LEIPZIG. Der Leipziger Polizeipräsident Torsten Schultze hat das Vorgehen der Polizei bei der Querdenken-Demo am Samstag verteidigt. Der Einsatz habe drei Ziele gehabt: den friedliche Verlauf zu gewährleisten, mögliche Gewalttaten zu verhindern und den Infektionsschutz durchzusetzen, sagte Schultze in einem Video. Die ersten beiden Ziele seien weitgehend erreicht worden, das dritte Ziel nicht.

Gewalt einzusetzen sei „nicht angezeigt“ gewesen, erklärte Schultze: „Man bekämpft eine Pandemie nicht mit polizeilichen Mitteln, sondern nur mit der Vernunft der Menschen.“ Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) übte laut der Welt Kritik an den übergeordneten Ebenen und dem sächsischen Oberverwaltungsgericht. Er sagte er sei „stinksauer, wie man die kommunale Ebene wieder einmal alleine gelassen hat“.

Sachsens Innenminister kritisiert Zulassung der Demo

Der Oberbürgermeister sieht auch den Bund in der Verantwortung: „In einer Pandemie müssten wegen des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit des Einzelnen auch Beschränkungen der Versammlungsfreiheit möglich sein. Das müsse auf Bundesebene sauber geklärt werden.“ Weiter sei er empört, daß das zuständige Gericht die Demonstration während der Pandemie in der Innenstadt nicht verboten habe. Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) kritisierte die Zulassung der Querdenken-Demonstration durch das Oberverwaltungsgericht.

Bei der Demonstration in Leipzig, an der mehrere zehntausend Menschen teilnahmen, wurden auch Polizisten und Journalisten angegriffen. Zunächst verlief die Demonstration friedlich, erst als die Polizei versuchte die Demonstration aufzulösen, kam es zu Übergriffen. Die Polizei teilte mit, daß sie 32 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet und sieben Straftaten verzeichnet habe.

Ausschreitungen in Connewitz

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte laut Welt: „Die Angriffe gegen die Polizei und die Presse verurteile ich scharf.“ Die Demonstrationsfreiheit sei keine „Freiheit zur massiven Gefährdung anderer“. „Tausende dicht an dicht ohne Masken sind ein Gipfel der Verantwortungslosigkeit und des Egoismus“, so Lambrecht.

Am Samstagabend hatten im Stadtteil Leipzig Connewitz Unbekannte auf den Straßen Barrikaden errichtet und diese angezündet. Zudem wurde eine Polizeiwache mit Pflastersteinen beworfen. Die Polizei rückte mit Wasserwerfern an. Ob es Verletzte gab, ist nicht bekannt. Die Polizei konnte mehrere Personen fassen. In Connewitz kommt es wiederholt zu linksextremen Ausschreitungen. (mp)

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Auch Frankreich ist der „Black Lives Matter“-Welle, die in den letzten Monaten, insbesondere seit dem Tod von George Floyd, in die westlichen Länder eingedrungen ist, nicht entkommen. Hierzulande hat sie jedoch besondere Formen angenommen, vor allem aufgrund des wachsenden Anteils von Schwarzen subsaharischer Herkunft an der französischen Einwanderung – die im wesentlichen schon länger nicht mehr nordafrikanischen und arabisch-muslimischen Ursprungs ist.

Auf Initiative des Adama-Traoré-Komitees, das nach einem jungen Straftäter malischer Herkunft benannt ist, der in Frankreich in eine polygame Familie geboren wurde und 2016 nach einer Polizeiverhaftung verstarb, finden seit Monaten mit Unterstützung der Medien Demonstrationen gegen Polizeigewalt statt. Sie verschärfen die Feindseligkeit gegen die Polizei und mehren die Vorwürfe des Rassismus.

