Sieben Wochen vor Weihnachten veranstalteten Bundesregierung und Autoindustrie schon einmal eine Bescherung. Jeder, der demnächst ein mit Elektromotor angetriebenes Auto kaufen will, bekommt nicht nur ein Auto, sondern auch Geld geschenkt. Auf dem Autogipfel bei „Kanzlers“ wurde am Montag abend ein Zuschuß auf Steuerzahlerkosten von 6.000 Euro pro Auto bis 40.000 Euro beschlossen, für teurere gibt es immerhin noch 5.000 Euro. Die bisherige Prämie in Höhe von 4.000 Euro löste erkennbar keinen Run auf E-Autos aus. Wer will schon halbe Leistung für deutlich höhere Preise?

Keine Frage: Wer mag, der soll E-Auto fahren. Die Beschleunigung und das leise Fahrgeräusch sind prima. Doch halbwegs weite Dienstreisen oder Familienurlaube setzen dann schon ausgefeilte Planungen voraus. Im Winter kann man zwischen Frieren oder Fahren entscheiden, die Reichweite der Akkus bei Kälte sinkt drastisch, die Heizung nimmt kostbaren Saft weg.

Doch die sogenannte Elektromobilität kann kein in mehr als einem Jahrhundert gewachsenes Verkehrssystem ersetzen. Auto- und Akkutechnik sowie elektrische Energieversorgung geben es auch in nächster Zukunft nicht her. Mit viel Geld sollen eine Million Ladesäulen errichtet werden; die bisherigen werden eher wenig genutzt, für die Betreiber sind sie nicht wirtschaftlich. Völlig ungeklärt zudem, woher die elektrische Energie kommen soll.

Physik läßt sich nicht außer Kraft setzen

Hinter dem stärker werdenden Zwang zum E-Auto steht anderes. Die Elektromobilität wird gebraucht, weil nur so jene ominösen EU-„Klimaziele“ erreicht werden können. Ein Elektroauto wird dabei mit „null“ CO2 angerechnet. Mehr Schwindel geht nicht.

So sinkt der sogenannte Flottenverbrauch, der Durchschnittswert aller neu zugelassenen Fahrzeuge. Bedeutet: Der Hersteller muß diese Fahrzeuge auch verkaufen. Nach Schätzungen müssen bei den Neuzulassungen bis 2030 etwa 35 bis 40 Prozent E-Autos dabei sein, um die CO2-Rechenspiele einhalten zu können.

Ab 2021 dürfen verkaufte Neuwagen im Schnitt aber nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer produzieren. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen von Neuwagen um weitere 37,5 Prozent sinken. Das bedeutet umgerechnet einen Verbrauch von 4,1 Liter Benzin auf 100 km. Ausgeschlossen für einen typischen Mittelklassewagen, dem steht die Physik mit ihrer Thermodynamik entgegen, die sich auch durch Mehrheitsentscheidungen nicht außer Kraft setzen läßt.

Heute Mittelklasse-, morgen nur noch Kleinwagen

Drastische Strafzahlungen drohen den Autoherstellern bei Überschreitungen. Jeder Liter Mehrverbrauch kostet 2.500 Euro zusätzlich. Der AfD-Autofachmann und frühere Daimler-Motorenentwickler Dirk Spaniel hat für einen gewöhnlichen Opel Astra mit 1,4 Liter bis zu 10.000 Strafen ausgerechnet, die ab 2021 fällig werden. Die muß der Hersteller an die EU zahlen.

Folge: Wer heute ein Mittelklassefahrzeug fährt, wird künftig nur einen Kleinwagen bezahlen können; diejenigen, die sich heute einen Kleinwagen leisten können, werden Bus und Bahn fahren müssen. Weg mit dem Individualverkehr – das erklärte Ziel und zugleich das Aus für die deutsche Autoindustrie. Die deutsche Politik sieht nicht nur tatenlos zu, wie Fahrzeugindustrie zerstört wird, sondern treibt sie an.

Denn endgültig beschlossen wurden die neuen Regeln im April dieses Jahres vom Europäischen Parlament. Der Bundestag hatte sie bereits Ende vergangenen Jahres durchgewunken. Lediglich die AfD forderte ein Moratorium. Vergeblich.

