HAMBURG. Bei der Mehrheit der bisher vom Spiegel überprüften Texte seines ehemaligen Autors Claas Relotius handelt es sich nach Angaben des Magazins um Fälschungen. Von den rund 60 Texten, die Relotius für das Blatt geschrieben hat, sind derzeit 28 geprüft und das Ergebnis auf Spiegel Online veröffentlicht worden.

Bei über der Hälfte der geprüften Texte handelt es sich demnach um offensichtliche Fälschungen und Dramatisierungen. Darunter befinden sich auch Interviews, die der Autor nachweislich nie geführt hat: etwa ein Gespräch mit den Eltern der 17 Jahre alten US-Amerikanerin Michelle Carter, die zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, weil sie einen Bekannten zum Selbstmord ermutigt hatte. Auch ein Telefongespräch, das Relotius mit den Eltern des US-Footballspielers Colin Kaepernick geführt haben wollte, hat nie stattgefunden, wie Relotius selbst mittlerweile eingeräumt habe.

Erfundenes Zitat von Weiße-Rose-Überlebender

Unter den Fälschungen sind auch Zitate, die Relotius der mittlerweile 99jährigen Überlebenden der Widerstandsorganisation „Weiße Rose“, Traute Lafrenz, in den Mund gelegt hat. Lafrenz soll zu den Ereignissen in Chemnitz aus dem Sommer vergangenen Jahres damals gesagt haben: „In einer amerikanischen Zeitung habe ich aktuelle Fotos aus Deutschland gesehen – mir ist ganz kalt geworden.“ Auf Nachfrage gab Lafrenz an, weder Fotos aus Chemnitz gesehen noch mit Relotius darüber gesprochen zu haben.

Um seine Fälschungen zu vertuschen hat Relotius zudem unter einem Vorwand versucht, bestimmte Texte von der Spiegel Online-Seite entfernen zu lassen. Ein Junge, über den er in einem Text geschrieben habe, werde an seiner Schule gemobbt. Er habe nur unter der Voraussetzung über ihn schreiben dürfen, daß die Geschichte nicht online zu lesen sei. Damit wollte er laut Spiegel Online Recherchen von Betroffenen aus dem Wohnort des Jungen unmöglich machen, um so sein Geheimnis zu wahren. (tb)

WIESBADEN. Einwanderer haben für einen neuen Bevölkerungsrekord in Deutschland gesorgt. Derzeit leben in der Bundesrepublik nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamts rund 83 Millionen Menschen. Am Jahresende 2017 waren es noch 82,8 Millionen gewesen.

Zum Jahreswechsel lebten 9,7 Millionen ausländische Staatsbürger auf dem Gebiet der Bundesrepublik. Der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung erhöhte sich damals analog von 11,2 Prozent auf 11,7 Prozent. 2018 hat laut dem Bundesamt die Zahl der Geburten leicht, die der Sterbefälle im Vergleich zu 2017 deutlich zugenommen. Die Statistiker des Bundesamts gehen für 2018 von 785.000 bis 805.000 Geburten und 950.000 bis 970.000 Sterbefällen aus.

Daraus ergibt sich ein Geburtendefizit zwischen 145.000 und 185.000. Im gleichen Zeitraum wanderten zwischen 340.000 und 380.000 Personen nach Deutschland ein. 2017 lag dieser sogenannte Wanderungssaldo noch bei 416.000. Die Schätzung basiert auf gesicherten Angaben bis einschließlich August 2018, die auf das gesamte vergangene Jahr hochgerechnet wurden. Die endgültigen Ergebnisse werden im September veröffentlicht. (tb)

UPPSALA. Die schwedische Professorin Sigrid Agenäs empfiehlt im Kampf gegen den Klimawandel eine vegetarische Diät für Haustiere. Eine fleischlose Ernährung für Hunde sei für diese unproblematisch, solange der Tierhalter ihnen Nahrungsergänzungsmittel ins Futter mische, sagte Agenäs im Fernsehsender TV4, wie Russia Today berichtete. Die Professorin von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala bezeichnete einen solchen Ernährungsplan für Haustiere als „klimasensibles Essen“.

