BerlinBeerdigung der Clan-Mutter

On September 18, 2020, in Junge Freiheit, by admin

Punkt 10.25 Uhr reihte sich Arafat Abou-Chaker mit weißer Mundschutzmaske in die Reihe der Trauergäste vor dem Berliner Neuen Zwölf Apostel Friedhof ein. Der Clan-Chef kam zur Beerdigung seiner Mutter. 200 Polizeibeamten sicherten bei strahlendem Sonnenschein die Straßen rund um den Friedhof in Berlin Schöneberg.

Die Zufahrt zum Friedhof war mit Gittern abgesperrt. Gegenüber des Eingangs hatten sich Journalisten mit ihren Kameras und Mikrofonen postiert. 700 Trauergäste, viele in Trainingsjacken, Latschen und Palästinensertüchern, waren auf dem Friedhof, schätzte eine Polizeisprecherin. Die Mutter von Arafat Abou-Chaker soll 1951 geboren worden sein, hatte neun Kinder. Sie war in der Nacht zum Dienstag gestorben, nachdem sie an dem Corona-Virus erkrankt war. Ihr Sohn hatte auf Instagram ein Bild mit einer Kerze gepostet und den Worten: „Wir gehören Allah und wir werden zu ihm zurückkehren“.

Abou-Chaker steht vor Gericht

Die Familie stammt aus dem Libanon und einige Mitglieder werden immer wieder mit schweren Straftaten in Zusammenhang gebracht. Unter anderem mit dem Überfall auf das Hyatt-Hotel während einer Pokerrunde im Jahr 2010. Arafat Abou-Chaker wird zur Zeit vor dem Landgericht Berlin der Prozeß gemacht. Er soll den Musiker Bushido bedroht und erpreßt haben. Mit auf der Anklagebank sitzen drei seiner Brüder. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung und Nötigung vor.

Doch auf dem Friedhof blieb diesmal alles ruhig. Unter anderem, so berichtet die Bild-Zeitung, war auch Issa Remmo auf der Beerdigung, der Chef einer weiteren arabischen Großfamilie, von der ein Teil ebenfalls der Clan-Kriminalität zugerechnet wird. Um 12. 54 Uhr verließ Abou-Chaker die Grabstätte, umarmte einige Trauergäste und fuhr vier Minuten später im dunklen 5er BMW Touring vom Friedhof wieder weg.

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Die chinesische Virologin Li-Meng Yan hat die These gestützt, daß das Coronavirus Sars-CoV-19 in einem chinesischen Labor erstellt und absichtlich freigelassen wurde. Yan behauptet, daß sie weltweit eine der ersten war, die den Coronavirus-Ausbruch in Wuhan untersuchte, nachdem ihr Vorgesetzter an der Universität Hongkong (HKU), das eines der weltweiten Referenzlabore der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist, sie im Dezember 2019 gebeten hatte, eine Gruppe SARS-ähnlicher Fälle in Wuhan zu untersuchen.

Jetzt schreibt Yan in einem Forschungspapier, daß „ungewöhnliche Merkmale des SARS-CoV-2-Genoms“ zu erkennen seien, die eher eine „ausgeklügelte Labormodifikation“ anstatt natürlicher Evolution wahrscheinlich machten. Problematisch an der Arbeit ist, daß die drei aufgeführten Co-Autoren aber laut der Peking-kritischen South China Morning Post zuvor keine wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlicht haben.

Das Papier wurde dann auf der Website Zenodo hochgeladen, die jede Forschungsarbeit ohne Peer-Review oder ähnliche Kontrolle veröffentlicht. Als Forschungsinstitution ist die von dem ehemaligen Trump Berater Steve Bannon und von Guo Wengui, einem im Exil lebenden chinesischen Geschäftsmann und selbsterklärten Whistleblower gegründete „Gesellschaft für Rechtsstaatlichkeit“ angegeben. Diese hatte bisher keine wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlicht. Gegenüber dem Fox News Moderator Tucker Carlson erklärte Yan gar, sie glaube, daß die chinesische Regierung das Virus absichtlich freigesetzt habe.

