosmopolitisch, gottlos, unamerikanisch, auf staatliche Regulierung und hohe Steuern versessen und wahrscheinlich korrupt sind.

Schon deshalb muß Biden als Präsident mit einem Widerstand rechnen, dessen Aggressivität dem kaum nachstehen dürfte, was Trumps Gegner in den letzten vier Jahren organisierten. Das heißt, selbst für den Fall, daß Trump und mit ihm der „Trumpismus“ in der Versenkung verschwinden, wird das, was man „Populismus“ nennt, ein entscheidender Faktor in der US-Politik bleiben.

Der Wunsch nach Rache dürfte eine Rolle spielen, aber auch die Menge der wirtschaftlichen Probleme, die fortbestehen und durch die Corona-Krise weiter verschärft werden. Den Ausschlag könnte allerdings geben, was der Schriftsteller Richard Ford süffisant die Angst des amerikanischen Durchschnitts vor dem „Dschungel“ genannt hat.

Gemeint ist die Wahrnehmung vieler US-Bürger, daß ihr Land vom Chaos bedroht wird, das unkontrollierte Einwanderung und wachsende Kriminalität, Zusammenbruch der öffentlichen Sicherheit und flächendeckende Verwahrlosung heraufbeschwören. Die Ursache dieses Niedergangs liegt ihrer Meinung nach in der Entfremdung des Establishments vom traditionellen Wertesystem.

Überwindung der Spaltung schwer vorstellbar

Die Elite hat den patriotischen Konsensus aufgekündigt. Ein Vorgang, an dem die Medien maßgeblich beteiligt waren. Daß sie sich mehrheitlich auf die Seite Bidens stellten, überraschte deshalb kaum. Denn aus der Sicht der Anhänger Trumps nutzt die Masse der Zeitungen, Zeitschriften, Magazine, Fernseh- und Radiosender sowie der Sozialen Netzwerke ihren Einfluß längst nicht mehr zum Zweck der Information und Berichterstattung, sondern um Propaganda zu treiben und diese konsequent gegen ihren Mann zu richten.

Douglas Murray sprach davon, daß Trump vielleicht der amerikanische Präsident war, der die meisten Lügen erzählt habe, aber ganz sicher sei er derjenige, über den die meisten Lügen verbreitet wurden. Eine Feststellung, die ergänzt werden muß um den Hinweis auf die massiven Zensurmaßnahmen, die zuletzt von Facebook und Twitter ergriffen wurden, um die Weitergabe von Informationen über die Laptop-Affäre zu verhindern, die den Sohn und den Bruder Bidens, aber mittelbar auch Biden selbst in ein ungünstiges Licht rückten.

Angesichts all dessen klingt das Versprechen des President-elect, er wolle die „Dämonisierung“ beenden und Amerika „heilen“, unglaubwürdig. Was als „Spaltung“ des Landes registriert wird, hat sich seit langem so vertieft, daß eine Überwindung schwer vorstellbar ist.

Bereits 2014 ergab eine Untersuchung, daß die Schärfe der Meinungsverschiedenheiten zwischen den Anhängern der beiden großen amerikanischen Parteien etwa der zwischen Israelis und Palästinensern entspricht, und eine neue Erhebung der Universität Oxford kam zu dem Schluß, daß die beiden großen politischen Lager der USA einander wie „Stämme“ gegenüberstehen, vergleichbar den ethnischen Gruppen in Bosnien-Herzegowina mit ihren je eigenen Sitten, Traditionen, Glaubensweisen – und einer latenten Angriffsbereitschaft.

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WASHINGTON. US-Justizminister William Barr hat Bundesstaatsanwälten genehmigt, Betrugsvorwürfen bei der Präsidentschaftswahl nachzugehen, auch wenn deren endgültiges Ergebnis noch nicht feststeht. Ein solches Vorgehen könne erfolgen, „falls es klare und mutmaßliche Vorwürfe der Regelwidrigkeiten gibt, die – falls wahr – den Ausgang einer Bundeswahl in einem einzelnen Staat potenziell beeinflussen könnten“, schrieb Barr in einer Mitteilung an die Bundesstaatsanwälte, die der JUNGEN FREIHEIT vorliegt. Bisher verbot eine Richtlinie des Justizministeriums dies.