Das CO2-Märchen und die ach so klimaschädlichen Autos dienen als Hebel im Kampf gegen die individuelle Mobilität der Bürger. Der grüne Verkehrsclub VCD sagt es deutlich: Das eigene Auto müsse in Frage gestellt werden, also die individuelle Mobilität.

Heftige Widerstände sind vorprogrammiert

Wir sollen nicht mehr frei entscheiden können, wann wir wohin fahren. Einfach so – ohne Antrag zu stellen, ohne dem Bezirksbevollmächtigten eine Begründung zu liefern – nein, das soll nicht mehr sein.

Was spricht der Grünen-Politiker Özdemir zum jüngsten Autogipfel? „Verkehrswende heißt nicht, daß wir 47 Millionen fossile Verbrenner durch 47 Millionen Elektromobile ersetzen.“ Geteilte Autos, öffentlicher Nahverkehr und ja, tatsächlich das Fahrrad seien die Verkehrsmittel der Zukunft.

Bereits jetzt ist absehbar, daß dies heftigen Widerstand provozieren wird, sobald die drastischen Folgen mit einer abgewirtschafteten Autoindustrie sichtbar sind. Die Straßenschlachten in Chile sind ein warnendes Beispiel.

BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat deutsche Firmen aufgefordert, mehr offene Stellen mit Flüchtlingen zu besetzen. „Unternehmen sind gut beraten, das Potential von Geflüchteten zur Fachkräftesicherung zu nutzen. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagte der Christdemokrat laut Redaktionsnetzwerk Deutschland während des Jahrestreffens der sogenannten Willkommenslotsen in Berlin.

Das Programm Willkommenslotsen hatte die Große Koalition 2016 ins Leben gerufen. Es soll Unternehmen bei der Integration von Flüchtlingen helfen und diesen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern.

Altmaier betonte, die Willkommenslotsen stünden Firmen deutschlandweit mit Rat und Tat zur Verfügung. „Sie unterstützen bei zentralen Fragen zu Ausbildung, Beschäftigung, Sprachförderung, Aufenthaltsstatus, Qualifikationsbedarf sowie zu Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten.“

Arbeitsprogramm der Regierung scheitert 

Allein 2018 sollen laut Bundeswirtschaftsministerium mehr als 7.500 Firmen eine Beratung der Willkommenslotsen in Anspruch genommen haben. Bislang seien mehr als 4.000 Arbeitsplätze durch deren Hilfe besetzt und rund 5.500 Praktikums- und Einstiegqualifizierungsplätze vermittelt worden.

In der Vergangenheit war ein Arbeitsprogramm der Bundesregierung zur Asylbewerberintegration gescheitert. Statt der erhofften 100.000 Flüchtlinge nahmen von September 2016 bis Februar 2019 nur 32.000 Personen die Gelegenheit wahr, einfache Arbeiten in ihren Unterkünften zu verrichten. (ag)

BERLIN. Die AfD-Bundestagsfraktion hat den Schutz des Bargelds durch das Grundgesetz gefordert. „Bargeld ist in unserem Sinn gedruckte Freiheit“, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer, Bernd Baumann, am Dienstag in Berlin. Bargeld schütze die Bürger etwa vor einer Enteignung durch Null- und Negativzinsen sowie vor finanzieller Überwachung.

„Ohne Bargeld können die Negativzinsen relativ weit ins Minus geschraubt werden“, erläuterte AfD-Finanzpolitiker Peter Boehringer. „Wir haben ein Problem, wenn Bargeld nicht mehr existiert“, ergänzte er. „Zum einen wird diese Enteignung möglich, zum anderen wird die Totalüberwachung möglich – bis ins kleinste, intimste Detail.“ Wer die finanziellen Spuren verfolgen könne, wisse alles über eine Person und könne sie schließlich auch wirtschaftlich und sozial „abschalten“.