Anerkannte Experten zweifeln an Yans Ergebnissen

Yan selbst kann eine wissenschaftliche Reputation vorweisen. So war sie Mitverfasserin einer Arbeit zur Übertragung und Pathogenese von SARS-CoV-2 bei Goldhamstern, die im Mai 2020 in Nature veröffentlicht wurde. Ebenfalls beteiligte sie sich an einer Arbeit, die die Weitergabe des COVID-19 verursachenden Virus beschreibt, welche im März 2020 im ebenfalls renommierten The Lancet veröffentlicht wurde.

In der Zusammenfassung der Arbeit heißt es: „SARS-CoV-2 weist biologische Merkmale auf, die mit einem natürlich vorkommenden, zoonotischen (Tiere befallenden) Virus unvereinbar sind“. Anerkannte Experten auf dem Gebiet der Evolutionsbiologie und der Infektionskrankheiten wie Jonathan Eisen und Carl Bergstrom sagten laut Newsweek, daß das Papier keine neuen Informationen, dafür aber mehrere unbegründete Behauptungen enthalte.

Instagram und Facebook kennzeichneten unterdessen die Beiträge als „falsche Informationen“ und erklärten, dies seien Informationen, „von denen mehrere unabhängige Faktenprüfer sagen, daß sie falsch sind“. Der Twitter-Account von Yan, die zwischenzeitlich aus Angst vor Verfolgung in die USA geflüchtet ist, wurde ohne ersichtlichen Grund gesperrt.

Yan fürchtet um ihr Leben

Laut dem US-Sender Fox News, der in der Vergangenheit offen mit US-Präsident Donald Trump sympathisierte, erhielt Yan am 31. Dezember 2019 via Kollegen Informationen darüber, daß das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werde. Sie habe ihre Erkenntnisse mehrfach an Vorgesetzte weitergegeben, woraufhin sie von ihrem Vorgesetzten gewarnt worden sei, „zu schweigen und vorsichtig zu sein“.

In Interviews, zunächst im Januar 2020 mit dem YouTube-Kanal „LuDe Media“, der von Guo Wengui finanziert wurde, und später mit Fox News, beschuldigte Yan die chinesische Regierung, von dem neuartigen Coronavirus gewußt zu haben. Da sie sich aufgrund ihres Status als Mitarbeiterin der Weltgesundheitsorganisation verpflichtet fühlte, der Welt von ihren Forschungen zu berichten, floh Yan am 28. April in die USA, um „die Wahrheit über COVID“ zu berichten. Sie fügte hinzu, wenn sie versuche, ihre Geschichte in China zu erzählen, werde sie „verschwinden und getötet“.

Wissenschaftliche Beweise sollen folgen

Im Juli 2020 dementierte die HKU Yans Behauptung und erklärte, „daß der Inhalt der besagten Nachrichtensendung nicht mit den Schlüsselfakten, wie wir sie verstehen, übereinstimmt“. Insbesondere habe Dr. Yan im Dezember 2019 und Januar 2020 an der HKU keine Forschung zur Übertragung des neuartigen Coronavirus von Mensch zu Mensch durchgeführt.

Nun wurde Yan in der Talkshow „Loose Women“ interviewt und sie kündigte dort an, wissenschaftliche Beweise dafür zu veröffentlichen, daß SARS-CoV-2 in einem Labor in Wuhan hergestellt wurde. Der Direktor des Wuhan-Instituts für Virologie hatte zuvor bestritten, daß das Virus aus seiner Einrichtung stamme.

Trump und sein Außenminister Mike Pompeo hatten bereits im April behauptet, das Virus habe sich aus einem Labor in Wuhan verbreitet und nicht vom örtlichen Tiermarkt.