Dabei werden immer wieder die Parallelen zum Tod von George Floyd betont, obwohl die Situationen völlig unterschiedlich zu bewerten sind. Das Verhalten der Polizei in Frankreich ist absolut nicht vergleichbar mit dem der amerikanischen Polizei. Und die Schwarzen, die in Frankreich leben, sind – mit Ausnahme der Einwanderer von den Antillen – auch keine Nachkommen von Sklaven.

Ein Weißer ist genetisch bedingt Rassist

Leider haben sich jedoch alle amerikanischen Moden, sei es „Gay Pride“, die Gender-Theorie oder der akademische Intersektionalismus (der vorgeblichen Aufaddierung verschiedener  angeblich Diskriminierung erzeugender Kategorien, Anm. d. Red.), letztendlich in Europa durchgesetzt. Schon die Vereinigten Staaten sahen sich von Anfang an mit einer Rassenfrage konfrontiert, die sie nie zu lösen vermochten. Erinnern wir uns: Es war 1945 ein segregationistisches Amerika, das den Sieg über Hitlers Rassismus errungen hat!

Die Ethnisierung oder Rassifizierung der sozialen und gesellschaftlichen Beziehungen, die wir heute erleben, ist natürlich nicht nur auf die „ethnische Wahl“ beschränkt, die heute bereits Gegenstand politikwissenschaftlicher Analysen ist. Sie bemißt sich vor allem an der wachsenden Rolle, die ethnische und rassische Erwägungen in Urteilen, Analysen, Informationen und bestimmten Moden spielen. Etwa wenn wir uns fragen, welchen Platz in den Medien Männer und Frauen mit „vielfältigem Hintergrund“ einnehmen sollen – ein Ausdruck, der im wörtlichen Sinne keinerlei Bedeutung hat.

Konkret drückt sich dies in einer ständig wachsenden Zahl von Beschwerden, Anklagen, vorsätzlichen Beschuldigungen und immer extravaganteren Forderungen aus, die auf von Lobbys getriebenen kollektiven Impulsen beruhen, einer tränenreichen Viktimisierung und dem verlangten Recht, Rechte zu haben. So soll Europa „entweißt“ und der weiße Mann als schuldig aller sozialen Ungerechtigkeiten angeprangert werden; ja sogar als unfähig, selbst Rassismus bekämpfen zu können, da ein Weißer notwendigerweise rassistisch sei, selbst wenn er sich lautstark antirassistisch positioniert – das liege in seinen Genen!

Die Invasion der „Cancel Culture“ und der Politischen Korrektheit, die ebenfalls aus den Vereinigten Staaten kommen, provoziert jeden Tag die gleiche Abfolge von hysterischen Proklamationen und wahnsinnigen Denunziationen.

Auf der Türschwelle zur Psychiatrie

Vor einigen Monaten verursachte die Aufführung eines Theaterstücks des griechischen Tragödiendichters Aischylos, „Die Schutzflehenden“, an der Pariser Sorbonne gewaltige Unruhen, die schließlich zum Verbot des Stücks führten. Die Begründung: Einige Schauspieler hatten das Verbrechen der „kulturellen Aneignung“ begangen, indem sie sich schwarz (oder weiß) geschminkt hatten.

Eine Organisation wie CRAN (Repräsentativer Rat der Schwarzenverbände), die gegen „Negrophobie“ kämpft, fordert derzeit die Umbenennung von offiziellen Gebäuden, die auf den Namen des „Sklavenhändlers“ Jean-Baptiste Colbert, eines ehemaligen Ministers von Ludwig XIV., getauft wurden. Die Statue von Joséphine de Beauharnais, Napoleons erster Frau, hat man bereits vom Sockel gestürzt. Weitere Denkmäler, etwa von Napoleon, Voltaire, Saint Louis, Victor Schœlcher, Colbert und vielen anderen, sollen folgen. Diejenigen, die von einer „moralischen Geschichte“ träumen, versuchen rücksichtslos, alle Werke der Vergangenheit auszulöschen.

