Die importierte „Black Lives Matter“-Hysterie ist noch nicht verklungen, da rollt schon der nächste Angriff auf Ansehen und institutionelles Selbstverständnis der deutschen Polizei: Wieder lautet die Generalanklage auf „strukturellen Rassismus“ oder „Rechtsextremismus“, denen mit „Studien“ und „Reformen“ begegnet werden soll.

Den aktuellen Aufhänger liefern Vorwürfe gegen mehrere Polizisten in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern, zuvor in Hessen. Großangelegte Razzien haben „rechtsextreme Chatgruppen“ aufgedeckt, in denen Beamte fragwürdige und in einigen Fällen auch strafrechtlich relevante und verfassungswidrige Botschaften und Bilder ausgetauscht haben sollen.

Da wüßte man gerne Näheres: Sind die Beschuldigten tatsächlich offen „extremistisch“ aufgetreten? Haben sie sich wirklich zum Umsturz der demokratischen Ordnung verschworen, oder vielleicht doch nur privat und untereinander mit Geschmacklosigkeiten und Derbheiten mal „Dampf abgelassen“?

Der Dienstherr schuldet dem Beamten Treue

Auch das wäre im übrigen nicht hinnehmbar. Ein Beamter hat extremistische Aussagen und Handlungen grundsätzlich zu unterlassen, das gebietet die besondere Treuepflicht gegenüber Staat und Verfassung. Auch außerhalb der Dienstzeit und ohne Uniform muß ein Beamter Vorbild sein und für Recht und Verfassung einstehen, zumal wenn er Repräsentant des staatlichen Gewaltmonopols ist. Das preußische Ideal des neutralen, unbestechlichen Staatsdieners gilt auch im demokratischen Verfassungsstaat.

Verletzt ein Beamter diese Pflichten, muß der Dienstherr das ahnden, schon um die Integrität der Institution an sich zu schützen. Ob die Verfehlung in Ausübung des Amtes und in der Öffentlichkeit oder privat und hinter verschlossenen Türen begangen wurde, macht dabei durchaus einen Unterschied, vor allem hinsichtlich Art und Schwere der Sanktion.

Im Gegenzug zur dienstbedingten Einschränkung von dessen Bürgerrechten schuldet der Dienstherr dem Beamten nämlich seinerseits Fürsorge und Treue. Das umfaßt auch die Pflicht, die Beamtenschaft gegen pauschale Angriffe und Diffamierungen ebenso in Schutz zu nehmen wie gegen jeden Versuch, ihr rechtsstaatliches Fundament zu untergraben.

Polizei soll sich linker Meinungshegemonie beugen

Eine Pflicht, an der die Innenminister von Bund und Ländern regelmäßig versagen oder ihr gar offen zuwiderhandeln. Denn im links-grün dominierten Diskurs über „Rechtsextremismus“ in der Polizei geht es um weit mehr als Fehlleistungen einzelner Beamter. Solche gab es und wird es immer geben; auch ein Polizeikorps besteht aus Menschen. Der Rechtsstaat ist durchaus in der Lage, tatsächliche Verfehlungen aufzuklären und bei erwiesener Schuld auch angemessen zu sanktionieren.

Die Skandalisierung, mit der solche Fälle zum Beleg für ein „strukturelles“ Problem des gesamten Polizeiapparats stilisiert werden, verfolgt aber ein weiterreichendes Ziel: die Institution Polizei der linksgrünen Meinungshegemonie zu unterwerfen, die in wesentlichen gesellschaftlichen Bereichen bereits den verfassungsgemäßen, gegen jeden Extremismus gerichteten antitotalitären Grundkonsens durch einen seinerseits totalitären „antifaschistischen“ Konsens verdrängt hat – der den „Kampf gegen Rechts“ zum Staatsziel erklärt.

Eine Blaupause liefern ausländische Vorbilder wie die marxistisch grundierte US-amerikanische „Black Lives Matter“-Bewegung mit ihrem Schlachtruf „Defund the Police“, übersetzt: Streicht der Polizei die öffentlichen Mittel! Das zielt nicht auf Abschaffung der Polizei als solche im Sinne linksextremer „Antifa“-Rhetorik, sondern auf ihre Transformation – von einer rechts- staatlichen Instanz zur Aufrechterhaltung und Durchsetzung von Recht und Gesetz zu einer linksideologischen Bürgerkriegstruppe.