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Wie lange wird es dieses Mal dauern, bis Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) seine Meinung ändert? Nachdem er jüngst in der Frage der Aufnahme der Moria-Migranten seinem Ruf als Umfaller der Nation wieder alle Ehre machte, steht er wieder im Fokus. Grund ist die Aufregung um rechtsextreme Nachrichten in einer Chatgruppe von Polizisten in Nordrhein-Westfalen.

Dort hatten 30 Beamte geschmacklose, rassistische Inhalte untereinander geteilt. Sie alle wurden vom Dienst suspendiert und gegen 14 von ihnen laufen mittlerweile Disziplinarverfahren.

Doch das reicht in Zeiten von „Black Lives Matter“, polizeifeindlichen Zeitungskommentaren und dem Berliner Antidiskriminierungsgesetz nicht mehr. Um den Generalverdacht gegen die Sicherheitsbehörden zu untermauern, fordern linke Politiker, Journalisten und selbsterklärte Fachleute für Polizeigewalt seit längerem schon eine bundesweite Studie zu rassistischen Vorurteilen und Einstellungen unter Polizisten.

SPD zweifelt an Polizisten

Bislang hält Seehofer das für nicht notwendig. Er sei davon überzeugt, daß die überwältigende Mehrheit der Polizisten rechtsextreme Inhalte ablehnten, äußerte der CSU-Politiker gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Die Beamten stünden mehrheitlich „zweifelsfrei zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung“.

Die Sozialdemokraten scheinen da ihre Zweifel zu haben. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), der zugleich Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist, brachte bereits eine entsprechende Untersuchung der SPD-regierten Bundesländer ins Spiel. Ob diese Studie komme, sei dabei nicht mehr die Frage, nur noch wie sie aussehen solle, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Freilich solle das Ganze aber keine „Gesinnungsprüfung“ werden, versicherte er.

Wackelt Seehofer schon?

Schützenhilfe bekommt Maier nicht nur von der innenpolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic. Auch Bundesjustizministerin Christine Lamprecht (SPD) setzt Seehofer unter Druck, sich nicht länger dem Vorhaben zu verweigern.

Seehofers „Nein“ zur Aufnahme von Flüchtlingen aus dem von ihnen angezündeten Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos hielt gerade einmal zwei Tage. Mal sehen, wie lange es dauert, bis der Bajuware grünes Licht für die lautstark geforderte Polizeistudie gibt. Es darf gewettet werden.

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STUTTGART. Mehrere Flüchtlingshilfsorganisationen in Stuttgart haben kostenloses Internet für Asylsuchende gefordert. Der Arbeitskreis Asyl, die Stuttgarter Freundeskreise und der landeskirchliche Beauftragte im Migrationsdienst beklagten in einem Brief an Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) die Wohnbedingungen in Stuttgarter Flüchtlingsunterkünften.

„Die unzureichende Ausstattung mit Wlan hat sich in den vergangenen Monaten während der Corona-Einschränkungen verschärft gezeigt“, mahnten die Asylhelfer laut der Stuttgarter Zeitung. Sie forderten guten Empfang in jedem Zimmer. Umfragen in 14 Unterkünften hätten ergeben, daß der Internetzugang oft lediglich über Spenden finanziert sei. Einige Einwanderer kauften auch Datenvolumenkarten für ihr Handy, doch das Geld reiche auf Dauer dafür nicht aus.

Die Asylsuchenden benötigen das für sie kostenlose Internet demnach unter anderem für den Kontakt zu Rechtsanwälten oder für die Schule. Zwar gebe es in den Unterkünften auch Sozialarbeiterräume, in denen der Zugang zum Internet möglich sei. Doch für den Abruf von Hausaufgaben beispielsweise seien „diese schwachen Notlösungen nicht geeignet“.

