Marco Rima weiss es nicht

On September 4, 2020, in Schall und Rauch, by admin

Mein früherer Nachbar, etwas weiter entfernt, der Schweizer Komiker Marco Rima, (kenne ich aus seiner Anfangszeit als Mitglied des legendären Cabaret-Duo Marcocello) hat schlaflose Nächte weil was die Corona-Pandemie betrifft, er nichts genaues weiss.

Sali Marco, freut mich sehr, dass du was dazu sagst. Die Künstler sind ja bisher durch völlige Abwesenheit in der Diskussion aufgefallen, obwohl sie am meisten durch den Lockdown gelitten haben, da es keine Auftritte gab und noch gibt.

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Der Schweizer Publizist Milosz Matuschek initiierte Anfang der Woche einen löblichen „Appell für freie Debattenräume“, in dem ein „Sieg der Gesinnung über rationale Urteilsfähigkeit“ sowie „Herdendenken“ und „Kontaktschuld“ beklagt wird. Personen des öffentlichen und kulturellen Lebens würden „stummgeschaltet und stigmatisiert“, statt dessen sei die Solidarität Andersdenkender das Gebot der Stunde.

Tatsächlich beobachten wir schon lange, wie im Rahmen meist linker Kampagnen Vertreter abweichender, meist nichtlinker Meinungen markiert, an den Pranger gestellt und aus dem Diskurs aussortiert werden. Veranstalter, Hoteliers, Gastwirte, aber auch Zeitungsredaktionen oder Funkhäuser werden unter Druck gesetzt, um „umstrittene“ Verdächtige auszusortieren und kaltzustellen.

Sarrazin gab entscheidenden Impuls

Seit neuestem ist hierfür der Begriff „Cancel Culture“ in Mode, Zwillingsschwester des „Deplatforming“, mit Hilfe derer „anstößigen“ Autoren, Kabarettisten oder Politikern Äußerungsmöglichkeiten entzogen werden und diese am besten von der Bildfläche verschwinden sollen.

Angesichts wachsender sozialer Repression gegen Andersdenkende ist es selten genug, wenn mitten im öffentlichen Leben stehende Menschen mutig solchem Konformitätsdruck widerstehen. Vor genau zehn Jahren leistete der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin mit seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ genau dies. Sein Buch wurde trotz einer aggressiven Kampagne zu einem der erfolgreichsten Sachbücher der deutschen Nachkriegsgeschichte: Bis heute wurden über 1,5 Millionen Exemplare dieses Buches gekauft.

Sarrazin

Doch die Wut seiner Gegner wuchs: Die Speerspitze der Abwehr bildete nicht seine eigene Partei, die SPD, sondern die damalige CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit ihrem eisigen Satz, Sarrazins Buch sei „diffamierend“ und „nicht hilfreich“, flankierte sie entscheidend eine mediale Treibjagd gegen den mutigen Sozialdemokraten, die schließlich darin mündete, daß Sarrazin mit Hilfe des gescheiterten Bundespräsidenten Christian Wulff zum Ausscheiden aus dem Vorstand der Bundesbank gedrängt wurde.

Neues Buch zur Einwanderung

Merkel und der sie stützende politisch-mediale Komplex wollten an Sarrazin ein Exempel statuieren. Doch der Erfolg des Buches war zu groß. Sarrazin blieb standhaft – bis heute. Auch wenn er gerade in letzter Instanz vom Bundesschiedsgericht der SPD aus seiner Partei ausgeschlossen wurde. Die Tiefenwirkung, die die von ihm 2010 angestoßene Debatte auslöste, ist nicht zu überschätzen.

Sarrazin war entscheidender Eisbrecher für eine Gegenbewegung, die sich seit 2013 auch parteipolitisch niederschlägt. Mit seinem neuen Buch „Der Staat an seinen Grenzen“ setzt er nun einen weiteren argumentativen Kontrapunkt in einem von Tabus verstellten Diskurs.

Thilo Sarrazins aktuelles Buch „Der Staat an seinen Grenzen“ sowie seine weiteren Werke finden Sie auch im JF-Buchdienst.

JF 37/20

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Seit Wochen tobte im Sommer 1940 die Luftschlacht um England. Anfang September zeichnete sich eine Niederlage der deutschen Luftwaffe ab. Den Briten gelang, es ihre abgeschossenen Flugzeuge schneller zu ersetzen als den Deutschen. Zudem litt die Royal Air Force nicht in dem Maße unter einem Mangel an Piloten wie die Luftwaffe von Reichsmarschall Hermann Göring.