Die „antikolonialistische“ Feministin Rokhaya Diallo empörte, daß Kompressen rassistisch seien, weil die Bandagen weiß sind und schwarze Haut befleckten. Im vergangenen Juni beschloß die berühmte Firma L’Oréal, die Worte „aufhellend“ und „weiß“ aus ihren Kosmetikprodukten zu entfernen. Gleichzeitig verbieten „ökologistische“ Bürgermeister Weihnachtsbäume, und die Feministin Alice Coffin setzt sich in „Le génie lesbien“ für das Verschwinden der Heterosexualität ein, während der Schriftsteller Yann Moix glaubt, daß „Eltern verboten werden sollte, ihre biologischen Kinder aufzuziehen“!

Mehrere Kosmetik-Hersteller beschlossen auf Wörter wie „Bleichen“ zu verzichten.
Mehrere Kosmetik-Hersteller beschlossen auf Wörter wie „aufhellend“ oder „weiß“ zu verzichten. Foto: picture Alliance / AP Photo / Aya Batrawy / dpa

In jüngster Zeit gab es eine breite Debatte darüber, ob eine weiße Person das Recht habe, einen Schwarzen zu fotografieren, ohne gleich in „systemischen Rassismus“ zu verfallen. Man könnte tausend andere Beispiele anführen, die vorgeben, politisch zu sein, aber in Wirklichkeit schon auf der Türschwelle zur Psychiatrie stehen.

Der „Antirassismus“ hat sich gewandelt

Jenseits der Anekdoten kann man jedoch sehr gut erkennen, daß sich der „Antirassismus“ heute völlig gewandelt hat. Vor dreißig Jahren bestand der Kampf gegen den Rassismus darin, ihm einen sehr klassischen Universalismus entgegenzusetzen, der in Frankreich als „republikanisch“ bezeichnet wurde. Europa wurde als das „Land der Menschenrechte“ wahrgenommen. Rassenunterschiede wurden als weniger wichtig betrachtet, da die zugrundeliegende Idee darin bestand, daß „wir in Wirklichkeit alle gleich sind“.

Es gehörte zum guten Ton, Gleichgültigkeit gegenüber offensichtlichen Unterschieden zu betonen. Die Beseitigung von Diskriminierung aufgrund von „Vorurteilen“ und „Stereotypen“ würde zwangsläufig harmonische, gemischt-rassische Gesellschaften schaffen, und alle Probleme würden verschwinden. Kurz gesagt: Rassen waren nichts weiter als optische Täuschungen.

Diese Ansicht ist mitnichten verschwunden, aber heute hat sie jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Denn die Existenz von ethnischen Gemeinschaften ist genau in dem Augenblick offensichtlich – welch Ironie –, in dem offiziell verkündet wurde, daß „Rassen nicht existieren“.

Heute sind diejenigen, die den Ton angeben, in erster Linie „Indigenisten“, Kommunitaristen, Separatisten, die die Existenz der Rassen keineswegs relativieren. Ganz im Gegenteil, sie machen sie zur Hauptgrundlage ihrer Identität. In ihrem 2016 erschienenen Buch „Les Blancs, les Juifs et nous“ („Die Weißen, die Juden und wir“) erklärt die antirassistische Politaktivistin Houria Bouteldja, daß eine schwarze Frau, die von einem Weißen vergewaltigt wird, sich tunlichst beeilen sollte, ihn anzuzeigen. Aber daß dieselbe Frau auch, wenn sie von einem Schwarzen vergewaltigt wird, schweigen muß, um ihrer Rasse nicht zu schaden.

Weiß sein, heißt schuldig sein

Rassenzugehörigkeit wird so zur Grundlage eines ganzen Weltbildes. Die Identität der „Indigènes de la République“ glaubt nicht mehr für einen Moment an die Universalität der Menschenrechte, sondern sie wurzelt – unter dem Deckmantel des Antirassismus – in einer krampfhaften Subjektivität, die darin besteht, die Weißen anzuklagen. Weiß, das heißt nunmehr schuldig zu sein, da diese Personen stets das „Privileg ihres Weißseins“ genössen. Es wird also deutlich, daß dieser Antirassismus nicht mehr das Gegenteil von Rassismus ist, sondern ein Rassismus im umgekehrten Sinne.

