Eines vorweg. Mich interessiert das politische System Deutschlands und dessen Parteienlandschaft schon lange nicht mehr, denn für mich hat es mit Demokratie nichts zu tun, besteht nur aus Landesverrätern und ist ein Theater mit Schauspielern, die so tun wie wenn sie was zu sagen hätten. Trotzdem möchte ich meine Analyse zu den Wahlresultaten vom Sonntag in Sachsen und Brandenburg abgeben, denn es ist was sehr interessantes passiert. Die AfD ist wohl nicht als stärkste Partei hervorgegangen und wird in der Opposition landen, ist aber strategisch gesehen der Gewinner. Ich erkläre warum.

Auch wenn es in Deutschland eine relativ hohe Parteibindung gibt, zeigen die Pfeile der Wählerströme nach Urnengängen zumeist wirr zwischen allen Parteien durcheinander. Auch bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg gewannen CDU, SPD, Linkspartei und Co. neue Stimmen von anderen Parteien hinzu, verloren gleichzeitig aber noch viel mehr.

Anders bei der AfD. Sie verlor sowohl in Sachsen, als auch in Brandenburg kaum Wähler an die anderen Parteien, wie eine Nachwahlbefragung von Infratest dimap im Auftrag der ARD zeigt. Stattdessen konnte sie einen satten Stimmenzuwachs von Wählern der Konkurrenzparteien sowie Nichtwählern verzeichnen. In Sachsen gewann sie rund 395.000 Stimmen dazu, in Brandenburg etwa 160.000.

Wählerwanderung zur AfD in Sachsen Quelle: Infratest dimap/ARD Grafik: JF

 

Von den rund 595.000 Listenstimmen in Sachsen erhielt die AfD 246.000 aus der Gruppe der Nichtwähler. Das ist beispielsweise deutlich mehr als die Partei 2014 gesamt an Stimmen bekommen hatte (159.000). Den zweitgrößten Wanderungsgewinn erzielte die AfD durch neue Wähler von der CDU. 84.000 frühere CDU-Wähler gaben ihre Stimme diesmal der AfD. Es folgen 27.000 Wähler von der Linkspartei, 10.000 von der SPD, 8.000 von der FDP, 2.000 von den Grünen und 38.000 von anderen Parteien. 17.000 Neuwähler stimmten für die AfD.

Senftleben: Gespräche mit Linkspartei nicht ausgeschlossen

In Brandenburg ergibt sich ein ähnliches Bild. Auch hier kam mit 115.000 das Gros der neuen Stimmen aus der Gruppe der Nichtwähler. Die zweitgrößte Wanderungsbewegung stammt nicht von der stärksten Partei Brandenburgs, der SPD, sondern von der CDU. 29.000 Bürger, die 2014 noch die Schwarzen wählten, machten diesmal ihr Kreuz bei der AfD. Von den Sozialdemokraten waren es 14.000, von der Linkspartei 12.000, von den Freien Wählern 3.000, von den Grünen 2.000. Von anderen Parteien kamen 6.000 Stimmen sowie 8.000 von Neuwählern.

Wählerwanderung zur AfD in Brandenburg Quelle: Infratest dimap/ARD Grafik: JF

 

Die CDU hat in beiden Bundesländern am meisten Wähler an die AfD verloren. Zwar hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im Wahlkampf ununterbrochen betont, bei dieser Wahl gehe es nicht um die für viele als zu sozialdemokratisch geltende Bundes-CDU. Viele konservative CDU-Wähler dürften ihm das aber nicht abgenommen haben und zur AfD gewechselt sein.

Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben hat vor der Wahl Gespräche mit der Linkspartei nicht ausgeschlossen und dürfte damit klassische CDU-Anhänger abgestoßen haben. Die CDU wird sich in beiden Bundesländern mit einer weiteren Partei mit Volksparteistatus arrangieren müssen, die nicht so schnell wieder verschwindet.

DRESDEN. Die AfD hat bei der sächsischen Landtagswahl ihren Stimmanteil fast verdreifachen können. Zudem gewann die Partei 15 Direktmandate. In elf Wahlreisen wurde die AfD stärkste Kraft. Die Blauen holten hier teilweise Werte einer unangefochtenen Volkspartei.

