BERLIN. Fast 30.000 ausgereiste Asylbewerber sind wieder in Deutschland. Bis zum 30. September kehrten 28.224 Asylbewerber, die seit 2012 eingereist waren und später abgeschoben wurden oder das Land freiwillig verlassen haben, wieder zurück, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Martin Sichert hervorgeht, die der Welt vorliegt.

Inzwischen haben all diese Personen einen neuen Asylantrag gestellt. „Differenzierte belastbare Angaben“ zum Grund der Ausreise ließen sich nicht ermitteln, teilte die Bundesregierung mit. Deswegen bleibe auch unklar, ob die Rückkehrer nach Ablehnung ihres Erstantrags abgeschoben wurden oder mit beziehungsweise ohne finanzielle Förderung das Land wieder verließen.

Jede zweite Abschiebung scheitert

Bei der hierbei erfaßten Gruppe handelt es sich ausschließlich um Asylbewerber. Personen, die mit einem Arbeits- oder Familienvisum einreisten sind in der Statistik nicht miteingeschlossen.

Auch Asylbewerber mit dem Vermerk „Fortzug nach unbekannt“ befinden sich nicht darunter. Dabei handelt es sich um solche Antragssteller, die während oder nach ihrem Asylverfahren den Behördenkontakt abbrechen, etwa um innerhalb Deutschlands unterzutauchen oder in ein anderes Land weiterzureisen. Laut Bundesinnenministerium scheiterte zudem zwischen 2015 und Ende 2018 rund die Hälfte aller Abschiebungen. (tb)

BERLIN. Deutschland hat für die Jahre 2018 und 2019 die Neuansiedlung von bis zu 10.200 Flüchtlingen aus Flüchtlingslagern zugesagt, darunter auch 6.000 aus Flüchtlingslagern in der Türkei. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Steffen Kotré hervor, die der JUNGEN FREIHEIT exklusiv vorliegt,

Zuvor hatten Bilder in sozialen Medien für Aufregung gesorgt, die zahlreiche afrikanische Flüchtlinge bei ihrer Ankunft am Flughafen Kassel zeigten, die per Flugzeug nach Deutschland gebracht worden waren. Es handelte sich dabei um 154 Somalis, die zuvor in Flüchtlingslagern in Äthiopien untergebracht waren. Deutschland hatte sich im Dezember vergangenen Jahres bereit erklärt, mit dem EU-Resettlement-Programm der Neuansiedlung ausgewählter Flüchtlinge zuzustimmen. Die 154 Somalis sind dabei aber nur ein kleiner Teil.

Im vergangenen Jahr waren es laut Bundesregierung 2.844 Resettlement-Flüchtlinge, die Deutschland aufgenommen hat, und in diesem Jahr bis Ende Oktober 3.617. Weitere sollen noch folgen.

Die komplette Exklusiv-Meldung finden Sie unter: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2019/regierung-laesst-tausende-fluechtlinge-einfliegen/

HAMBURG. Hamburger Schulen haben jede vierte Klassenfahrt im vergangenen Schuljahr per Flugzeug absolviert. Reiseziele der 17 Gymnasien und Stadtteilschulen waren unter anderem Shanghai, Indien, Ostrußland oder Senegal, wie aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des Vorsitzenden der AfD-Bürgerschaftsfraktion, Alexander Wolf, hervorgeht.

Für 84 der 369 Reisen hoben die Schüler der Hansestadt demnach ab. Allein die Gyula Trebitsch Schule Tonndorf buchte in dem Schuljahr zehnmal Flüge. Ziele der Klassenfahrten waren zweimal die Stadt Jakutsk in Ostrußland und fünfmal der Urlaubsort Nerja an der spanischen Südküste.

Die Gyula Trebitsch Schule trägt den Titel „Klimaschule“. Damit verbunden ist laut Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung das Ziel der „Stärkung der Klima-Kompetenzen der Schulgemeinschaft sowie die Reduzierung der CO2-Emissionen“.

