Die Glocke von Asgard – Teil 2 (15.11.2017)

Dies ist der zweite Teil der vierteiligen Fortsetzungsgeschichte.

Asgard (1)

Michael Winkler, der Mann mit Visionen

Ich lag auf einer Wiese. Die Luft roch frisch und rein, ein wenig nach Heu, ein wenig nach Wald, eine Erinnerung an die Tage der Kindheit, an die Ferien auf dem Land, bei meiner Großtante.

Aber wie…? Ich hielt meine Augen geschlossen, sah förmlich das haßerfüllte Gesicht dieses Türken vor mir, der immer wieder meinen Kopf gegen die Wand rammte. Ein verblassendes Gesicht, auch die Schmerzen waren nur noch eine zurückbleibende Erinnerung. War seitdem nur eine Minute vergangen? Es erschien mir ferner als die Tage damals in Allersberg, als ich sechs Jahre alt gewesen war.

Böse Welt.

Wie oft hatte ich das gesagt, bei dem Entschluß, aufzustehen und die Geborgenheit des Bettes zu verlassen? Auch diese Welt erwartete, daß ich die Augen aufschlug. Und sie würde mit Sicherheit besser sein als das von seiner Regierung und seiner Justiz geschundene Deutschland.

„Willkommen in Asgard“, sagte eine Stimme. Ich lag auf einer sonnigen Wiese, im Schatten eines Früchte tragenden Apfelbaumes. Der Boden wellte sich ganz sanft, wie eine ruhig daliegende See. Ein wenig entfernt erhob sich jener Wald, den ich bereits gerochen hatte. Vögel zwitscherten im lauen, angenehm erfrischenden Sommerwind.

Neben mir kniete ein Mann, der mich angesprochen hatte. Ein Mann mit langem, lockigen, dunkelblondem Haar, nacktem Oberkörper, den nur eine lederne Schärpe bedeckte, mit kurzer Hose. Der Anblick eines muskulösen Mannes hatte mich schon immer fasziniert und mit Neid erfüllt; dieser Mann hätte jederzeit in einem Film den Herkules oder den Siegfried spielen können. Ich traute ihm zu, mir mit einer kräftigen Umarmung die Rippen zu brechen oder mich mühelos fünf Meter weit davonschleudern zu können.

Asgard?“, wiederholte ich ungläubig. „Ich bin tatsächlich in Walhall?“

„Asgard, ja.“ Er stand auf und half mir hoch. Sein Griff war fest, aber nicht schmerzhaft. Er trug eine mächtige Streitaxt an seiner Seite, an der Schärpe hatte er einen Schild auf seinem Rücken befestigt. „Aber nicht Odins Burg, sondern Folkwang, die Burg der Frigga. Skalden sind für Folkwang bestimmt, leider gibt es nur wenige Skalden in diesen Tagen. Ich heiße Sigwald und werde dich in Folkwang einführen.“

„Ich heiße Michael“, antwortete ich automatisch. Ich war voll bekleidet, mit langer Hose und langärmligem Hemd. Dort, wo sich gerade noch ein Bauch gewölbt hatte, hing das Hemd nun angenehm flach herunter. Ich fühlte mich leicht und stark, jugendfrisch, doch sicher kein Gegner für Sigwald. „Das ist also das Jenseits? Die Inseln der Seligen?“

„Ja. Du bist sicher nicht das erste Mal hier?“

Ich schaute ihn überrascht an. „Ich weiß es nicht. Hätte ich nicht längst vor dem Seelengericht stehen sollen? Ich erinnere mich an mein Erdenleben, jedoch an nichts, was davor passiert sein mag. Und eines bin ich gewiß nicht: ein Skalde. Ich kann nicht singen, höchstens meine Zuhörer in die Flucht jagen.“

„Das ist doch eine überaus nützliche Fähigkeit in der Schlacht“, befand Sigwald lachend. „Das Seelengericht hast du hinter dir, es hat dich hierher geschickt. Nur wenige schaffen es in ihrem ersten Leben, gleich nach Asgard zu gelangen. Du mußt ein Kämpfer für das Recht gewesen sein. Wenn du trotzdem nicht dort drüben gelandet bist, MUSST du ein großer Skalde sein.“

Dort drüben, wo Sigwald vage hingewiesen hatte, lag eine prächtige Burg. Fünf Kilometer, vielleicht zehn entfernt. Ich konnte die Banner sehen, die auf den Türmen der Burg wehten. Ohne Brille, das Jenseits hatte mich auch davon befreit. Höchstens einen halben Kilometer entfernt stand eine andere, vergleichbar prächtige Burg. Das mußte Folkwang sein. Soweit mir bekannt war, hatten die Germanen keine Burgen und Festungen gebaut. Was hier stand, erinnerte entfernt an Neuschwanstein und ganz stark an das Mittelalter. Eine mächtige zinnenbewehrte Burgmauer umschloß beeindruckende Gebäude, der Bergfried strebte unglaublich massiv in den Himmel.

„Ich war eher ein Kämpfer der Feder als des Gewehrs… des Schwertes“, korrigierte ich verlegen.

Wo war dieser verdammte Wotan? Hatte er mir tatsächlich geholfen, hierher zu gelangen? Bei dem Kampf mit den Türken hatte ich nicht den Eindruck gehabt, daß eine himmlische Macht auf meiner Seite mitwirkte. Wieso war ich nicht in Walhall? Ich hatte mein Wort gehalten, mein Leben geopfert, und nun hielt ausgerechnet Wotan sein Wort nicht? Wo waren die Einherier, die mir den Weg zur Glocke von Asgard bahnen sollten? Und überhaupt, wo war diese Glocke? Wenn ich damit herumbimmeln sollte, mußte ich sie erst einmal finden. Sigwald schien ein netter Kerl zu sein, doch er war eher ein Hindernis als ein Förderer.

Sigwald lachte. „Ich bin im Ersten Weltkrieg gefallen, wir wissen hier durchaus, was Gewehre sind. Das hier sieht nur wie eine Streitaxt aus, sie läßt sich auch wie eine Streitaxt führen, doch es ist eine ganz andere Waffe. Aber das wirst du noch erfahren. Wenn du die Feder zu führen wußtest, wirst du hier die Leier zum klingen bringen. Komm mit, ich zeige dir die Burg und deine Kameraden.“

„Gerne, doch vorab hätte ich noch eine Frage“, hielt ich ihn zurück. „Die Glocke von Asgard – gibt es sie und wo ist sie?“

„Die Glocke, die Ragnarök einläutet?“, fragte Sigwald. „Ja, die gibt es, und wenn du dich in der Schlacht bewährst, werde ich dich dorthin führen.“

„In der Schlacht?“ Ich hatte erwartet, daß das Jenseits ein friedlicher Ort sein würde, wo alles Leid und alle Kämpfe hinter mir lagen. Gewalt sollte es allenfalls in den unteren Ebenen geben, nicht hier, nicht auf den Inseln der Seligen.

„Gegen Walhall“, erklärte Sigwald. „Damit die Krieger in Übung bleiben, ziehen sie immer wieder in die Schlacht, gegeneinander, weil es hier keine Feinde gibt. Die Erschlagenen stehen nach der Schlacht wieder auf, die Verstümmelten gesunden, am Abend gibt es ein Festmahl. Weißt du das nicht? Habt ihr die Edda vergessen, auf der Erde? Und die Völuspa?“

„Nein, ich habe… Muß ich als Skalde etwa auch kämpfen?“ Bei dem Gedanken war mir nicht wohl.

„Natürlich, denn Skalden sind ebenfalls Krieger“, erwiderte Sigwald ganz selbstverständlich.

Worauf hatte ich mich nur eingelassen? Nach Wotans Worten hatte sich alles ganz einfach angehört, vom Sterben einmal abgesehen. Ich schaute beiläufig auf mein linkes Handgelenk. Eine Uhr gab es da nicht, allerdings trug ich noch immer den Odinsknoten, das Zeichen Wotans. Ich schüttelte leicht den Kopf. Soweit war der Plan also aufgegangen. Nur die Einherier – das müßten doch die Krieger Walhalls sein? Angeblich standen die auf meiner Seite. Jetzt sollte ich gegen die kämpfen?

* * *

Veranstaltungen auf der Erde hatten zumeist in Turnhallen oder Bierzelten stattgefunden. Friggas Halle in Folkwang war nichts dergleichen. Ein Bierzelt des Münchner Oktoberfestes hätte in ihr Platz gefunden und sie nicht ausgefüllt. Den Petersdom hatte ich nie besucht, aber einige große Kirchen gesehen. 250 Meter lang, 100 Meter breit und 50 Meter hoch, so schien es mir. Vier Kronleuchter hingen nebeneinander, ich zählte zwanzig derartige Reihen und wunderte mich, daß ich diese Nebensächlichkeit so interessant fand. In den Kronleuchtern steckten Fackeln, nur die Eigenarten des Jenseits ermöglichten diese Art der Beleuchtung, auf der Erde wäre es zu umständlich gewesen, sie auszuwechseln.