Statt sich weiter auf den Kampf gegen die britischen Jagdflieger zu konzentrieren, wählte Hitler eine neue Strategie. Ab dem 4. September sollten die Bomber gezielt britische Städte angreifen. Von nun an stand die Zivilbevölkerung im Visier. Durch die Angriffe, die neben Fabriken eben auch Wohngebiete trafen, sollte die Regierung von Premierminister Winston Churchill doch noch zur Aufgabe bewegt werden. In diesen Monaten starben rund 28.000 britische Zivilisten bei den Bombenangriffen, 32.000 wurden verletzt.

Die nun ausbleibenden Bombardierungen ihrer Stützpunkte verschaffte den britischen Luftstreitkräften eine Atempause. Die nutzen sie, um sich zu erholen und verstärkt den Kampf fortzusetzen.

Göring warf seinen Piloten Feigheit vor

Am 15. September 1940 gelang es der Royal Air Force, rund 100 deutsche Maschinen abzuschießen. An diesem Tag waren alle britischen Fliegerstaffeln im Einsatz. Der Tag war ein weiterer Rückschlag für die Luftwaffe.

Zwei deutsche Bomber über London während der Luftschlacht um England Foto: picture alliance/Photo12
Zwei deutsche Bomber über London während der Luftschlacht um England Foto: picture alliance/Photo12

Bis Ende Oktober fielen in den Luftkämpfen 544 britische Piloten und die königlichen Luftstreitkräfte verloren 1.693 Maschinen. Auf deutscher Seite starben insgesamt rund 2.000 Angehörige der Luftwaffe und 1.791 Flugzeuge mußten als Verluste abgeschrieben werden.

Angesichts der Niederlage tobte Göring und warf den deutschen Jagdfliegern Feigheit vor. Damit versuchte er, nicht zuletzt von seinem eigenen Führungsversagen abzulenken. Neben der Fehleinschätzung der Stärke der britischen Luftwaffe, verfügte Deutschland für einen erfolgreichen strategischen Luftkrieg über zu wenige Bomber und Jagdflugzeuge.

Bombenangriffe auf London stärkten den Durchaltewillen

Dieser Einschätzung widerspricht jedoch der britische Historiker Antony Beevor. Nach seiner Ansicht sei die deutsche Luftwaffe gut vorbereitet gewesen. Doch Fehler der Führung und das Umschwenken auf London als Hauptangriffsziel haben demnach die Royal Air Force gerettet. Andere Historiker sehen in der Hinwendung der gezielten Bombardierung der Zivilbevölkerung bereits das Eingeständnis der eigenen Niederlage der deutschen Luftwaffe.

Britische Flakbatterie feuert im Londoner Hyde Park auf angreifende deutsche Maschinen Foto: (c) dpa - Bildarchiv
Britische Flakbatterie feuert im Londoner Hyde Park auf angreifende deutsche Maschinen Foto: (c) dpa – Bildarchiv

Trotz der Opfer und zerstörten Häuser rückten die Briten nämlich nicht von ihrer Regierung ab. Vielmehr verstärkten die Angriffe noch den Durchhaltewillen der Zivilbevölkerung. Trotz dieser Erfahrung sollte das britische Bomber Command unter Arthur Harris in der zweiten Kriegshälfte Flächenbombardements auf deutsche Städte befehlen. Bis Kriegsende flogen britische Bomber ihre Angriffe auf den bereits geschlagenen Gegner, töteten gezielt Zivilisten und ließen die Städte in Feuerstürmen versinken. Wie der Sicherheitsdienst der SS in seinen geheimen „Berichten aus dem Reich“ notierte, führten die andauernden Nachtangriffe über längere Zeit zu einer Zermürbung der deutschen Bevölkerung und verstärkten in der zweiten Kriegshälfte die Kriegsmüdigkeit. Kriegsentscheidend oder kriegsverkürzend war das sogenannte morale bombing jedoch nicht.

Im dritten Kriegsjahr 1941 zog die deutsche Führung die Luftflotten, die eigentlich das britische Empire zerschlagen sollten, vom Kriegsschauplatz im Westen ab. Zunächst warteten neue Einsätze auf dem Balkan, die Luftlandeoperation auf Kreta und schließlich der Rußlandfeldzug auf die Flieger. England hatte sich behauptet und blieb während des Zweiten Weltkriegs mit seinen Bomberverbänden eine ständige Bedrohung für das Deutsche Reich.