Ihre besten Ergebnisse erzielte die AfD im Wahlkreis Meißen 2. Hier zog ihre Landesliste mit 38 Prozent und war in allen zwölf Gemeinden stärkste Kraft. Mario Berger gewann zudem mit 40,1 Prozent das Direktmandat vor Sebastian Fischer von der CDU, der 32,2 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte.

In dem Wahlkreis erhielt die AfD auch ihr zweithöchstes Einzelergebnis in einer Gemeinde. In Lampertswalde entfielen 48,3 Prozent der gültigen Stimmen auf die Partei. Einen höheren Wert erlangte die Alternative nur noch in der Gemeinde Neißeaue im Wahlkreis Görlitz 1. Hier stimmten 48,4 Prozent der Wähler für sie.

Werte deutlich über der 40-Prozent-Marke

Ihre Hochburgen hat die AfD vor allem in Mittel- und Ostsachsen. Vielerorts lag sie hier deutlich über der 40-Prozent-Marke. So zum Beispiel in Thierndorf (Meißen 2) mit 44,7 Prozent, in Dorfchemnitz (Mittelsachsen 1) mit 45,4 Prozent und Großschirma (Mittelsachsen 2) mit 42,6 Prozent, aber auch in Bahretal (43,6 Prozent) und Dohma (41,8 Prozent) im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 3 sowie in Rathmannsdorf (43,5 Prozent) im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 4.

Auch in Görlitz und Bautzen war die AfD in vielen Gemeinden der klare Sieger. In Bautzen 1 in Schmölln-Putzkau mit 41 Prozent, in Bautzen 2 in der Stadt Elstra mit 42,3 Prozent, in Bautzen 4 in Neschwitz (44,6 Prozent) und Puschwitz (43,8 Prozent) und in Bautzen 5, wo die Partei in Großdubrau 45,7 Prozent und in Doberschau-Gaußig 42,6 Prozent holte.

In Görlitz 2 kam die AfD in Königshain auf 44,6 Prozent. Im Nachbarwahlkreis Görlitz 3 waren es in Beiersdorf 45, in Schönbach 44,9, in Dürrhennersdorf 46 und in Großschweidnitz 44,6 Prozent. (krk)

ABENSBERG. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat am Politischen Gillamoos im niederbayerischen Abensberg die Grünen und deren Politik scharf attackiert. „Wir müssen die grüne Ideologie stoppen, bevor die noch mehr Unheil anrichten“, forderte er auf dem Volksfest, das als eines der ältesten im Freistaat gilt. Traditionell steht der Frühschoppen am Montag dort im Zeichen der politischen Prominenz.

Politiker der Grünen bezeichnete der Freie-Wähler-Chef als „Großstadt-Ökologen“. Sie forderten Enteignungen, hätten aber selbst noch nie zwei Steine aufeinandergesetzt. Die Grünen hätten „selber noch nie Dreck unterm Fingernagel gehabt, höchstens gelbe Fingernägel vom Kiffen“. Mit Blick auf Juso-Chef Kevin Kühnert und den Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck sagte Aiwanger: „Wir brauchen keine rot-grünen Deutschland-Vernichter.“

Ebner-Steiner: Das „C“ stehe heute für „CO2 religiös“

Die Freien Wähler seien, das zeigte das Wahlergebnis in Brandenburg, nicht nur eine bayerische, sondern auch eine deutsche Partei, sagte Aiwanger dem Bayerischen Rundfunk. Man wolle eine „vernünftige bürgerliche Alternative“ zu allen extremen Parteien sein. Nur mit den Freien Wählern könne man ohne Linke und Grüne regieren.

Die AfD-Fraktionschefin im Bayerischen Landtag, Katrin Ebner-Steiner, teilte am Gillamoos vor allem gegen die CSU aus. Deren C stehe heute für „CO2 religiös“. Söder, den sie als „kleinen Markus“ bezeichnete, sei von der „Grünen-Oberschülersprecherin“ benebelt, sagte Ebner-Steiner mit Blick auf die Fraktionsvorsitzende der Öko-Partei im Maximilianeum, Katharina Schulze.

