BERLIN. Der Deutsche Lehrerverband hat Kritik an der Deutschpflicht auf dem Schulhof zurückgewiesen. „Die Aufforderung an Kinder mit Migrationshintergrund sowohl untereinander, als auch zuhause und auf den Schulhöfen Deutsch zu sprechen, fördert nicht nur die Sprachfertigkeit“, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, der JUNGEN FREIHEIT. Sie diene auch der Integration, „weil es die Teilhabechancen in dieser Gesellschaft erhöht, die maßgeblich von der Beherrschung der deutschen Sprache abhängen“.

Vor kurzem hatte die Berliner Germanistikprofessorin Heike Wiese die Deutschpflicht auf Schulhöfen als „Unsinn“ bezeichnet. Dies diene weder dem Spracherwerb noch dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, sagte Wiese dem Evangelischen Pressedienst. Überdies sei es in Deutschland normal, daß Kinder mehrsprachig aufwüchsen.

Wenn Kinder auf dem Pausenhof nur Deutsch sprechen dürften, sei das der Lernmotivation und dem Spracherwerb abträglich. Laut Wiese werde auch der Sprachgebrauch vieler Kinder und ihrer Familien als unerwünscht abgewertet. „Während Sprachen wie etwa Englisch oder Französisch stereotyp mit Bildung und Modernität assoziiert werden, werden andere Sprachen wie Türkisch mit sozioökonomisch benachteiligten Gruppen verbunden.“

„Kommunikation in der Sprache des Ziellandes“

Lehrerverbands-Präsident Meidinger erwiderte: „Das pädagogisches Ziel, Kinder zur Kommunikation in der Sprache des Ziellandes anzuhalten, ist richtig und unterstützenswert.“ Ob man Schülern gleich mit Sanktionen drohe, wenn sie ein nichtdeutsches Wort äußerten, lasse er jedoch dahingestellt.

Im Sommer hatte der Fall einer Drittkläßlerin in Baden-Württemberg für Aufsehen gesorgt, die eine Strafarbeit schreiben mußte, weil sie auf dem Pausenhof Türkisch gesprochen hatte. Die Familie legte Beschwerde beim Kultusministerium ein. Bislang sei darüber aber noch nicht entschieden worden, teilte der Anwalt der Familie dem Evangelischen Pressedienst mit. (ls)

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BERLIN. Der Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Jens-Christian Wagner, hat sich gegen das Beseitigen von unliebsamen Denkmälern ausgesprochen. Es handle sich um „zeithistorische Dokumente“, die erklärt und kontextualisiert werden müßten, sagte er am Mittwoch dem Deutschlandfunk Kultur.

Hintergrund ist ein Urteil des Lüneburger Verwaltungsgerichts zu einem Wehrmachtsdenkmal in der Stadt. Die Beteiligten haben sich laut dem Gericht in der mündlichen Verhandlung darauf geeinigt, den Text auf der begleitenden Informationstafel um einen entsprechenden Halbsatz zu ergänzen, und haben das Verfahren daraufhin einvernehmlich beendet.

Kläger wollten Denkmal verhüllen

Ein in Ungarn lebender Holocaust-Überlebender sowie zwei weitere Juden hatten von der Stadt verlangt, den Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division der Wehrmacht zu verhüllen, weil sie sich von ihm in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt fühlten. Sie hatten zudem einen Vermerk auf der 2018 aufgestellten Begleittafel gefordert, daß die Truppe auch „am Völkermord an den Juden, der Shoah, während der Zeit von 1941 bis 1944 in der Sowjetunion beteiligt waren“, erläuterte das Gericht.

Die Infanteriedivision war als Teil der 9. Armee im März 1944 in Weißrußland im Einsatz. Dort zwang sie weite Teile der Bevölkerung zu Arbeitseinsätzen und internierte arbeitsunfähige Personen in Sammellagern an der deutsch-sowjetischen Frontlinie. Im Juli desselben Jahres wurde die Division in der Kesselschlacht von Minsk fast vollständig aufgerieben.

Geschichte müsse hinterfragt werden

Wagner sagte, er sei mit der Entscheidung der Verwaltungsgerichts zufrieden. Eine Entfernung des Steins oder eine dauerhafte Verhüllung hätte er falsch gefunden. Er sei ausdrücklich kein Denkmalstürmer, weil solche Mahnmale „als historische Quellen sehr viel darüber erzählen, wie Geschichte und wie Akteure selbst sich in der Vergangenheit wahrgenommen haben“.