Deutsche hängen am Bargeld

Zwar sei im Grundgesetz festgelegt, daß das Bargeld das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland sei. Doch dies reiche heute nicht mehr aus. Deshalb solle der Schutz der Münzen und Scheine in Artikel 14 des Grundgesetzes verankert werden. Argumente gegen das Bargeld bezeichnete Boehringer als „völligen Humbug“. Die großen Geldwäscheaktionen fänden über Offshore-Konten statt, nicht mit Hilfe von Bargeld.

Die Deutschen hängen Umfragen und Statistiken zufolge mehr am Bargeld als andere europäische Nationen. Eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Spiegel vom August ergab, daß fast die Hälfte aller Befragten lieber mit Bargeld zahlt. Lediglich knapp ein Drittel verwende „eher lieber“ oder „deutlich lieber“ die Karte. (ls)

BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Sorgen vor einer Einschränkung der Meinungsfreiheit als unbegründet zurückgewiesen. Es sei eine Verzerrung, wenn „ein sogenannter Mainstream definiert wird, der angeblich der Meinungsfreiheit Grenzen setzt. Das das stimmt einfach nicht“, sagte sie dem Spiegel.

Sie ermuntere jeden, seine oder ihre Meinung zu sagen, betonte die Christdemokratin. Nachfragen müsse man dann aber aushalten. „Das gehört zur Demokratie dazu.“ In dem Zusammenhang verwies sie darauf, auch der AfD-Gründer Bernd Lucke müsse seine Vorlesungen an der Universität Hamburg abhalten können. „Das muß der Staat durchsetzen.“ Nach Störaktionen von Linksextremisten konnte Lucke seine Vorlesung vergangene Woche nur unter Polizeischutz halten.

Merkel: Gibt kein Recht auf Haß

Mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD in den ostdeutschen Bundesländern 30 Jahre nach dem Mauerfall warnte die Kanzlerin: „Auch wenn man mit dem öffentlichen Nahverkehr, der ärztlichen Versorgung, dem staatlichen Handeln insgesamt oder dem eigenen Leben nicht zufrieden ist, folgt daraus kein Recht auf Haß und Verachtung für andere Menschen oder gar Gewalt. Gegenüber solchem Verhalten kann es keine Toleranz geben.“

Merkel äußerte ihr Unverständnis darüber, wenn Westdeutsche im Osten die Bundesrepublik schlecht redeten. „Was aus meiner Sicht gar nicht geht: Wenn Menschen mit westdeutscher Biografie in den Osten gehen und da behaupten, unser Staat sei ja eigentlich nicht viel besser als die DDR. Da muß man hart dagegenhalten.“ (ag)

Der Jubel in den sozialen Medien ließ nicht lange auf sich warten. Kaum war bekannt geworden, daß die australische Fußballnationalmannschaft der Damen künftig genau soviel verdienen werde wie die der Männer, frohlockte die internationale Twitter-Gemeinde. Von einem „historischen Tag“ war unter anderem die Rede. Auch die internationalen Medien bejubelten die Ankündigung.

Die Damen und Herren vom Fünften Kontinent werden demnach künftig gleichberechtigt an den Werbeeinnahmen und Prämien des nationalen Fußballverbands FFA beteiligt. Dazu können sie sich auch noch darüber freuen, daß sie nun 40 statt bisher 30 Prozent der Werbeeinnahmen erhalten.

Befürworter dieses Schritts hatten seit langem kritisiert, die Damenmannschaft sei ohnehin viel erfolgreicher als ihre kickenden Landsmänner. Ein Blick auf die Rangliste das Weltfußballverbands FIFA belegt das. Die Socceroos genannten Männer liegen derzeit auf Rang 44, die Fighting Matildas, wie die Nationalspielerinnen in Anlehnung an ein bekanntes Volkslied genannt werden, stehen auf dem 8. Platz.

Männerfußball ist eine Gelddruckmaschine

Bevor ähnliche Rufe auch in Europa lauter werden, sei noch auf ein paar nicht unwichtige Sachverhalte hingewiesen. Im Gegensatz zu internationalen Frauenfußballturnieren sind deren männliche Gegenstücke Milliardengeschäfte. Hinzukommt eine derartig dicht getaktete Abfolge von Liga-, Pokal- und Europapokalspielen, daß für die Spitzenmannschaften der Männer zwei Spiele pro Woche während einer Saison die Regel sind. Dementsprechend riesige Umsätze machen die Vereine mit ihren Sportlern.