AfD-Europaabgeordneter Maximilian Krah appellierte an das bayerische Selbstbewußtsein, den „bayerischen Anarchismus, nein sagen zu können“. Er geißelte eine „Dekadenz“, die einem aus Städten wie München heute entgegentrete. Davon sollten sich die Bürger in Bayern nicht irreleiten lassen, denn: „Ihre Familien sind intakt, ihre Vereine leben von ihrem Engagement.“

Rinderspacher unterstützt Eleonorore

Hauptredner der SPD war in diesem Jahr Juso-Chef Kühnert. Er nutzte die Gelegenheit zum Nachtreten gegen die Wähler in Sachsen. „Es gibt Ecken in Sachsen, da muß man sich ins Auto setzen und zwei Stunden fahren, um zu dem nächsten Büro einer demokratischen Partei zu kommen“, sagte er.

Der frühere Fraktionsvorsitzende der Partei im Landtag und jetzige stellvertretende Landtagspräsident Markus Rinderspacher hatte anderweitige Verpflichtungen. Über Twitter teilte er mit, er könne leider nicht am Gillamoos dabei sein, „weil ich heuer einen Teil der parlamentsfreien Zeit nutze, die Crew der Eleonorore vor den Küsten Maltas und Italiens zu unterstützen“. (tb)

BERLIN. Die Angst der Wähler vor einem Erstarken der AfD ist nach Ansicht von Grünen-Chefin Annalena Baerbock schuld daran, daß ihre Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg nicht stärker abgeschnitten hat.

Viele Bürger hätten ihr gesagt, daß sie eigentlich die Grünen wählen wollten, jedoch dann angefügt: „Aber ich will auch nicht, daß eine rechtsextreme Partei in meinem Bundesland stärkste Kraft wird.“ Deswegen hätten sich viele Wähler in letzter Minute in Brandenburg noch für die SPD und in Sachsen für die CDU entschieden.

Ähnlich äußerte sich auch Grünen-Chef Robert Habeck. Nicht die inhaltliche Zufriedenheit mit der Arbeit der SPD in Brandenburg und der CDU in Sachsen hätte für viele Wähler bei ihrer Entscheidung im Vordergrund gestanden, sagte Habeck dem Deutschlandfunk.

Habeck freut sich für Demokratie

Vielmehr sei es ihnen darum gegangen, die aussichtsreichste Partei zu unterstützen, um zu verhindern, daß die AfD stärkste Partei werde. „Ich finde das ausdrücklich ein nachvollziehbares Wahlverhalten“, erläuterte Habeck. „Nehmt gerne zwei bis drei Punkte von den Grünen, wenn dafür die Überschrift bleibt: ‘Die Demokratie stellt immer noch stärkere Parteien als die AfD.’“

In Brandenburg war die SPD stärkste Partei vor der AfD geworden. In Sachsen landete die CDU auf Platz 1 vor der AfD. In beiden Bundesländern mußten die regierenden Parteien jedoch starke Verluste hinnehmen.

Die vorläufigen amtlichen Endergebnisse.

Brandenburg: (in Klammern das Wahlergebnis von 2014)

SPD: 26,2 Prozent (31,9 Prozent)
AfD: 23,5 Prozent (12,2 Prozent)
CDU: 15,6 Prozent (23,0 Prozent)
Linke: 10,8 Prozent (18,6 Prozent)
Grüne: 10,7 Prozent (6,2 Prozent)
FDP: 4,1 Prozent (1,5 Prozent)
BVB/Freie Wähler: 5,0 Prozent (2,7 Prozent)
Sonstige: 3,8 Prozent (4,1 Prozent)

Sachsen: (in Klammern das Wahlergebnis von 2014)

CDU: 32,1 Prozent (39,4 Prozent)
AfD: 27,5 Prozent (9,7 Prozent)
Linke: 10,4 Prozent (18,9 Prozent)
Grüne: 8,6 Prozent (5,7 Prozent)
SPD: 7,7 Prozent (12,4 Prozent)
FDP: 4,5 Prozent (3,8 Prozent)
NPD: 0,6 Prozent (4,9 Prozent)
Freie Wähler: 3,4 Prozent (1,6 Prozent)
Blaue #Team Petry: 0,4 Prozent (–)