Dort, wo Linke und Grüne regieren, läßt sich ahnen, wohin die Reise geht – zum Beispiel in Berlin, wo SPD-Innensenator Andreas Geisel der Polizei einerseits offensives Vorgehen gegen Regierungskritiker und andererseits „Deeskalation“ gegen Links verordnet und als nächstes das Demonstrationsrecht seinen politischen Präferenzen anzupassen gedenkt.

Axt an einer Wurzel des demokratischen Rechtsstaats

Der von Links-Rot-Grün penetrant wiederholte „Rassismus“-Generalverdacht gegen die Polizei und die mit jeder Empörungsrunde drängender geforderte „Studie“ über „rechtsextremistische Tendenzen“ in den Sicherheitskräften sind nur ein Zwischenschritt. Das Ergebnis steht schon vorher fest – die Macher einer solchen nur zum Schein „unabhängigen“ Studie würden letztlich aus demselben „zivilgesellschaftlichen“ Milieu kommen, das jetzt schon die „Mitte der Gesellschaft“ unter Dauerdenunziation stellt.

Jede derartige „Studie“ würde also unweigerlich nicht nur reale Mißstände an den Tag bringen, sondern aufgrund des bloßen Vorhandenseins nicht-linker Positionen ein massives „Rechtsextremismus“-Problem konstruieren und im nächsten Schritt „Reformen“ einfordern, um die Träger solcher Gesinnungen aus der Polizei herauszudrängen. Als zweifellos erwünschter Nebeneffekt würde so auch die beträchtliche Anhängerschaft der oppositionellen AfD in den Sicherheitskräften dezimiert.

Das Ergebnis wäre eine ideologisch durchformatierte Polizei, die nicht mehr der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz verpflichtet wäre, sondern der Willkür der korrekten linken Gesinnung. Nachdem Bundesinnenminister Horst Seehofer schon halb umgefallen ist und eine allgemeine „Rassismus“-Studie vorschlägt, ist das Einknicken der Union nur eine Frage der Zeit.

Die Axt blitzt an einer Wurzel des demokratischen Rechtsstaats. Und die ihn verteidigen müßten, stolpern in die Falle, die zu stellen einige Narren oder tatsächliche Extremisten ermöglicht haben. Und sie leisten auch noch Handlangerdienste, weil sie aus Feigheit oder Opportunismus nicht willens oder fähig sind, den perfiden Plan zu durchschauen. Deutschland droht wieder einmal zur Republik ohne Republikaner zu werden.

JF 40/20

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PARIS. Im Fall der Messerattacke vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo in Paris gehen die Ermittler von einem islamisch motivierten Terroranschlag aus. Laut Innenminister Gérald Darmanin gebe so gut wie keine Zweifel, daß es sich bei der Tat um einen weiteren „blutigen Angriff auf unser Land“ handle.

Die Polizeipräfektur solle nun prüfen, warum sie die Bedrohung in der Straße unterschätzt habe, auch wenn die Redaktion von Charlie Hebdo dort schon seit längerem nicht mehr ihren Sitz habe.

Bei der Attacke am Freitag mittag waren zwei Journalisten einer Agentur, die gerade eine Raucherpause vor dem Gebäude machten, von einem Mann verletzt worden. Er soll die beiden mit einem Hackmesser oder eine Machete angegriffen haben. Die zwei Opfer sollen sich nicht in Lebensgefahr befinden.

Täter soll polizeibekannt sein

Die Polizei nahm kurze Zeit später einen 18 Jahre alten Pakistaner fest, bei dem es sich um den mutmaßlichen Haupttäter handeln soll. Französischen Medien zufolge war er bereits polizeibekannt. Zudem wurde ein 33 Jahre alter Mann verhaftet. Bei ihm prüfen die Ermittler, in welcher Beziehung er zu dem mutmaßlichen Haupttäter stand.

Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP soll es noch fünf weiter Festnahmen gegeben haben. Darunter soll sich auch ein früherer Mitbewohner des 18jährigen Pakistaners befinden.

