MÜNCHEN. Unbekannte Täter haben in München zum wiederholten Male Autos und Häuser mit linksextremen Parolen beschmiert. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden 94 Objekte rund um die Waldhornstraße mit Botschaften wie „Tod allen Yuppies“, „Kapitalisten köpfen“ oder „Deutschland muß sterben“ besprüht, teilte die Polizei der bayerischen Landeshauptstadt mit.

Mittlerweile seien über 500 Objekte von den Sprayattacken betroffen. Der Gesamtschaden belaufe sich auf mehrere hunderttausend Euro.

Sprayer halten München seit Wochen in Atem

Aufgrund von Übereinstimmungen bei den gesprühten Texten geht die Polizei von derselben Tätergruppe aus wie bei den Sachbeschädigungen der vorausgegangenen Wochenenden.

Begonnen hatte die Serie Anfang September im Münchner Osten im Stadtteil Denning. Dort beschmierten Unbekannte 37 Fahrzeuge und Häuser mit einer Lackfarbe. Erst in der vergangenen Woche beschädigten die Täter 69 Objekte im Münchner Stadtbezirk Trudering-Riem, darunter Garagenwände und mehr als 20 Autos. (ha)

ROTTERDAM/LONDON. Der Kosmetikhersteller Dove hat sich für einen als rassistisch kritisierten Werbespot entschuldigt. Frauen mit schwarzer Hautfarbe seien in dem Clip nicht angemessen gezeigt worden. „Wir bedauern zutiefst den Ärger, der dadurch verursacht wurde“, teilte Dove auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit und löschte die Werbung von seiner Facebook-Seite in den Vereinigten Staaten.

An image we recently posted on Facebook missed the mark in representing women of color thoughtfully. We deeply regret the offense it caused.

— Dove (@Dove) October 7, 2017

In dem drei Sekunden langen Video war eine dunkelhäutige Frau zu sehen, die ihr T-Shirt auszieht. Anschließend ist eine weiße Frau zu sehen, die ebenfalls ihr Hemd auszieht, woraufhin eine andere weiße Frau mit dunklen Haaren erscheint. Viele Internetnutzer monierten, der Spot sei rassistisch.

„Schwarze Körper sind nicht automatisch dreckig“

Es entstünde der Eindruck, daß sich Schwarze mit dem beworbenen Duschgel weiß waschen könnten. Andere fanden, die Werbung suggeriere, daß Schwarze dreckig seien. „Ein sauberer Körper ist nicht ein weißer Körper, und schwarze Körper sind nicht automatisch dreckig“, schrieb etwa die Soziologin Abigail Sewell. „Das Marketing-Team von Dove ist absolut rassistisch“, meinte sie und kündigte an, Dove-Produkte künftig zu boykottieren.

Uh-oh. Looks like the @Dove campaign was taken out of context.

Here is the full video: pic.twitter.com/KA57Iuahi0

— TMCS (@TheMoChunksShow) October 9, 2017

Das niederländisch-britische Unternehmen sprach von einer mißglückten PR-Maßnahme. „Die Werbung sollte zeigen, daß das Duschzeug von Dove für jede Frau gedacht ist, es sollte ein Fest der Vielfalt sein, aber wir haben es falsch gemacht und im Ergebnis viele Menschen beleidigt“, sagte Sprecherin Marissa Solan der New York Times. (ls)

BERLIN. Die AfD hat nach der Kritik des Friedrichstadt-Palast-Theaters an ihrer Partei gefordert, dem Haus die Mittel zu kürzen. Gut zwölf Prozent der Zuschüsse sollen in den kommenden beiden Jahren gesperrt werden, sagte der Berliner AfD-Abgeordnete Dieter Neuendorf laut der Nachrichtenagentur dpa am Montag bei den Haushaltsberatungen im Kulturausschuß des Abgeordnetenhauses.