Ähnliche Forderungen gibt es immer wieder

Immer wieder gibt es Forderungen nach besseren Wohnbedingungen in Asylunterkünften. Im Juli hatten Bewohner des Flüchtlingsheims in Frankfurt Bonamesverlangt, der Sicherheitsdienst müsse abgezogen werden. Zuvor war es jedoch zu Protesten gekommen, weil die Asylbewerber zu schlechtes Wlan, zu geringe Stromkapazitäten, zu kleine Wohnungen und zu wenig Privatsphäre beanstandet hatten.

Die Stadt hatte auf Schwierigkeiten mit der Stromversorgung aufmerksam gemacht, da diese über ein Trafohäuschen geregelt werde. Die Bewohner hätten sich trotz dieses Problems eigene Elektrogeräte beschafft, was zu einer Überlastung des Netzes und einer erheblichen Brandgefahr geführt habe.

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen hatte wegen der Corona-Pandemie gefordert, Asylbewerber aus Sammelunterkünften zu verlegen und in Hotelzimmern unterzubringen. Pro Zimmer dürfe nur eine Person untergerbacht werden. „Insbesondere aufgrund der Isolation, die mit der Corona-Pandemie verbundenen ist, ist es unabdingbar, daß die Bewohnenden sich über die digitalen Medien vernetzen, informieren und vor allem auch mit anderen Personen kommunizieren können – auch um einen Lagerkoller in dieser ohnehin schwierigen Situation zu verhindern“, mahnte Muzaffer Öztürkyilmaz, Referent des Flüchtlingsrats. (ls)

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WASHINGTON. US-Präsident Donald Trump hat eine Kommission zur Förderung „patriotischer Bildung“ eingesetzt. Seit Jahrzehnten werde Schülern mittels „linker Indoktrination“ eingetrichtert, sich für die Geschichte ihres Landes zu schämen, kritisierte Trump. Das sei eine Form des Kindesmißbrauchs. „Unserer Jugend wird beigebracht werden, Amerika mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele zu lieben“, kündigte er am Donnerstag anlässlich des 233. Jahrestags der Unterzeichnung der US-Verfassung an.

Eine radikale Bewegung versuche das wertvolle Erbe des Landes zu beschädigen. Amerikanische Eltern würden die sogenannte „Cancel Culture“ sowie die Verdrängung von traditionellem Glaube, Kultur und Werten in der Öffentlichkeit aber nicht hinnehmen, führte er aus.

„Radikale Demokraten“ schuld an Ausschreitungen

Die Ausschreitungen in amerikanischen Städten in den vergangenen Monaten seien das Ergebnis dieser „linken Indoktrination“ durch „radikale Demokraten“ und Medien.

Beispielsweise mache die New York Times Stimmung gegen die USA. In ihrem „1619-Projekt“ analysiert die Zeitung die Rolle der Sklaverei beim Aufstieg Amerikas.

Trump bezeichnete die Kampagne als „toxische Propaganda“ und „ideologisches Gift“, die das Land zu zerstören drohe. Das Projekt vermittle Kindern und Erwachsenen, sie müßten sich für ihr Weißsein schämen.

Libertären-Abgeordneter kritisiert Vorhaben

Der Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Justin Amash (Libertäre Partei), kritisierte Trumps Vorhaben. „Laßt die Regierung aus dem Spiel. Meine Familie braucht und will keinen Präsidenten, weder diesen noch einen anderen, der den Schulen sagt, was sie lehren sollen“, schrieb er auf Twitter.

Autor Ben Shapiro warf den Gegnern des Beschlusses hingegen vor, aus politischer Korrektheit auf einer „staatlich finanzierten, unsinnigen falschen Pseudo-Geschichte“ zu beharren, in der Amerika das personifizierte Böse sei.

(zit)

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BERLIN. Die AfD hat einen sofortigen Stopp der sogenannten Westbalkanregelung gefordert. „Entgegen der öffentlichen Verlautbarungen der Bundesregierung ist die Westbalkanregelung alles andere als ein Erfolgsmodell“, kritisierte der Obmann der AfD-Bundestagsfraktion im Ausschuß für Arbeit und Soziales, René Springer, am Freitag gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Es sei „völlig verantwortungslos, weiter Arbeitskräfte im Ausland anzuwerben, während die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung hierzulande immer mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit stürzen“.