AfD geißelt Doppelmoral der Schüler

Auch die Stadtteilschule Walddörfer, die den Titel trägt, schickte ihre Schüler zehnmal im Flieger auf Klassenreise. Diese landeten unter anderem in Spanien, England und Italien.

Wolf sprach von einer offenkundigen Doppelmoral großer Teile der Schülerschaft. „Erst kommt das Fliegen, dann die Moral. Es ergibt wenig Sinn, für das Klima auf die Straße zu gehen und Forderungen zur Rettung der Welt aufzustellen, aber sich selbst nicht zu mäßigen“, sagte der schulpolitische Sprecher der Hamburger AfD-Fraktion mit Blick auf die „Fridays for Future“-Bewegung.

Bereits im Mai hatte die AfD beantragt, daß sogenannte Klimaschulen für Klassenfahrten auf das Flugzeug verzichten sollten. Stattdessen könnten sie klimafreundlichere Verkehrsmittel nutzen. Ende Oktober war über das AfD-Portal „Neutrale Schule Hamburg“ bekannt geworden, daß ein Gymnasium der Stadt rechtswidrige Werbung für den Klima-Streik in seinen Räumen erlaubt hatte. (ag)

In der aktuellen Ausgabe verabschiedet sich die Redaktion der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT von ihrem langjährigen „Pankraz“-Kolumnisten, dem Publizisten und Philosophen Günter Zehm mit drei Sonderseiten und zahlreichen Nachrufen. Unter anderem erinnern sich Martin Mosebach, Peter Gauweiler, Heimo Schwilk, Karlheinz Weißmann, Thorsten Hinz, Lorenz Jäger, Günter Maschke und viele andere an Günter Zehm.

Martin Mosebach schreibt: „Altmodisch gebildet mit größter Neugier für das Allerneuste, formvollendet, gelassen, heiter, auch dort, wo er polemisch wurde, von jenem Liberalismus, den auch Goethe für sich in Anspruch nahm, wenn er sagte, ein echter Konservativer sei immer liberal.“

Der CSU-Politiker Peter Gauweiler stellt Zehm journalistisch in eine Reihe mit Gerhard Löwenthal und Axel Springer: „Es war in den Medien Westeuropas nicht einmal eine Hundertschaft von sprachmächtigen Intellektuellen, denen wir verdanken, daß der Westen diese Zeit gleichwohl durchgehalten hat, bis Gorbatschow kam.“

JF-Chefredakteur Dieter Stein würdigt Zehm voller Dankbarkeit, der im Januar 1995 begann für die JF zu schreiben, als sie gerade zur Zielscheibe einer Serie von linksextremen Attacken geworden und wirtschaftlich „faktisch pleite“ war: „Es erfüllte uns mit großem Stolz, daß dieser angesehene Publizist just in diesem Moment an Bord kam und uns den Rücken stärkte. ‚Pankraz‘ war eine Instanz. Er sah, daß uns Unrecht geschah, und er stellte sich demonstrativ an unsere Seite.“

Deutschlands konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ trauert um Professor Dr. Günter Zehm, der am 1. November 2019 morgens im Alter von 86 Jahren an den Folgen eines Herzanfalls verstarb. Der Philosoph und Publizist war seit 1995 Kolumnist der JUNGEN FREIHEIT.

1963 begann Günter Zehm als Feuilleton-Redakteur bei der Tageszeitung Welt, dessen Feuilletonleiter und stellvertretender Chefredakteur er später wurde. Seine Kolumne „Pankraz“ ist die älteste deutsche zeitungskolumne: Sie erschien erstmals 1975 in dem Springer-Blatt. Ab Januar 1995 erschien die „Pankraz“-Kolumne dann jede Woche in der JF.

MÜNCHEN. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will einen Nationalen Sicherheitsrat in Deutschland einrichten. Das Gremium solle Diplomatie, Militär, Wirtschaft, Handel, Innere Sicherheit und Entwicklungszusammenarbeit koordinieren, sagte sie laut Welt während ihrer Grundsatzrede an der Bundeswehr-Universität in München. Über die Einsätze der Bundeswehr werde jedoch weiterhin der Bundestag entscheiden, betonte die Christdemokratin.