24 Tischreihen erstreckten sich über die Breite der Halle, sie schienen alle voll besetzt zu sein. Auf den Tischen standen gebratene Spanferkel und Rinderkeulen, Brot füllte große Körbe. Die zechende Gesellschaft bestand nur aus Männern, die aussahen, als hätten sie gerade die Römer im Teutoburger Wald besiegt. So manch einer trug Helme mit Hörnern oder Flügeln darauf. Vor den Männern standen Trinkhörner, die offenbar immer gefüllt waren.

„Gibt es keine Frauen im Jenseits?“, wunderte ich mich.

„Ein paar wenige dienen als Walküren“, antwortete Sigwald. „Wer nach Asgard geht, will hier ein Mann sein, ein Krieger. In anderen Ebenen werden oder bleiben sie Frauen.“

Als Walküre die Gefallenen einsammeln, hätte ich der Teilnahme an einer Schlacht vorgezogen. Ich hatte jedoch keine Wahl gehabt, als was ich in Asgard erscheine.

Sigwald drängte mich an einen freien Platz. Er schob mir ein Trinkhorn zu und deutete auf einen Berg Fleisch. In meiner Jugend hatte ich gerne und viel getrunken, allerdings keinen Met. Bier wäre mir eindeutig lieber gewesen. Ich blickte in mein Trinkhorn und stellte fest, daß es tatsächlich Bier enthielt. Ein paar Wünsche erfüllte das Jenseits offenbar. Mein anderer Tischnachbar wandte mir den Rücken zu. Er trug dort ebenfalls einen Rundschild, war demnach zur Schlacht gerüstet. In der Mitte des Schildes befand sich eine spiegelnde Metallplatte, in der ich mich selbst betrachten konnte. Ja, das war ich, mit 18 oder 20 Jahren, mit schmalem Gesicht, wie auf alten Photos. Meine Haare trug ich kurz, kürzer sogar als zu meinen Bundeswehrzeiten.

„Das ist Michael, ein neuer Skalde“, stellte Sigwald mich vor. Daraufhin wurde mir zugeprostet. Die Höflichkeit und der Oberarmumfang der kraftstrotzenden Tischnachbarn geboten es, diesen Zutrunk geziemend zu erwidern.

„Dort ist Friggas Thron“, erzählte mir Sigwald. „Allerdings kommt sie seit dem Krieg nur noch ganz selten zu uns.“

Der Thron stand in einer Art Seitenschiff, einer halbrunden Erweiterung der Festhalle. Er wirkte primitiv, so einfach wie der Thron Karls des Großen in Aachen, zugleich auch Ehrfurcht einflößend, in seiner Größe und dank seines Podests. Frigga mußte mindestens fünf Meter groß sein, herausragend, wie es einer Göttin zustand.

„Der Krieg…“, wiederholte ich nachdenklich. „Dann stimmt das mit den Schlachten im Jenseits?“

„Ja“, antwortet Sigwald. „Ich bin damals vor Chambrai gefallen, als die Briten uns mit ihren verdammten Panzern angegriffen hatten. Nach ein paar Tagen der Ruhe sind wir Neuankömmlinge erneut in die Schlacht gezogen, auf die Walstatt, im Mittelreich, gegen die Heere des Bösen. Du stirbst nicht im Jenseits, du wirst nur zurückgetrieben, ob in die Finsternis oder ins Licht, bis dir schließlich die Kraft ausgeht. Die Schlacht hat nicht nur Tage oder Wochen gedauert, sondern Jahrzehnte. Die Schlacht im Jenseits hat verhindert, daß unsere Götter auf der Erde eingreifen konnten. Deshalb hat das dritte Reich, Deutschland, die beiden Weltkriege auf der Erde verloren. Aber jede Grausamkeit, jede Demütigung, die Deutschland auf der Erde erfahren mußte, hat unser Heer im Jenseits verstärkt, uns die Kraft gegeben, uns immer wieder aufs Neue zu erheben, erneut nach Walstatt zu ziehen und uns in den Kampf zu werfen. Hier im Jenseits haben WIR gewonnen.“

„Kriege im Jenseits – das hätte ich nie gedacht“, gab ich zu. „Worum ging es da eigentlich?“

„Um alles“, antwortete Sigwald. „Das erste Reich, das war Sumer, das zweite Karthago und das dritte Deutschland. Die Reiche hätten der Erde den Frieden bringen können, deshalb sind sie zerstört worden. Die Schlachten auf der Erde waren dabei nur ein Abbild der Schlachten im Jenseits.

Im ersten Krieg haben sie eine Barriere errichtet, die verhindern sollte, daß die Seelen der Verstorbenen in die höheren Lichtreiche eintreten. Da wären diese höheren Lichtreiche langsam verdorrt. Die dunklen Mächte haben zugleich Sumer angegriffen, denn hätte Sumer fortbestanden, hätten die dunklen Mächte die Erde verloren und keine neuen Leute anwerben können. Im Jenseits haben wir gewonnen. Na ja, ich nicht, ich war da noch nicht dabei, auch nicht beim zweiten Krieg.

Hätten damals die Karthager gesiegt, hätte es kein Römisches Reich gegeben. Die Phönizier hätten die Ausbreitung der Juden verhindert, ohne Juden hätte es kein Christentum gegeben. Im Jenseits wurde um Midgard gekämpft, das Reich zwischen Licht und Dunkelheit. Die Dunkelheit wollte es beherrschen, um alle jungen Seelen in die Dunkelheit ziehen zu können.“

Midgard – ich hatte diese Ebene Eleulorien genannt, die neutrale Zone, in der junge Seelen ihren ersten Aufenthalt im Jenseits verbrachten, Seelen, die gerade das erste Mal die Schwelle zum Menschsein überschritten hatten. Die Lichtebenen hatten also gewonnen, die Dunkelheit weiter zurückgedrängt.

„Worum ging es im dritten Krieg?“, fragte ich interessiert.

„Auf der Erde um die Freiheit des Denkens“, erklärte Sigwald bereitwillig. „Im Jenseits wurde Ragnarök vorbereitet. Ich habe da selbst mitgekämpft, aber ich kann dir nicht sagen, was wir mit unserem Sieg erreicht haben.“

„Wie sieht so ein Krieg im Jenseits aus?“, hakte ich nach. „Hier kann doch niemand sterben?“

„Du vernimmst den Schlachtruf und entscheidest dich für den Kampf“, berichtete Sigwald. „Du bist danach in einer Art Nichts, wo du kämpfst. Du schlägst um dich, wehrst ab, trittst zu. Der Kampf ist endlos, strengt dich an, deine Kräfte erschöpfen sich mehr und mehr. Dann erwischt dich der Schlag und du stürzt zurück, bist wieder da, wo du hergekommen bist, also in Asgard. Du lebst, bist aber doch gefallen. Wenn es lange genug dauert, vernimmst du erneut den Schlachtruf, stürzt dich wieder in den Kampf. Wenn nicht, bist du dazu verdammt, das Ende der Schlacht abzuwarten und auf den Sieg zu hoffen. So manchen verläßt der Mut, immer weniger der dunkeln Seite sind in die Schlacht zurückgekehrt, so haben wir letztlich gewonnen.“

„Danke.“ Hatte ich die Erklärung verstanden? Ich nahm einen tiefen Schluck Bier.

Einer meiner Tischnachbarn stieß mich an. „Na los, Neuer, sing für uns! Du kennst sicher Lieder, die wir noch nie gehört haben.“

„Singen? Ich?“ Natürlich konnte ich singen, bestimmt so gut wie Troubadix, der Barde aus Asterix und Obelix, der nach seinen ersten Tönen schnellstens zum Schweigen gebracht wurde.

„Natürlich“, stimmte Sigwald zu. „Ein Skalde ist da, um zu dichten und zu singen, falls er nicht in die Schlacht zieht.“

„Aber – ich KANN NICHT singen“, betonte ich.

„Versuche es doch“, forderte Sigwald mich auf und drückte mir seine Leier in die Hand.

„Na los, sing!“, rief der Hüne, der mir gegenüber saß.

Singen… Nun ja, wenn sie darauf bestanden… Je eher sie wußten, was Singen bei mir gedeutete, desto eher würden sie aufhören, mich zum Singen aufzufordern. Nur, was sollte ich singen? Die Kaiserhymne, die mir als erstes einfiel, war wohl weniger geeignet. Vielleicht sollte ich improvisieren. Die Melodie von „Oh Tannenbaum“ war leicht genug. Ich griff in die Leier, die Töne kamen wie von selbst und die Melodie klang durchaus so, wie ich es erhofft hatte.

Oh Ragnarök! Oh Ragnarök!
Wir sehnen dich herbei!
Du bringst der Erd’ Erneuerung,
Du bringst der Menschheit Frieden!
Oh Ragnarök! Oh Ragnarök!
Wir sehnen dich herbei!

Oh Ragnarök! Oh Ragnarök!
Wann trittst du endlich ein?
Beende das, was übel ist,
Bereit’ den Menschen großes Heil!
Oh Ragnarök! Oh Ragnarök!
Wann trittst du endlich ein?

Oh Ragnarök! Oh Ragnarök!
Du wirst uns sehr erfreuen!
Die Freiheit und die Sicherheit
Wirst du uns bringen allezeit!
Oh Ragnarök! Oh Ragnarök!
Du wirst uns sehr erfreuen!