Guckt man im Gegensatz dazu in der Sportschau gelegentlich eine Zusammenfassung eines Bundesligaspiels der Fußballerinnen, fallen die deutlich geringeren Zuschauerzahlen ins Auge. Da weniger Zuschauer weniger Einnahmen bedeuten, erklärt das auch, warum dieser Spielbetrieb keine vergleichbaren Gewinne wie die Männerbundesliga abwirft. Eine Zwangsangleichung der Gehälter zwischen männlichen und weiblichen Fußballern widerspricht der wirtschaftlichen Logik.

Zuschauer bevorzugen Männerfußball

Auch ein Blick auf andere Sportarten fördert ähnliche Gehalts-, aber auch Zuschauerunterschiede zutage. Der Sportfan, dessen Geld schließlich den ganzen Betrieb am Laufen hält, wählt aus dem vielfältigen Angebot offensichtlich das aus, was ihm zusagt. Unabhängig von der Leistung der Sportlerinnen zieht es die männlichen und oft eben auch weiblichen Fans zu den Männerwettbewerben.

Den lautesten Propagandisten der gleichen Sportlergehältern sei abschließend noch eine Frage gestellt: Wie oft schauen sie regelmäßig Frauenfußball oder haben gar mal ein Spiel im Stadion gesehen?

FRANKFURT/MAIN. Der frühere Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper (SPD), hat den Ostdeutschen anläßlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls vorgeworfen, zu viel zu jammern. Es gebe eine andere Selbstwahrnehmung im Osten, sagte Momper der FAZ.

„Viele weinen dort immer noch irgendwelchen Dingen nach. Dabei ist vieles davon doch lächerlich.“ Als Beispiel nannte der SPD-Politiker Klagen über das unterschiedliche Rentenniveau in Ost und West. Dies sei aber nur ein Zahlenkonstrukt. „Eigentlich liegen die Renten im Osten im Schnitt höher als im Westen, besonders die der Frauen. Die realen Lebensverhältnisse sind ganz gut.“

Auf die Frage, ob er finde, die Ostdeutschen jammerten zu viel, antwortete Momper: „Schon, jedes Jahr vor dem 3. Oktober kommen die Ostdeutschen wieder und sagen, wir fühlen uns schlecht behandelt.“ So würde beispielsweise moniert, daß kein Bundesrichter aus dem Osten stamme. Doch das sei ganz normal, da Bundesrichter ältere Juristen mit einer längeren Laufbahn seien und man auf SED-Kader hätte schlecht zurückgreifen können. „Außerdem haben wir immerhin eine ostdeutsche Bundeskanzlerin – was wollen die Ostdeutschen denn noch mehr? Es gibt für die Ostdeutschen keinen Grund zu jammern.“

„Die einen müssen alles neu lernen, die anderen müssen es bezahlen“ 

Auch könne er nicht verstehen, warum so viele Ostdeutsche das Gefühl hätten, durch den Westen bevormundet zu werden. „Ich weiß nicht, wie die sich die Freiheit vorgestellt haben, ob jeder hier nur das machen kann, was er für richtig hält. Im Osten ist vieles noch vergleichsweise rückständig. Die Produktivität ist nicht so hoch wie im Westen, und vieles andere auch nicht. Vielleicht hält sich das Gefühl deshalb so hartnäckig.“

Momper, der noch im August 1989 gemahnt hatte, man müsse die Zweitstaatlichkeit akzeptieren und sich auch nach dem Mauerfall noch kritisch über eine mögliche Wiedervereinigung äußerte, warf im Interview mit der FAZ Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU), große politische Fehler bei der deutschen Einheit vor. Kohl habe den Ostdeutschen „blühende Landschaften“ versprochen, anstatt ihnen ehrlich zu sagen, welche außerordentlichen Herausforderungen auf das ganze Volk zukämen.