Kramp-Karrenbauer plädierte zudem für ein höheres Engagement der deutschen Streitkräfte auf internationaler Ebene. „Wir Deutschen sind oft besser darin, hohe Ansprüche an uns und andere zu formulieren, als selbst konkrete Maßnahmen vorzuschlagen und umzusetzen.“ Ein Land wie Deutschland könne nicht nur am Rande stehen, sondern müsse mitwirken, „die internationale Ordnung zu schützen und sinnvoll weiterzuentwickeln“.

Kramp-Karrenbauer wirbt für Präsenz im pazifischen Raum

Mit Blick auf den pazifischen Raum mahnte Kramp-Karrenbauer, daß Deutschlands Partner in der Region, Australien, Japan, Südkorea und Indien, ein Zeichen der Solidarität gegen Chinas Machtanspruch erwarteten. „Es ist an der Zeit, daß Deutschland auch ein solches Zeichen setzt, indem wir mit unseren Verbündeten Präsenz in dieser Region zeigen.“

Die Christdemokratin kündigte an, sie werde sich für eine Aufstockung der Verteidigungsausgaben einsetzen. Bis 2031 solle die Bundesrepublik zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgeben. In der Vergangenheit war Deutschland von den USA wiederholt kritisiert worden, weil es diese Vorgabe nicht erreichte. (ag)

HERNE-WEST. Nach seiner Rückkehr als Aufsichtsratschef des FC Schalke 04 hat sich Clemens Tönnies erneut für seine Wortwahl über Afrikaner entschuldigt. „Wenn ich jemandem weh getan haben soll oder wenn sich jemanden verletzt gefühlt hat, dann bitte ich ihn aufrichtig um Entschuldigung“, sagte Tönnies im Interview mit dem klubeigenen TV-Kanal. „Ich habe einen Fehler gemacht, und ich stehe für diesen Fehler ein.“

Tönnies hatte beim „Tag des Handwerks“ gesagt, statt höhere Steuern gegen den Klimawandel zu erheben, sollte man lieber 20 Kernkraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Später entschuldigte er sich für die Aussage, die auch den Ehrenrat des Vereins auf den Plan rief. Als Ergebnis einer Sitzung des Gremiums ließ Tönnies Anfang August sein Amt für drei Monate ruhen.

„Bin bei jeder Anti-Rassismus-Kampagne der Erste“

Diese verordnete Zwangspause habe er genutzt, um viel über seine Worte nachzudenken, sagte Tönnies nun gegenüber „Schalke TV“. Er habe diese damals weder beleidigend noch verletzend gemeint, betonter er. Er sei nicht derjenige, der trenne, sondern der, der vereine. Er arbeite in seinem Unternehmen mit Menschen aus 87 verschiedenen Nationen gut zusammen.

Die Wucht der Reaktionen auf seine Worte habe ihn regelrecht erschlagen, erläuterte der Schalke-Boß. Er habe während der Pause viele Gespräche mit unterschiedlichen Menschen geführt und sich auch selbst hinterfragt. Ihm sei es um Afrika gegangen und wie den Menschen dort geholfen werden könne.

„Ich bin derjenige, der bei jeder Anti-Rassismus-Kampagne als Allererster das Plakat hochhält und sagt: ‘Hört zu, das darf auf Schalke keinen Einzug haben.’ Wir müssen uns viel mehr in der Gesellschaft dagegen stellen, gegen Diskriminierung und Rassismus.“ (krk)

DRESDEN. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag, Jörg Urban, hat die geplante Sonderkommission Linksextremismus als unzureichend kritisiert und eine landesweite „Bekämpfung der Antifa mit allen Mitteln“ gefordert. Es reiche als Maßnahme nicht aus, wenn sich nun zehn Beamte mehr „um die terroristisch agierende Antifa kümmern sollen“, teilte er mit.