Seit September läuft in Paris ein Prozeß gegen 14 mutmaßliche Komplizen und Hintermänner der tödlichen Anschläge auf die Charlie Hebdo-Redaktion von 2015. Damals waren mehrere Islamisten mit Sturmgewehren in das Redaktionsgebäude eingedrungen und hatten dort das Feuer auf die Mitarbeiter und einen Sicherheitsmann eröffnet. Dabei wurden elf Personen getötet. Als Motiv für die Tat galt die Veröffentlichung von Mohammedkarikaturen durch Charlie Hebdo.

Anläßlich des Beginns des jetzigen Prozesses hat das Magazin die Karikaturen in einem Sonderheft erneut abgedruckt. Seit 2015 wurden bei islamistischen Anschlägen in Frankreich 258 Menschen getötet. (krk)

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Es war das bis dato schwerste Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik. Vor vierzig Jahren, am 26. September 1980, verloren bei einer Bombenexplosion am Nordausgang der Münchener Theresienwiese 13 Menschen ihr Leben und über dreihundert weitere Besucher des damaligen Oktoberfestes wurden zum Teil schwer verletzt. Trotz zweier Ermittlungsverfahren konnten die genauen Hintergründe des Anschlages nie abschließend geklärt werden. Bis heute ist das Verbrechen daher Gegenstand zahlloser Spekulationen und einer andauernden politischen Instrumentalisierung.

Es war ein warmer Altweibersommerabend. Das schöne Wetter lockte an diesem Freitag viele Besucher auf die traditionelle Wies´n. Gegen 22 Uhr war in den meisten Bierzelten bereits die letzte Maß ausgeschenkt worden und Menschentrauben verließen bereits das Festgelände. Eine der Hauptrouten für die abfließenden Besucherströme führte über den Nordausgang auf den Münchener Bavariaring. Um 22.19 Uhr schoß hier eine gleißend helle Stichflamme in den Nachthimmel empor. Unmittelbar danach detonierte eine Bombe auf dem kleinen Vorplatz.

Schnell rückten Polizei und Rettungskräfte an. Noch in der Nacht erschien der bayrische Ministerpräsident und damalige Kanzlerkandidat, Franz-Josef Strauß (CSU), am Anschlagsort. Vor der Kulisse der anhaltenden Bergungsarbeiten ließ er sich vor laufender Kamera von Polizeibeamten in die Lage einweisen, um danach den herbeigeeilten Journalisten schwere Vorwürfe gegen die amtierende sozial-liberale Bundesregierung in die Notizblöcke zu diktieren.

Die erste Spur führte zur Wehrsportgruppe Hoffmann

Strauß, der – wie viele andere auch – zunächst von einem Anschlag der Roten Armee Fraktion oder einer anderen linksextremen Gruppe ausgegangen war, nutzte die vermeintliche Gunst der Stunde und unterstellte – eine Woche vor der anstehenden Bundestagswahl – seinen politischen Kontrahenten, den Sicherheitsapparat demoralisiert zu haben. Noch am darauffolgenden Samstag führte der im Raum stehende Terrorverdacht dazu, daß Generalbundesanwalt Kurt Rebmann die Ermittlungen an sich zog.

Bayerns Ministerpräsident Franz-Josef Strauß (CSU) während der Gedenkveranstaltung für die Attentatsopfer Foto: picture alliance
Bayerns Ministerpräsident Franz-Josef Strauß (CSU) während der Gedenkveranstaltung für die Attentatsopfer Foto: picture alliance

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits eine erste heiße Spur ergeben. Die Behörden gingen davon aus, daß der Sprengsatz in einem Abfallbehälter platziert worden war. Der am nächsten zum Explosionsort aufgefundene Tote konnte als der aus Donaueschingen stammende 21jährige Student Gundolf Köhler identifiziert werden.

Ein Abruf aus dem Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS), einer computergestützten Datei der bundesdeutschen Geheimdienste, förderte die Information zutage, daß Köhler Anhänger der im Januar 1980 durch Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) verbotenen Wehrsportgruppe (WSG) Hoffmann gewesen sein soll. Damit schien die Annahme eines linken Anschlages plötzlich auf der Kippe zu stehen.