Unterdessen sind am Freitag erneut Schüler in mehreren europäischen Städten dem Schulunterricht ferngeblieben, um für einen besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Die Proteste koordiniert das Netzwerk „Fridays for Future“, das über Ortsgruppen in mehr als 100 deutschen Städten verfügt. Aufgerufen zu den Kundgebungen während der Schulzeit hatte die schwedische Schülerin Greta Thunberg. Sie hatte im Dezember bei der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz eine Rede gehalten.

Wow, bei #FridaysForFuture sind Tausende junger Menschen aus ganz Deutschland vor das Wirtschaftsministerium in Berlin gekommen, mit klarem Signal an die #Kohlekommission:
“Wer nicht hüpft, der ist für Kohle”
…und alle springen!#Kohleausstieg #Klimastreik #ClimateStrike pic.twitter.com/uSlk3uxGNA

— Kohleausstieg Berlin (@Kohleausstieg_B) January 25, 2019

Ihre Begründung für die Proteste: „Warum sollten wir für eine Zukunft lernen, die nicht sicher ist.“ Zudem sagte sie: „Ich tue das, weil ihr Erwachsenen auf meine Zukunft scheißt.“ Ihre Altersgenossen ermutigte sie „wütend“ die Klimakrise zu bekämpfen. Am Donnerstag hatten bereits 32.000 Jugendliche in Brüssel am „Marsch für das Klima“ teilgenommen.

(tb)

Hier die Übersetzung eines Artikels von Peter Koenig über die Geschehnisse in Venezuela und dem erneuten Versuch Washingtons, eine legitime Regierung zu stürzen und durch eine US konforme zu ersetzen. Was in der Ukraine im Februar 2014 geschah, und schon so oft von Washington überall auf der Welt seit über 100 Jahren praktiziert wurde, findet jetzt wieder in Venezuela statt. Wie üblich ist alles was uns die Fake-News-Medien erzählen, einseitig und gelogen.

CHEMNITZ. Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro gefordert. Die Anhebung von derzeit 9,19 Euro müsse „möglichst bald“ geschehen, sagte sie der Freien Presse. Auch solle es einen Mindestlohn für Auszubildende und in der Pflege geben.

Die SPD-Chefin plädierte zudem für eine neue Form der Grundsicherung. „Ich nenne sie Bürgergeld. Es soll auskömmlich und leicht zu beantragen sein.“ Da aktuell nur drei Prozent der Leitungsbezieher von Sanktionen betroffen seien, sollten Strafen auch nicht im Zentrum bei der Einrichtung des Bürgergelds stehen. Das Ganze müsse vom Standpunkt der Bedürftigen betrachtet werden, „und nicht aus der Perspektive von denen, die das System mißbrauchen“.

Lebensleistung der Ostdeutschen müsse gewürdigt werden

Vor dem Hintergrund der in diesem Jahr anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen betonte Nahles, die Lebensleistung der Ostdeutschen müsse anerkannt werden. Es sei zu würdigen, „welche Kompetenz vor allem die Menschen im Osten als Problemlöser nach der Wende erworben haben“. Zugleich dürfe nicht alles schlechtgeredet werden, was in der Nachwendezeit geschehen sei.

Im vergangenen Oktober hatte Nahles bereits ein neues Sozialstaatskonzept ihrer Partei angekündigt. Dazu gehöre neben einem „solidarischem Grundeinkommen“ auch der Abschied von der Agenda 2010. (ag)

BERLIN. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ist die derzeit beliebteste Politikerin Deutschlands. Die 56 Jahre alte Saarländerin kommt in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa auf einen Zustimmungswert von 121 Punkten. Damit verdrängt Kramp-Karrenbauer erstmals Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von der Spitzenposition der Focus-Politikerrangliste.