Dieses terroristische Netzwerk und die Werbung dafür müßten durch ein striktes Verbot geächtet werden, betonte Urban. „Außerdem ist es ein völlig falsches Signal an diese Szene, die Maßnahmen auf Leipzig zu beschränken. Der Terror der Antifa findet auch in Dresden, Chemnitz, Bautzen und weiteren Städten statt.“

Grüne kritisieren Pressekonferenz der Minister

Unterdessen äußerten sich die sächsischen Grünen verwundert über die Ankündigung von Innenminister Roland Wöller (CDU), die „Soko LinX“ einzurichten. In der Pressekonferenz mit Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) habe er Inhalte der laufenden Koalitionsverhandlungen verraten, warf Grünen-Landesgeschäftsführer Mathias Weilandt der Union laut MDR vor.

Gewalt müsse verfolgt und geahndet werden, so Weilandt. Daß die Polizei dafür eine Sonderkommission einrichte, sei ihr gutes Recht. Um das zu verkünden, „braucht es aber keine symbolische Pressekonferenz von gleich zwei Ministern in laufenden Koalitionsverhandlungen“.

Die beiden Minister hatten vor dem Hintergrund linksextremer Anschläge und Gewalttaten in Leipzig die Gründung der Sonderkommission verkündet. Erst am Sonntag abend war die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma in ihrer Wohnung überfallen und angegriffen worden. Auf dem linksextremen Szeneportal „Indymedia“ bekannte sich die Gruppe „Kiezmiliz“ zu der Tat. (ag)

BERLIN. Der Philosoph und Publizist Günter Zehm ist tot. Er verstarb am 1. November im Alter von 86 Jahren an den Folgen eines Herzanfalls. Zehm war seit 1995 Kolumnist der JUNGEN FREIHEIT.

1963 begann er als Feuilleton-Redakteur bei der Tageszeitung Welt, dessen Feuilletonleiter und stellvertretender Chefredakteur er später wurde. Seine Kolumne „Pankraz“ erschien erstmals 1975 in dem Springer-Blatt.

Dort wurde er allerdings aufgrund seiner konservativen Geisteshaltung 1989 zum Ausscheiden genötigt. Seine Beiträge erschienen fortan im Rheinischen Merkur, der jedoch 1994 einen Text Zehms aus politischen Gründen ablehnte. Ab Januar 1995 erschien die „Pankraz“-Kolumne dann jede Woche in der JF.

Kämpfer für Meinungsfreiheit

In der DDR setzte sich der gebürtige Crimmitschauer (Kreis Zwickau) nach dem Volksaufstand in Ungarn 1956 für die Meinungsfreiheit ein und wurde 1957 als Schüler Ernst Blochs verhaftet und wegen „Boykotthetze“ zu vier Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung gelang ihm kurz vor dem Mauerbau die Flucht in die Bundesrepublik. Dort studierte er in Frankfurt am Main bei Theodor W. Adorno sowie Carlo Schmid. Nach der Wiedervereinigung lehrte er in den neunziger Jahren als Honorarprofessor Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. (tha/ls)

>Die JUNGE FREIHEIT würdigt den großen konservativen Publizisten und Philosophen Günter Zehm in der kommenden Ausgabe (46/19) umfassend.

 

 

Harald Melzer

Pressesprecher

JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. KG

Hohenzollerndamm 27 a

10713 Berlin

 

 

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BERLIN. Die AfD hat den Vorwurf, sie sei extremistisch und strebe verfassungsfeindliche Ziele an, erneut zurückgewiesen. Der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen betonte, seine Partei wolle „die Demokratie stärken, nicht schwächen“. Es treffe ihn, wenn die AfD außerhalb des demokratischen Konsenses gestellt werde, sagte er bei der Vorstellung der Tätigkeit der parteiinternen Arbeitsgruppe „Verfassungsschutz“ am Donnerstag in Berlin.

Ihr Leiter, der AfD-Bundestagsabgeordnete Roland Hartwig, kündigte an, die Partei werde nun prüfen, gegen die Einstufung der Jungen Alternative und des „Flügels“ als Verdachtsfälle durch den Verfassungsschutz juristisch vorzugehen.