Nun geschah etwas äußerst Merkwürdiges. Obwohl Rebmann umgehend eine Nachrichtensperre angeordnet hatte, griff der Leiter der Staatsschutzabteilung im bayrischen Innenministerium, Hans Georg Langemann, zum Telefon und stach die sensiblen Erkenntnisse an mehrere Journalisten durch. Schnell wurde in den Medien kolportiert, es handele sich um einen rechtsterroristisch motivierten Anschlag. Die Gründe, die Bayerns obersten Staatsschützer hierzu bewogen haben, sind bis heute Gegenstand von Spekulationen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der außerordentlich schillernden Persönlichkeit Langemanns.

Funktionäre von CDU/CSU bauten eigenen Spionagedienst auf

Zunächst hatte dieser seine Karriere in der Abteilung für Gegenaufklärung des Bundesnachrichtendienstes (BND) unter Generalmajor Wolfgang Langkau begonnen. Diese Einheit bespitzelte unter anderem SPD-Funktionäre und politische Gruppierungen, die sich gegen die Westbindung der jungen Bundesrepublik engagierten. Mit dem Amtsantritt von Kanzler Willy Brandt (SPD) wurde die Abteilung 1969 aufgelöst und zugleich waren die Unionsparteien nun vom Zugriff auf die Informationen des BND abgeschnitten.

Noch im Herbst desselben Jahres gründete Langkau mit anderen Funktionsträgern von CDU/CSU einen nach dem Unionspolitiker Hans Christoph von Stauffenberg benannten privaten Geheimdienst, der fortan für die beiden Schwesterparteien spionieren sollte. Dieser war gut organisiert, bestens vernetzt und mit erheblichen Finanzmitteln ausgestattetet.

1970 wurde der Bundesbeamte von der bayrischen Landesregierung angefordert und zunächst im Kultusministerium eingesetzt, wo er genügend Freiräume für seine Nebentätigkeit im Stauffenberg-Dienst erhielt und wo er schon bald zu einer von dessen zentralen Figuren aufstieg. Auf sein eigenes Drängen hin wurde er 1972 nachrichtendienstlicher Berater im Organisationskomitee für die Olympischen Spiele in München, die vor allem durch das Attentat der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ in Erinnerung geblieben sind.

Nicht nur im Hinblick auf das Oktoberfestattentat, sondern auch in anderen Fällen, lancierte Langemann immer wieder geheime Informationen an die Öffentlichkeit. Sein Verhalten wurde ab 1982 zum Gegenstand mehrerer parlamentarischer Untersuchungsausschüsse und eines Strafverfahrens. Einer Haftstrafe konnte sich Langemann durch ein medizinisches Gutachten entziehen und die wesentlichen Akten sind bis heute unter Verschluß. Fest steht aber, daß er 1980 als Erster die öffentliche Wahrnehmung des Oktoberfestattentates in Richtung eines rechtsterroristisch motivierten Anschlages lenkte.

WSG-Chef arbeitete mit Palästinensern zusammen

Doch klare Beweise hierfür fehlten. Zwar wurden Karl-Heinz Hoffmann, der ehemalige Chef der nach ihm benannten WSG, sowie weitere seiner Gefolgsleute vorübergehend festgenommen, jedoch mußten sie zeitnah wieder auf freien Fuß gesetzt werden, da ihnen eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden konnte. Dennoch gab es hier eine merkwürdige Koinzidenz. Nach dem Verbot seiner WSG hatte Hoffmann alte Fahrzeuge aus Militärbeständen an die palästinensische Fatah geliefert. Die Kontakte zu den Palästinensern im Libanon wurden ihm im Frühjahr 1980 von dem Rechtsterroristen Udo Albrecht vermittelt.

Albrecht hatte schon in den Siebziger Jahren mit der PLO zusammengearbeitet und steht im Verdacht, den „Schwarzen September“ bei der Vorbereitung des Attentats auf die Olympischen Spiele 1972 unterstützt zu haben. Es kann heute als gesichert gelten, daß er spätestens zum Ende der Siebziger Jahre durch den BND als Spitzel rekrutiert wurde. Ebenso kann es als wahrscheinlich gelten, daß Albrecht bewußt auf Hoffmann angesetzt wurde, um dessen Leute in den Libanon einzuschleusen, und um so ein Netzwerk zur Informationsgewinnung in der sensiblen Region zu etablieren.