Theaterintendant Berndt Schmidt solle damit Gelegenheit gegeben werden, sein Demokratieverständnis zu überdenken, begründete Neuendorf den Vorstoß. Schmidt hatte in einer E-Mail an seine Mitarbeiter geschrieben, er werde sich künftig „noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent unserer potentiellen Kunden im Osten abgrenzen“. Wer am 24. September für die AfD stimmte, habe „auch Nazis in den Bundestag“ gewählt. Nach einer Protestaktion der AfD sagte Schmidt, er sei missverstanden worden. „Ich möchte niemanden ausgrenzen, sondern mich lediglich von Rassisten abgrenzen und meine Mitarbeiter schützen, die nicht deutsch aussehen, aber Deutsche sind.“

Neuendorf warf Schmidt Stigmatisierung vor. „Wer anderen den Diskurs verweigert, beweist einen zutiefst undemokratischen Geist.“ SPD und Grüne wiesen die Anschuldigungen zurück. Die AfD bewege sich „hier außerhalb unseres demokratischen Konsenses“, sagte der Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener. (ls)

DRESDEN. Unbekannte haben in der Nacht zum Sonntag die Dresdner Frauenkirche am Neumarkt mit einem Graffiti besprüht. Die Täter malten laut Angaben der sächsischen Polizei mit weißer Farbe den Spruch „Bomber Harris was here“ an die Fassade neben dem Eingang.

Die Schmiererei ist etwa fünf Meter lang und zwei Meter breit. Nachdem Mitarbeiter der Stiftung Frauenkirche den Schaden feststellten, deckten sie den Schriftzug mit einer Plane ab. Zudem ist die betroffene Stelle bis zur vollständigen Reinigung der Fassade abgesperrt.

Auf die Frauenkirche in Dresden wurde ein Farbanschlag verübt. https://t.co/pxGIQAyIbO pic.twitter.com/Dc3PouptyJ

— TAG24 Dresden (@TAG24DD) 9. Oktober 2017

Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf rund 1.000 Euro. Da es sich um eine politisch motivierte Tat handeln könnte, hat zunächst die Kripo den Fall übernommen.

Hohn für die Opfer der britischen Luftangriffe

Bereits 2015 hatten sich zwei Femen-Mitglieder mit nacktem Oberkörper und der Aufschrift „Thanks Bomber Harris“ in Dresden fotografieren lassen. Aufgenommen wurde das Foto mutmaßlich am 13. Februar während linkextremer Proteste in der sächsischen Landeshauptstadt. (https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2014/femen-distanzieren-sich-von-linksextremisten/)

„Bomber Harris“ ist der inoffizielle Spitzname des britischen Luftwaffengenerals Arthur Harris, der im Zweiten Weltkrieg für die Flächenbombardierung deutscher Städte verantwortlich war. Bei einem von ihm angeordneten Luftangriff auf Dresden wurden im Februar 1945 weite Teile des Stadtgebietes zerstört, wobei auch die Frauenkirche ausbrannte. Nach offiziellen Angaben starben bei den Angriffen etwa 25.000 Menschen. Frühere Schätzungen gingen teilweise von Zahlen im sechsstelligen Bereich aus. (ha)

Gehaßt, verleugnet, geliebt, verehrt

On October 9, 2017, in Junge Freiheit, by admin

In Zeiten von Masseneinwanderung und Globalisierung wächst der Drang nach Vertrautem, das Halt gibt – und man besinnt sich auf die eigenen Wurzeln. Mit dem Einzug der AfD in den Bundestag ist nun in der Politik und den Feuilletons eine neue Debatte um den Begriff „Heimat“ entbrannt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit, man dürfe die Sehnsucht der Bürger nach Heimat nicht denen überlassen, die daraus ein „‘wir gegen die’, als Blödsinn von Blut und Boden“ konstruierten. „Verstehen und verstanden werden“ – das sei Heimat, definiert Steinmeier sein Verständnis des Begriffs. „Heimat ist der Ort, an dem das ‘Wir‘ Bedeutung bekommt.“

Grüne entdecken Heimatliebe

Und auch die Grünen haben ihre vermeintliche Liebe zur Heimat entdeckt, für die sie – ganz zum Ärger des eigenen Politnachwuchses – plötzlich kämpfen wollen.