Die „Antikolonialismus-Debatte“ habe durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd im Mai neuen Aufschwung bekommen. Das erhöhe auch den Druck auf die Kommunen. „Wir müssen dazu beitragen, nicht nur wir als Gedenkstättenstiftungen, sondern wir alle, sozusagen als wache demokratische Staatsbürger, daß Geschichte im öffentlichen Raum kritisch hinterfragt wird“, führte er aus. (zit)

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STUTTGART. Der Antisemitismus-Beauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume (CDU), hat eine Überwachung des Dachverbands Deutsche Burschenschaft durch den Verfassungsschutz gefordert. „Ich spreche mich für eine Beobachtung der Deutschen Burschenschaft und ihrer Mitgliedsverbände durch die Verfassungsschutzämter aus. Mitglieder dieser Gruppierungen haben nach meiner Auffassung nichts im Staatsdienst unserer Republik verloren“, sagte er am Mittwoch in seinem Podcast „Verschwörungsfragen“.

Nach Auffassung Blumes sollte es nicht dabei bleiben. Er regte weitergehende Schritte an. „Zu prüfen wären Vereinsverbote und Beschlagnahmungen.“

Der CDU-Politiker äußerte das vor dem Hintergrund eines antisemitischen Vorfalls auf einem Verbindungshaus in Heidelberg. Mitglieder einer Burschenschaft Normannia sollen dort Ende August ein Mitglied einer anderen Korporation wegen dessen jüdischer Vorfahren beleidigt und tätlich angegriffen haben. Die Alt-Herrenschaft der Heidelberger Burschenschaft reagierte umgehend und verkündete die Auflösung ihrer Aktivitas, der studierenden Mitglieder.

Blume wirft Burschenschaften Gewalt gegen Frauen vor

Blume verband seine Forderungen mit scharfen Vorwürfen an die Adresse des Dachverbands Deutsche Burschenschaft. Er stehe bis heute klar in einer rassistischen und antisemitischen Tradition. Burschenschaften, die sich im 19. Jahrhundert bildeten, hätten seitdem „die Mythen der ‘Blutreinheit’ mit Alkohol und Gewalt gegenüber Frauen, Fremden, Schwächeren und Juden verknüpft“.

In seinem rund 15minütigen Podcast widmete sich der Religionswissenschaftler auch der Debatte über Rechtsextreme in der Bundeswehr. „Eine ganze Reihe von Skandalen hat inzwischen unterstrichen, daß dieses Problem tatsächlich besteht.“

Mit Blick auf die Pläne zur Einführung von weiblichen Dienstgraden in den Streitkräften betonte Blume: „Die aktuelle Diskussion, endlich auch weibliche Dienstgrad-Bezeichnungen anzuerkennen, sehe ich mit Sympathie.“ (ag)

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BERLIN. Die geplante Aufnahme von Moria-Migranten durch die Bundesregierung geht der SPD nicht weit genug. Parteichef Norbert Walter-Borjans hat am Donnerstag mehr Engagement bei der Übersiedlung der Asylsuchenden aus Griechenland gefordert. „Ginge es nach der SPD, könnten Bundesländer und Städte ungehindert helfen und Flüchtlinge aufnehmen. Aber CDU und CSU blockieren hier“, sagte Walter-Borjans der Passauer Neuen Presse.

Deutschland sollte mehr Migranten aufnehmen, falls andere EU-Staaten „dem deutschen Beispiel“ folgten. Dann sei auch Deutschland bereit, „gemessen an seiner Größe weitere Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen“, betonte der SPD-Chef. Die Bundesregierung hatte am Dienstag zugesagt, in einer ersten Phase mehr als 1.500 Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. Hinzu kämen 1.250 weitere Asylsuchende, die sich teilweise schon in Deutschland befinden.

Mehrheit der Deutschen für Aufnahme

Laut dem aktuellen ZDF-Politbarometer sind 43 Prozent der Deutschen „auf jeden Fall“ dafür, einen größeren Teil der Moria-Migranten aufzunehmen. Weitere 46 Prozent folgten dieser Maßnahme, „nur wenn andere EU-Länder auch“ mitzögen. Neun Prozent ist demnach „auf keinen Fall“ dafür.