„Die einen müssen alles neu lernen, das ganze gesellschaftliche Leben, und die anderen müssen es bezahlen: Wenn man das so klar gesagt hätte, wäre die Wiedervereinigung eine gemeinsame Anstrengung gewesen.“ So aber seien es immer nur die blühenden Landschaften gewesen, die dann aber nicht kamen. Das habe viel Frust hinterlassen. (krk)

KARSLRUHE. Das Bundesverfassungsgericht hat drastische Kürzungen von Hartz-IV-Leistungen bei Pflichtverletzungen für grundgesetzwidrig erklärt. Hält sich ein Sozialhilfeempfänger nicht an Absprachen oder Auflagen, sind nur Kürzungen um maximal 30 Prozent möglich, entschieden die Karlsruher Richter am Dienstag.

Der Erste Senat begründete das Urteil in erster Linie mit „strengen Anforderungen der Verhältnismäßigkeit“. Je länger die entsprechenden Regelungen in kraft seien, umso weniger könne sich der Gesetzgeber allein auf Annahmen stützen. Das Arbeitslosengeld II, meist Hartz IV genannt, war 2005 eingeführt worden. Überdies müsse es den Betroffenen möglich sein, „in zumutbarer Weise die Voraussetzungen dafür zu schaffen, die Leistung nach einer Minderung wieder zu erhalten“, teilte das Gericht mit.

Unter 25jährige von Entscheid nicht betroffen

Bislang war es Jobcentern möglich, Hartz-IV-Empfängern die Gelder um 60 Prozent und mehr zu streichen, wenn sie zumutbare Arbeitsplatz- oder Förderungsangebote ausschlagen. Wer innerhalb eines Jahres mehrfach auffällt, dem können auch die Kosten für Unterkunft und Heizung gestrichen werden. Eine verhängte Sanktion gilt jeweils drei Monate. Die Hartz-IV-Leistungen betragen aktuell 424 Euro für Alleinstehende. Im Oktober 2019 gab es rund 3,8 Millionen erwerbsfähige Hartz-IV-Bezieher.

Bei dem Entscheid ging es nur um die Regelungen für über 25jährige. Für jüngere Hartz-IV-Empfänger bestehen laut der Nachrichtenagentur Reuters härtere Sanktionen. Nicht überprüft wurde demnach auch der Leistungsabzug von zehn Prozent, der erfolgt, wenn ein Bezieher nicht zu einem Termin im Jobcenter erscheint.

Hintergrund des Entscheids ist eine Vorlage des Sozialgerichts im thüringischen Gotha. In dem Fall hatte das Jobcenter Erfurt dem Arbeitslosen 234,60 Euro im Monat gestrichen, weil er ein Stellenangebot abgelehnt und Probearbeit verweigert hatte. (ls)

WASHINGTON. Die USA haben nun auch offizielle ihre Kündigung des Pariser Klimaabkommens bei den Vereinten Nationen eingereicht. Die Vereinigten Staaten würden auch künftig in internationalen Gesprächen für ein „realistisches und pragmatisches Modell“ plädieren, teilte Außenminister Mike Pompeo laut der Nachrichtenagentur AFP am Montag Ortszeit mit.

Die US-Wirtschaft werde weiter wachsen und gleichzeitig Emissionen reduzieren. Das Land setze wie bisher auf einen Energiemix, der auch fossile Brennstoffe einschließe. Das offizielle Austrittsansuchen ist mehr als zwei Jahre nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump erfolgt, da es keinem Unterzeichnerstaat möglich war, innerhalb der ersten drei Jahre zu kündigen. Das Klimaabkommen war am 4. November 2016 in Kraft getreten. Wirksam wird die Kündigung allerdings erst in einem Jahr und damit einen Tag nach der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA am 3. November 2020.