Ende August hatte das Bundeskabinett beschlossen, die erleichterte Zuwanderung von Arbeitskräften aus den Staaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien um weitere drei Jahre zu verlängern. Künftig sind die Kontingente auf 25.000 Personen pro Jahr begrenzt. Die 2016 eingeführte Regelung war bis Ende 2020 befristet. Sie habe sich „zu einem intensiv genutzten Weg der legalen Arbeitsmigration entwickelt“, lobte das SPD-geführte Bundesarbeitsministerium vor kurzem.

Weniger als 40 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt

AfD-Sozialpolitiker Springer verlangt nun jedoch, die Verlängerung „umgehend zurückzunehmen“. Er begründet dies mit den Ergebnissen einer Anfrage an das Bundesarbeitsministerium. Demnach ging weniger als die Hälfte der Ende 2019 im Ausländerzentralregister gemeldeten Personen aus den Westbalkanstaaten einer Arbeit nach. Von den rund 901.000 Einwanderern waren etwa 356.400 (39,5 Prozent) sozialversicherungspflichtig beschäftigt, weitere 58.000 ausschließlich geringfügig. Fast 24.000 Beschäftigte aus dem Westbalkan bezogen aufstockende Sozialleistungen.

Das Einkommen der Zuwanderer lag 2019 mit rund 2.600 Euro um 790 Euro (23,2 Prozent) unter dem durchschnittlichen Entgelt aller Sozialversicherten. Im Jahr vor Beginn der Westbalkanregelung hatte die Differenz noch bei 583 Euro gelegen. Zudem stieg den Angaben der Bundesregierung zufolge der Anteil der Beschäftigen im Niedriglohnsektor aus den Westbalkanländern von 31,2 auf 33,5 Prozent. Insgesamt ging die Zahl der Niedriglohnbezieher jedoch zurück.

Stand Ende 2019 bezogen zudem fast 118.000 Personen aus den Westbalkanländern Hartz IV. Der Großteil davon erhielt diese Sozialleistung schon länger als ein Jahr, rund 52.000 von ihnen sogar länger über vier Jahre. (ls)

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„Wild thing, you make …“ – dann brach der Leadsänger mit einem „Tock“ im Lautsprecher, brach auch der Gitarrendonner ab. Das war 1968, ich war vierzehn, und in der Aula des Jesuiteninternats Aloisius-Kolleg in Bad Godesberg (Ako) hatte sich das Parkett gebogen. Gefeiert wurde die Übergabe der Abiturzeugnisse unter anderem an meinen großen Bruder, und in diesem Jahr war diese angereichert durch eine Einlage der Ako-Band „Young loud creatures“ oder so ähnlich.

Ich hätte aufschreien können vor Vergnügen. „Wild thing, you make my heart sing, you make everything groovy …“, es war so herrlich laut und schön überraschend, die Eltern runzelten die Brauen, und die Patres schauten verdutzt, bis einer von ihnen aufsprang, den Stecker zog und für bleierne Stille sorgte.

Drei Jahre später, als ich bereits in einer maoistischen, aber dennoch Kiffer-WG wohnte, hörte ich den Song der Troggs aus einer Welt lustiger Tumulte und Aufbrüche in einem Programmkino, das den Auftritt von Jimi Hendrix auf dem Monterey Pop Festival 1969 zeigte.

In memoriam, denn Hendrix war überraschend gestorben. Tot aufgefunden in seinem Hotelbett am 18. September vor genau 50 Jahren. Ein weiterer aus dem Club 27 – Musiker, die im Alter von 27 Jahren verstarben –, wie Brian Jones von den Rolling Stones vor ihm, Janis Joplin zwei Wochen nach Hendrix, Jim Morrison im Jahr darauf, und Generationen später Kurt Cobain und Amy Winehouse.