Eine Mehrzahl der Befragten ist zudem der Meinung, daß „wieder viel mehr Flüchtlinge nach Europa“ kommen, wenn Deutschland Asylsuchende aufnimmt. 62 Prozent beantworteten die entsprechende Frage mit „Ja“ und 34 Prozent mit „Nein“. Vier Prozent waren unentschlossen.

SPD- und Grünen-Politiker verlangten derweil die Unterbringung von Asylsuchenden aus Griechenland auf Kreuzfahrtschiffen. Mehrere Reedereien stünden schon bereit. (ls)

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BERLIN. Die frauenpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Bundestag, Mariana Harder-Kühnel, hat den Vorwurf zurückgewiesen, ihre Partei verhalte sich frauenverachtend. Die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth (Grüne), hatte in der Zeitbeklagt, weibliche Abgeordnete litten unter dem scheinbar sexistischen Benehmen der AfD-Politiker.

Höflichkeit und Respekt gegenüber Frauen sei den wertkonservativen Männern in ihrer Partei wesensimmanent, machte die AfD-Politikerin deutlich. „Darüber hinaus sind sich die Mitarbeiter und Abgeordneten der Bedeutung des Bundestages bewußt – und begegnen den anderen Fraktionen mit entsprechendem Respekt, ob das Gegenüber nun männlich oder weiblich ist“, schilderte sie.

Kritische Äußerungen gegenüber Abgeordneter anderer Parteien seien nicht deren Geschlecht, sondern nur dem Inhalt ihrer Redebeiträge geschuldet, verdeutlichte Harder-Kühnel. Zudem brauche die AfD keine Nachhilfe in Sachen Umgangsformen. „Kein Abgeordneter der AfD-Fraktion hält Reden in abgetragener Kleidung, kein Schriftführer der AfD-Fraktion würde sich unangemessen gekleidet im Präsidium zeigen“, spielte Harder-Kühnel auf Abgeordnete anderer Parteien an.

Roth befürchtet Formierung sexistischer „Retromänner“

Claudia Roth hatte betont, die Mißachtung von Frauen im Bundestag gehe nicht nur von der AfD aus, ihr Einzug habe die Situation aber verändert. „Es kommt mir so vor, als wären wir bis dahin in Watte gepackt gewesen“. Sexismus und Antifeminismus hätten durch die AfD eine Bühne im Bundestag bekommen.

„Die Maskulinisten und Retromänner formieren sich nun, sie wollen sich zurückholen, was ihnen gar nicht gehört: Macht, Einfluß, das Sagen“, führte Roth aus. Weibliche Abgeordnete hielten es deshalb oftmals nicht mehr im Bundestag aus. Eine Frau habe schonmal das Plenum wegen der Partei verlassen, einer anderen seien Tränen in die Augen gestiegen, schilderte sie. (zit)

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BERLIN. Die Berliner Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz bei der Beerdigung der Mutter des arabischen Clan-Chefs Arafat Abou-Chaker vor. Die Beamten würden die Bestattung am Freitag begleiten, um die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen sicherzustellen, sagte ein Polizeisprecher dem Tagesspiegel.

Die Mutter des Clan-Chefs ist in der Nacht zu Dienstag verstorben, nachdem sie am Corona-Virus erkrankt war. Sie soll in Berlin-Schöneberg beerdigt werden. Arafat Abou-Chaker äußerte sich auf Instagram zum Tod seiner Mutter: „Wir gehören Allah und wir werden zu ihm zurückkehren.“

Clan-Chef führt Rechtsstreit mit Bushido

Die Großfamilie Abou-Chaker stammt aus dem Libanon und gerät immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Arafat Abou-Chaker steht derzeit vor Gericht, weil er den Musiker Bushido bedroht und erpreßt haben soll. Auch seine Brüder waren bereits in Straftaten verwickelt, beispielsweise 2010 bei dem Überfall auf das Berliner Luxushotel Grand Hyatt.

Ende Juli hatten sich bei einer Beerdigung eines Angehörigen des arabischen Al-Zein-Clans rund 750 Trauergästein Essen zusammengefunden und damit die zulässige Zahl von 150 Personen überschritten. Der Stadt war daraufhin vorgeworfen worden, den Verstoß gegen die Infektionsschutzmaßnahmen nicht geahndet zu haben.