Meine Zuhörer schwiegen, keine Hand erhob sich zum Beifall. Immerhin, es kamen keine Trinkhörner angeflogen.

„Nun ja“, brach Sigwald das Schweigen. „Wie es scheint, mußt du noch vieles lernen – und noch mehr üben.“

Immerhin prostete mein Gegenüber mir zu. „Bier ist gut für die Stimme – und du solltest viel mehr trinken, Neuling.“

* * *

Am nächsten Morgen herrschte gespannte, erwartungsfrohe Stimmung. Das Frühstück bestand aus Gerstenbrei und Wasser, die Krieger schlangen es förmlich hinunter. Die vielfältigen Eindrücke hielten mich von Fragen ab, was ich wenig später bedauerte. Sigwald legte nach dem Frühstück seine Leier ab und forderte mich auf, ihn zu begleiten.

Er führte mich zu einem Tisch, auf dem mehrere einfache Waffen lagen. Dort gab er mir einen Holzknüppel, einen einfachen, hölzernen Schild und einen Speer, der mir als Stichwaffe zu leicht und zum Werfen zu schwer erschien.

„Was soll ich damit?“, wunderte ich mich.

„Heute geht es gegen Walhall“, eröffnete mit Sigvald. „Das wird deine erste Schlacht.“

„Eine Schlacht?“ Ja, natürlich, die Krieger zogen tagsüber gegeneinander in die Schlacht, davon hatte ich gehört. Oder sie gingen auf die Jagd, also überaus männliche Zeitvertreibe. Die echten Germanen hatten nebenbei Felder zu bestellen, diverse Bastelarbeiten am Haus und an Werkzeugen, suchten Eisenerz und schmiedeten Gebrauchsgegenstände, was hier in Asgard unnötig war. „DAMIT soll ich kämpfen?“

„Ja, du bist schließlich ein Anfänger“, entgegnete Sigwald. „Als bewährter Krieger bekommst du bessere Waffen. Meine Axt mußte ich mir erst verdienen.“

„Darf ich wenigstens Waffen vom Boden aufheben? Auch von Gefallenen?“, fragte ich hoffnungsvoll.

„Ja, aber du darfst sie nicht behalten, es sei denn, du hast ihren früheren Besitzer eigenhändig erschlagen.“

Mit anderen Worten: Sollte ich irgendwo ein wunderbares Schwert finden, wurde es von einem erfahrenen Krieger geführt, der mir unfaßbar überlegen sein würde.

„Es kommt nicht auf die Waffe an, sondern auf den kühnen Geist, der sie führt“, setzte Sigwald hinzu.

So kühn, wie ich mich gerade fühlte, wäre eher ein Zahnstocher angemessen statt eines Knüppels. Sigwald setzte sich einen Helm auf, einen eisernen Wikingerhelm mit Nasenschutz, natürlich ohne Flügel und Hörner. Woher er diesen hatte, hatte ich nicht gesehen. Ich wollte nicht danach fragen, vermutlich hätte ich eine wollene Zipfelmütze bekommen, als Anfänger.

Nach den Erzählungen würden alle Erschlagenen nach der Schlacht wieder auferstehen, doch diese Erzählungen besagten nichts, ob die Wunden schmerzen würden. Da sich alles so lebensecht anfühlte, erwartete ich es. Hoffentlich gab mir jemand den Gnadenstoß, wenn ich schreiend am Boden lag.

Wir marschierten los, als wilder Haufen, geradewegs auf Walhall zu. Die erfahrenen Krieger gaben mir Anfänger Ratschläge.

„Mit dem Knüppel schaffst du es nicht, einen umzubringen. Behalt den Speer und kämpf damit.“ – „Ach was, wenn du noch nie einen Speer in der Hand gehabt hast, dann wirf ihn auf den Feind. Wenn du keinen Mann triffst, dann wenigstens einen Schild, dann wird es für uns leichter, den zu fällen.“ – „Versuch erst gar nicht, einen Speer aus dem Schild zu ziehen, wirf ihn lieber weg. Du bist abgelenkt, dann kriegen sie dich. Du hast bessere Chancen ohne, wenn du dich gleich wehrst.“ – „So ein Speer im Schild ist ein Geschenk! Wenn sie dich nicht bedrängen, laß den Schild fallen, drauf mit dem Fuß und den Speer rausziehen.“ – „Achte im Nahkampf auf seine Augen! Die zeigen dir, wo du dich decken mußt!“ – „Mit dem Knüppel kannst du eine Axt abwehren, wenn du sie unterhalb des Blattes triffst. Einem Schwert weichst du besser aus und schlägst drauf, wenn es dich verfehlt hat. Am besten auf die Hände, dann läßt der Kerl die Waffe los. Einen Speer kannst du zur Seite schlagen, aber da trifft er womöglich einen Kameraden. Besser von oben, dann geht er in die Erde.“ – „Wenn du mit dem Knüppel auf einen Helm schlägst, reicht das nicht. Du mußt nochmal draufhauen, am besten unter den Helm.“ – „Mit dem Knüppel kannst du auch zustoßen. Wenn’s kräftig genug ist, fällt der Andere um.“

Bei jedem einzelnen Ratschlag stellte ich mir vor, daß mein Feind mir genau das antat, was mir da gerade geschildert wurde. Ich glaubte nicht, daß ich die erste Minute der Schlacht überstehen würde. Mich auf der Erde umbringen zu lassen, hatte mir gereicht. Hier raufgehen und bimmeln, damit war ich einverstanden gewesen. Aber nun gleich wieder abgemurkst zu werden, behagte mir gar nicht. Hoffentlich hatte kein Sadist diese Ebene eingerichtet, der einen nach ein paar Minuten wieder aufweckte und erneut in den Kampf jagte.

Für den unwahrscheinlichen Fall, daß ich Erfolg hatte – was würde Wotan dazu sagen, daß ich seine Krieger erschlug? Wieso hatte er zugelassen, daß ich auf der falschen Seite stand? So wild, wie meine Kameraden auf den Kampf waren, durfte ich kaum hoffen, daß mir ein Einherier lange genug zuhören würde. Aufspießen, ja, totschlagen, ja, aber zuhören? Wo war ich hier hingeraten?

Ein alter Krieger mit einem beeindruckenden Speer, einem massiven Eisenschild und einem mächtigen Schwert an seiner Seite baute sich vor uns auf. „Männer, wir kommen an den rechten Flügel. Sie werden im Keil unsere Mitte angreifen und wir ihnen in die Flanke fallen. Geht auf zehn Schritt heran, bevor ihr eure Speere werft. Das gilt besonders für die Neulinge! Und dann drauf, auf sie, schneidet sie in Stücke, zerschlagt ihre Knochen, zermalmt sie unter euren Füßen! Vorwärts!“

Der alte Krieger gab den Schritt vor, wir marschierten nun schneller und hielten uns mehr rechts als vorher. Sigwald raunte mir zu: „Das ist Rüdeger Thorvaldson, unser Hauptmann. Wir folgen ihm in die Schlacht.“

Rüdeger hieß wilder Speer, soweit ich mich erinnerte. Der Mann sah tatsächlich so aus, als sei seine Spezialität der Fleischspieß, an dem mindestens drei Gegner gleichzeitig zappelten. Von hinten bemerkte ich, daß er ein Kettenhemd trug. Vermutlich eine Kriegsbeute aus dem Kampf gegen die Römer.

Und noch etwas fiel mir auf: „Haben wir keine Bogenschützen?“

„Pfeil und Bogen sind ungermanisch“, belehrte mich Sigwald. „Na ja, nicht wirklich, aber in den Kämpfen hier benutzen wir die nicht. Es gibt auch keine Reiter, wie du siehst.“

Ja, das Gefecht wurde tatsächlich als Nahkampf der Infanterie ausgetragen. Wie hatten sie das in dem Krieg gegen das Böse gehalten? Wenn hier kein Kämpfer starb, wie wurde der Sieg ermittelt? Wenn ich es richtig verstanden hatte, würde selbst, wenn wir die Streitmacht Walhalls restlos niedermetzelten, diese am Abend in voller Kopfstärke nach Hause ziehen und feiern. Der Krieg mußte demnach ganz anders aussehen als das, was ich gleich erleben würde.

„Da sind sie!“, rief jemand.

Wir hatten eine schöne Wiese vor uns, bretteben, kein einziger Baum weit und breit. Die Horden Walhalls schlenderten gelassen in unsere Richtung. Wir schritten ebenfalls unbekümmert weiter. Erst in zweihundert Metern Entfernung bildeten die Gegner eine Art Formation aus, stellten sich zu einer Schlachtordnung auf. Unsere Leute gruppierten sich ebenfalls in Haufen.

Wir gingen weiter aufeinander zu, näherten uns auf höchstens 50 Meter. Dann erklangen die Hörner. Ich hatte keine gesehen, doch es schien tausende zu geben, über dem ganzen Schlachtfeld verteilt. In den Klang der unsichtbaren Hörner erhob sich das Kriegsgeschrei aus ungezählten Kehlen. Walhalls Mannen begannen, auf uns zuzurennen. Wie der Hauptmann es gesagt hatte, in Keilformation auf unser Zentrum. Bögen hätten reiche Ernte gehalten, ein paar Maschinengewehre hätten alle niedergestreckt.