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LEIPZIG. Die Polizei hat in Leipzig am Donnerstag abend nach Ausschreitungen während einer Demonstration 22 Linksextremisten festgenommen. Sie hatten Polizisten angegriffen und Einsatzwagen beschädigt. Zuvor hatten rund 350 Personen gegen die Räumung eines besetzten Hauses protestiert, teilte die Polizei mit.

Die Ausschreitungen ereigneten sich im Umfeld der Eisenbahnstraße, die als Kriminalitätsschwerpunkt in der Stadt gilt. Die Randalierer errichteten Barrikaden und zündeten Müllcontainer an.

Leipzig ist Schwerpunkt der linksextremen Szene

Bis in den späten Abend weiteten sich die Unruhen auf angrenzenden Straßen aus. Dabei wurden die Beamten mit Feuerwerkskörpern und Flaschen attackiert. Die Besatzung eines eingesetzten Polizeihubschraubers wurde mit einem Laserpointer geblendet.

Die Sicherheitkräfte nahmen Ermittlungen wegen Landfriedensbruch, versuchter Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr und Sachbeschädigung auf. Leipzig gerät immer wieder wegen linksextremer Ausschreitungen in die Schlagzeilen. Im Januar verletzten Gewalttäter 13 Polizisten während einer Demonstration gegen das Verbot der Plattform linksunten.indymedia. (ag)

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BERLIN. Die Erlaubnis zum Kopftuchtragen für angehende Richterinnen in Berlin hat für heftigen Streit innerhalb der rot-rot-grünen Regierungskoalition gesorgt. Der SPD-Rechtsexperte Sven Kohlmaier warf Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) vor, Absprachen „unterlaufen“ zu haben, zitierte ihn der Berliner Tagesspiegel.

Der SPD-Politiker sei von Behrendts Vorstoß völlig überrascht worden, da im Senat verabredet worden sei, die schriftliche Urteilsbegründung des Bundesarbeitsgerichts zum Berliner Neutralitätsgesetz abzuwarten. „Und abgemacht war offenbar nicht, daß da Alleingänge seitens der Justizverwaltung gemacht werden.“ Ende August hatte das Bundesarbeitsgericht geurteilt, daß ein pauschales Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen in Berlin gegen die Verfassung verstoße.

Justizsenator Behrendt hatte am Donnerstag daraufhin mitgeteilt, daß Juristinnen in Ausbildung im Gerichtssaal Kopftuch tragen dürfen. Voraussetzung sei aber die Anwesenheit eines Richters oder Staatsanwalts in Robe, sagte der Grünen-Politiker dem RBB. Das Neutralitätsgesetz untersage zwar Pädagogen, Richtern, Staatsanwälten und Polizisten das Tragen religiöser Symbole oder Kleidungsstücke im Dienst, für Personen in der Ausbildung seien aber Ausnahmen möglich.

CDU: „Akt exekutiver Arroganz eines Einzelnen“

Das Gesetz sorgt im Senat immer wieder für Streit. Während die SPD daran festhalten will, sind Grüne und Linkspartei dagegen. „Die SPD-Fraktion steht zum Neutralitätsgesetz, sie steht zur religiösen Neutralität bei Schulen, Justiz und Polizei“, sagte Kohlmaier laut der Nachrichtenagentur dpa bei einer Debatte im Abgeordnetenhaus am Donnerstag abend. Es sei „Kernbestand unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung, daß unser Staat neutral und unvoreingenommen seinen Bürgern gegenübertritt“. Es ginge darum, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu verteidigen.

Die CDU-Fraktion forderte den Senat in einem Dringlichkeitsantrag auf, der neuen Regelung einen Riegel vorzuschieben. Behrendts Alleingang sei politisch und gesellschaftlich nicht gewollt, warnte deren rechtspolitischer Sprecher Sven Rissmann. Der Vorstoß des Grünen-Politikers sei ein „Akt exekutiver Arroganz eines Einzelnen“. Auch FDP und AfD kritisierten Behrendt. Der AfD-Politiker Marc Vallendar befürchtete, als nächstes dürften auch Staatsanwältinnen Kopftuch tragen. (ls)

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