COLOMBO. Die Regierung von Sri Lanka hat eine einheimische islamische Gruppe für die Anschlagsserie am Ostersonntag verantwortlich gemacht. Laut der Regierung verübte die Organisation National Thowheet Jama’ath die Selbstmordattentate unter anderem in der Hauptstadt Colombo, sagte der Kabinettssprecher Rajitha Senaratne mehreren Nachrichtenagenturen zufolge am Montag.

Sieben Selbstmordattentäter griffen demnach nahezu zeitgleich drei Kirchen und drei Hotels an. Die Täter sollen zwar Einheimische sein, jedoch möglicherweise Verbindungen ins Ausland haben. „Ohne ein Netzwerk wären diese Attacken nicht erfolgreich gewesen“, erklärte ein Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters gegenüber. Die beiden wenige Stunden später erfolgten Anschläge würden derzeit noch untersucht.

Vor den Attentaten habe es Hinweise darauf gegeben. Wie der stellvertretende Polizeichef Priyalal Dissanayake am 11. April in einem Schreiben warnte, habe es Anschlagspläne der radikalen islamischen Gruppe National Thowheed Jama’ath auf katholische Kirchen sowie die indische Botschaft von Sri Lanka gegeben. Mehrere Verdächtige hätten nach dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch gegen andere Religionen gehetzt. Der Hinweis sei von einem ausländischen Geheimdienst gekommen.

Polizeichef warnte vor Anschlägen

Ein Regierungssprecher bestätigte am Montag die Echtheit des an mehrere Polizeieinheiten adressierten Papiers, das der Telekommunikationsminister Harino Fernando auf Twitter verbreitet hatte. An den Premierminister sei es jedoch nicht gegangen. Der Sprecher kritisierte auch das angespannte Verhältnis zwischen den Sicherheitspräsidenten und den Premierminister.

Some intelligence officers were aware of this incidence. Therefore there was a delay in action. What my father heard was also from an intelligence officer. Serious action need to be taken as to why this warning was ignored. I was in Badulla last night pic.twitter.com/ssJyItJF1x

— Harin Fernando (@fernandoharin) April 21, 2019

Die Zahl der Opfer ist mittlerweile auf mindestens 290 geklettert. Weitere 500 Personen sollen verletzt worden sein. Laut Regierung sind 24 Verdächtige festgenommen worden. Der Anteil der moslemischen Bevölkerung Sir Lankas beträgt rund zehn Prozent. Circa sieben Prozent sind Christen. Die Mehrzahl ist buddhistischen Glaubens.

Berichte über weitere Explosion vor Kirche

Unterdessen berichtet die Nachrichtenagentur AP von einer weiteren Explosion vor einer Kirche. Demnach explodierte nahe der St.-Anthony-Kirche in der Hauptstadt Colombo ein Van. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ist zu sehen, wie Menschen in Panik fliehen.

Small explosion outside St Anthony’s church right now. People fleeing the scene pic.twitter.com/GjadgTwoZ5

— michael safi (@safimichael) April 22, 2019

(ls)

Repressive Hüpfburgen

On April 22, 2019, in Junge Freiheit, by admin

Zum wiederholten Mal hat am vergangen Mittwoch der Deutsche Hochschulverband (DHV) seine Sorge um die Einschränkung der Meinungsfreiheit und den Verfall der Debattenkultur an deutschen Universitäten zum Ausdruck gebracht. „Widersprechende Meinungen müssen respektiert und ausgehalten werden. Differenzen zu Andersdenkenden sind im argumentativen Streit auszutragen – nicht mit Boykott, Bashing, Mobbing oder gar Gewalt“, betont DHV-Präsident Bernhard Kempen. Er plädiert ausdrücklich auch dafür, daß es den Meinungsführern aller politischen Parteien möglich sein muß, ihre Ideen an den Universtäten zur Debatte zu stellen. 

Der Warnruf ist leider sehr berechtigt. Ich selbst hatte im vergangenen Dezember das Vergnügen, die Universität Siegen durch den Hintereingang in Begleitung dreier Beamter des Bundeskriminalamtes betreten zu müssen, um einen Vortrag über Meinungsfreiheit halten zu können. Von draußen schallten die Protestrufe der Demonstranten herein, Dekan und Rektor hatten den Vortrag im Verein mit dem militanten AStA zu verhindern versucht.

Anschläge auf die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit haben an den deutschen Universtäten mittlerweile System. Unter der Ägide der demokratisch mangelhaft legitimierten, meist linksradikal dominierten „Studierendenausschüsse“ sowie etlicher Linksideologen unter den Lehrenden hat sich ein Klima der Angst und der geistigen Unfreiheit etabliert. Wer die Geßlerhüte der Genderdogmen, von Diversity und „Weltoffenheit“ nicht grüßt, sieht sich alsbald von den selbsternannten Wächtern des neuen akademischen Tugendterrors an den Pranger gestellt und bei ausbleibender Reuebekundung um die akademische Karriere gebracht.  