Hauptmann Rüdeger rannte ebenfalls los, wir, die Meute, folgten ihm. Was immer mir die Kameraden geraten hatten, war vergessen. Ich hörte mich selbst schreien, ein kleiner Teil in mir wunderte sich über mein Verhalten. Mein Körper produzierte Adrenalin, wie ich es auf der Erde noch nie erlebt hatte.

Der Gegner bewarf uns mit seinen Speeren. Mein Schild wurde getroffen, splitterte, die Speerspitze wurde nur ein paar Zentimeter vor meiner Haut aufgehalten. Ich warf meinen eigenen Speer und spürte, wie Wut in mir aufstieg. Unbändige Wut darüber, daß ich mit dieser lächerlichen Ausrüstung in die Schlacht zog.

Ich packte meinen bronzenen Rundschild fester. Er durchmaß über einen Meter, doch er schien mir leicht. Ich zog das Schwert, ein wuchtiges, schildblattförmiges Stück aus bestem Stahl, lang und schwer. Es fühlte sich so einfach, so selbstverständlich an, es in den Leib eines anderen Menschen zu stoßen.

Ein paar Speere brachten meinen Schild zum Klingen, als sie daran abprallten. Mein Schwert traf den Helm eines Axtkriegers, spaltete den Helm, drang tief in den Schädel, bis zur Nasenspitze. Ich zog das Schwert heraus und enthauptete einen weiteren Gegner, der seinen Speer zu tief gehalten hatte.

Der spartanische Rundschild war nicht nur Schutz, er diente auch als Waffe. Ein heftiger Stoß, in den ich mein gesamtes Körpergewicht legte, drängte mehrere Gegner zurück. Ich gelangte in die Reihen des Gegners, rammte dem nächsten Krieger mein Schwert tief in den Leib. Fegende Schläge trieben die Männer Walhalls zurück, erlaubten den Speeren Folkwangs, ihre Opfer zu finden.

Ein Speer streifte meine Schulter. Ich spürte einen kurzen, aufflammenden Schmerz, der jedoch binnen eines Augenblicks verging. Der Speer hatte ein weiteres Opfer gefunden, er steckte in der Brust eines Kameraden. Ich wußte, wer ihn geworfen hatte. Ich hatte das nicht beobachtet, ich wußte es trotzdem. Schwerthiebe mähten die Hindernisse auf dem Weg nieder wie eine Sense. Mein Ziel begriff, daß ich es auf ihn abgesehen hatte, wurde bleich und wich zurück. Das Kampfgeschehen ließ ihm jedoch keinen Raum, mein Schwertstich schlitzte ihm die Kehle auf.

Ich wurde mehrmals getroffen, doch ich schlug zurück, tötete die Feinde in einem Blutrausch, den jener kleine Teil meines Bewußtseins, der sich abgesondert hatte, ebenso fassungslos wie fasziniert verfolgte. Ich wußte nicht, wieviel Zeit vergangen war, bis wieder die Hörner erklangen. Ich bemerkte gerade noch rechtzeitig, daß mein Gegner seine Waffen senkte, um ihn zu verschonen. Die Schlacht war demnach zu Ende.

Das Schlachtfeld war übersät mit Toten. Der grüne Rasen hatte viele rote Flecken bekommen, meine Kleidung troff von Blut. Nur wenige Tropfen stammten von mir.

Von einem Augenblick zum anderen verschwand das vergossene Blut. Die gerade noch Erschlagenen wälzten sich wie Erwachende, die unwirsch aus dem Schlaf gerissen wurden. Sie alle standen auf. Ein paar kamen auf mich zu, klopften mir auf die Schulter. „Heute warst du der Bessere, aber beim nächsten Mal kriegen wir dich!“, bekam ich zu hören. „Besuch uns mal in Walhall – Krieger wie du sind an Odins Tafel willkommen“, sagte der nächste. Ich hatte diese Männer besiegt, sie mit Gewalt getötet, trotzdem hegten sie keinerlei Groll, sie nahmen es sportlich. Wir winkten ihnen nach, als seien sie alte Freunde.

„Bei Loki! Wer bist du?“ Diese Worte klangen weniger freundlich. Rüdeger Thorvaldson hatte sie gesprochen. An seiner Seite stand Sigwald, der mich ebenfalls höchst erstaunt anschaute.

„Ich bin Michael, wieso?“, erwiderte ich verunsichert.

„Wie oft warst du schon im Jenseits?“, drang der Hauptmann auf mich ein. „Und warum hast du behauptet, dich an nichts zu erinnern?“

„Ich erinnere mich nur an mein Leben auf der Erde“, erwiderte ich. „Soweit ich weiß, bin ich das erste Mal im Jenseits.“

„Hat dir das das Seelengericht gesagt?“, hakte Rüdeger nach.

„Ich kann mich an kein Seelengericht erinnern“, gestand ich ein.

„Ich glaube, du sagst die Wahrheit, nur…“ Rüdeger zögerte. „Nicht einmal ich kann meine Waffen verändern.“

„Meine…“ Ich blickte auf meinen Schild, der darauf zum kleinen, unscheinbaren Holzschild schrumpfte. Mein Schwert veränderte sich ebenfalls, verwandelte sich in den stumpfen Holzknüppel zurück. „Ist das denn so ungewöhnlich? Sigwald, du hast mir doch gesagt, der Geist eines Mannes bestimmt die Waffe, die er führt?“

„Keiner von uns kann das“, erklärte Sigwald ernst. „Die Götter, ja, aber nicht wir Krieger. Gehörst du zu Asgard oder Vanaheim? Erkläre dich!“

„Ich weiß es nicht“, beteuerte ich. „Ich kann mich nur an ein einziges Erdenleben erinnern, alles, was hier passiert, ist vollkommen neu für mich. Ich weiß nicht, wieso ich mich verändert habe, und ich kann nicht versprechen, daß dies nicht wieder passiert.“

„Dann ist für dich kein Platz mehr in Folkwang“, entschied Rüdeger. „Auch in Walhall werden sie dich nicht aufnehmen. Und laß dir gesagt sein: Keiner von uns sehnt Ragnarök herbei. Wir werden kämpfen, wenn es soweit ist, aber wir wissen, daß dies das Ende des Lebens sein wird, so wie wir es kennen.“

Rüdeger wandte sich ab. Sigwald blieb noch bei mir. „Ich glaube dir, du hast die Wahrheit gesagt. Trotzdem hat Rüdeger recht, dein Platz ist nicht bei uns. Der einzige Platz, an dem du die Antworten findest, die du suchst, ist dort.“ Er zeigte auf einen Wald in beträchtlicher Entfernung. „Das ist der Bannwald, jenseits der Gemarkung von Folkwang und Walhall. Dort findest du Yggdrasil und den Urdbrunnen. Wenn jemand die Antwort kennt, wirst du sie dort finden.“

Auf der Erde hätte ich für diese Strecke mit Sicherheit mein Auto genommen. Hier jedoch… Ich zuckte zurück. Schwert und Schild hatte ich mir vorhin gewünscht, wenn ich jetzt zu sehr an meinen bewährten Astra dachte, würde der womöglich auch erscheinen. Im Opel durch Asgard fahren… Wenn das die Marketing-Abteilung dieser Firma erführe…

Sigwald schaute mich fragend an, weil ich bei dem Gedanken an das Auto unwillkürlich zu lächeln begonnen habe. „Danke, Sigwald, ich werde mein Glück versuchen. Eine andere Wahl habe ich ja nicht.“

„Ich wünsche dir Erfolg, Michael“, verabschiedete sich Sigwald. „Und laß dir Zeit mit Ragnarök, ja?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Alles Gute, Sigwald, ich fürchte jedoch, wenn Ragnarök meine Bestimmung ist, kann ich dieser nicht ausweichen.“

Er hob zum Abschied die Hand und wir schritten in verschiedenen Richtungen davon. Ich drehte mich nicht um, und ich wußte, daß auch Sigwald mir keinen Blick nachwarf. Ich spürte Bedauern in mir, wir hätten Freunde sein können – Freunde für die Ewigkeit.

Andererseits, ein kurzer Abenteuerurlaub im Jenseits der Germanen war ganz unterhaltsam, aber die Ewigkeit wollte ich hier nicht verbringen. Yggdrasil… Sollte die Weltenesche nicht über alle Bäume hinausragen? Warum konnte ich sie nicht sehen? Ich blickte auf mein linkes Handgelenk, dort, wo ich keine Armbanduhr mehr trug. Wotan… Von einsam durch Asgard stolpern und eine Weltenesche suchen hatte er mir nichts erzählt. Dieser Odinsknoten auf meinem Handgelenk war lächerlich, eine Erinnerung an nicht gehaltene Versprechen. Sollte ich ihn verschwinden lassen? Wenn ich das schaffte, wäre ich mächtiger als Wotan. Zugleich wäre dann bewiesen, daß dieser angebliche Gott keinerlei Einfluß auf mich hatte. Andererseits, ICH hatte mein Wort gegeben. Wenn ich schon nicht Wotan verpflichtet war, dann mir selbst. Ich mußte also weitermachen.