Murswiek wirft Verfassungsschutz methodische Fehler vor

Der von der Partei beauftragte Staats- und Verfassungsrechtler Dietrich Murswiek kommt in seiner Untersuchung zu dem Ergebnis, daß „weniger als 20 Prozent der vom Verfassungsschutz als relevant“ eingestuften Aussagen der AfD tatsächlich „verfassungsschutzrechtlich relevant“ zu bewerten seien. „Über 80 Prozent der Bewertungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz halte ich für falsch“, sagte der emeritierte Professor für Öffentliches Recht an der Universität Freiburg.

Der Verfassungsschutz hatte in einem Gutachten 470 Meinungsäußerungen von Mitgliedern der AfD ausgewertet und 400 davon als unvereinbar mit mindestens einem Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eingestuft. Neben den wenigen Zitaten, die auch nach Einschätzung von Murswiek verfassungsschutzrechtlich relevant sind, gebe es eine „erhebliche Anzahl“, die mehrdeutig seien und für die der Jurist eine Klarstellung durch die Partei empfiehlt.

Allerdings weist der von der AfD beauftragte Gutachter darauf hin, daß auch die von ihm als relevant eingestuften Aussagen „nicht ohne weiteres als Anhaltspunkt für eine verfassungsfeindliche Zielsetzung angesehen werden können.“ Wenn jemand mit einer Äußerung gegen ein Schutzgut der freiheitlichen demokratischen Grundordnung verstoße, bedeute dies nicht automatisch, daß er dieses Schutzgut auch abschaffen wolle. Murswiek kritisierte in diesem Zusammenhang, der Verfassungsschutz mache den methodischen Fehler, „den Unterschied zwischen tatsächlichen Anhaltspunkten für eine verfassungsfeindliche Zielsetzung und inhaltlich mit einem Verfassungsgrundsatz unvereinbaren Äußerungen zu verwischen“.

Haldenwang hatte AfD als „Prüffall“ bezeichnet

Die Einordnung einer Partei als extremistisch dürfe das Bundesamt für Verfassungsschutz nicht „auf der Basis politischer Bewertungen vornehmen“, betonte der Staatsrechtler. Die Behörde könne eine Partei nur dann beobachten, „wenn es hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür gibt, daß sie verfassungsfeindliche Ziele verfolgt“, sprich die freiheitliche demokratische Grundordnung oder eines ihrer Prinzipien zu beseitigen.

Keine Rolle dürfe dabei spielen, ob Aussagen von Parteifunktionären anderen als „rhetorisch radikal, politisch unkorrekt oder empörend“ vorkämen, stellte Murswiek fest. Es sei nicht Aufgabe des Verfassungsschutzes, „Parteien nach politischen oder moralischen Gesichtspunkten zu bewerten“. Man gewinne den Eindruck, der Verfassungsschutz habe nicht als objektive Behörde unvoreingenommen geprüft, sondern, „daß es ihm darum ging, die AfD zu diskreditieren“. Er kritisierte darüber hinaus, das Bundesamt habe „anscheinend nur nach belastenden Äußerungen gesucht“ und Entlastendes nicht ermittelt oder berücksichtigt.

Hartwig und Meuthen versicherten, eine „große Mehrheit“ in der AfD stehe hinter der Arbeitsgruppe „Verfassungsschutz“. Er spüre „einen großen Rückhalt für den Ansatz zur Mäßigung“, sagte Meuthen. Im Januar hatte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, offiziell mitgeteilt, seine Behörde stufe die AfD als sogenannten „Prüffall“, und deren Nachwuchsorganisation Junge Alternative sowie den „Flügel“ jeweils als „Verdachtsfall“ ein. Auf Antrag der AfD hatte das Verwaltungsgericht in Köln dem Bundesamt im Februar per einstweiliger Anordnung untersagt zu verbreiten, die Partei werde von ihm als Prüffall bearbeitet. (vo)

Aus den Augen, aus dem Sinn. So könnte man die Verlegung von 1.500 Migranten aus der bosnischen Stadt Bihac nahe der Grenze zu Kroatien beschreiben. Ein Video ihres Fußmarsches ins fünf Kilometer außerhalb der Stadt gelegene Vucjak fand im Internet rasend schnelle Verbreitung. Und sorgte teilweise für Irritationen, da sie auf einschlägigen verschwörungstheoretischen Seiten als Migrantenstrom Richtung Deutschland fehlinterpretiert worden waren.