Frankreich und China wollen „Unumkehrbarkeit“ des Abkommens erklären

Trump hatte den Ausstieg aus dem Abkommen mit der Begründung angekündigt, daß es zu teuer sei und die USA benachteilige. Zudem löste er damit ein Wahlversprechen ein. Er war dafür heftig kritisiert worden. Der internationale Vertrag hat zum Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf mindestens unter zwei Grad zu begrenzen. Große Teile der Vereinbarung sind völkerrechtlich verbindlich.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte während eines Chinabesuchs am Dienstag sein Bedauern über die Entscheidung der USA. Der Schritt mache die französisch-chinesische Zusammenarbeit in der Klima- und Biodiversitätspolitik noch notwendiger, sagte Macron nach Angaben der Nachrichtenagentur. Macron und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping wollen demnach am Mittwoch in Peking eine Vereinbarung unterzeichnen, in der die „Unumkehrbarkeit“ des Abkommens erklärt wird. Verschiedene Umweltverbände und Grünen-Politiker warfen Trump Verantwortungslosigkeit vor. (ls)

StatistikLebenserwartung steigt langsamer

On November 5, 2019, in Junge Freiheit, by admin

WIESBADEN. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren langsamer angestiegen als zuvor. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte, beträgt die Lebenserwartung bei den Neugeborenen für Mädchen aktuell 83,3 Jahre und für Jungen 78,5 Jahre.

Demnach sei die Lebenserwartung nach den Ergebnissen der Sterbetafel 2016/2018 im Vergleich zur Berechnung 2015/2017 um etwa 0,1 Jahre gestiegen. „Dies entspricht der durchschnittlichen jährlichen Veränderung der vergangenen zehn Jahre. Damit ist inzwischen ein Trend hin zu einem langsameren Anstieg der Lebenserwartung zu beobachten“, teilte die Behörde weiter mit. Bis 2008 hatte die Lebenserwartung jahrzehntelang jährlichen noch um rund 0,2 Jahre bei den Mädchen und um etwa 0,3 Jahre bei den Jungen zugenommen.

In Baden-Württemberg am höchsten

Anfang der neunziger Jahre konnten Männer in Deutschland beispielsweise noch mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 72,5 Jahren rechnen. Bei den Frauen betrug sie 79 Jahre. Zehn Jahre später waren dies bei den Männern schon 75,6 Jahre und bei den Frauen 81,3 Jahre.

Deutschlandweit haben Frauen in Baden-Württemberg mit 84,1 Jahren die höchste Lebenserwartung. Gleiches gilt mit 79,7 Jahren für die dortigen Männer. Die niedrigsten Werte haben Frauen mit 82,1 Jahren im Saarland und Männer in Sachsen-Anhalt mit 76,3 Jahren. (krk)

Wer bislang geglaubt hat, linksgrüne Propaganda in Unterhaltungsserien wäre ein Alleinstellungsmerkmal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wird derzeit vom Streaming-Riesen Netflix eines Besseren belehrt. „Wir sind die Welle“, heißt eine deutsche Produktion, die den politischen Erziehungsprogrammen von ARD und ZDF in nichts nachsteht und bei der man den Machern allenfalls zugute halten kann, daß die Zuschauer beim privaten Anbieter Netflix zumindest freiwillig Kunden sind, also nicht gezwungen werden, dafür zu bezahlen.

Die Dramaserie handelt von einer Gruppe Schüler, die glaubt, gegen eine aufstrebende rechte Partei, die NFD, aktiv werden zu müssen. Nicht nur der Name macht dem Zuschauer schnell klar, daß mit der NFD eigentlich die AfD gemeint ist. Auch Logo und Parteifarben ähneln denen der Alternative für Deutschland stark.

Gleich zu Beginn der ersten Folge hält ein Spitzenpolitiker der NFD eine Rede, die eine nahezu wortgleich ist mit einer Ansprache des AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier, in der er seinerzeit ankündigte, daß, sollte die AfD einmal an der Macht sein, sie „ausmisten“ und wieder „Politik für das Volk und zwar nur für das Volk“ machen werde. Das Drehbuch fügt den Sätzen lediglich das Wörtchen „deutsche“ hinzu, weil sie dadurch in den Köpfen linker Filmemacher gleich noch eine Spur rechtsradikaler klingen.

„Niveau eines sowjetischen Groschenromans“

Nachdem der NFD-Politiker seine Frohnmaier-Rede gehalten hat, wird er von den guten Rächern unter Drogen gesetzt, entführt und später mit einer Naziuniform bekleidet in einem Glaskasten im Museum bloßgestellt.