In Hendrix’ Version war der Song ein brodelner zischender Elektro-Orgasmus auf offener Bühne, die Patres im Ako müssen sowas geahnt haben, er kniete über seiner Gitarre und ritt sie wie im Rodeo und spritzte schließlich Benzin in den Korpus, zündete ihn an und ließ die Flammen zwischen seinen Knien hochschießen … Wild thing …

Er wischte die Harmonien der Beatles beiseite

Jimi Hendrix war der Blitz aus heiterem Himmel, die geniale früh vollendete Stichflamme des Rock, Gitarrengott der Hippie-Ära, der schwarze Psychedelic-Rocker, der bunteste aller Fransenträger, Erfinder atemloser Läufe über den Gitarrensteg, fast eine Vaudeville-Nummer, wenn er die Saiten mit den Zähnen traktierte oder das Instrument auf dem Rücken spielte. Darüber hinaus Erfinder des Hendrix-Akkords E7#9 mit dem „Purple Haze“ eröffnet, ein Riff, das schwer aus dem Kopf geht.

Mit diesen drei Akkord-Hammerschlägen, die sich dann in ein Riff aus vier Tönen zerlegen, wischte er unsanft die Harmonien der Beatles beiseite, die in den Charts mit ihrem „Sgt. Pepper“-Album dominierten.

Jimi Hendrix war wie ein Meteorit in die Szene gecrasht, an jenem Abend, als Chas Chandler von den Animals seinen ersten Auftritt in einem Londoner Club organisierte und die Poparistokratie (Beatles, Stones, Who) neugierig gemacht hatte und Eric Clapton von einer Offenbarung sprach, die alles verändert hätte: sein Leben und die Art zu spielen, zu hören.

Dabei war dieser lächelnde junge schwarze Indianer, der so erstaunlich schüchtern hinter dem von ihm angerührten Höllendonner verschwand, schon länger im Business, er war in den Jahren zuvor mit den Isley Brothers getourt, hatte als Studiomusiker für Little Richard und viele andere gespielt, hatte in Tennessee gelernt, mit den Zähnen zu spielen. „Da unten mußt du das tun, sonst wirst du erschossen – die ganze Bühne ist übersät mit gebrochenen Zähnen“, flachste er.

Rockstar der Hippiezeit

Er kam 1942 in Seattle zur Welt. Die Eltern waren Tänzer, beide hatten Afroamerikaner und Cherokee-Indianer unter ihren Vorfahren. Beide tranken, und dann gingen sie aufeinander los, so daß sich der kleine James öfter im Kleiderschrank versteckte oder auf der einzigen Saite seiner Ukulele spielte, die der Alte aus dem Müll gezogen hatte – möglicherweise hatte er sich da schon das Bending antrainiert, das Verschieben der Saite auf dem Gitarrenhals, um unterschiedliche Tonlagen zu erzeugen.

Mit fünfzehn erhielt er seine erste eigene Gitarre, auf der er als Linkshänder die Saiten umgekehrt aufzog und die Rock ’n’ Roll-Champs der Stunde nachspielte, Chuck Berry und Little Richard, aber oft auch stundenlang versonnen improvisierte.

Zwei Jahre später wurde er beim Autoklau erwischt und vor die Alternative Knast oder Armee gestellt. Er wählte letzteres und absolvierte die notwendige Anzahl an Fallschirmsprüngen, um den Golden Eagle zu erwerben. Ja, Jimi Hendrix ist wahrscheinlich der einzige Rockstar der Hippiezeit, der vom Himmel fiel.

Seine Army-Zeit verkürzte er durch Disziplinlosigkeiten, die ihm eine unehrenhafte Entlassung einbrachten, aber das konnte ihn nicht besonders jucken, denn er hatte in den Baracken den Bassisten Billy Cox kennengelernt, mit dem er seine erste Band The King Kasuals gründete. Gleichzeitig trat er als Begleitmusiker für etablierte Größen wie Ike & Tina Turner, die Supremes, Little Richard oder King Curtis auf, dessen Manager auch ihn unter Vertrag nahm – für einen Dollar und ein Prozent der Einspielergebnisse!