Jener „antirassistische Rassismus“ ist untrennbar mit der Verbreitung dessen verbunden, was in Frankreich als „indigene Ideologie“ bekannt ist. Diese entstand in Verbindung mit den „post-colonial studies“, die ihrerseits Erben der von dem indischen Historiker Ranajit Guha gegründeten „subaltern studies“ und der „französischen Theorie“ (Jacques Derrida, Gilles Deleuze, Michel Foucault) sind.

Ein junges Mädchen fordert auf einem Plakat dazu auf, das „Privileg des Weiß-Seins“ zu nutzen.
Ein junges Mädchen fordert auf einem Plakat dazu auf, das „Privileg des Weiß-Seins“ zu nutzen (Archivbild). Foto: picture alliance / Michael Brochstein / ZUMA Wire / dpa

Seit mehr als zwanzig Jahren verbreitet sich diese Ideologie vor allem auf amerikanischen Universitäten unaufhaltsam. Es ist schwierig, etwas davon zu verstehen, wenn man sich nicht mit der Arbeit ihrer wichtigsten Theoretiker (Eduard W. Said, Gayatry C. Spivak, Achille Mbembe, Paul Gilroy usw.) vertraut gemacht hat.

Postkoloniales Denken enthält zwei Aspekte. Auf der einen Seite gibt es eine radikale Kritik – die man berechtigt finden kann – am abstrakten Universalismus der westlichen Vernunft. Jene Vernunft, die sich bei eingehender Untersuchung als maskierter Ethnozentrismus offenbart („universelle Werte“ haben wie die Ideologie der Menschenrechte nur dem Namen nach Universalien). Auf der anderen Seite steht das viel fragwürdigere Postulat, daß die ehemals kolonisierenden Nationen durch eine Art genetischen Defekt niemals den „diskriminierenden“ Blick, den sie einst auf die Ureinwohner der Kolonien hatten, hätten aufgeben können.

Das wahre Problem tritt immer deutlicher in Erscheinung

Daher der Name der symbolträchtigen „Partei der indigenen Völker der Republik“ (PIR). Die 2010 von Migranten gegründete Partei prangert nicht nur einen „staatlichen Rassismus“ an, sondern auch die „postkoloniale Unbedachtheit“, die die gesamte Gesellschaft durchdringe.

Für die PIR, den CRAN und ihre Nachahmer ist die französische Gesellschaft grundlegend gespalten in „Nicht-rassifizierte“ und „Rassifizierte“, das will heißen: in Weiße und Nicht-Weiße. Die Rassifizierten, meist „Afro-Nachkommen“, bringen die „Kinder der postkolonialen Einwanderung“ und ganz allgemein all jene zusammen, die an einem „dekolonialen Prozeß“ beteiligt sind.

Ein ebenfalls erblicher Fatalismus scheint darin zu liegen, daß die einen von Generation zu Generation die Rolle der Unterdrücker und die anderen die Rolle der Unterdrückten verkörpern. Bei jeder Person, die „nicht rassifiziert“ ist, wird davon ausgegangen, daß sie grundsätzlich rassistisch ist, ob im Wesen oder in ihrer Macht, in ihrem Handeln oder in ihren Absichten.

Ganz einfach deshalb, weil sie notwendigerweise bestimmte Vorurteile „kolonialen“ Ursprungs geerbt habe. Ob es ihm bewußt ist oder nicht, der weiße heterosexuelle Mann könne sich der ihm zugewiesenen bösen Natur nicht entziehen. Weißsein ist das Privileg, das sich daraus ergibt, weiß zu sein oder als weiß wahrgenommen, anerkannt oder kategorisiert zu werden.