Frohnmaier spricht deshalb von einem „durchschaubaren Propagandastück“. Die Serie könne nur gut finden, „wer die Weltanschauung des links-grünen Mainstreams teil“. Damit bekomme man „vielleicht von den Extinction-Rebellion-Chaoten Applaus oder vom Feuilleton der FAZ“, so Frohnmaier zur JF. Seiner Ansicht nach aber bewege sich die Serie „auf dem Niveau eines sowjetischen Groschenromans“.

Tatsächlich erwecken die Macher von „Wir sind die Welle“ den Eindruck, daß der Zweck so ziemlich jedes Mittel heiligt. So steckt zum Beispiel einer der jugendlichen Revoluzzer in einer Szene ein Industriegebäude mit einem Molotowcocktail in Brand und filmt sich dabei für seine Freundin. Die ist, als sie das Video sieht, zwar im ersten Moment ein wenig verärgert über den Gewaltakt, vollzieht dann aber um so sinnlicher den Sexualakt mit ihrem Feuerteufel.

Diese pubertär-verschwitzte Revolutions-Romantik, gepaart mit Gangster-Posen aus der Reihenhaus-Siedlung und untermalt mit poppiger Rapmusik, zieht sie durch alle sechs Folgen der ersten Staffel von „Wir sind die Welle“. Entlarvend ist dabei, daß die Produzenten der Serie für ihre Geschichte über die politisch korrekte Jugendgang, die in ihrem idealistischen Kampf für das vermeintlich Gute vor nichts zurückschreckt, als Titel ausgerechnet eine Reverenz zum ideologiekritischen Roman „Die Welle“ gewählt haben.

Gewalt wird kaum hinterfragt

Zumal die Netflix-Produktion selbst kaum echte Sollbruchstellen erkennen läßt, an denen sich der wahnhafte, alles legitimierende Kampf der Guten gegen das vermeintlich Böse als fataler Irrweg entpuppt. All das zeigt, wie sehr Wahn und Selbstgerechtigkeit inzwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischt und jede höhere Moral ausradiert haben. Nicht nur in der fiktiven Geschichte.

Die Serie suggeriert ihrer jungen Zielgruppe: Wenn es gegen Nazis geht, ist alles erlaubt. Aber auch Immobilien-Haie oder klimaschädliche Großkonzerne dürfen, ja müssen vielleicht sogar mit allen Mitteln bekämpft werden. Zwar streiten sich die jungen „Widerstandskämpfer“ auch hin und wieder darüber, wie radikal der Widerstand ausfallen dürfe, aber meistens ist einem solchen Streit eine mißglückte Aktion vorausgegangen oder es geht darum, wie zielführend die drastischen Mittel sind. Die Gewalt und der Vandalismus an sich werden kaum hinterfragt. Am Ende sind sich die Freunde immer wieder einig.

In vielem erinnern die Protagonisten der Serie tatsächlich an „Extinction-Rebellion“. Bei ihren Aktionen, die sie für das Internet filmen, um noch mehr Menschen dazu zu animieren, es ihnen gleich zu tun, tragen sie oft kultisch anmutende Masken. Einmal manipulieren sie in einem Autohaus sogar die Auspuffanlagen der dort abgestellten SUVs und gasen so Verkäufer und Kunden ordentlich ein.

Selbst Linken peinlich

In der Schluß-Szene des Staffelfinales hat die Gruppe größtenteils in weiße Gewänder gekleidet eine Waffenfabrik besetzt. Friedlich, wie sie betont, nachdem sie zuvor unter anderem das Wachpersonal unter Drogen gesetzt und sich eine brutale Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Polizisten geliefert hat.

Lustigerweise wird die Serie trotz all der politischen Anbiederungen auch von vielen Linken kritisiert. So manchem gefällt es offenbar nicht, daß Links überhaupt mit Gewalt in Verbindung gebracht wird. Dem ein oder anderen mag die propagandistische Schützenhilfe des US-Internet-Giganten vielleicht auch ein wenig peinlich sein. Denn wie soll man sich als Linker noch als Rebell fühlen, wenn einem dafür jetzt schon von Netflix virtuell auf die Schulter geklopft wird?

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