(krk)

HAMBURG. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die Ermittlungen gegen den Fußballprofi des HSV, Bakery Jatta, eingestellt. Nach Informationen der Hamburger Morgenpost konnte die Behörde keine Anhaltspunkte finden, daß Jatta einen Asylantrag unter falscher Identität gestellt habe. Jattas Anwalt, Thomas Bliwier, hatte zuvor dem Bezirksamt vergangene Woche den Reisepaß Jattas sowie einen Auszug aus dem gambischen Geburtenregister mit Jattas Daten vorgelegt.

Nach Recherchen der Sport Bild soll der Afrikaner bei seiner Einreise nach Deutschland im Sommer 2015 bei der Angabe seines Namens und des Geburtsdatums gelogen haben. So sei er nicht am 6. Juni 1998, sondern am 6. November 1995 als Bakary Daffeh geboren. Außerdem hatten zwei ehemalige Trainer des Spielers dem Sportmagazin bestätigt, daß Jatta in Wirklichkeit Bakary Daffeh heiße, zweieinhalb Jahre älter als angegeben und damit bei seiner Einreise nach Deutschland volljährig gewesen sei. Bereits 2016 waren dem HSV dem Spiegel zufolge Zweifel an Jattas Identität bekannt geworden.

Proteste gegen Spielwertungen

Der 1. FC Nürnberg, der VfL Bochum und der Karlsruher SC hatten nach Niederlagen gegen den HSV Einspruch gegen die Wertung eingelegt, nachdem Jatta in diesen Spielen jeweils auf dem Platz stand. Bei einer Anhörung am 9. September will der 1. FC Nürnberg, der nach einer 0:4 Niederlage gegen die Hamburger Protest eingelegt hatte, einen Zeugen aufbieten, der die Zweifel an Jattas Identität untermauern soll. Es handelt sich dabei um den Präsidenten des senegalesischen Vereins Casa Sports, für den Daffeh bis Januar 2015 gespielt hat.

Beim Spiel gegen Hannover 96 am vergangenen Sonntag trat Jatta sogar als Torschütze in Erscheinung. Der Trainer des VfB Stuttgarts, Tim Walter, hatte die Vereine für die Einsprüche gegen die Spielwertung kritisiert. „Wenn ein Spiel gespielt ist und der Gegner hat gewonnen, hat er zurecht gewonnen. Wenn ich es dann noch mal notwendig habe, daß ich mir aufgrund irgendeines Umstands die Punkte ergaunern will, hat das mit Sport nichts zu tun.“ (tb)

Bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg verzeichnete die AfD Rekordergebnisse und rückte nah an die regierenden Parteien CDU und SPD heran. In einigen Wahlkreisen setzten sich die Kandidaten der AfD durch. Vor allem in den östlichen Regionen Sachsens und Brandenburgs ist die Karte der Erst- bzw. Direktstimmen fast überall blau gefärbt.

In Sachsen holte die CDU mit 41 die meisten Direktmandate. Die AfD 15, die Grünen drei und die Linkspartei eines. In Brandenburg errang die SPD 25 der 44 Wahlkreismandate. Von der AfD gewannen wie in Sachsen 15 Direktkandidaten, von der CDU zwei. Jeweils ein Wahlkreis ging an die Grünen und die Freien Wähler.

In diesen Wahlkreisen siegten AfD-Kandidaten:

(Personen, bei denen kein Listenplatz steht, standen nicht auf der Landesliste.)