Und so tritt das wahre Problem immer deutlicher in Erscheinung: Es existieren noch immer Weiße.

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Alain de Benoist, Jahrgang 1943, ist französischer Philosoph und Publizist und gilt als maßgeblicher Ideen­geber der Neuen Rechten. Er ist Herausgeber der Zeitschriften Nouvelle École und Krisis. Zahlreiche Werke von ihm sind im JF-Buchdienst erhältlich.

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Folgt man der öffentlichen Rhetorik, dann sind die Spaltungen, die von brandgefährlichen Spaltern verursacht werden, die schlimmsten aller politischen und gesellschaftlichen Übel. Der gefährlichste Spalter ist natürlich Donald Trump, der die amerikanische Gesellschaft und darüber hinaus den Westen gespalten hat.

In Osteuropa spalten autoritäre Regierungen die europäische Wertegemeinschaft, weil sie sich der muslimischen Einwanderung widersetzen. In Deutschland werden Haßverbreiter, Ausgrenzer, Rassisten, Verschwörungsgläubige, Klimaleugner, Islamophobe, Sexisten, Covidioten und natürlich die Rechten als Spalter identifiziert.

Die Spalter zerteilen laut Wörterbuch ein Ganzes, sie zerstören eine Einheit, etwa die Einheit des Staates, der Gesellschaft, der Nation. Gäbe es die oben genannten Spalter nicht oder könnte man sie eliminieren, so muß man annehmen, würden alle die Hand sich reichen und Harmonie, Vernunft, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte das Land, Europa und die Welt bis in den letzten Winkel erfüllen.

Moderne und eine traditionelle Art des Spaltens

Merkwürdigerweise wurde auch der CDU-Politiker Friedrich Merz, der keiner der genannten Kategorien des Bösen angehört, als Spalter bezeichnet. Grund ist sein – vermutlich zutreffender – Vorwurf an das Parteiestablishment, es wolle mit der Verschiebung des Parteitags seine Wahl zum Vorsitzenden verhindern.

Das Wort bezeichnet offenbar zwei unterschiedliche Spalter-Qualitäten, eine traditionelle und eine moderne. Auf die traditionelle Bedeutung bezieht sich der vormalige Spiegel-, jetzt Focus-Autor Jan Fleischhauer, wenn er sagt: „Ich bin absolut für Spaltung. Ich halte Spaltung in einer Demokratie für das Normalste der Welt. Mir geht nichts so sehr auf die Nerven wie die Kuhstallwärme der Gesinnungsgemeinschaft.“

Fleischhauer moniert die Schläfrigkeit des politischen Diskurses und die dahinterstehende Erwartung, der Konsens müsse feststehen, bevor der Streit überhaupt erst begonnen hat. Er orientiert sich am Demokratie-Ideal, wonach der öffentliche Austausch von Argumenten, der Meinungsstreit, idealerweise zur besten aller möglichen Lösungen führt.

Begriff dient der Feindmarkierung

Die „Kuhstallwärme“ gehört zum Biedermeier der alten Bundesrepublik, der sich zum Teil aus der Geschichte erklärt. In der Weimarer Republik waren die politischen Lager so unversöhnlich aneinandergeraten, daß am Ende alle gemeinsam in den Abgrund rauschten. Herbert Wehner erklärte 1960 als Fraktionschef der SPD im Bundestag: „Das geteilte Deutschland (…) kann nicht unheilbar miteinander verfeindete christliche Demokraten und Sozialdemokraten ertragen.“