Mitglieder der Wehrsportgruppe Hoffmann 1978 Foto: (c) dpa - Bildarchiv
Mitglieder der Wehrsportgruppe Hoffmann 1978 Foto: (c) dpa – Bildarchiv

Doch Hoffmann und Albrecht überwarfen sich schon nach wenigen Wochen. Der Leiter der ehemaligen WSG arbeitete danach auf eigene Faust mit der PLO zusammen. Auch in der Nacht des Oktoberfestattentats war die Überführung alter Militärfahrzeuge an die Palästinenser geplant. Genau zu dem Zeitpunkt, wo Hoffmanns Konvoi eigentlich die Stadt München in Richtung Süden hätte passieren müssen, explodierte dort die Bombe.

Dieser Umstand wurde ebenfalls sofort Gegenstand der Ermittlungen und der Presseberichterstattung. Der starke Fokus, der seitens des Generalbundesanwaltes auf die Spur zur WSG gelegt wurde, läßt sich dabei durch ein ihm unmittelbar nach dem Anschlag vorgelegtes Dossier des BND erklären, wonach deren Mitglieder sich schon 1979 gemeinsam mit italienischen Rechtsextremisten und palästinensischen Terroristen in einem libanesischen Lager getroffen haben sollen, um Attentate in Europa zu planen.

Italiens Militärgeheimdienst mischte mit

Diese falsche Meldung stammte ursprünglich vom italienischen Militärgeheimdienst SISMI. Dieser Dienst spielte bereits im Zusammenhang mit dem im August 1980 auf den Bahnhof von Bologna verübten Bombenanschlag eine höchst dubiose Rolle. Schon kurz nach der dortigen Explosion des Sprengsatzes, bei dem 85 Menschen ums Leben kamen, ging bei der italienischen Presseagentur ANSA ein Anruf ein, in dem sich die neofaschistsche Terrororganisation Nuclei Armati Rivoluzzionari (NAR) zu dem Attentat bekannte. Später stellte sich heraus, dass dieses Telefonat von einem Büro des SISMI in Florenz ausging.

Zwar wurden nach Prozessen durch mehrere Instanzen schließlich Mitglieder der NAR für das Attentat verurteilt, allerdings bestreiten diese bis heute eine Beteiligung an dem Anschlag in Bologna, wohingegen sie zahlreiche andere Morde und schwere Verbrechen vor Gericht durchaus gestanden.

Im Januar 1981 wurde dann in einem nach Mailand fahrenden Zug ein Koffer mit Sprengstoff gefunden. Der SISMI warnte sofort vor einem durch Mitglieder der ehemaligen Wehrsportgruppe Hoffmann geplanten Anschlag, doch hier stellte sich im Nachgang ebenso heraus, daß die Bombe durch den italienischen Geheimdienst selbst in dem Zug platziert und mit deutschsprachigen Zeitungen und Dokumenten drapiert wurde.

Auch die Beziehungen Gundolf Köhlers zur WSG waren nur schwach. Als Jugendlicher nahm er mit 16 Jahren an zwei ihrer Übungen teil und schrieb dann noch einige Male mit Hoffmann. Daneben bestanden noch punktuelle Kontakte Köhlers zu weiteren rechtsgerichteten Gruppierungen, jedoch sind diese nur bis 1977 nachweisbar.

Insgesamt scheint die Affinität Köhlers zur politischen Rechten vor allem durch eine pubertäre Begeisterung für alles Militärische gespeist worden zu sein. Nach dem Ablegen des Abiturs 1978 und einer anschließenden Verpflichtung als Zeitsoldat bei der Bundeswehr dürften rechte Einstellungen bei ihm allenfalls noch fragmentarisch vorhanden gewesen sein.

Köhler experimentierte mit Sprengstoff

Familienangehörige berichten, daß er sich für die gerade erst gegründete Partei „Die Grünen“ engagierte. Es ist daher sehr verwunderlich, warum Köhler überhaupt namentlich in der NADIS-Datei erfaßt war und welche Behörde die Speicherung seinerzeit veranlaßte. Heute dürfen bundesdeutsche Geheimdienste personenbezogene Daten von Minderjährigen jedenfalls nur in absoluten Ausnahmefällen dort hinterlegen. Ebenso bemerkenswert ist, daß Köhler scheinbar keine Schwierigkeiten bei seiner Verpflichtung als Zeitsoldat bekam.