Der Manager betrog ihn um die Einnahmen

Nachdem Chas Chandler, der Bassist der Animals, Hendrix im New Yorker „Wah?“-Café gehört hatte, wo dieser mit dem Balladen-Klassiker „Hey Joe“ aufgetreten war, hatte er ihn gemeinsam mit Michael Jeffery, dem Manager der Animals, unter Vertrag genommen. Jeffery wird in der Zukunft dafür sorgen, daß die Konzerteinnahmen Hendrix’ auf seinem Konto in den Bahamas landeten und der umjubelte Gitarrengott ständig pleite war.

Chandler besorgte die künstlerischen Seiten des Unternehmens „Hendrix“. Er fand für ihn den Bassisten Noel Redding und den Schlagzeuger Mitch Mitchell und verwandelte den „Jimmy“ in einen „Jimi“ Hendrix.

Wie Chandler bereits nach dem Auftritt im New Yorker „Wah?“ geahnt hatte, wurde „Hey Joe“ ein Hit, gefolgt von „Purple Haze“, der Kifferapotheose, dem akustischen Denkmal für das stärkste Kraut mit den größten psychedelischen Wirkungen, das damals aus Marihuana zu gewinnnen war. Mit anderen Worten: Man mußte sich schon ziemlich gut anschnallen, wenn man mit diesem Zeug auf Reisen ging.

Seine Sativa-Blume hatte violette Knollen, und Jimi beschwor den violetten Nebel, der ihm ins Hirn kriecht und ihn den Himmel küssen läßt, bis er ihn schachmatt setzt und er nur noch „help me“ rufen kann, „hilf mir … keine Ahnung, ob es morgen ist oder schon das Ende der Zeiten, hilf mir …“

Während die beiden Songs in den Charts hochschosssen, bastelte Hendrix, der sich inzwischen hauptsächlich auf LSD befand und von vielen Freundinnen umringt war, an der nächsten Dröhnung. Das Album hieß „Are you experienced“ und war ein Wunderwerk aus Rhythm & Blues, Pop und Science-Fiction, aus raffiniertesten Klangcollagen und endlosen Studio-Overdubs. Es hielt sich 33 Wochen lang in den Charts und wurde an der Spitzenposition nur durch dieses Kostümalbum der Beatles, durch „Sgt. Pepper“, gehindert.

Und er erwies den Beatles Reverenz mit einem Auftritt im Londoner Saville Theatre drei Tage nach Erscheinen des Albums. Paul McCartney und George Harrison saßen im Zuschauerraum, und Jimi spielte als Eröffnungsnummer „Sgt. Pepper“ und rief vorher: „Steckt euch was in die Ohren“, denn er entfesselte tatsächlich einen Orkan mit dem Song, an den sich Paul McCartney noch knapp fünfzig Jahre später in einem Konzert erinnerte. Voller Stolz.

Legendärer Woodstock-Auftriff

Sein flammender Auftritt im gleichen Jahr auf dem Monterey-Festival, der auf Paul McCartneys Empfehlung zustande kam, etablierte ihn endgültig als Ikone seiner Ära.

Als ob er ahnte, daß ihm nicht viel Zeit bleiben würde, schloß er die Arbeiten an dem zweiten Album „Axis: Bold as Love“ mit einer magisch-eindringlichen Titelnummer gleich an und begann mit den Sessions zu seinem dritten Album „Electric Ladyland“, die sich allerdings bis weit ins Jahr 1968 hinzogen, da das Studio bevölkert wurde durch Freunde und Dealer und Frauen.

Bassist Redding erinnerte sich: „Man konnte sich kaum bewegen, das war mehr Party als Aufnahme-Session.“ Er schmiß hin, so daß Hendrix den Bass selber einspielte. „Produktion: Hendrix“ stand auf dem Cover. Dennoch und vielleicht deshalb war das Endprodukt für Peter Doggett vom Musikmagazin Record Collector „eine Präsentation musikalischer Virtuosität, die kein Rockmusiker je erreicht oder überholt“ hätte.