Hintergrund sind Vorwürfe des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Der Republikaner sprach von einem bundesstaatsübergreifenden und systematischen Betrug bei der Auszählung der Stimmen. US-Medien hatten seinen Herausforderer Joe Biden zum Sieger erklärt, da er die nötigen 270 Wahlmännerstimmen erreicht habe. Nun haben die Bundesstaaten bis zum 8. Dezember Zeit, um Stimmen nachzuzählen oder juristischen Anfechtungen nachzugehen.

„Präsident Trump hat hundertprozentig das Recht“

Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, sagte, der Wahlsieg Bidens beruhe nur auf vorläufigen Ergebnissen. Daher könne Trump weiter dagegen vorgehen. Angesichts der Betrugsvorwürfe und der wahrscheinlichen Neuauszählung in zwei Bundesstaaten müsse der Präsident nicht voreilig die berichteten Ergebnisse akzeptieren. „Präsident Trump hat hundertprozentig das Recht, Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten zu untersuchen und seine rechtlichen Optionen zu prüfen.“

Am Sonnabend hatten die Nachrichtenagentur AP und mehrere Fernsehsender verkündet, Biden habe die Präsidentschaftswahl gewonnen. Trump erkannte dies nicht an. Er wies auf die hohe Anzahl der Briefwahlstimmen und das mögliche Betrugspotenzial dadurch hin. Belege dafür veröffentlichte Trump bislang nicht. Die Republikaner kritisierten unter anderem, ihre Wahlbeobachter hätten in einigen entscheidenden Bundesstaaten keinen Zugang zu den Stimmauszählungen gehabt.

„Nicht-Wahlberechtigte und Tote haben gewählt“

Der frühere US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, schrieb auf Twitter: „Nicht-Wahlberechtigte und Tote haben gewählt. Die Demokraten haben dies geplant.“ Ein Fall, der besonders viel Verbreitung fand, war der von William Bradley. Obwohl der Mann 1984 gestorben sein soll, habe er in diesem Jahr mit 118 Jahren gewählt. Die Behörden wiesen dies zurück und gaben an, es habe einen Fehler beim Registrieren der Wahlunterlagen gegeben, die bei Alters- oder Namensangaben zu Fehlern führen können. Laut CNN heißt der Sohn von William Bradley genau wie sein Vater und wohnt in derselben Adresse.

Auch republikanische Wahlbehörden-Vertreter wiesen die Vorwürfe eines großangelegten, systematischen Wahlbetrugs zurück. Es habe wie bei jeder Wahl vereinzelt Unregelmäßigkeiten gegeben. Diese würden angesichts von Bidens Vorsprung von mehreren Zehntausend Stimmen das Ergebnis aber nicht ändern.

„Wir werden feststellen, daß Menschen illegal gewählt haben – das wird passieren. Es wird Doppelwähler geben. Es wird Menschen geben, die nicht die Berechtigung für registrierte Wähler hatten, in diesem Staat zu wählen. Das wird sein“, sagte der Vertreter der Wahlbehörde in Georgia, Gabriel Sterling, am Montag laut Fox News. In dem Bundesstaat findet eine Neuauszählung der Stimmen statt. „Werden es 10.353 sein?“ ergänzte er mit Blick auf Bidens Vorsprung. „Unwahrscheinlich.“ Aber bei jeder Wahl komme es zu Unregelmäßigkeiten.

Die Trump-Kampagne reichte seit dem Wahltag am 3. November bislang in vier Bundesstaaten – Georgia, Nevada, Michigan und Pennsylvania – Klage ein. In den vergangenen Tagen demonstrierten Trump-Anhänger für den Präsidenten. Unter dem Motto „Million Maga March“ (Make America Great Again) rufen Trump-Anhänger zu einer Kundgebung am Sonnabend in der Hauptstadt Washington auf. (ls/ha)

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BERLIN. Der Staatssekretär des Bundesinnenministeriums, Markus Kerber, hat die Zusammenarbeit seiner Behörde mit dem Moscheeverein Ditib bekräftigt. Jüngere Funktionäre seien „in Deutschland verwurzelt“. Er beobachte einen „Generationenwechsel“, bei dem hier geborene Moslems zunehmend Wert auf eine Unabhängigkeit von Einflüssen aus der Türkei legten, schilderte er anläßlich der Islamkonferenz am Dienstag dem ARD-„Morgenmagazin“.

Es gebe mittlerweile fünf islamische Verbände, die ihre Imame in Deutschland ausbildeten, statt Prediger aus dem Ausland zu holen. Grund dafür sei, daß ihre Jugendlichen Mitglieder kaum noch türkisch oder arabisch sprächen und sich ausdrücklich eine „Betreuung durch deutschsprachige Imame oder Religionspädagogen“ wünschten.