Der Student Gundolf Köhler gilt bis heute als alleinverantwortlich für das Oktoberfestattentat Foto: picture alliance
Der Student Gundolf Köhler gilt bis heute als alleinverantwortlich für das Oktoberfestattentat Foto: picture alliance

Regulär führt die Bundeswehr eine Sicherheitsüberprüfung ihrer Angehörigen durch, zu der auch ein Abgleich mit NADIS-Daten gehört. Eine im Zuge der Recherchen zu diesem Artikel an den Generalbundesanwalt gerichtete Nachfrage beantwortete die Behörde damit, daß sie zu diesem Komplex nichts sagen könne.

Für Köhler als Täter sprach jedoch, daß er bereits als Jugendlicher mit selbst hergestellten Sprengstoffen experimentierte. Seine Kenntnisse hätten durchaus zum Bau der in München zur Explosion gebrachten Bombe ausgereicht. Woher der eingesetzte militärische Sprengstoff und die einzelnen Komponenten stammten, ließ sich aber nicht zurückverfolgen.

Privates Scheitern soll Köhler zur Tat getrieben haben

Zwei Jahre nach dem Anschlag stellte der Generalbundesanwalt das Verfahren schließlich mit dem Ergebnis ein, daß Köhler ein Einzeltäter gewesen sei. Als Motiv unterstellte man in Karlsruhe ein persönliches Scheitern, für das sich der junge Mann an der Gesellschaft habe rächen wollen. Angesichts der Erkenntnisse zu seiner Person mutet dies recht befremdlich an, denn Köhler wurde als vielseitig interessierter junger Mann beschrieben, der im Umgang mit anderen Menschen vielleicht etwas unbeholfen wirkte, aber der dennoch als gut integriert in das familiäre und das – wenn auch kleine – soziale Umfeld galt.

Die Ermittlungen förderten zutage, daß seine Zuneigung zu einem Mädchen unerwidert blieb und daß er vor dem Attentat an einer universitären Prüfung scheiterte. Dies alles sind keine Probleme, vor denen nicht auch Zehntausende anderer junger Männer gleichen Alters jedes Jahr stehen. Von einer tiefgreifenden psychosozialen Entwurzelung, wie sie typisch für Täter von amokähnlichen Straftaten ist, konnte bei Köhler jedenfalls keine Rede sein.

Zeugenaussagen sind widersprüchlich

In der Presse wurde daher weiter an dem Narrativ einer rechtsextremistischen Tat geschraubt. Besonders hartnäckig zeigte sich hierbei der Münchener Journalist Ulrich Chaussy. Er vertrat von Anfang an die These, daß der Anschlag auf das Oktoberfest von einer rechtsgerichteten Gruppierung ausgeführt worden war. Als Beleg hierfür zog er im Wesentlichen die Aussagen von drei Zeugen heran, die Köhler am Tatabend mit einem beziehungsweise mit zwei weiteren Männern gesehen haben wollen.

Aus kriminalistischer Sicht ist die Frage nach möglichen Mittätern berechtigt, doch angesichts der konkreten Umstände zeigt die extreme Fokussierung auf diesen Aspekt zugleich das Interesse an einem ganz bestimmten Ergebnis. Unterstellt man nämlich, daß der Anschlag von einer Gruppe zu verantworten ist, dann wäre kaum anzunehmen, daß diese gleich mehrere Mitglieder in die unmittelbare Tatausführung einbindet, wo doch für den Transport, die Platzierung und die Zündung der Bombe eine Person vollkommen ausgereicht hätte.

Die ausgewählten Zeugenaussagen sind zudem in Bezug zueinander widersprüchlich und bekunden teilweise objektiv falsche Tatsachen, etwa hinsichtlich der von Köhler getragenen Bekleidung und seiner Frisur. Sie stehen ebenso in Konflikt zu anderen Aussagen, die den jungen Mann aus Donaueschingen allein gesehen haben wollen. Weiterhin wirft Chaussy den bayrischen Behörden vor, mit der Brechung der Nachrichtensperre des Generalbundesanwaltes mögliche Mittäter gewarnt und ihnen damit die Möglichkeit zur Spurenbeseitigung gegeben zu haben.