Sachsen

Vogtland 1: Dietmar Schaufel(Optiker, 30,0 Prozent)

Erzgebirge 3: Thomas Thumm(Gebietsleiter im Vertrieb 34,4 Prozent)

Mittelsachsen 2: Rolf Weigand(Landtagsabgeordneter 33,7 Prozent, Listenplatz 8)

Mittelsachsen 4: Lars Kuppi(Polizeibeamter, 31,7 Prozent)

Nordsachsen 3: Gudrun Petzold(Diplom-Ingenieurin, 33,3 Prozent)

Meißen 1: Carsten Hütter(Landtagsabgeordneter, 36,2 Prozent, Listenplatz 15)

Meißen 2: Mario Beger(Landtagsabgeordneter, 40,1 Prozent, Listenplatz 7)

Meißen 3: Thomas Kirste(Hochschulmitarbeiter, 34,2 Prozent)

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 3: Jan-Oliver Zwerg(Unternehmer, 35,0 Prozent, Listenplatz 2)

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 4: Ivo Teichmann(Diplom-Verwaltungswirt, 36,7 Prozent, Listenplatz 11)

Bautzen 1: Frank Peschel(Verleger, 38,2 Prozent, Listenplatz 12)

Bautzen 3: Timo Schreyer(Dachdeckermeister, 31,9 Prozent)

Bautzen 4: Doreen Schwietzer(Buchhalterin, 34,7 Prozent)

Görlitz 1: Roberto Kuhnert(Baudienstleister, 36,6 Prozent)

Görlitz 3: Mario Kumpf(Gastronom, 38,1 Prozent, Listenplatz 26)

Brandenburg

Uckermark III/Oberhavel IV: Sabine Barthel(Versicherungsmaklerin, 24 Prozent)

Uckermark I: Felix Horst Wolfgang Teichner(Mechaniker, 26 Prozent)

Barnim III: Jan-Steffen John(Finanzfachwirt, 24 Prozent)

Dahme-Spreewald III: Hans-Christoph Berndt(Laborarzt, 28,9 Prozent, Listenplatz 2)

Oder-Spree II: Kathleen Muxel(Einrichtungsberaterin, 28,3 Prozent, Listenplatz 22)

Oder-Spree III: Rolf-Peter Hooge(Rentner, 25,9 Prozent)

Märkisch-Oderland III: Lars Günther(Immobilienkaufmann, 26,3 Prozent, Listenplatz 26)

Märkisch-Oderland IV: Franz JosefWiese(Landtagsabgeordneter, 25,8 Prozent, Listenplatz 11)

Frankfurt (Oder): Wilko Möller(Polizeibeamter, 24,8 Prozent, Listenplatz 9)

Elbe-Elster I: Peter Drenske(Ingenieur für Fleischwirtschaft, 25,5 Prozent)

Elbe-Elster II: Volker Nothing, (Industriemechaniker, 30,2 Prozent, Listenplatz 15)

Oberspreewald-Lausitz III/Spree-Neiße III: Daniel Münschke(Vermögens- und Unternehmensberater, 28 Prozent)

Spree-Neiße II: Michael Hanko(Fliesenlegermeister, 35,9 Prozent)

Cottbus I: Marianne Spring-Räumschüssel(Ingenieur-Ökonomin, 25,9 Prozent)

Cottbus II: Lars Schieske(Rettungssanitäter, 27,3 Prozent)

(ls)

In der Zusammensetzung der klassischen Wahlnachbetrachtungs-Talkshow bei Anne Will zeigte sich erneut die einseitige Einladungspolitik, die die Entscheidungsträger der Öffentlich-Rechtlichen in den Wochen und Monaten vor den Wahlen in immer krasserer und absurderer Form betrieben haben. Man argumentierte in bunter, beliebig austauschbarer, „vielseitiger“ Runde gemeinsam gegen die AfD. Zu den beiden linken Politikern, Manuela Schwesig (SPD) und Robert Habeck (Grüne), und dem nach links zumindest sehr offenen sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU), gesellten sich am Wahlsonntag noch die linken Journalisten Martin Machowecz von der Zeit und die frühere AfD-Expertin des Spiegel, Melanie Amann. Nicht zu vergessen natürlich die Genossin Moderatorin, Anne Will.

So gab es auch mal wieder die für solche Gesprächsrunden allzu typische Klassenkeile gegen Alexander Gauland (AfD), den einzig anwesenden Rechtskonservativen. Zu den erwartbaren Rechtsextremismus-Vorwürfen kam diesmal aber eine neue Variante des Sprechens über und gegen die Alternative für Deutschland. Der zumindest scheinbare Versuch, die Wähler der Partei zu verstehen. Wirklich rationale Gründe, den „Rechtspopulisten“ seine Stimme zu geben, schieden für die linksliberalen Politiker und Journalisten dabei von Anfang an aus.