Sigwald… War das vor ein paar Minuten oder ein paar Stunden? Ich schaute nun doch zurück. Der Heerbann Folkwangs war nicht mehr zu sehen, auch nicht Friggas oder Wotans Burg. Ich schien völlig allein zu sein auf dieser endlosen Ebene. Dort hinten standen ein paar Bäume, ich erinnerte mich nicht daran, an ihnen vorbeigegangen zu sein.

Der Bannwald schien weiter entfernt zu sein als zuvor. Wann würde die Nacht hereinbrechen? Und warum hatte ich mich nicht ins Schlaraffenland-Jenseits schicken lassen? Dort, wo gebratene Tauben herumflogen und so ziemlich alles eßbar war, was irgendwo herumlag?

Es dämmerte und mein Magen knurrte. Würde ich etwas Eßbares finden? Am besten ein Wirtshaus, nein, eine Kurierstation, wo ich mir ein Pferd leihen konnte. Was würde in der Kurierstation auf der Speisekarte stehen? Gänsebraten mit Klößen und Blaukraut…

Verdammt, dies war das Jenseits. Da genügte mir ein Baum, um mich dagegen zu lehnen. Den Hunger wünschte ich mir fort und ich konzentrierte mich darauf, gut zu schlafen und erholt aufzuwachen.

© Michael Winkler

Akif Pirincci:

On November 14, 2017, in Akif Pirinci, by admin

ICH FIND DICH SCHEISSE

Schönheit liegt im Auge des Betrachters und Dummheit im Kopf einer Soziologin, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld arbeitet. Am 12. November schreibt eine Barbara Kuchler auf ZEIT ONLINE … Ach komm, ich fasse gleich kurz zusammen, was die Message ihres Artikels „#OhneMich“ beinhaltet. Frauen brauchten sich nicht zu wundern, sagt sie, wenn sie bei der Arbeit, während des Studiums und überhaupt allüberall von Männern sexistisch angegangen, begrapscht und vergewaltigt würden, so wie sie sich ganz doll schminkten, körperbetont kleideten, High Heels trügen und ihre weiblichen Reize durch ihr aufgebrezeltes Erscheinungsbild zur Schau stellten. Also nix anderes als das, was jeder muslimische Analphabet und hohe Islamgelehrte eh die ganze Zeit verkünden.

Aber halt! Ist das schon alles, was dieses Juwel an Frauenverachtung eigentlich zu einem veritablen Skandal macht, ohne daß auch nur eine einzige Frauenrechtlerin aufgeschrien oder die Universität dieser Dame die Zulassung entzogen hätte? Mitnichten, denn die ZEIT-Onliner, nicht blöd, haben vorausgedacht und wußten ganz genau, wie die meisten Leserkommentare auf solchen Selber-schuld-Müll ausfallen würden: „Die Alte ist nur neidisch auf hübsche Frauen, so schräg wie sie aussieht!“ Deshalb griffen sie zu einem Fake-Newsartigen Trick. Unmittelbar unter dem Namen der Autorin ist das Foto einer sich wie es scheint im universitären Bereich aufhaltenden und nicht geschminkten, aber attraktiven jungen Frau mit einer Professorenbrille abgebildet, die man bei oberflächlicher Betrachtung der Seite und ohne Recherche mit Barbara Kuchler gleichsetzt. Selbstverständlich machen die ZEITis nicht den Fehler, als Bildunterschrift ihren Namen darunter zu setzen, sondern wiederholen ganz klein geschrieben und in verkürzter Form die Botschaft des Artikels. Dennoch bleibt beim überwiegenden Teil der Leser der Eindruck haften, daß die Abgebildete und Barbara Kuchler identisch wären.

Die Frau Dr. ist jedoch 43 Jahre alt, so daß man beim Anblick der Schönen auf dem Foto aufstöhnen möchte: „Boah, die hat sich aber gut gehalten!“ Ist das so? Natürlich nicht. Denn Barbara Kuchler sieht in Wahrheit so aus:

Es ist übrigens das einzige Foto, das von ihr im Internet zu finden ist. Eine Datierung fehlt. Man kann also getrost davon ausgehen, daß die Gute, nun ja, inzwischen noch spezieller aussieht. An wen erinnert mich dieses Gesicht bloß, an wen nur? Ah ja, ich hab´s:

Nachdem wir diesem zugegebenermaßen etwas grobschlächtigen Trick der Lügenpresse beiwohnen durften, wollen wir uns nun dem Schwachsinn widmen, den die Geschwätzwissenschaftlerin so verzapft. Zu Beginn legt die Dame Zeugnis davon ab, daß sie im Biologieunterricht in der Schule gefehlt hat und von den asymmetrischen Evolutionsstrategien der jeweiligen Geschlechter keine Ahnung besitzt. Sie beklagt, daß die Frau angeblich immer schön zu sein habe, während es beim Mann „Status oder Leistung“ reichten. Das liegt daran, Barbara, daß Lebewesen nur dazu „erfunden“ worden sind, um sich zu reproduzieren. Wer bei diesem Geschlechterspiel den Kürzeren zieht, ist der Natur scheißegal. Und da die menschliche Frau nur für eine kurze Zeit fruchtbar und gebärfähig ist und zudem sowohl während der Schwangerschaft als auch später beim Aufzucht der Kinder auf den Schutz und die Ressourcen des Mannes angewiesen ist, besteht ihr „biologischer Wert“ nur aus ihrer Jugend. Kein anderes Attribut für Jugend signalisiert der Männerwelt effektiver als das „Schön sein“ bzw. es kommt bei Frauen mehr auf das Aussehen an, auf ihr jugendliches Aussehen.

Aber verlassen wir das Reich der biologischen Binsenweisheiten, denn was Babsy nicht lernt, lernt Barbara nimmermehr. Und die scheint ziemlich verärgert:

„Solange es nicht zu Grapschereien oder verbalen Übergriffen kommt, solange es nur darum geht, sich täglich hübsch zu machen, in Sachen Kleidung und Make-up eine perfekte Performance hinzulegen, scheinen die meisten Frauen keine Einwände gegen ein gesellschaftliches Rollenschema zu haben, das ihnen die Zuständigkeit fürs Gutaussehen zuweist. Frauen und Mädchen im 21. Jahrhundert machen sich so eifrig schön wie chinesische Prinzessinnen im Kaiserreich oder die Hofdamen des europäischen Barocks (da taten es aber immerhin die Männer mit ähnlichem Elan). Sie stellen freizügig ihre Reize zur Schau: Mädchen tragen Hotpants, Businessfrauen figurbetonte Kostüme und glänzende Strumpfhosen, feiernde Frauen im Nachtleben sind durchgestylt vom Scheitel bis zur Sohle.“

Falsch! Bei den jungen Frauen erliegst du einer optischen Täuschung, Barbara, da junge Menschen in der Regel und mehrheitlich immer gut aussehen, eben weil sie jung sind, egal ob sie in erlesenster Gewandung wandeln oder im Kartoffelsack. Doch der überwiegende Anteil der Frauen (wie auch der Männer) hierzulande ist scheiße gekleidet und gibt sich überhaupt keine Mühe, sich auch nur annähernd elegant, trendy oder sexy zu kleiden. Leider. Wenn du mir nicht glaubst, brauchst du dir nur deine Kolleginnen in der Bielefelder Uni anzugucken oder einfach einer deutschen Behörde einen Besuch abzustatten. Und wenn du dort auch nur eine Frau findest, die wie eine „chinesische Prinzessin im Kaiserreich oder Hofdame des europäischen Barocks“ aufgemacht ist, bekommst von mir das Karl-Lagerfeld-Abzeichen. In unserer hoffnungsvoll überalterten Gesellschaft trägt die Mehrheit der Frauen auch kein Make-up, wie du dir zurechtspinnst, was übrigens einige Flüchtilanten nicht daran hindert, selbst 85-jährige zu vergewaltigen. Soviel zum selbstverschuldeten Sexismus. Deine Stichworte „Hotpants“ (ein Relikt aus deiner Jugendzeit in den 80ern) und „glänzende Strumpfhosen“, die du halluzinierend an jeder Ecke erblickst, sagen mehr über deine sexuellen Obsessionen aus, als dir lieb ist, Barbara. Ich habe da so eine Ahnung …

Doch wenden wir uns der Medizin zu, die du den armen Frauen verabreichen möchtest, damit diese elende Anbaggerei, Grapscherei und Vergewaltigerei endlich aufhören. Die ist in der Tat derart irre, daß sie nur von jemandem stammen kann, der sein Lebtag im Steuergeldsauf-Brauhaus einer Universität verbracht hat und exakt 0,00 Euro zur Wertschöpfung dieses Landes beigetragen hat. Vorher jedoch der vorangegangene Satz zu dem Zitat, damit du nicht denkst, ich lasse dir alles durchgehen: „Wenn aber – mit Marx – radikal sein heißt, ein Problem bei der Wurzel zu packen, dann müssen Frauen schon auf dieser tieferen Ebene dazu ansetzen, aus dem asymmetrischen Regime des Gutaussehenmüssens auszubrechen.“ Nö, Barbara, du hast Marx nicht gelesen, den hat niemand deinesgleichen gelesen (außer ich natürlich). Dafür ist die Schreibe dieses Typen zu anstrengend und völlig schizo. Deine Marx-Scheiße ist lediglich eine Verbeugung vor deinem Steuergeldhahn, also vor deinem Gehaltsüberweiser, damit du ihm versicherst, daß du, wenn du so tust, als würdest du denken, auch immer treudoof links denkst; da machen sich aus dem Internet gemopste Marx-Sprüche immer ganz gut. Jaja, verarschen kann ich mich selber. So, aber jetzt zu deinem Zitat:

„Sie (die Frauen/A.P.) müssen aufhören, sich zu schminken, zu schmücken und zu stylen, sich selbst permanent als Körper zu präsentieren. Sie müssen einfordern, dass berufliche Dresscodes symmetrisiert werden und auch für Frauen eine stilvolle, aber nicht körperbetonte Businesskleidung zur Verfügung steht. Der #MeToo-Diskurs muss zu einem #OhneMich-Diskurs weiterentwickelt werden, der die Botschaft verkündet und verbreitet: „Ich mache dieses Spiel nicht mehr mit. Ich tue nicht mehr für mein Aussehen als der durchschnittliche Mann, und ich stelle meinen Körper nicht stärker zur Schau als der durchschnittliche Mann.“

Ich muß zugeben, daß ich das Wort „symmetrisieren“ erst einmal googeln mußte. Es bedeutet wohl „nach Maß und Zahl übereinstimmend gestalten“. Mit anderen Worten möchte Barbara eine Art Mao-Look, eine sowohl für Männer als auch für Frauen entgeschlechtlichte Kleidung für alle. Jedenfalls auf keinem Fall eine Textilie, die auch nur mit einem Tropfen erotischem Flair oder mit einem Hinweis darauf, daß eine Frau andere primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale als ein Mann besitzt, befleckt und verunreinigt ist. Schminken ist auch verboten. Denn das bedeutet: Fick mich! Vergewaltige mich! Ich mache dieses Spiel nicht mehr mit, ich laufe nur noch rum wie Barbara Kuchler!

Schön gaga auch deine Idee, daß frau einen beruflichen Dresscode, eine nicht körperbetonte Businesskleidung „einfordern“ solle. Bei wem einfordern, bei Heiko Maas, bei der Uni Bielefeld, bei Vivienne Westwood? Es gibt Leute, denen ist aus zehn Meter Höhe ein Klavier auf den Kopf gefallen; seitdem sind sie nicht mehr dieselben. Es gibt aber auch Leute, da braucht es solcherlei Unfälle gar nicht, um auf den gleichen Level zu kommen. Übrigens glaube ich dir aufs Wort, Barbara, daß du deinen „Körper nicht stärker zur Schau (stellst) als der durchschnittliche Mann“. Wird schon seinen Grund haben …

Doch wenn Irre erstmal Fahrt aufgenommen haben, da sind sie nicht mehr zu bremsen. Das ist so wie bei durchgegangenen Gäulen:

„Da die Asymmetrie das Problem ist, kann sie natürlich prinzipiell in zwei Richtungen aufgelöst werden: indem Frauen sich weniger schön machen, oder indem Männer sich mehr schön machen … Solange wir uns bereit erklären, unsere Hintern in hautenge Hosen zu zwängen, unsere Beine in Strumpfhosen vorzuführen und auf hohen Absätzen daherzuklappern, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir als `knackiger Hintern´ oder `scharfe Schnitte´ wahrgenommen werden … Deshalb, Frauen, Schwestern, Geschlechtsgenossinnen: Lasst das Schminken sein! Legt die Kosmetikdosen in den Schrank und kauft sie nie mehr nach. Wenn ein Männergesicht ohne Tünche schön genug ist für die Welt, warum nicht auch ein Frauengesicht? Hört auf, jeden Tag schicke, formlich und farblich aufeinander abgestimmte Klamotten zu tragen! Zieht das an, was im Schrank gerade oben liegt. Spart die Energie, die das Schminken, Augenbrauenzupfen, Nägellackieren, Beinerasieren, Schmuckanlegen, Shoppen, Durchblättern von Modemagazinen kostet, und steckt sie in das Voranbringen eurer Karriere durch Lernen, Leistung, Sachverstand, oder wahlweise in Spaß und Erholung. Geht nicht mehr als einmal im Vierteljahr zum Friseur.“

All das sagt übrigens der Obermufti von Saudi-Arabien wortwörtlich auch. Wobei ich mich allerdings frage, wie wohl Barbara Kuchler in „hautengen Hosen“ und auf „hohen Absätzen“ aussehen mag. Wie man hier wunderbar konstatieren kann, hat der Text seinen ursprünglichen Gegenstand völlig aus den Augen verloren. Anfangs ging es noch darum, dem Alltagssexismus der Männer durch ein uncharmantes Frauen-Outfit als Schutz etwas entgegenzustellen. Was schon der Gipfel des Zynismus darstellt, denn einerseits stempelt man dadurch Männer zu unkontrollierbaren Tieren ab, die schon beim Anblick eines Rockzipfels einfach über die Frau herfallen müssen. Anderseits wird die Verantwortung und die Schuld für den sexuellen Mißbrauch ganz muslimisch auf die Frau abgewälzt. Nein, Barbara, selbst wenn die Frau nakisch durch die Gegend spaziert, hat kein Mann das Recht, sie zu vergewaltigen! Geh nochmal in die Schule, am besten fängst du bei 1. Klasse Grundschule an, und lerne diese Sache mit den unveräußerlichen Menschenrechten erneut.

Darüber hinaus wird nun jedoch ein ganz konkreter Look für die Frau vorgegeben. Wir alle kennen diesen Look allzu genau. Es ist der der ungepflegten Kampflesbe. Es ist der der entweiblichten Frau, die mittels erotischer Zeichen und Signale Männer nicht als Spielgefährten im großen Weltenspiel der Geschlechter betrachtet, sondern als puren Feind, den es am besten durch Stinken, Furzen und Pisse- und Kackablagerungen in der Unterhose vom Halse zu schaffen gilt. Und hier noch einmal der Versuch der Wissenschaftlerin, etwas wissenschaftlich nachzuweisen, was jedoch so wissenschaftlich und folgerichtig ist wie Kunststoff durch Voodoo herzustellen:

„Und Frauen: Versucht nicht, euch auf ein natürlich-biologisches Bedürfnis nach Schmuck und Putz zu berufen. Erstens sind Versuche, sozial etablierte Verhaltensmuster zu naturalisieren, also sie auf eine unabänderliche natürliche Ordnung zurückzuführen, schon x-mal unternommen und ebenso oft als Humbug erkannt worden: `Frauen können nicht studieren, weil sie ein anders gebautes Gehirn haben´, `Frauen können nicht reiten und Rad fahren, weil das der Gebärmutter schaden würde´ und so weiter.“

Das sind Scheiß-Beispiele, Barbara. Denn dabei geht es um Vorurteile (die übrigens so´nen Bart haben und vielleicht vor 150 Jahren eine Relevanz hatten), was Frauen angeblich nicht können. Bei Schmuck und Putz und dergleichen handelt es sich aber weder um Vorurteile noch um etwas, was man Frauen aufgezwungen hat. Niemand erwartet von einer Frau, daß sie sich schminkt oder Schmuck trägt. Ein gepflegtes Äußeres reicht; vielleicht nicht im Umfeld der Uni Bielefeld, aber in der normalen Welt. Das eine sind unhaltbare Behauptungen, das andere freiwillige Handlungen. Und 3 plus 3 ergibt nicht 12, Barbara, sondern 6. Da staunst du aber, was?

Desweiteren geht es auf vier Seiten dieses atemlose Delirieren immer so weiter. Ganz dicke Leseempfehlung, weil man/frau wunderschön studieren kann, was passiert, wenn die Synapsen in einem Hirn Amok laufen. Für den Fortgang dieses Textes besitzen sie jedoch keine Bedeutung, da sich Barbaras Wahnsinn nur wiederholt und sich steigert. Okay vier Bonmots noch:

„Schuhdesigner: Hört auf, Frauen zum Tragen unergonomischer Schuhe zu nötigen! Wenn im klassischen China Frauen die Füße verstümmelt wurden, weil Füße der Schuhgröße 30 als Schönheitsideal galten, würden wir das heute als Körperverletzung und Menschenrechtsverletzung sehen.“

„Politiker, Frauenminister: Droht mit der Regulierung der Modeindustrie! Erwägt Vorschriften, wonach Modefirmen gleich viele Artikel im Frauen- und im Männersortiment haben müssen und gleich viel Geld für deren Produktwerbung ausgeben müssen, oder bestenfalls um einen gewissen, anpassbaren Faktor von 1,5 oder 1,25 differierend.“

„Schulen: Verschärft eure Kleidungsvorschriften und zwingt Mädchen, ebenso viel von ihrem Körper zu bedecken wie Jungs.“

„Filmemacher: Produziert Filme mit Frauenfiguren, die nicht gut aussehen und trotzdem Sympathieträger sind.“

Ach, und Chirurgen: Verstümmelt die Gesichter, Titten und Mösen von schönen Frauen bei der nächsten OP! Orientiert euch am Modell der Arschgeigen von der Regierung. Jeder Frau muß das Recht zugestanden werden, genauso scheiße auszusehen wie die ganze Bagage dort.