Im April hatte die Berliner Polizei die Trauerfeier des Remmo-Clans begleitet. Rund 100 Angehörige hatten daran teilgenommen, obwohl höchstens 20 Personen der Beerdigung hätten beiwohnen dürfen. Unter den Gästen soll auch Arafat Abou-Chaker gewesen sein. (zit)

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Was ist eigentlich das größte Problem unserer Gesellschaft? Ist es Feinstaub, Klima, Corona oder Mikroaggressionen gegen 5.000 Geschlechter, die durch verfeinerte Antidiskriminierungsmaßnahmen aufzuheben sind? Es sind alles Nebenkriegsschauplätze.

Das Kernproblem, mit dem wir in Deutschland und nahzu allen industrialisierten Staaten zu kämpfen haben, ist die Weigerung oder das Unvermögen eines namhaften Teils der Bevölkerung, dauerhafte Bindungen einzugehen, eine Familie zu gründen und Nachkommen in die Welt zu setzen. Obwohl wir den teuersten Sozialstaat der Welt haben, Krippenbetreuung, Elterngeld, Teilzeitregelungen, Förderung Alleinerziehender, Ganztagsbetreuung – es ändert sich an einer Kurve nichts: Die Zahl der Geburten fällt und fällt.

Randgruppen und Minderheiten

Ist das ein großes Thema? Nein. Wenn wir Zeitung lesen, Fernsehen schauen und Bundestagsdebatten verfolgen, dann scheint sich an dieser katastrophalen demographischen Entwicklung kaum jemand zu stören. Statt der für die Bestands-erhaltung eines Volkes notwendigen Zahl von wenigstens statistisch 2,1 Kindern pro Frau liegt die Rate hierzulande wie in ganz Europa bei 1,4. Die gravierendsten Folgen werden in den nächsten zwanzig Jahren eintreten, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter wechseln.

Findet irgendeine Debatte darüber statt, wie wir junge Menschen dazu ermuntern könnten, rechtzeitig die persönlichen Verhältnisse in den Griff zu bekommen, wozu im Kern gehört, eine Familie zu gründen? Welches Ideal stellen wir ins Zentrum der gesamtgesellschaftlichen Bemühungen? Welche Phantasie verwenden wir darauf, das Ja zu Bindung und Leben zu befördern? Die Wahrheit ist: Wir beschäftigen uns in Politik und Medien tagein, tagaus umfassend mit den Befindlichkeiten von Randgruppen und Minderheiten.

Prioritäten geraderücken

Es gibt inzwischen an 31 Universitäten über 200 Professuren für „Gender Studies“, die sich mit der Überwindung traditioneller Geschlechterrollen – und damit der Abschaffung der traditionellen Familie widmen. Eine Kultur des Todes.

Medien investieren ungeheure Energie in die Frage, wie sie sprachlich noch korrekter gendern können, Schulen schickten im vergangenen Jahr 12.500 Jugendliche zu Workshops, wo sie über Analsex und ihre möglicherweise noch nicht entdeckte Homosexualität aufgeklärt werden. Doch wo ist der Aufschrei über die in grauenhafter Routine Jahr für Jahr hunderttausend im Mutterleib getöteten ungeborenen Kinder? 

Daß die Geburtenrate so im Keller ist, ist kein Naturgesetz. Es müssen nur die Prioritäten wieder geradegerückt und die Hierarchie der Werte geordnet werden. Nicht Selbstverwirklichung, sondern Verantwortung für Gemeinschaft sowie die traditionelle Familie und Ehe von Mann und Frau gehören wieder ins Zentrum der gesellschaftlichen Bemühungen. 

JF 39/20

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HAMBURG. Die Polizei hat bei einer Razzia gegen Linksextremisten in Hamburg und Umgebung ein Waffenarsenal sichergestellt. Unter anderem fanden die Beamten Schlag-, Stich- und Schreckschußwaffen, Zwillen, Benzinkanister und Feuerwerkskörper, berichtete die Bild-Zeitung unter Berufung auf eine Antwort des Senats der Hansestadt auf eine Anfrage der CDU-Fraktion.

