BERLIN. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben die Bundesregierung sowie die Regierungschefs der Länder weitere Einschränkungen und Maßnahmen beschlossen. Demnach sollen deutschlandweit Bars, Diskotheken, Museen, Theater, Kinos, Zoos, Freizeitparks, Spielplätze, Fitneßstudios, Schwimmbäder, Sporthallen und Bordelle geschlossen werden.

Supermärkte, Baumärkte, Großhandel, Drogerien, Tankstellen, Sparkassen und Postfilialen bleiben hingegen weiterhin offen. Allerdings müssen hygienische Maßnahmen ergriffen und der Einlaß von Kunden so geregelt werden, daß keine Warteschlangen entstehen.

Gaststätten müssen um 18 Uhr schließen

Verboten werden als weitere Maßnahme sämtliche Vereinsaktivitäten, der Unterricht an allen Bildungseinrichtungen, religiöse Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie Busreisen. In Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, Pflege- und Seniorenheimen werden die Besuchsregeln eingeschränkt und teilweise untersagt.

Mensen, Gaststätten und Restaurants müssen die Gästezahl reglementieren und strenge hygienische Auflagen erfüllen. So muß ein Mindestabstand zwischen den einzelnen Besuchern garantiert werden. Die Einrichtungen dürfen zudem frühestens um 6 Uhr öffnen und müssen spätestens um 18 Uhr schließen.

Übernachtungen im Inland dürfen nur noch gebucht werden, wenn sie nicht touristischen Zwecken dienen. Noch am Sonnabend hatte das Bundesgesundheitsministerium Gerüchte als Fake-News zurückgewiesen, wonach die Bundesregierung neben Schulschließungen weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens plane. (krk)

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SUHL. Unter Quarantäne stehende Asylbewerber haben im thüringischen Suhl versucht, die Erstaufnahmeeinrichtung zu verlassen. Den Sicherheitskräften gelang es jedoch, die Bewohner daran zu hindern, teilte die Polizei mit.

Das Land Thüringen verhängte die Isolationsmaßnahme über die Einrichtung, nachdem am Freitag bei einem Asylbewerber das Coronavirus festgestellt worden war. Seitdem dürfen die rund 500 Personen die Gebäude nicht verlassen. „Wir wissen, daß es nicht einfach sein wird, die Quarantäne gegenüber einigen Bewohnern durchzusetzen. Aber wir werden alle Maßnahmen ergreifen, um ein Verlassen des Geländes durch Bewohner zu verhindern, notfalls auch mit noch mehr Polizeikräften“, sagte der Leiter der Landespolizeiinspektion, Wolfgang Nicolai, dem Nachrichtenportal inSüdthüringen.de.

Coronapatient soll Afghane sein

Um Ausbruchsversuche zu verhindern, seien bis zu 50 Beamte vor Ort, die den Zaun um das Gelände überwachten. Die Feuerwehr bereite sich derzeit auf mögliche Einsätze wegen Feueralarms in der Einrichtung vor. Unter den Bewohnern kursiere ein Aufruf zum Hungerstreik, um eine Aufhebung der Ausgangssperre zu erzwingen.

Insgesamt sollen sich zur Zeit neben dem Infizierten vier weitere Verdachtsfälle im Isolationsbereich der Erstaufnahmeeinrichtung befinden. Bei dem positiv auf das Coronavirus Gesteten handele es sich um einen Afghanen, der über Schweden nach Deutschland eingereist sei. (ag)

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BERLIN. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat die Deutschen dazu aufgerufen, keine übermäßig großen Mengen an Lebensmittel zu horten. „Hamsterkäufe sind nicht nötig. Es sind genügend Lebensmittel für alle da. Wer massiv mehr kauft, als er braucht, handelt nicht nur unsolidarisch, sondern wirft erfahrungsgemäß davon einiges weg“, sagte Klöckner der Bild-Zeitung.

Deutschland verfüge über ausreichende Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Getreide, Milcherzeugnisse, Schweinefleisch oder Käse. „Unser Selbstversorgungsgrad liegt hier bei über 100 Prozent.“

Angesichts des sich ausbreitenden Coronavirus kam es in den vergangegen Tagen teilweise zu Anstürmen auf Supermärkte. In einzelnen Läden waren Produkte wie Nudeln aber auch Toilettenpapier ausverkauft. In sozialen Medien verbreiteten sich zudem Gerüchte, einige Supermarktketten würden demnächst schließen. Dem widersprachen die Handelsketten jedoch umgehend.