Tiefenpsychologische Analyse

Über berechtigte Migrationskritik oder dem natürlichen Bedürfnis nach der Bewahrung nationaler und kultureller Identität, wurde als Motiv nicht einmal gesprochen. Stattdessen erging man sich in einer Art tiefenpsychologischen Analyse des AfD-Wählers als unbekanntes Wesen, die schon fast an Pathologisierung grenzte.

Vor allem Zeit-Journalist Machowecz wirkte extrem einfühlsam und verständnisvoll. Er finde es gut , jetzt über die Probleme und Empfindungen der Menschen im Osten zu sprechen. Die Ostdeutschen hätten diese Offenheit über ihr Gefühl des Abgehängtseins zu reden erst einmal lernen müssen, sagte er mit einer Ruhe, als hätte er Sorge, ein scheu gewordenes Tier oder Kind zu verschrecken.

Eher von der politischen Schule der schwarzen Pädagogik kommt dagegen freilich Melanie Amann. Das einzige, was man als AfD-Wähler erreiche, sei eine instabile Regierung, schimpfte die Spiegel-Journalistin, als sei es die Aufgabe der Wähler, den etablierten Parteien ein möglichst bequemes Regieren auf Lebenszeit zu sichern.

Habeck: Haben den öffentlichen Raum gehalten

Manuele Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und kommissarische SPD-Parteivorsitzende, setzt dagegen auf liebevolle Strenge gegenüber dem ostdeutschen Wahlvolk – welche sie gestern auch ausstrahlte und dabei nicht nur optisch wie eine blonde Version von Sahra Wagenknecht wirkte. Die Haare streng nach hinten gebunden, forderte Schwesig: Ostdeutsche Interessen müßten endlich auf Bundesebene ankommen. Zu diesen gehört für die Sozialdemokratin auch eine Grundrente für alle. Ohne Bedürftigkeitsprüfung, weil im Osten in der Regel beide Ehepartner gearbeitet hätten.

Moderatorin Will wies immer wieder darauf hin, daß sich die Menschen in Ostdeutschland als Bürger zweiter Klasse fühlten und fragte Gauland, ob die AfD nicht doch ihren Zenit überschritten habe. Immerhin hätte sie das angestrebte Ziel, stärkste Partei zu werden, doch in beiden Bundesländern verfehlt. Gauland sieht den Grund dafür in den relativ starken Ministerpräsidenten in Brandenburg und Sachsen. Die AfD habe überall dort Probleme gehabt, wo die CDU noch konservative Politik mache.

Auch die massive Kampagne gegen die AfD im Vorfeld der Landtagswahlen habe Wirkung gezeigt. Diese Querfront der „Demokraten“ lobte Habeck hingegen als „fantastischen Wahlkampf“, in dem, durch Gegenveranstaltungen zur AfD der „öffentliche Räume gehalten worden“ sei.

Haseloff nennt Kritik der WerteUnion „widerlich“

Haseloff versuchte, den schwarzen Peter in den Westen zu schieben. So sei die Alternative für Deutschland doch schließlich eine im Westen gegründete Partei, deren Führungsspitze auf Bundesebene von Westdeutschen besetzt sei. Die klare Abgrenzung zur AfD sei die richtige Taktik, sagte der CDU-Politiker, der sich noch in derselben Sendung über die Vorwürfe der WerteUnion empörte, die Grünen seien eine linksradikale Partei, mit der die CDU nicht zusammenarbeiten solle. Kein Wunder. Hat Haseloff seine Partei doch 2016 in die bundesweit erste „Kenia-Koalition“ mit den Grünen und der SPD geführt. Die Kritik an seinem grünen „Partner auf Zeit“ durch die konservative WerteUnion bezeichnete der CDU-Politiker, der die AfD so schrecklich findet, als „widerlich“.