Danach legte er ein halbes Jahr Pause ein. Mittlerweile war die Gruppe zerfallen. Hendrix logierte in einem Dorf in Upstate New York in einem Sechs-Zimmer-Haus, das Manager Jefferey angemietet hatte in der Hoffnung, daß Hendrix neues Material produzierte.

In jenen Tagen war er einer der höchstbezahlten Rockstars, und sein Auftritt beim Woodstock-Festival war gebucht. Als er dort allerdings auftrat, waren die meisten Besucher, offenbar durch falsche Ansagen ermuntert, bereits aufgebrochen. Sie sollten den brillantesten und geschichtsträchtigsten Auftritt des ganzen Festivals verpassen: Jimi Hendrix spielte für die verbliebenen vielleicht 30.000 Zuschauer die amerikanische Nationalhymne.

Er spielte und zerlegte gleichzeitig das „Star Spangled Banner“, ließ die Melodie optimistisch in den Himmel steigen, um sie dann abstürzen zu lassen in Trommelfeuergeräuschen, Raketeneinschlägen, melodischen Fetzen, mit denen er das Kriegsgeschehen in Vietnam akustisch illustrierte – die Hymne der Kriegsdienstverweigerer, gleichzeitig die bitterste aller Anklagen gegen die amerikanische Politik.

Drogentod im Hotelzimmer

Nach einigen weiteren Auftritten – abgeledert und wie stets pleite, da ihm Jefferey die Einnahmen weggaunerte – kam er bei einer Freundin in London unter und verbrachte die letzten Tage vor seinem Tod – den er vor Freunden immer wieder vorausgeahnt hatte – auf drogengesättigten Parties mit vielen Frauen, unter anderem seiner deutschen Freundin Monika Dannemann. Sie hatte für ihn in ihrem Hotelapartment gekocht und Wein getrunken, bis in den Morgen hinein mit ihm geredet und war dann eingeschlafen, bis sie mittags, wieder erwacht, erfolglos versuchte, ihn zu wecken. Der Coroner notierte, daß Jimi Hendrix an seinem eigenen Erbrochenen erstickt sei.

Es gibt andere Versionen, ohne Monika Dannemann, eine spricht von einem Auftragsmord durch die Mafia. Allerdings: Der Club der 27jährigen hat den Tod durch Drogen praktisch zum Eintrittskriterium erhoben. So sind sie dahingegangen auf der Suche nach Entgrenzung, alle zu früh.

Einige aus meiner Kohorte sind ihnen auf diesem Weg gefolgt, in den violetten Nebel, einige früh, andere waren vielleicht länger unterwegs, aber letztlich genauso schmerzhaft, denn auch das war die Hippiezeit für viele – der Start zum langen Flug in Sucht und Wahn und Tod. Diejenigen, die den Sirenengesang überlebt haben, waren diejenigen, die sich wie Odysseus an den Mast gebunden haben – sie starben lauter kleine Sehnsuchtstode.

JF 39/20

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Ab 2021 steigt für neue Autos mit hohem Spritverbrauch die Kfz-Steuer.

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Der ehemalige CSU-Chef Theo Waigel hatte die Union vor wenigen Monaten vor einem Rechtskurs gewarnt. „Die Geschichte zeigt, wer am rechten Rand punkten will, verliert in der Mitte und links von der Mitte, insbesondere bei Jugend, Frauen und Intellektuellen“, so Waigel.

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Anleger reagierten am Donnerstag zunächst enttäuscht auf die Sitzung der Fed vom Vorabend. Doch bis zum Schlussgong konnte der Dax das Minus eindämmen. Die Grenke-Aktie erholte sich von den Verlusten der Vortage mit einem Plus von 34 Prozent.

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