Unterstützung der Landwirtschaft

Die CDU-Politikerin schlug zudem in der Neuen Osnabrücker Zeitung vor, daß Mitarbeiter aus der Gastronomie, die derzeit wegen der Schließungen von Bars und Kneipen weniger zu tun hätten, in der Landwirtschaft aushelfen könnten. Dort brauche man Arbeitskräfte, da ausländische Erntehelfer wegen der Grenzschließungen fehlten.

„Ob diejenigen Mitarbeiter, die in der Gastronomie leider immer weniger zu tun haben, in der Landwirtschaft einspringen können und möchten – auch so etwas müssen wir überlegen“, erläuterte die Ministerin. In Deutschland stehen demnächst mit Spargel und Rhabarber die ersten Ernten in diesem Jahr an. (krk)

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BERLIN. Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) hat angesichts des Friedensabkommens zwischen den USA und den afghanischen Taliban vor einer neuen Flüchtlingswelle gewarnt. „Man muß in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, daß, wenn dieses Abkommen Wirklichkeit wird, von dem Moment an eine große Flüchtlingswelle auf uns zukommen wird. Viele Mädchen, Frauen, wesentliche Teile der Großstadt-Bevölkerung Afghanistans, vor allem diejenigen, die mit den westlichen Truppen kooperiert haben – sie alle werden sich auf den Weg machen. Auf den Weg machen müssen, weil sie nach diesem Friedensvertrag mit den Taliban um ihr Leben fürchten müssen“, sagte er der Welt am Sonntag.

Deutschland müsse außerdem sein Verhältnis zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verbessern. Das sei trotz derzeit vorherrschender negativer Emotionen ihm gegenüber der einzige Weg, um den Syrien-Konflikt und die aktuelle Flüchtlingskrise an der türkisch-griechischen Grenze zu bewältigen.

„In der AfD herrscht Putin-Seligkeit“

Zugleich sprach sich der ehemalige Vize-Kanzler gegen Grenzschließungen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie aus. „Man kann nicht wieder die nationalen Grenzen hochziehen. Die Nationalstaaten haben eine wichtige Rolle zu spielen als Akteure, sinnvoll wird das Ganze aber nur in einem größeren Verbund. Das ist die Europäische Union.“

Fischer warf der CDU vor, sich bislang nicht zu den außenpolitischen Vorstellungen der AfD geäußert zu haben. „Denn die AfD will weg von Adenauer, weg von der Westbindung – in der AfD herrscht Putin-Seligkeit. Diese Partei stellt die Grundlagen unserer Republik infrage. Warum hat die Union das nie offensiv debattiert?“, fragte der Grünen-Politiker. (ag)

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BERLIN. Die Bundesregierung verzichtet trotz der Corona-Pandemie weiter auf Quarantäne-Maßnahmen für Reisende aus China, Italien und dem Iran. Personen, die aus den drei am schwersten von dem Virus betroffenen Ländern einreisen, müssen laut Bundesgesundheitsministerium Angaben über ihren Flug und den Aufenthaltsort für die nächsten 30 Tage machen.

Aufgrund des am 20. März beginnenden iranischen Neujahrsfests reisten derzeit besonders viele Menschen aus dem Land zu Verwandten nach Deutschland, berichtete der WDR. Ankommende Iraner am Frankfurter Flughafen äußerten sich gegenüber dem Sender überrascht darüber, nicht in Quarantäne zu müssen.

Das Robert-Koch-Institut hatte den Iran am Freitag als Risikogebiet eingestuft. Mit rund 13.000 bestätigten Corona-Fällen hat das Land nach China (81.000) und Italien (21.000) die meisten Infizierten. Auch Reisende aus diesen Ländern müssen sich nach ihrer Ankunft nicht in Quarantäne begeben. (ag)

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Wer heute Sport treibt, geht zumeist in eines der unzähligen Fitneßstudios. Dort Schwitzen die Freizeitathleten auf modernen Geräten. Nach vollbrachtem Werk am eigenen Körper wird der Freundeskreis via Instagramm oder anderer sozialer Medien gleich mit Beweisfotos über die körperliche Leistungsfähigkeit informiert. Vom höher, schneller, weiter sind manche Freizeitsportler schon so besessen, daß sie sogar zu Doping greifen, um ihre Leistungen zu verbessern; und sich dabei nebenbei zu schädigen.