Es wäre interessant gewesen, dieser erkennbaren Verschiebung des Wertefundaments der Union an diesem Abend einmal ausführlicher auf den Grund zu gehen. Aber hierfür hätte es dann tatsächlich einer tieferen analytischen Debatte und vor allem auch zumindest eines konservativen Journalisten oder Kommentatoren in der Runde bedurft. Dazu fehlten Will und ihrer Redaktion aber offenbar der Wille und vermutlich auch das nötige Grundverständnis für jegliches Denken außerhalb des linksgrünen Zeitgeistes. So fiel die Wahldebatte am Abend eben ähnlich flach und einseitig aus wie die meisten Zeitungskommentare am Morgen danach.

BERLIN. Nach den Wahlen in Sachsen und Brandenburg hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) seiner Partei geraten, sich deutlich von der AfD abzugrenzen. „Die Ergebnisse müssen uns heute wirklich wachrütteln“, sagte Laschet im ZDF. „Abhilfe kann man nur schaffen mit klarer Kante.“

Der Kurs von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, eine Koalition mit der AfD von vornherein auszuschließen, sei daher auch richtig gewesen, lobte Laschet. Die „klare, knallharte Abgrenzung gegen die AfD“ habe Kretschmer die Stimmen vieler unterschiedlicher Wähler beschert. Bei der Bundestagwahl 2017 und der Europawahl im Mai sei die AfD in Sachsen noch stärkste Partei gewesen: Diese sei Dank Kretschmers Kurs diesmal nicht mehr so.

Kramp-Karrenbauer setzt auf Abgrenzung

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach angesichts der Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen von einem Alarmsignal. „Es gelingt uns nicht, einen Teil der Menschen gerade in den neuen Bundesländern an uns zu binden. Die Ansprache ist offenkundig nicht perfekt“, sagte Günther der Welt. Es gebe zweifelslos eine tiefe Enttäuschung in der Bevölkerung.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer räumte unterdessen Fehler im Wahlkampf ein. „Wir sind ja seit der Bundestagswahl in bewegten Zeiten, auch als CDU. Wir stehen in einem Erneuerungskurs. Und wir haben gewusst, daß dieses Wahljahr kein einfaches wird“, sagte sie am Montag im ARD-Morgenmagazin. Die CDU habe manche Hürde in den vergangenen Monaten „nicht so elegant“ genommen – „auch ich persönlich“, gestand Kramp-Karrenbauer.

Gleichzeitig bekräftigte die CDU-Chefin, daß es keine Zusammenarbeit mit der AfD geben werde. Auf die Frage, ob die CDU den Willen eines Viertels der Wähler ignorieren könne, antwortete die Parteivorsitzende: „Ja, wir können.“ (krk)

DORTMUND. Der Verein Deutsche Sprache hat den ehemaligen Oberbürgermeister von Hannover, Stefan Schostok (SPD), zum „Sprachpanscher des Jahres“ gekürt. Anfang des Jahres hatte die niedersächsische Landeshauptstadt eine „gendergerechte Sprache“ für die Stadtverwaltung eingeführt.

Aus den Berufs- und Amtsbezeichnungen „Lehrer“, „Auszubildende“ oder „Sachverständige“ wurden „die Lehrenden“, „die Auszubildenden“ und „die Sachverständigen“. Statt „jeder, jede“ oder „keiner“ sollen die Verwaltungsmitarbeiter die Wörter „alle“ beziehungsweise „niemand“ verwenden. Dies rügte nun der Verein, der weltweit 36.000 Mitglieder hat.

Heidi Klum auf dem 3. Platz

Zweiter wurde Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Er erhielt die unrühmliche Auszeichnung für ein Werbeplakat für Fahrradhelme mit dem Titel: „Looks like shit. But saves my life“. Auf dem dritten Platz landete Heidi Klumn, die in ihrer Pro7-Sendung „Germany’s next Topmodel“ ständig Anglizismen wie „Challenges“ oder „Personality“ verwende.

Im vergangenen Jahr erhielt der Deutsche Fußball-Bund den Titel „Sprachpanscher des Jahres“. Das damalige WM-Motto der deutschen Nationalmannschaft „Best never rest“ klinge „wie die ungelenke Formulierung eines russischen Englischschülers im ersten Lernjahr“, hieß es von Seiten des Vereins. Auch der Aufdruck „Germany“ auf vielen Kleidungsstücken der Mannschaft sei problematisch. (tb)

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