68er-Bewegung und „Generation Z“

Ursächlich für diese fatale Entwicklung ist zum einen der Marsch der 68er-Bewegung durch die Institutionen, der es nach einigen geschmeidigen Anpassungen an den Zeitgeist gelungen ist, die Lufthoheit über den Studierbänken erringen. Nicht zuletzt durch konsequente Rekrutierung von ihresgleichen bei Stellenneubesetzungen im übrigen, während liberal-bürgerliche Professoren, traditionell weniger politisiert, eher auf wissenschaftliche Qualität als auf Linientreue achteten und oft auch Linke beriefen, wenn ihnen diese fachlich geeigneter schienen. 

Herbert Marcuse, Gründergestalt der Kritischen Theorie und Idol der 68er Revolte, hat in seiner Streitschrift „Repressive Toleranz“ von 1965 ganz offen ausgeplaudert, worum es bei dem allgegenwärtigen Ruf nach „Toleranz“ auch heute noch – und mehr denn je – geht: „Befreiende Toleranz würde mithin Intoleranz gegenüber Bewegungen von rechts bedeuten und Duldung von Bewegungen von links.“ Mitnichten also um Offenheit und wissenschaftliche Neugier allen möglichen Positionen gegenüber, sondern um die machiavellistische Durchsetzung der eigenen politischen Agenda, die sich als „emanzipatorisch“ und gut, jeden Andersdenkenden als „reaktionär“ oder „faschistoid“, jedenfalls als böse begreift. 

Es bedurfte aber noch einer weiteren, gar nicht primär politischen, sondern psychosozialen Entwicklung, um dem alten Projekt der Linken, das zeitweise schon von Neoliberalismus und „Postpolitik“ ausgebremst schien, am Ende doch noch zum Durchbruch zu verhelfen und das aktuelle repressive Meinungsklima zu etablieren. Die Generation der Millennials und mehr noch die nachgeborene „Generation Z“, aus denen sich das heutige studentische Publikum rekrutiert, zeichnen sich durch eine historisch beispiellose Verwöhntheit und einen verzärtelten Narzißmus aus, die den idealen Nährboden für die ideologische Manipulation durch die Linke neueren Typs darstellen.

Der akademische Raum ist dazu da, auch die abenteuerlichsten Theorien durchzuspielen

Aus den USA, wo sich der Campus bereits in ein regelrechtes Tollhaus verwandelt hat, ist eine Welle der Politischen Korrektheit nach Europa und Deutschland geschwappt, die aus den Universitäten psychische Schonräume zu machen versucht – so als gelte es, den alten Topos des akademischen Elfenbeinturms durch den der infantilen Hüpfburg zu ersetzen. „Trigger Warnings“ lassen die zartbesaiteten, vorzüglich genderneutralen „Studierenden“ in „Safe Spaces“ flüchten, wo sie vor den Zumutungen etwa von Gewaltschilderungen in Werken der Weltliteratur oder von bösen Worten wie „violation of law“ in juristischen Texten sicher sind. 

Wird ein Angehöriger einer ethnischen Minderheit auch nur indirekt auf seine Herkunft angesprochen, so gilt das bereits als „Mikroaggression“, die bei der Universitätsleitung zur Anzeige gebracht werden kann. Der geringste Anflug von Erotik in der Kommunikation rechtfertigt den Vorwurf des Sexismus, worauf die Höchststrafe steht.

Indem sich das linke Projekt der Emanzipation und Befreiung – zunächst der Proletarier, dann der diversen Minderheiten und Opfergruppen – dergestalt mit einer infantilen und selbstbezogenen psychischen Struktur amalgamiert hat, hat es sich selbst ad absurdum geführt und regiert nunmehr als seine eigene Karikatur. Gegenüber dieser pervertierten Schwundstufe der Aufklärung ist in Erinnerung zu rufen, daß es keine akademische Freiheit ohne „gefährliches Denken“ gibt. 

Der besondere Raum der Akademie ist dazu da, auch die abenteuerlichsten Theorien und Modelle vorurteilsfrei durchzuspielen und miteinander wetteifern zu lassen, auf daß die tauglichsten sich durchsetzen und ihren Weg nach draußen finden. Subjektive Empfindlichkeiten haben dabei genauso außen vor zu bleiben wie politische Ideologie und Moralismus.

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Dr. Marc Jongen war bis 2017 Dozent für Philosophie in Karlsruhe und ist kulturpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag.

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