Anfang September hatten Polizisten die Wohnungen von 22 Mitgliedern der linksextremen Gruppe „Roter Aufbau“ durchsucht. Vier Personen seien bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung sowie weiterer Delikte vorbestraft.

Linksextreme arbeiteten „sehr professionell“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Wegen des gleichen Vorwurfs war am Mittwoch die Bundesanwaltschaft gegen Linksextreme in Berlin aktiv geworden.

Der Politikwissenschaftler Karsten D. Hoffmann, der über die linksextreme Szene in Hamburg forschte, äußerte im Gespräch mit der JUNGEN FREIHEIT, sie arbeite sehr professionell. Dabei seien linke Zentren wie die „Rote Flora“ eine wichtige Geldquelle. Er warf der Hansestadt vor, sie habe in der Vergangenheit versucht, sich durch finanzielle Hilfen für die Szene Ruhe zu erkaufen. (ag)

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Das von den USA initiierte Friedensabkommen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Israel darf mit Fug und Recht als historisch bezeichnet werden. Würde es in den deutschen Medien wohl auch, wenn der amerikanische Präsident, der all das in die Wege geleitet hat, Barack Obama hieße. Leider hat der neue Frieden im Nahen Osten für viele einen entscheidenden Schönheitsfehler: Der Mann im Weißen Haus ist nicht der Demokrat Obama, sondern der Republikaner Donald Trump.

Wäre mit Obama der vermutlich schlechteste – gleichzeitig aber zumindest außerhalb der USA beliebteste Präsident seit Kennedy – noch im Amt, ihm wären wohl nicht nur hymnische Leitartikel in den hiesigen und internationalen Zeitungen sicher. Er bekäme höchstwahrscheinlich auch schon bald – und diesmal zu Recht – seinen zweiten Friedensnobelpreis verliehen.

Da Trump aber, selbst wenn er übers Wasser ginge, von der Mainstream-Presse allenfalls die Fähigkeit zum Schwimmen abgesprochen bekäme, wird der geschichtsträchtige Friedensschluß zwischen dem jüdischen Staat und seinen Erzfeinden von vielen Journalisten in geradezu erbärmlicher Art und Weise kleingeschrieben oder sogar in den Schmutz gezogen.

Nahostexperte denkt nur an Palästinenser

Die Kritiker konzentrieren sich in ihren Analysen vorwiegend darauf, was das Bündnis der drei Länder für das Palästinensergebiet und den Iran bedeutet. Dort gehört der Judenhaß neben Antiamerikanismus sozusagen zur Bürgerpflicht, zur Staatsdoktrin. Auch viele Kommentatoren geben sich nur noch wenig Mühe, mit ihrer Abneigung gegen die beiden „imperialistischen Mächte“ hinter dem Berg zu halten.

„ZDF heute“ ließ in einem atemberaubend unkritisch geführten Interview den vermeintlichen Nahostexperten Michael Lüders zu Wort kommen. Der Bremer Islamwissenschaftler sieht die Palästinenser durch den Friedensschluß „verraten und verkauft“. Er sagte: „Obwohl sie die Mehrheit der Bevölkerung stellen zwischen Mittelmeer und Jordanfluß, sind sie trotzdem die großen Verlierer. Die Palästinenser haben keine Verbündeten in Washington, ebenso wenig wie der Iran, und dementsprechend sind es andere, die über ihre Zukunft gegenwärtig entscheiden.“

Das war für die Redakteurin Caroline Leicht offenbar ein gutes Ende für das Interview. Kritische Nachfragen: Fehlanzeige. Wie übrigens im Rest des Gesprächs auch.

Indianervergleiche stilisieren neue Opfergruppe

Auch im ebenfalls öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk (DLF) durfte Lüders die vertane Kriegschance im Nahen Osten und die armen Palästinenser betrauern. „Die arabischen Staaten haben vor den USA kapituliert“, beklagte der Buchautor solch nüchterner Werke wie „Wer den Wind sät“ oder „Armageddon im Orient“.

Er klingt dabei fast so, als hätte er die Araber lieber weiterhin in einem mehr oder weniger offenen Bündnis gegen Israel gesehen, statt potentiell an dessen Seite. Den Preis für die neue Allianz, so erklärte er im DLF, würden die Palästinenser zahlen, denen er ein Schicksal ähnlich wie den Ureinwohner Nordamerikas prophezeite.