Der religionspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Benjamin Strasser, lobte die Ausbildung von Imamen in der Bundesrepublik. Damit könne verhindert werden, daß Prediger aus dem Ausland finanziert und in ihrer Position gesteuert würden.

Rechtsextremismus sei Schuld an Islamismus

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, bezeichnete die hiesige Ausbildung von Imamen als längst überfällig. „Aufklärung in der Religion bedeutet am Ende auch Immunisierung gegen Extremismus“, führte er gegenüber dem RBB-Inforadio

aus. Viele radikale Gläubige hätten islamischen Gemeinschaften in Deutschland den Rücken gekehrt.

Seiner Ansicht nach begünstige Rechtsextremismus andere extremistische Phänomene. Das führe dann zu einem „Wettstreit“ der Ideologien. Ziel müsse es sein, das „Umfeld von Extremisten“ wieder für die islamischen Gemeinden zu gewinnen und seelsorgerisch zu betreuen.

Geeignete Vorbilder könnten Extremismus vorbeugen

Der islamistische Attentäter vom Breitscheidplatz, Anis Amri, soll noch kurz vor seiner Tat eine Moschee im Berliner Bezirk Moabit besucht haben. Auch der Attentäter aus Wien hatte Kontakt zu zwei Moscheen, durch die er sich laut dem österreichischen Verfassungsschutz radikalisiert hat.

Ein wichtiger Schritt zur Prävention islamistischer Radikalisierung sei es, geeignete Vorbilder für Jugendliche zu schaffen, sagte der Psychologe und Islamexperte Ahmad Mansour im ARD-„Morgenmagazin“. Solche könnten beispielsweise Moslems sein, die selbst ihre Heimat verlassen hätten aber in der deutschen Gesellschaft angekommen seien. (zit)

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Nach einem tagelangen Kopf-an-Kopf-Rennen im Kampf um die US-Präsidentschaft hat sich Herausforderer Joe Biden am Ende wohl doch gegen Amtsinhaber Donald Trump durchgesetzt. Weil die Prognosen mit einem wesentlich deutlicheren Ergebnis für Biden rechneten, Trump dann aber in den ersten Hochrechnungen teils weit vor seinem Kontrahenten von den Demokraten lag, wittert Trump nun Wahlbetrug.

Russell Berman, Mitglied der Denkfabrik „Hoover Institution“ unter Leitung der ehemaligen Außenministerin Condoleezza Rice in Kalifornien und der „Commission on Unalienable Rights“ des US-Außenministeriums, hält es für sinnvoll, alle Fälle, wo es am Wahltag zu Unregelmäßigkeiten kam, genau zu untersuchen. Auch weil das Wahlergebnis so knapp war.

Überprüfung auch wichtig für Biden

Und auch für Biden sei es nach Ansicht des Herausgebers der Zeitschrift für Politik, Kultur und Philosophie Telos wichtig, daß die Vorwürfe gerichtlich geklärt würden. Sonst beginne er seine Präsidentschaft „unter der Wolke der Zweifel, seine Partei hätte nicht richtig gespielt“.

Dennoch rechnet der Trump-Unterstützer und Germanistikprofessor an der Stanford-Universität nicht damit, daß sich das vorläufige Wahlergebnis noch grundlegend ändern und Trump am Ende doch als Sieger dastehen könnte.

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NÜRNBERG. Nach einem kritischen Artikel über Seenotrettung hat der Nürnberger Kirchenvorstand den Pfarrer Matthias Dreher abgeordnet. Die inhaltliche Auseinandersetzung zu dem Thema gehe aber weiter, jedoch ohne „den Frieden in der Gemeinde oder ihre Einheit weiter zu gefährden“, teilten die Oberkirchenräte der Stadt mit. Dreher werde demnach zunächst allgemein-kirchlichen Aufgaben nachgehen.

Der Geistliche hatte Mitte Oktober einen Leserbrief im Korrespondenzblatt des bayerischen Pfarrer-und Pfarrerinnenvereins veröffentlicht, in dem er Flüchtlingen vorwarf, sich auf seeuntüchtigen Booten bewußt in Not zu begeben. Zudem seien Christen nur dann in der Pflicht, andere zu retten, wenn sie direkt vor Ort seien. Für die Lösung struktureller Probleme sei hingegen die Politik zuständig.