Die Regierungschefin erreiche laut der Umfrage 119 Punkte. Auf Rang drei rangiert demzufolge der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck mit 112 Punkten vor Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht. Platz fünf belegt Vize-Kanzler Olaf Scholz mit 105 Punkten (SPD) gemeinsam mit Justizministerin Katarina Barley (SPD).

AfD-Politiker kommen auf den Plätzen 19 bis 21

AfD-Sprecher Jörg Meuthen kommt auf Platz 19. Gefolgt wird er von den beiden Fraktionsvorsitzenden seiner Partei, Alice Weidel und Alexander Gauland auf den Plätzen 20 und 21.

Für die aktuelle Rangliste wurde zwischen dem 18. und 21. Januar 2.044 Personen aus ganz Deutschland befragt. Die Zustimmungswerte werden auf einer Skala von null bis 300 gemessen.

Kramp-Karrenbauer steht seit Anfang Dezember an der Spitze der CDU. Die frühere Ministerpräsidentin des Saarlands hatte sich auf dem CDU-Parteitag gegen ihren Konkurrenten Friedrich Merz in einer Stichwahl durchgesetzt. (ag)

Billy Six lebt! Seit dem 9. Januar hatte es kein persönliches Lebenszeichen mehr von ihm gegeben. Die deutsche Botschaft in Venezuela durfte nun mit ihm telefonieren, sagt sein Vater Edward Six. Allerdings ist das die einzige gute Nachricht. Der Reporterx sitzt seit dem 17. November 2018 in dem Geheimdienstgefängnis „El Helicoide“ in Caracas. Six, der auch für diese Zeitung arbeitet, werden Spionage, Rebellion und Übertretung von Sicherheitszonen vorgeworfen. Ihm drohen 28 Jahre Haft.

„Mein Sohn war wieder in den Hungerstreik getreten“, erklärte Edward Six. „Er gab den Streik auf, als seine Forderung mit der deutschen Botschaft zu telefonieren, erfüllt wurde.“

Am Mittwoch sollte der Prozeß gegen den Journalisten beginnen. Das war die Information der deutschen Botschaft. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ kannte darüber hinaus die Uhrzeit: 13 Uhr Ortszeit. Es war aber nicht klar, wo der Prozeß stattfinden würde und ob Billy Six einen Anwalt seines Vertrauens zur Seite gestellt würde.

#Venezuela: #BillySix soll heute vor Gericht stehen. Bis heute wird ihm ein eigener Anwalt verwehrt. Wir fordern ein faires Verfahren. Angesichts der hanebüchenen Vorwürfe muss der deutsche #Journalist sofort freikommen. https://t.co/HPEfJCkbsM pic.twitter.com/p17RciQRuW

— ReporterohneGrenzen (@ReporterOG) January 23, 2019

Die Verhandlung fand nicht statt 

Jetzt ist klar: Die Verhandlung fand nicht statt. „Es wurde allerdings von einer bevorstehenden Gerichtsverhandlung gesprochen, die dann in Caracas stattfinden soll“, ergänzt Edward Six. Einen Anwalt habe Billy Six allerdings immer noch nicht.

„Billy ist noch immer von der Außenwelt abgeschnitten“, sagt sein Vater. „Er wird in Einzelhaft gehalten. Ein Gefängniswärter hält ununterbrochen Wache vor seiner Tür, um jeglichen Informationsaustausch mit der Außenwelt zu verhindern.“

Der Deutschen Botschaft wurde ein Besuchstermin in der nächsten Woche in Aussicht gestellt. Doch Vater Edward Six ist skeptisch: „Aufgrund der dramatischen Lage im Land und der Erfahrungen aus der Vergangenheit ist es fraglich, wann es tatsächlich zu einem Besuch kommt.“

> Hier geht es zur Kampagnenseite #freebilly.

BIELEFELD. Die Mehrheit der Deutschen befürwortet eine neue Willkommenskultur gegenüber Einwanderern. „Die gesellschaftliche Willkommenskultur erfährt wieder verstärkt Zuspruch“, lautet ein Fazit der Studie „Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“ der Universität Bielefeld, berichtet der WDR.