Die Maßnahme war jedoch mehr ein Hilferuf der Stadt an die überregionalen Verantwortlichen, sie mit dem Migrationsproblem nicht allein zu lassen. „Die Zustände waren im Sommer einfach unerträglich geworden“, schildern Bewohner in Bihac der JUNGEN FREIHEIT übereinstimmend. Immer mehr Zuwanderer waren über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien nach Bosnien gekommen. Ihr Ziel: Die Europäische Union, vorzugsweise Deutschland. Weil Kroatien seine Grenzen besser kontrolliert als die anderen Balkan-Staaten, staut sich der Zug Richtung Norden in Bihac. Einer Stadt, von der aus die Entfernung ins Schengen-Land Slowenien lediglich 80 Kilometer beträgt.

Besuch im Lager

Der Weg von Bihac führt hinaus in die Berge Bosniens. An den Straßenrändern laufen immer wieder Migranten. Einige von ihnen Leben in den Wäldern. Andere pendeln zu Fuß zwischen der Stadt und dem Camp in Vucjak. Wer sich etwas weiter in die Wildnis wagt, stößt schnell auf Spuren von Müll, Feuerstellen, Zigarettenkippen und Kleidungsstücken. Doch der Streifzug durch die Wälder ist mit Vorsicht zu genießen. Bisher nicht beseitigte Landminen aus dem Bosnien-Krieg der neunziger Jahre lauern als lebensgefährliche Bedrohung auf. Die Migranten haben von ihnen gehört, fürchten sie mindestens genauso wie die Patrouillen der kroatischen Grenzschützer.

Zwei Kilometer vor dem Camp steht in einem kleinen Bergdorf ein bosnischer Rot-Kreuz-Helfer. Er spricht Deutsch, hatte eine Zeit lang in Krefeld gelebt. Neben ihm zwei Migranten. Der Helfer trägt Handschuhe und Mundschutz. „Eine Vorsichtsmaßnahme“, sagt er. Viele der Migranten hätten Krankheiten. „Geben Sie niemandem von ihnen die Hand, seien Sie vorsichtig“, rät er. Die beiden Migranten deuten auf den Wagen, wollen mit ins Camp fahren. Der Rot-Kreuz-Helfer rät wieder ab. „Das kommt bei der Polizei nicht gut“, warnt er.

Lager Vucjak bei Bihac Foto: JF/Rohbohm

Der Weg ins Lager schlängelt sich über eine schmale und sandige Schotterpiste den Berg hinab. Meter für Meter wird er enger, die Piste schlammiger, die zu Pfützen gefüllten Schlaglöcher tiefer und häufiger. 50 Meter vom Camp entfernt steht ein Container. Zwei Polizisten treten aus ihm hervor. Ausweiskontrolle. Aber der Einlaß ist kein Problem. „Sie wollen da allein rein?“ fragt einer der beiden skeptisch. Ja. Die beiden beratschlagen sich auf bosnisch. „Gehen sie nicht zu weit ins Lager, bleiben Sie in unserem Sichtbereich. Sie könnten angegriffen werden“, warnen sie.

Die Migranten haben einen Plan

Doch es bleibt friedlich. Der Empfang ist von Neugier statt von Aggression geprägt. Ali, ein 24 Jahre alter Pakistani kommt heran, reicht die Hand zur Begrüßung. Wie war das noch mit dem Anfassen? Egal. Schnell bildet sich ein Kreis um uns, während er seine Geschichte erzählt. Ist so üblich. Schnell wird klar: Ali und die anderen haben einen Plan. Einen, Plan, wie sie die Grenze zu Kroatien überwinden wollen.

Was Ali plant, was sich im Lager sonst noch an dramatischen Szenen zuträgt und wie es zu dem erneuten Migrationsanstieg an der bosnisch-kroatischen Grenze kommen konnte, lesen Sie am kommenden Donnerstag in der Reportage der Printausgabe der JF.

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