Ehrlich, ZEIT, diesmal hast du dich selbst übertroffen, das ist over the Top! Vielleicht hatte ich Unrecht gehabt, und es war doch eine Superidee von dir, die gesamte Redaktion in die Psychiatrie zu verlegen.

KOBLENZ. Kommunen müssen zugewiesene straffällig gewordene Asylbewerber aufnehmen, auch wenn sie als rückfallgefährdet gelten. Das kommunale Selbstverwaltungsrecht werde dadurch nicht verletzt, urteilte das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz am Dienstag.

Die 20.000 Einwohner große Gemeinde Haßloch hatte sich zuvor mit einem gerichtlichen Eilantrag gegen die Zuweisung eines Asylbewerbers vom Landkreis Bad Dürkheim gewandt, der eine dreijährige Haftstrafe wegen mehrerer Sexualdelikte verbüßt hatte. Wegen Rückfallgefahr und besonderer Aggressivität aufgrund einer Psychose unterliegt der Asylsuchende besonderen Überwachungsmaßnahmen und der gerichtlich angeordneten Betreuung.

Psychiatrisches Gutachten empfiehlt Langzeitmedikament

Ein psychiatrisches Gutachten empfahl die Unterbringung in einer Männerwohngruppe unter der Voraussetzung, daß der Betroffene ein Langzeitmedikament gegen seine Psychose einnehme und sich regelmäßig einem Psychiater vorstellte.

Die Gemeinde Haßloch sah durch die zwangsweise Aufnahme des Mannes ihr kommunales Selbstverwaltungsrecht gefährdet und argumentierte, zum Schutz ihrer Einwohner stehe ihr ein Abwehrrecht zu. Das Oberverwaltungsgericht folgte dem jedoch nicht. Eine Gemeinde sei trotz des „verwaltungsgerichtlichen Rechtsschutzes nicht befugt, das Gemeinwohl ihrer Bürger geltend zu machen, sondern nur berechtigt, eigene Rechtspositionen gerichtlich zu verfolgen“, teilte das Gericht mit.

Weitere Maßnahmen nötig

Da der Asylantrag des Mannes inzwischen abgelehnt sei, komme eine Unterbringung in einer Aufnahmeeinrichtung des Landes nicht mehr in Betracht. Zudem habe die Stadt Bad Dürkheim bereits andere problematische Asylsuchende aufgenommen. Die Zuweisung nach Haßloch sei daher im Grundsatz nicht zu beanstanden.

Die Koblenzer Richter mahnten zudem weitere Prüfungen in dem Fall an. Das bisherige psychische Gutachten habe sich lediglich mit der Psychose, nicht aber mit den Straftaten des Betroffenen befaßt. Möglicherweise seien daher weitere Maßnahmen nötig, „um die Bevölkerung vor dem rückfallgefährdeten Asylbewerber ausreichend zu schützen“. (ls)

LONDON. Ein geheimes Abkommen hat mehreren hundert Kämpfern des Islamischen Staats (IS) die Flucht aus der syrischen Stadt Rakka ermöglicht. Der Deal sei von einigen lokalen Verbündeten der USA geschlossen worden, berichtete der britische Sender BBC am Montag. Washington sei über das Vorgehen informiert gewesen.

Die Dschihadisten wären demnach in einem acht Kilometer langen Buskonvoi aus der Stadt geflohen. So hätten sich rund 250 zum Teil ranghohe IS-Vertreter mit Waffen, Munition und ihren Familienangehörigen in Sicherheit bringen können.

Rakka’nın kirli sırları: BBC, ABD destekli SDG’nin IŞİD militanlarını tahliye için yaptığı anlaşmayı ortaya çıkardı. https://t.co/F0lY8EZOA4 pic.twitter.com/23cWAoWjMN

— BBC Türkçe (@bbcturkce) 14. November 2017

„Wir wollten eigentlich nicht, daß jemand entkommt“, zitiert die BBC den Sprecher der US-Koalition, Ryan Diller. Hier sei es aber um ein Grundprinzip der Strategie in dem Kampf gegen den IS gegangen. Um weiteres Blutvergießen zu verhindern, hätte sich die Koalition dem Wunsch ihrer Verbündeten gebeugt und nicht eingegriffen.

IS-Kämpfer setzen sich in die Türkei ab

Dem Bericht zufolge gelangten viele Extremisten in den Osten Syriens, andere setzten sich über die nahe Grenze in die Türkei ab. Menschenschmuggler hätten an der syrisch-kurdischen Grenze von einer merklichen Zunahme von Fluchtwilligen aus Rakka berichtet. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim (AKP) sprach von einer „Schande“ und warnte, der Abzug der Kämpfer lasse neue IS-Anschläge in der Türkei und im Westen wahrscheinlicher werden.

Rakka, eine Hochburg des Islamischen Staats, war im Oktober nach langen Kämpfen von den Syrischen Demokratischen Streitkräften (SDF) eingenommen worden. Die SDF ist ein Rebellenverband unter Führung der syrischen Kurden, der von den USA unterstützt wird.

Rußland wirft USA Kooperation mit dem IS vor

Ähnliche Vorwürfe machte am Dienstag auch das russische Verteidigungsministerium. So sei bei der Befreiung der syrischen Stadt Abu Kamal eine direkte Kooperation der USA mit der Terrormiliz IS nachweisbar. Demnach habe die amerikanische Luftwaffe russische Luftstreitkräfte daran gehindert, die aus der letzten IS-Hochburg Abu Kemal flüchtenden Terroristen anzugreifen.

Dabei hätten sich die US-Militärs auf das Genfer Abkommen berufen, das den Status von Kriegsgefangenen und Kombattanten regelt. Die Milizen hätten sich nach US-Angaben „freiwillig ergeben“, und seien deshalb wie Kriegsgefangene zu behandeln. Einen Beweis für die Vorwürfe legte das russische Ministerium nicht vor. (ha)

DRESDEN. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei seinem Antrittsbesuch in Sachsen zu einem entschlosseneren Kampf gegen Rechtsextremismus aufgerufen. Er wolle zwar nicht zu denjenigen gehören, die zur Stigmatisierung des Freistaats beitrügen und ein ganzes Land als „rechts und rassistisch“ diffamierten.

„Aber ich möchte auch die Befunde der Wissenschaft nicht verschweigen“, sagte Steinmeier am Dienstag in Dresden. Einzelne Vorfälle gebe es in allen Regionen Deutschlands, in Sachsen aber – in Dresden, Freital, Meißen, Clausnitz und Bautzen – sei die Summe das Problem.

„Harter Rechtsextremismus muß alle Demokraten auf den Plan rufen“

Dieses Problem müsse man klar benennen: „Harter Rechtsextremismus, wie er uns begegnet, wenn zum Beispiel alte Nazi-Ideologie wieder hochgeholt oder eine ‘Neue Rechte’ beschworen wird, muß alle Demokraten auf den Plan rufen“, forderte das Staatsoberhaupt. „Da kann man nicht schulterzuckend daneben stehen und zusehen.“ Er habe deshalb großen Respekt für die Initiative in Sachsen, die sich dagegen zur Wehr setzten und die Grundrechte der Verfassung verteidigten.

Steinmeier mahnte zudem an, alle Beteiligten müßten sich bemühen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Mißtrauen, Unzufriedenheit und „mancher Groll über kleinere und größere Ungerechtigkeiten“ dürfe nicht in absoluter Konfrontationshaltung enden. „PEGIDA und NOPEGIDA skandieren zwar regelmäßig gegeneinander, aber sie kommen nicht ins Gespräch. Der demokratische Streit, der inhaltlich dringend nötig wäre, findet hier einfach nicht statt“, beklagte der Bundespräsident. (krk)

Der Schock sitzt immer noch tief bei Achim Bergmann. Vor gut einem Monat fing sich der Chef des linken Verlags und Musiklabels Trikont einen knallharten Schwinger auf der Frankfurter Buchmesse ein.

Er hatte am Stand der JUNGEN FREIHEIT herumgepöbelt. Einem Zuhörer ging Bergmanns Krakele auf die Nerven, was er ihm auch deutlich mit einem „Halt doch die Fresse, du Idiot“ zu verstehen gab. Der 74jährige zeigte sich allerdings unbeeindruckt und reagierte mit einem ebenso wenig charmanten „Fick dich selber, du Idiot!“ Ein Wort („Arschloch“) ergab darauf das andere („Was willst Du?“), bis Bergmanns Kontrahent es plötzlich vorzog, die Fäuste sprechen zu lassen. So weit, so verurteilenswert.

„Das war ein Killerschlag“

Der Vorfall sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen. Nicht etwa, weil Bergmann einem größeren Publikum bekannt wäre, sondern weil er sich am Stand der JUNGEN FREIHEIT ereignete. Seitdem wird Bergmann nicht müde, sich als Opfer rechter Gewalt ins Licht zu setzen und gleichzeitig Werbung für seinen gerade 50 Jahre alt gewordenen Verlag zu machen.