Dies kontrastiert dann aber die These von den am Tatort anwesenden Mittätern. Wären dort weitere Beteiligte zugegen gewesen, so stellt sich die Frage, vor was diese noch hätten gewarnt werden sollen, wo sie den vermutlich unbeabsichtigten Tod Köhlers doch selbst beobachtet haben dürften.

Der BR setzte seinem Journalisten ein Denkmal

Eine plausible Antwort auf die Frage, warum Rechtsextremisten wahllos Passanten ausgerechnet auf einer Veranstaltung töten sollten, die als symbolträchtiger Ausdruck deutscher Volkstümlichkeit gilt, blieb Chaussy ebenso schuldig. Dennoch recherchierte der unter anderem für den Bayrischen Rundfunk tätige Journalist jahrzehntelang unermüdlich zu dem Fall. In dem prominent besetzten Film „Der blinde Fleck“ des Regisseurs Daniel Harrich wurde Chaussy 2013 dann ein ganz persönliches Denkmal gesetzt. Gespielt von Schauspieler Benno Fürmann, ließ er sich als furchtloser Held im Kampf für das Gute inszenieren.

Der BR-Journalist Ulrich Chaussy recherchierte jahrelang zum Oktoberfestattentat (Archivbild) Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress
Der BR-Journalist Ulrich Chaussy recherchierte jahrelang zum Oktoberfestattentat (Archivbild) Foto: picture alliance/Geisler-Fotopress

Im Wesentlichen folgt der in den Studios des Bayrischen Rundfunks abgedrehte Streifen dabei der auch aus anderen Fällen bekannten Großerzählung, daß der Staat rechte Straftäter nur unzureichend verfolge oder möglicherweise sogar decke. Die sich aufdrängende Anschlußfrage, warum derselbe Staat auf der anderen Seite Journalisten für das Aufdecken solch vermeintlicher Zusammenhänge mit großzügigen Tantiemen, Preisen und Verdienstorden überhäufen sollte, wie sie Chaussy zuteil wurden, blieb in dem Film indes unbehandelt.

Deutung zum Oktoberfestattentat ändert sich nicht

Seine Uraufführung führte schließlich 2014 zu einer Wiederaufnahme der Ermittlungen durch den Generalbundesanwalt. Während dieses Verfahrens wurden alte Spuren wiederholt ausgewertet und neue – zum Teil höchst abenteuerliche – Zeugenaussagen einbezogen. Im Juli dieses Jahres erfolgte dann die erneute Einstellung.Wieder kam der oberste Ankläger der Republik zu dem Ergebnis, daß Köhler als Einzeltäter handelte. Anders als 1982 steht für die Karlsruher Behörde heute jedoch fest, daß sein Motiv nicht aus persönlicher Frustration resultierte, sondern sich aus rechtsextremen Beweggründen speiste.

Im Rahmen der Recherche zu diesem Artikel hierzu gestellte Nachfragen beantwortete die Generalbundesanwaltschaft allerdings nicht, stattdessen verwies man dort auf die Presseerklärung zum Verfahrensabschluß, welche lediglich die nicht weiter begründete Unterstellung beinhaltet, Köhler habe angeblich einen „dem nationalsozialistischen Vorbild folgenden Führerstaat“ herbeibomben wollen. In der Tat scheint es so, daß seitens der Behörde und des politisch-medialen Mainstreams vor allem auf eine entsprechende politische Einordnung des Oktoberfestattentats hingewirkt wurde, wohingegen alternative Ansätze weitestgehend unberücksichtigt blieben.

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Der Vatikan will an einem Geheimabkommen mit China festhalten. Doch die USA fordern vom Papst, dass dieser das Abkommen auslaufen lässt. US-Außenminister Mike Pompeo will am 29. September Überzeugungsarbeit im Vatikan leisten.

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Es ist ein symbolischer Ort, an dem zwei Menschen Opfer einer Messerattacke werden. In dem Gebäude, vor dem sich die Tat ereignet, hatte einst «Charlie Hebdo» seine Redaktionsräume. Gerade läuft in Paris der Prozess gegen mögliche Helfer der damaligen Terrorserie.

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