„Hunderttausende deutscher Freizeitsportler nehmen vermutlich leistungssteigernde Substanzen ein, die Schätzungen liegen bei 200.000 Hobbyathleten, die Dunkelziffer ist hoch“, erläuterte der Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, Arnold Schüller, schon vor einigen Jahren gegenüber dem Ärzteblatt. Dabei sollte es doch eigentlich darum, sich fit und gesund zu halten.

Bevor der Freizeitsport solche Auswüchse annahm, entstand die Trimm-Dich-Bewegung, die den Deutschen vor 50 Jahren eine gesündere Lebensführung nahebringen sollte. Am 16. März 1970 startete der Deutsche Sportbund (DSB) die Initiative unter dem Motto „Trimm Dich durch Sport“. Der Hintergrund war auch damals durchaus ernst. So hatte die Zahl der Kreislauferkrankungen, der Übergewichtigen und der Herzinfarktpatienten infolge des Wirtschaftswunders zugenommen. Dagegen wollten Politik, Krankenkassen und die Wirtschaft angehen.

Die Olympischen Spiele 1972 gaben der Bewegung Schwung

Der Vater der Trimm-Dich-Bewegung war der Sportfunktionär Jürgen Palm (1936-2006). In Anlehnung an den sogenannten Turnvater der Nation, Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), avancierte Palm bald zum „Trimm-Vater der Nation“. Das Konzept sah vor, zumeist in Wäldern und Grünflächen einfache Geräte für die Leibesertüchtigung aufzustellen. Anläßlich der Neugestaltung des Parcours in Coburg erinnerte sich der dortige Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) in der Neuen Presse: „Es war eine neue Dimension des Breitensports.“

So entstanden in ganz Westdeutschland schließlich Anlagen mit Reckstangen, hölzernen Hindernissen für den Bocksprung und vielem mehr. Zumeist handelte es sich um einfache Konstruktionen aus Holz. Viele Städte und Gemeinden zogen mit. Bis in die achtziger Jahre entstanden in der Bundesrepublik rund 1.500 dieser Anlagen.

Die Olympischen Spiele 1972 im eigenen Land gaben der Trimm-Dich-Bewegung zusätzlichen Auftrieb. Damit das Anliegen im Volk präsent blieb, initiierte der DSB alle paar Jahre neue Kampagnen. 1975 hieß es „Ein Schlauer trimmt die Ausdauer“, 1979 folgte „Spiel mit – da spielt sich was ab“ und 1983 „Trimming 130 – Bewegung ist die beste Medizin“, wobei die Zahl den empfohlenen Puls bei Ausdauerbelastung angab.

Sport für die ganze Familie

In den neunziger Jahren etablierten sich neue Modesportarten und die Trimm-Dich-Bewegung geriet demgegenüber immer mehr ins Hintertreffen. Die Kommunen sparten sich das Geld für die Instandhaltung der Geräte und die Anlagen verfielen. Lediglich Joggen wurde zum Breitensport.

Das Maskottchen des Deutschen Sportbundes, Trimmy Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Aber ein halbes Jahrhundert nach dem Beginn der Bewegung investieren einige Städte wieder in die Sportanlagen. „Das Fitneßstudio unter freiem Himmel ist zeitgemäß und für die ganze Familie geeignet“, betonte Oberbürgermeister Tessmer. So habe eine Studie der Krankenkasse AOK gezeigt, daß Sport in vielen Familien zu kurz komme. Um das zu ändern, seien die Trimm-Dich-Pfade eine gute Möglichkeit.

Auch das Maskottchen wird 50

Derzeit scheint der Ansturm auf die Fitneßstudios nicht abzureißen, auch wenn sich parallel ein neuer Trend etabliert. Unter dem Begriff „Calisthenics“ werden Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, wie Klimmzüge und Kniebeugen zusammengefaßt. Diese Art zu trainieren erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Die heutige Begeisterung für den Freizeitsport hätte es ohne die Trimm-Dich-Bewegung mit ihren im Rückblick rührig anmutenden Kampagnen und ihrem Maskottchen Trimmy sicherlich nicht gegeben. Mögen die Ursprünge der Bewegung und ihr Schöpfer in Vergessenheit geraten sein, das Maskottchen begleitet den Deutschen Olympischen Sportbund bis heute.

Als Alternative zum vollbesetzten Sportstudio bieten sich die Trimm-Dich-Anlagen gerade in der warmen Jahreszeit an. In dem Sinne: Sport frei!

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