Nürnberger Kirchenvorstand lehnt Drehers Aussagen ab

Der Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hatte Dreher widersprochen. Das Argument des Nürnberger Theologen fuße auf der Behauptung, „die Seenotretter seien der Grund dafür, daß Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer riskierten“. Dieser Vorwurf sei jedoch widerlegt, führte Bedford-Strohm aus.

Auch der Nürnberger Kirchenvorstand hatte sich von Drehers Aussagen distanziert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) engagiert sich intensiv für die Seenotrettung von Flüchtlingen. Sie unterstützen unter anderem das Schiff „Sea-Watch 4“ im Mittelmeer finanziell. (zit)

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MAPUTO. Islamisten haben im Norden Mosambiks mehr als 50 Menschen enthauptet. Die Täter stehen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahe, berichtete BBC unter Berufung auf staatliche Medien des afrikanischen Landes.

Berichten zufolge fand das Massaker auf einem Fußballplatz in einem Dorf statt. Auch in anderen Ortschaften sei es zu ähnlichen Bluttaten gekommen, bei denen die Opfer enthauptet und zerstückelt wurden.

Regierung bitte um Hilfe im Kampf gegen Islamisten

Die Taten sind die jüngsten in einer Serie von Verbrechen in dem Konflikt in der rohstoffreichen Provinz Cabo Delgado, der seit 2017 anhält. Bislang seien dabei 2.000 Personen getötet worden. Die Islamisten rekrutierten ihre Mitglieder unter der von Armut betroffenen Jugend der Region.

Die Regierung des Landes bat um internationale Hilfe, um die Gewalt zu beenden. Menschenrechtsgruppen werfen auch den Regierungstruppen Verbrechen vor.

In jüngster Vergangenheit hatten Anschläge des IS auch in Europa für Schrecken gesorgt. So hatten Islamisten in Frankreich im Oktober ebenfalls ihre Opfer enthauptet. Der Terrorismusexperte Peter R. Neumann warnte vor diesem Hintergrund, die islamistische Szene sei durch den Streit um die Mohammed-Karikaturen und die Anschläge wieder mobilisiert worden. (ag)

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MADRID. Die Kanaren haben einen Rekordzulauf an afrikanischen Einwanderern verzeichnet. Am vergangenen Wochenende erreichten 2.206 Asylbewerber mit Holzbooten die spanische Inselgruppe. So hoch war die Zahl laut der Nachrichtenagentur Europa Press seit 2006 nicht mehr. Die meisten von ihnen hätten sich auf Gran Canaria in der Stadt Areguineguín.

Damit verzeichnet die spanische Inselgruppe einen Rekordwert an Ankömmlingen seit 2006. Seit Januar seien rund 13.700 Asylbewerber auf den Kanarischen Inseln angekommen, die etwa 100 Kilometer von der Küste Westafrikas entfernt liegen. Damit habe sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr bereits versechsfacht. Einige der Migranten würden in Hotels untergebracht, die aufgrund der Corona-Krise leerstünden.

Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska (Sozialistische Arbeiterpartei) kündigte an, die Ankömmlinge würden künftig in Kasernen registriert und dabei auf der Corona-Virus getestet. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson (Schwedische Sozialdemokratische Arbeiterpartei) hatte der spanischen Inselgruppe bereits am Freitag die Solidarität der EU bei der Bewältigung der Situation zugesichert. (zit)

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BERLIN. Der Energiekonzern E.ON, die Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen und der Industriekonzern Linde sind die am wenigsten LGBTQ-freundlichen Dax-Unternehmen. Sie erreichten auf dem am Dienstag veröffentlichten „Diversity Index“ der Uhlalala Group höchstens 5,3 Prozent der maximalen Punktzahl. Die Rangliste zeige, wie stark sich deutsche Großkonzerne für eine „diverse“ Unternehmenskultur einsetzen und sich offen gegenüber Mitarbeitern verhielten, die homo- oder bisexuell sind oder ihr Geschlecht nicht akzeptieren.

Die drei Unternehmen beantworteten dem Index zufolge einen entsprechenden Befragungsbogen nicht. Deshalb habe sich die Uhlalala Group, die sich als „eines der führenden LGBT+-Sozialunternehmen bezeichnet“, an öffentlich zugänglichen Informationen orientiert. Der LGBT-freundlichste Dax-Konzern sei SAP (96,1 Prozent), gefolgt von der Deutschen Bank (77,6 Prozent) und Siemens (75 Prozent).