Laut der Studie wünschen sich 37 Prozent der Befragten eine verstärkte Willkommenskultur, das seien zehn Prozent mehr als noch 2016. Neutral stünden dem Thema 32 Prozent gegenüber. Eine ablehnende Haltung haben demzufolge 31 Prozent.

Für die Erhebung wurden im Auftrag der Mercator-Stiftung 2.009 Personen von März bis Juli vergangenen Jahres befragt. Seit 2014 wird die Einstellung der Deutschen gegenüber Zuwanderern und deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft alle zwei Jahre untersucht.

„Vielfalt ist zur Normalität geworden“

Der für die Studie mitverantwortliche Konfliktforscher Andreas Zick sagte am Donnerstag dem Deutschlandfunk: „Vielfalt ist im öffentlichen Raum, im Alltag, in den Lebensbereichen der Befragten zur Normalität geworden und das fördert die Integrationskraft.“

Damit Ausländer zur Gesellschaft gehören, gaben demnach 91 Prozent an, die Einwanderer sollten die deutsche Sprache beherrschen. Für 87 Prozent sei die Achtung deutscher Institutionen und Gesetze wichtig. Ein Viertel lehne eine gegenseitige soziale Abschottung von Einwanderern und Einheimischen ab. Vor zwei Jahren seien es noch rund ein Drittel der Befragten gewesen. (ag)

BERLIN. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. „Wir könnten Menschenleben retten und schwer Verletzte verhindern“, sagte der stellvertretende GdP-Vorsitzende Michael Mertens der Süddeutschen Zeitung.

Ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern würde seiner Ansicht nach schwere Unfälle reduzieren. „Hier zu Lande fahren einige Leute völlig legal 200 oder auch 250 km/h“, führte Mertens aus. „Um es klar zu sagen: Das ist Wahnsinn. Bei diesem Tempo kann in Streßsituationen niemand sein Auto im Griff haben.“

Stauforscher widerspricht Tempolimit-Befürwortern

Zudem verhindere ein generelles Tempolimit Staus. Eine gleichmäßige Geschwindigkeit sei die beste Möglichkeit, Straßen optimal auszulasten, behauptete Mertens. Der Stauforscher Michael Schreckenberg hatte am Donnerstag die Vorschläge für ein Tempolimit scharf kritisiert.

„Bei den wenigen ausgebauten Strecken, die wir noch haben, und der besseren Fahrzeugtechnik, halte ich ein Tempolimit für übertrieben und nicht angemessen“, sagte der Verkehrsexperte der Universität Duisburg-Essen der Nachrichtenagentur dpa. Die drei Argumente, die Tempolimit-Befürworter anführten, seien nicht stimmig.

„Ob mit Tempo 100 oder 160 vor den Baum – ich bin in beiden Fällen tot“

„Das erste ist, Staus zu vermeiden. Das ist aber Quatsch. Die Entstehung von Staus ist nicht primär davon abhängig, ob ich 120 oder 160 fahre. Das zweite Argument ist der geringere CO2-Ausstoß.“ Doch auch dies treffe nicht zu, da sich die Fahrzeugtechnik und der Kraftstoffverbraucht verbessert hätten. „Das dritte ist die Verkehrssicherheit. Aber ob ich mit Tempo 100 oder 160 vor den Baum fahre – ich bin in beiden Fällen tot.“

Laut dem ARD-Deutschlandtrend ist die Bevölkerung gespaltener Meinung, wenn es um die Einführung eines Tempolimits von 130 Kilometern pro Stunde auf allen Autobahnen geht. Rund die Hälfte (51 Prozent) spricht sich der Umfrage zufolge dafür, etwa die andere Hälfte (47 Prozent) dagegen aus. (ls)

Arbeiter des Bekleidungsherstellers Levi Strauss werden Blockchain nutzen, um über die Bedingungen in den Fabriken im Hinblick auf Gesundheit und Sicherheit zu berichten.

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