Journalistenschelte schmälert Trumps Leistung nicht

Der Zeit-Kolumnist Mark Schieritz sah, wie er auf Twitter deutlich machte, durch eine mögliche Wiederwahl des Israelfreunds Trump bei der kommenden Wahl, gar die „Menschheit dem Untergang geweiht“. In seinem am Tag nach dem historischen Nahost-Friedensabkommen veröffentlichten Text „Fürchtet euch!“ sparte er das Thema zwar komplett aus, warnte dafür aber vor so ziemlich jedem Teufel, den man politisch überhaupt an die Wand malen kann.

Er befürchtete, daßTrump sein finsteres Zerstörungswerk mit neuem Schwung fortsetzen wird, wenn er wiedergewählt werden sollte – oder sich nach einer verlorenen Wahl durch Ränkespiele und Betrügereien an der Macht hält“.

Der Friedensnobelpreis wird dem Antikriegspräsidenten wohl verwehrt bleiben. Die Anerkennung der meisten Journalisten auch. Trumps großen außenpolitischen Leistungen für den Weltfrieden tut all das keinen Abbruch.

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BERLIN. SPD- und Grünen-Politiker haben die Unterbringung von Moria-Migranten auf Kreuzfahrtschiffen gefordert. „Der Brand hat das wenige Hab und Gut, das den Geflüchteten geblieben ist, zerstört und sie benötigen dringend ein Dach über dem Kopf. Schiffe mit Hygienekonzept können ihnen kurzfristig Schutz bieten“, sagte die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD), den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschlands vom Donnerstag.

Es lägen bereits konkrete Angebote von Reedereien vor, die die Kosten selbst tragen wollten. „Die Europäische Kommission sollte hierauf zügig eingehen. Die Schiffe sind eine Möglichkeit, sowohl den Geflüchteten als auch den Inselbewohnern kurzfristig Entlastung zu verschaffen, denn beide sind zum Spielball der gescheiterten europäischen Asylpolitik geworden“, betonte die SPD-Politikerin. Was sich derzeit auf Lesbos abspiele, sei ein humanitäres Drama.

Mitte vergangener Woche hatten Bewohner des Flüchtlingscamps Moria auf der griechischen Insel Lesbos das Lager an mehreren Stellen angezündet, woraufhin es fast vollständig abbrannte. Daraufhin startete in Deutschland eine heftige Debatte über die Aufnahme der rund 12.500 Migranten. Am Dienstag erklärte sich die Bundesregierung bereit, mindestens 2.750 Asylsuchende nach Deutschland zu holen.

„Würden das Schiff auch verschenken“

Auch der EU-Abgeordnete Erik Markquardt (Grüne) setzt sich dafür ein, derzeit leerstehende Schiffe zur Unterbringung von Migranten zu nutzen. „Viele Schiffe haben bereits Hygienekonzepte erarbeitet. Angesichts des eingebrochenen Markts für Kreuzfahrtreisen sind die Reedereien dankbar für alternative Einnahmequellen”, sagte er den Zeitungen. Auf Kreuzfahrtschiffen seien ausreichend Platz und Sicherheit geboten. Damit wäre eine „geordnete Unterbringung sehr kurzfristig möglich“.

Den Berichten zufolge zeigte sich der Bonner Kreuzfahrtanbieter „Phoenix Reisen“ zu sofortiger Hilfe bereit. „Wir stehen bereit, ein Schiff nach Lesbos zu schicken, um den Flüchtlingen und auch der Inselbevölkerung vor Ort zu helfen. Um Geld geht es uns nicht. Wir würden das Schiff auch verschenken“, sagte Geschäftsführer Johannes Zurnieden. „Wir haben Schiffe, die nutzlos hier in Deutschland liegen, während die Menschen auf Lesbos ohne Toiletten sind und nicht wissen, wo sie schlafen sollen. Ein Schiff ist gewiß besser als der Straßenrand.“

Auch der Reiseanbieter „Tui“ signalisierte Hilfsbereitschaft. „Grundsätzlich sind wir offen für Gespräche und den Einsatz von Schiffen“,teilte ein Sprecher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mit. Allerdings seien humanitäre Unterbringungsmaßnahmen staatliche Aufgabe, „Tui“ besitze hierbei „keinerlei Kompetenz“. (ls)

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