Zum „Konsens der Demokraten“ gehörte auch die stillschweigende Akzeptanz der Bundesrepublik als ein Protektorat, das politisch unter Aufsicht und moralisch unter Bewährung stand. Das führte zu einer politischen Bräsigkeit, die sich habituell im CDU-Kanzler Helmut Kohl personifizierte. Kohl sei, so Karl Heinz Bohrer, „eine Art Refrain auf den Durchschnittstypus einer westdeutschen Kleinstadt – und Westdeutschland bestand nur aus solchen Kleinstädten“. Als der ebenso bräsige Johannes Rau 1987 als SPD-Kanzlerkandidat gegen ihn antrat, wählte er das bezeichnende Motto: „Versöhnen statt spalten.“

In der alten Wortbedeutung meint „Spaltung“ also Abweichung von einer politischen Mentalität. Im modernen Gebrauch geht es ums politische Prinzip. Der Begriff dient der Feindmarkierung. Als Feind wird markiert, wer gegen die Transformation der Gesellschaft in eine „neue Normalität“ und die Degenerierung des Nationalstaates zur neu aufgesiedelten Verwaltungseinheit eines Global-Regimes opponiert.

„Spalter“ sind die Kritiker

Das neue Ganze, das in Deutschland gerade geschaffen wird, umschließt neben den Staatsbürgern, die „schon länger hier leben“, auch alle, die „neu dazugekommen sind“ (Angela Merkel) und prospektiv sogar jene, die erst noch im Begriff sind, hierher aufzubrechen. Dieser Prozeß hat bereits zur Aufspaltung der relativ homogenen Einheit in eine multitribale Konfusion geführt, in der sich immer weniger Beteiligte an rechtsstaatliche Normen und immer mehr an ihre Stammeszugehörigkeit und an religiöse Vorschriften gebunden fühlen.

Ausgerechnet die Kritiker der offenkundigen Spaltungen und Fragmentierungen werden mit der geballten Macht des politisch-medialen Komplexes als „Spalter“ ins Aus gestellt. Dem liegt ein heilsgeschichtliches respektive ideologisches Politikverständnis zugrunde: Für das künftige Glück der globalen Menschengemeinschaft müssen Opfer erbracht werden. Wer sich dieser Einsicht verschließt, ist ein Häretiker, ein Feind – ein Spalter eben.

So schied der vormalige Bundespräsident Joachim Gauck die Landeskinder, die zum hellen Deutschland gehören, von den Finsterlingen aus Dunkeldeutschland. Letztere, so die Insinuation, seien moralisch minderwertige, unmaßgebliche Feinde der im Entstehen begriffenen, neuen Republik.

Gesunder Menschenverstand trifft auf unlautere Gegner

Damit sie gelingt, wird die Gesellschaft in besinnungslosen Taumel versetzt. Die Kämpfe gegen Rechts, gegen die Klimaerwärmung, gegen Corona absorbieren alle Aufmerksamkeit und Kraft und dulden keine Zweifel. Selbst der FDP-Vorsitzende Christian Lindner mußte sich vorhalten lassen, seine Kritik an den Corona-Maßnahmen befördere „die derzeit immer stärker werdende Spaltung in der Bevölkerung“. Hier geht es nicht um demokratischen Meinungsstreit, sondern um die Behauptung absoluter Wahrheiten. Das Zeitalter der Ideologien hatte 1989 nicht geendet, es hatte nur eine Pause eingelegt. 

Früher waren die Ideologen ehrlicher. Sie heuchelten keinen demokratischen Konsens, sondern sprachen von antagonistischen Gegensätzen, deren Austrag Sieger und Verlierer kennt. Was die einen als Gewinn einzustreichen hofften, sollten die anderen als Verlust hergeben.

Jeder Versuch, den Spalter-Vorwurf zu widerlegen, ist Zeitverschwendung. Ja, das Land ist gespalten, aber anders als Politik und Medien behaupten. Täuschende Konsensangebote à la „Wir müssen reden!“ sind Aufforderungen zur Unterwerfung. Der gesunde Menschenverstand muß die Illusion aufgeben, mit der permanenten Kriegserklärung an ihn ließe sich eine Übereinkunft erzielen, und präzise die realen Spaltungen benennen, solange das noch möglich ist.

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