„Haben noch einen sehr langen Weg vor uns“

„Daß über die Hälfte der Unternehmen 50 Prozent der Punkte erreicht hat, zeigt, daß LGBT+ Diversity mittlerweile auf der Agenda der Arbeitgeber angekommen ist“, sagte der Initiator des Index, Stuart Bruce Cameron. „Daß aber wiederum nur fünf Unternehmen über 70 Prozent erreicht haben, zeigt auch, daß wir noch einen sehr langen Weg vor uns haben.“

Eines der Hauptaugenmerke des Index liegt auf dem Umgang mit LGBT-Diskriminierung am Arbeitsplatz. Bis auf HeidelbergCement und dem Immobilienkonzern Vonovia hätten alle 24 Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen hatten, den „Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität“ in ihren internen Verhaltenskodizes verankert.

LGBTQ-Bewegung auf dem Vormarsch

Die LGBTQ-Bewegung (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Queer) hatte in den vergangenen Jahren Einluß in immer mehr Lebensbereiche genommen. Sie lehnt die traditionelle Familie und Ehe ab. Vor kurzem sorgte die Verabschiedung einer transsexuellen Kommandeurin der Bundeswehr für Aufsehen, weil die Kameraden einen Einsatzwagen zu einem Einhorn mit buntem Schweif umgebaut hatten. Das Einhorn gilt als Symbol der LGBTQ-Bewegung.

Der deutsche Staat fördert LGBTQ-Projekte auch weltweit. Dafür hatten die Regierungen in den vergangenen zehn Jahren mehr als fünf Millionen Euro bereitgestellt, wie eine AfD-Anfrage im vergangenen Jahr ergab. Gefördert wurden unter anderem mehrere Homosexuellenumzüge („Pride-Paraden“), zum Beispiel in Lettland, Serbien und Spanien, aber auch ein Projekt in Nicaragua für „gendersensible Männerarbeit“ und eines in Kolumbien für „Gendergerechtigkeit im Kontext des Friedensprozesses“. (ls)

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Am Jahrestag der Pogromnacht widmete sich das ZDF mit „Das Unwort“ dem aktuellen Judenhaß an deutschen Schulen. In 85 Minuten versuchte sich die Komödie des jüdischen Regisseurs Leo Khasin an einer humorvollen Aufarbeitung des ernsten Themas.

Heikel, weil heutzutage eine ehrliche Auseinandersetzung notwendig mit Fragen nach muslimischem Antisemitismus und einer verfehlten Integrationspolitik verbunden ist. Derlei Stoffe sind im staatlichen Fernsehen – im Gegensatz zum eifrig diskutierten Antisemitismus von „Rechts“ – erfahrungsgemäß unbeliebt.

Unabhängig von der Qualität des Films kann man Regisseur Khasin keine falsche Zurückhaltung vorwerfen: Vergleichsweise schonungslos thematisiert er muslimischen Antisemitismus als Kern einer neuartigen Judenfeindlichkeit an deutschen Schulen.

Aber auch das problematische Verhalten überkompensierender Multikulti-Liebhaber, desinteressierter Normalbürger und absichtlich wegsehender Bürokraten wird vorgeführt. Wer also den tausendsten pseudomoralisch-bedeutungslosen Beitrag über glatzköpfige Neonazis, die Synagogen anzünden und den Holocaust zelebrieren erwartet, wird positiv überrascht.

Die Handlungsführung scheint stark an Yasmina Rezas Bühnenerfolg „Der Gott des Gemetzels“, beziehungsweise an dessen Hollywoodadaption angelehnt und beginnt mit einer Klassenkonferenz. Anwesend sind Klassenlehrerin Ritter, der Schuldirektor, eine Frau Dr. Nüssen-Winkelmann von der Schulaufsicht (gespielt von Iris Berben), das Ehepaar Berlinger und der Hausmeister Eichmann.

Ja, Eichmann – und Nein, nicht Adolf. Dieser scheinbar sprechende Figurenname kündet bereits unheilvoll von einer Schwäche des Films, an der im Übrigen der deutsche Film der Gegenwart chronisch kränkelt: Eine schreckliche Humorlosigkeit, die sich mit banalen Pointen und Slapstick­-Einlagen selbst überwinden will.

Konflikt wird in Rückblicken erzählt

Zurück zum Personal: Die Eltern der muslimischen Schüler sind zunächst nicht anwesend, was bald von Nüssel-Winkelmann mit „Ich bin von diesen Leuten nichts Anderes gewöhnt“ quittiert wird. Dem aufmerksamen Zuschauer wird nicht entgangen sein, daß die Dame etwas vorurteilsbehaftet ist – die Charakterentwicklung, die so filigran daherkommt, als wäre sie mit dem Hammer gemacht, scheint übrigens ebenfalls ein verbreitetes Gebrechen im deutschen Film.