Wie bei Anglern wird dabei allerdings das Erlebte in der Rückblende immer etwas aufregender und beeindruckender. Ähnlich wie sich eine kleine Teichforelle in der Erinnerung nach zehn Jahren in einen kapitalen Hecht verwandelt, bekam auch Bergmann nicht einfach nur einen Schwinger verpaßt, sondern wurde Opfer einer rechten Killermaschine. „Das war ein Killerschlag“, verriet er nun dem Tagesspiegel, der ihn da „niedergestreckt hat“.

„Mit voller Wucht und Killerinstinkt“ habe ihm der Schläger den „Kinnhaken“ versetzt, erzählte er der taz. Der Angreifer hätte ihn nicht nur zum Schweigen bringen wollen, sondern regelrecht ausknipsen. Er sei benommen gewesen, habe sich blutend vom Boden aufrappeln müssen. In einem Video berichtet Bergmann anschließend, er habe „geblutet wie ne Sau“. Ihm sei schwarz vor den Augen geworden. „Torkelnd und blutend“ habe er sich davon geschleppt, um Hilfe zu holen.

„Unterschwellig bedrohliche Atmosphäre“

Diese Aggressivität könne er nicht verstehen, wo doch die linksradikale APO-Szene für ihre Harmlosigkeit bekannt sei. Als er sich aus Versehen an den Stand der JF verirrt habe, sei dort von den anwesenden Zuhörern eine „unterschwellig bedrohliche Atmosphäre“ ausgegangen, schildert Bachmann seinen Frankfurter Horrortrip.

Deren Zorn habe er auf sich gezogen, weil er es gewagt habe, dem Referenten Karlheinz Weißmann und dessen Thesen über die 68er zu widersprechen. Dabei sei es doch die Pflicht eines jeden, Flagge zu zeigen, wenn „diskriminierende Reden“ öffentlich gehalten würden.

Nun wollte es der Zufall, daß die JF die Veranstaltung seinerzeit auf Video aufzeichnete, und – da Achim Bergmann dankenswerter Weise lautstark auf sein couragiertes Verhalten aufmerksam machte – auch den Übergriff des rechten Kampfninjas. Aber sehen Sie selbst (Vorsicht, das Video enthält brutale und verstörende Kampfszenen, Menschen mit sanftem Gemüt wird daher geraten, es besser nicht anzuschauen):

(krk)

 

 

ABU DHABI. Der Kulturminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat Deutschland aufgefordert, seine Moscheen stärker zu kontrollieren. „Man kann nicht einfach eine Moschee öffnen und jedem erlauben, dorthin zu gehen und zu predigen. Es muß eine Lizenz dafür geben“, sagte Scheich Nahjan Mubarak Al Nahjan der Nachrichtenagentur dpa.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern hätten sich Muslime radikalisiert, weil die Gotteshäuser und Gemeindezentren nicht stark genug von den Behörden kontrolliert würden. „Wir haben immer unsere Hilfe angeboten, wir haben immer angeboten, Menschen auszubilden“, verdeutlichte der Minister. Bis heute sei sein Land aber nicht um Hilfe aus Europa gebeten worden.

Verfassungsschutz beobachtet zahlreiche Moscheen

In den autoritär regierten Emiraten am Golf stehen die Moscheen unter umfassender Kontrolle, die damit radikalen Tendenzen vorbeugen wollen. Durch die Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten des Landes konnten demzufolge auf diese Weise größere Anschläge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Vergangenheit verhindert werden.

In Deutschland beobachtet der Verfassungsschutz zahlreiche Moscheen. Die Fussilet-Moschee in Berlin galt als Anlaufpunkt für den Islamisten Anis Amri. Sie wurde nach dem Terroranschlag des Tunesiers auf einen Berliner Weihnachtsmarkt von den Behörden geschlossen. (ha)

G20-Plünderer zur Bewährung verurteilt

On November 14, 2017, in Junge Freiheit, by admin

HAMBURG. Erstmals ist ein Plünderer während der Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg verurteilt worden. Das Hamburger Amtsgericht sprach einen zur Tatzeit 18jährigen, inzwischen 19 Jahre alten Mann am Montag unter Ausschluß der Öffentlichkeit des schweren Landfriedensbruchs schuldig. Weil das Gericht den Fall unter Jugendstrafrecht stellte, setzte es die zweijährige Haftstrafe zur Bewährung aus.

Durch die Plünderungen und Zerstörungen in einem Supermarkt sowie die daraus folgenden Umsatzeinbußen war ein Gesamtschaden von rund 1,7 Millionen Euro entstanden. Der junge Mann hatte sich als Teil einer Gruppe Vermummter zunächst gewaltsam Zutritt zu dem Gebäude verschafft, wobei der Beschuldigte mit einer Gehwegplatte eine Scheibe einschlug. Danach plünderten und verwüsteten die Randalierer den Laden.

Beschuldigter war zur Tatzeit obdachlos 

Als Bewährungsauflage verfügte der Richter 60 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine Kooperation mit dem Jugendamt. Zudem muß er zunächst bei seiner Mutter und danach möglicherweise in einer Jugendwohnung leben. Zuletzt war der Mann obdachlos.

Das Gericht berücksichtigte bei seinem Urteil unter anderem die viermonatige Untersuchungshaft und die Selbstanzeige wenige Tage nach der Tat. Er hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht im Fokus der Ermittler gestanden. Außerdem befand der Richter, der junge Mann habe sich zur Tatzeit in einer akuten Lebenskrise befunden. (ls)

SAN FRANCISCO. Ein US-Berufungsgericht hat die Einreisebeschränkungen von Präsident Donald Trump für teilweise rechtens erklärt. Demnach dürfen Bürger aus sechs überwiegend moslemischen Ländern nur dann einreisen, wenn sie eine „enge familiäre Verbindung“ in die USA nachweisen können, teilte das Gericht in San Francisco am Montag mit.

Betroffen sind Einwohner aus dem Tschad, Iran, Jemen, Libyen, Somalia und Syrien. Gleichzeitig betrifft die Sperre auch Nordkoreaner sowie einige venezolanische Regierungsmitarbeiter und deren Familienmitglieder. Die Regierung werde damit beginnen, die Reiseregelung durchzusetzen, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums. Die US-Administration glaube jedoch, „daß die Proklamation in ihrer Gesamtheit wirksam werden sollte“.

Das Gericht in Kalifornien kassierte damit eine Entscheidung der Vorinstanz. Kurz vor dem Inkrafttreten der mittlerweile dritten Version der Einreisebeschränkungen hatte ein Richter auf Hawaii Trumps Pläne vorübergehend auf Eis gelegt. Die Anordnung diskriminiere Menschen aufgrund ihrer Nationalität, hieß es in dem Urteil. Das Weiße Haus kritisierte diese Entscheidung. In Maryland hatte ein Richter die Maßnahme ebenfalls für unrechtmäßig erklärt. (ha)

HAMBURG. Der Verband der Internetwirtschaft Eco hat die FDP für ihren Schwenk beim Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) in den Jamaika-Sondierungsgesprächen kritisiert. FDP-Chef Christian Lindner habe sich im Wahlkampf „klar und eindeutig“ gegen das NetzDG ausgesprochen und angekündigt, dagegen zu klagen, sagte Eco-Vizechef Oliver Süme dem Handelsblatt.

„Wir nehmen die FDP hier weiterhin beim Wort und erwarten eine klare Positionierung für die Abschaffung dieses Gesetzes“, mahnte Süme. Die in den Sondierungen vertretene Ansicht der FDP, das als Anti-Haß-Gesetz bekanntgewordene Regelwerk lediglich „grundlegend“ zu ändern, sehe er kritisch.

Kein Bedarf an gesetzlicher Regelung

„Die Teile, die die FDP nun auf einmal als erhaltenswert beurteilt, beispielsweise den Zustellungsbevollmächtigten, bedürfen keiner eigenen gesetzlichen Regelung.“ Der Verband halte das Gesetz für „grundsätzlich falsch“, da es die Verantwortung weg vom Staat, hin zu privaten Unternehmen verschiebe und damit außerhalb der Justiz eine Zensurinstanz schaffe.

Die vorgesehenen hohen Bußgelder führten außerdem dazu, „daß im Zweifel auch rechtmäßige Beiträge gelöscht werden“. Auch Nichtregierungsorganisationen wie „Reporter ohne Grenzen“ und die „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ setzen darauf, daß das Netzwerkdurchsetzungsgesetz von einer Jamaika-Regierung weitgehend außer Kraft gesetzt wird.

FDP warb mit „NetzDG stoppen“

Die FDP hatte im Wahlkampf mit dem Slogan „NetzDG stoppen“ für sich geworben und stellte sich gegen das maßgeblich von Justizminister Heiko Maas (SPD) geprägte Gesetz. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer kündigte an: „Wir werden alles daran setzen, daß es das Gesetz mit der kürzesten Gültigkeitsdauer wird.“

Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Youtube sind seit Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Oktober dazu verpflichtet, „offensichtlich“ rechtswidrige Inhalte innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Ansonsten drohen empfindliche Geldbußen von bis zu 50 Millionen Euro. (ls)

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