Die gleichermaßen plumpe Vorstellung der Klassenlehrerin („Wenn sie könnte, würde sie die ganze Welt retten“) und des Schulleiters („Eigentlich ist er kein Doktor, wir nennen ihn nur so, weil er sich so wichtig nimmt“) übernimmt der Sohn des Ehepaars Berlinger, Max, als Erzählerstimme aus dem Off – handwerklich ebenfalls fragwürdig.

Schrittweise wird der zugrundeliegende Konflikt in Rückblenden erzählt: Sohn Max wird seit längerem von muslimischen Mitschülern schikaniert. Die Demütigungen und Angriffe eskalieren, bis Max schließlich das Ohr des Rädelsführers in Notwehr abbeißt.

In dieser Erzählweise liegt zuletzt auch die Stärke des Films: Die Klassenlehrerin Ritter versucht zunächst die antisemitische Motivation der Schikane herunterzuspielen. Nachdem das aber zunehmend in Kritik gerät, offenbart sie das tatsächliche Geschehen in Form eines protokollartigen Tagebuchs. Hierin zeigt sie Empathie für die palästinensischen Schüler, doch diese Nachsichtigkeit entpuppt sich bald als fehlplatzierte Toleranz für ideologisch motivierten Judenhaß.

Figuren wirken schematisch und stereotyp

Noch schwerwiegender scheint jedoch die Gruppendynamik innerhalb der Lehrerschaft, die lieber wegsieht, als den Ruf der Schule zu beschmutzen. Ritters Warnungen werden mit Beschwichtigungen abgespeist, auch der Bürokratin Nüssen-Winkelmann ist das Thema lästig.

Der Film schwächelt daran, daß die Handlung etwas übereilt zum Abschluß kommt. Die Berlingers suchen die Familie des Peinigers ihres Sohnes auf, um den Konflikt beizulegen. Bei Familie Ansari angekommen, stellt sich natürlich heraus, daß auch der Senior antisemitische Ressentiments teilt. Gerade als sich das klärende Gespräch anbahnt, kommt der Schnitt und eine Friede-Freude-Eierkuchen-Lösung inklusive Annäherung der Kulturen leuchtet am Horizont.

Das Zwangsgebührenfernsehen hat schon Schlechteres und Peinlicheres geboten. Die Figuren wirken schematisch und stereotyp – die interessanteste und glaubwürdigste ist der Vater, der allerdings zu selten in den Vordergrund tritt. Das Szenario scheint nur bedingt glaubhaft: Wohlsituierte und preisgekrönte Schulen machen wohl weniger den Brennpunkt antisemitischer Übergriffe auf deutschen Schulhöfen aus. Der Humor wirkt banal, doch das ist bekanntlich Geschmacksache.

Selbstgelegte Meßlatte liegt zu hoch

Trotz der Schwächen wirft „Das Unwort“ ein Licht auf Facetten der Antisemitismus-Thematik, die bis dato zu stiefmütterlich behandelt wurden. Da ist zum einen die passive Opferrolle, die der jüdischen Gemeinde gerne ungefragt zugeschrieben wird und die Berlinger Senior nachvollziehbarerweise ablehnt, weil sie Juden in Deutschland als handlungsunfähig entmündigt.

Dazu gehört auch der übereifrige Multikulti-Enthusiasmus, der das deutsche Judentum in einen Topf mit Israel wirft und das Wegsehen deutscher Behörden und Bürokraten, die den inhärenten Antisemitismus des Islam ignorieren, um das propagierte Bild unserer offenen und „bunten“ Gesellschaft nicht zu korrumpieren.

Letztlich scheitert der Film jedoch an den eigenen hohen Ansprüchen. Wer sich den ambitionierten Film trotz der genannten Schwächen ansehen will, kann das in der ZDF Mediathek machen.

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In Armenien sind angesichts des Abkommens zwischen Jerewan und Baku Massenproteste gegen die Regierung ausgebrochen. Demonstranten haben das Parlament in Jerewan gestürmt. Sie fordern den Rücktritt des armenischen Premiers Nikol Pashinyan. Dieser hatte zuvor weite Teile Berg-Karabachs an Aserbaidschan abgetreten.

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Weboy