Die Heimat schien als Begriff von gestern zu sein, schreibt Friedhard Teuffel im Tagesspiegel: „eng, kitschig und anziehend für Rechtsradikale“. Doch es gebe gute Gründe, sich ihr neu anzunehmen.

Die JUNGE FREIHEIT ist bereits 2013 der Sehnsucht vieler Deutschen nach Heimat in einer eigenen Serie nachgegangen. Redakteure aus den verschiedensten Regionen Deutschlands beantworteten teils in sehr persönlichen Zeilen, was Heimat für sie bedeutet. Wir haben die Kolumnen aus aktuellem Anlaß nochmals zusammengestellt.

Dieter Stein (Süddeutschland): Mein geliebtes Icking

Marcus Schmidt (Hamburg): Hamburg meine Perle

Christian Dorn (Halberstadt): „Falsch erlebt“

Thorsten Brückner (Franken): Mein Dorf hat sich verändert

Henning Hoffgaard (Berlin): Der Umgangston ist rauh, aber herzlich

Christian Rudolf (Hamburg): Märchenwelt und Gottestdienste

Christian Vollradt (Braunschweiger Land): Zischen Harz und Heide

Matthias Seegrün (Berlin): Der Duft der Sylter Rosen

Curd-Thorsten Weick (Peiner Land): In die Ferne schweifen

Ronald Gläser (Berlin): Von Möwen, Enten, Wildschweinen und Füchsen

Matthias Bäkermann (friesische Nordseeküste): Am Deich

Thorsten Thaler (Berlin): Billard im Werkzeugkeller

Moritz Schwarz (Schwaben): Daheim im schwäbischen Arkadien

Hinrich Rohbohm (Altes Land): Weiß und rosa

Felix Krautkrämer (Südbaden): Der Blick ins Tal

Jörg Fischer (Thüringen): Eduard Gaeblers Schulwandkarte

Anni Mursula (Finnland): Heimat

BARCELONA. In der katalanischen Hauptstadt Barcelona haben Hunderttausende gegen die Unabhängigkeit der Region demonstriert. Teilweise in spanische Flaggen gehüllt sangen die Demonstranten am Sonntag „Viva España“ und forderten die Festnahme des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont.

Auch aus anderen Regionen waren Teilnehmer mit Bussen und Zügen angereist. Laut Polizeiangaben haben rund 350.000 Personen an der Demonstration teilgenommen, die Veranstalter sprachen von 950.000. Ein Bündnis gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen hatte zu der Kundgebung unter dem Motto „Es reicht! Laßt uns zurückkehren zur Vernunft“ aufgerufen, berichteten die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters.

Stimmung gegen Regionalpräsident Puigdemont bei der Kundgebung in #Barcelona: „Puigdemont ins Gefängnis.“ pic.twitter.com/z5mJYs8Y1V

— Josef Manola (@JoManola) October 8, 2017

Zur Unabhängigkeitserklärung bereit

Puigdemont drängte Madrid im Anschluß erneut zum Dialog und deutete an, zu einer Unabhängigkeitserklärung bereit zu sein, sollte die spanische Zentralregierung nicht auf Vermittlungsvorschläge eingehen. „Wenn der spanische Staat nicht auf positive Weise reagiert, werden wir das tun, wozu wir hergekommen sind“, sagte er am Sonntag dem katalanischen Fernsehen. „Wir haben die Tür zu einer Vermittlung geöffnet, wir haben ‘Ja’ gesagt zu allen uns präsentierten Vermittlungsmöglichkeiten.“

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte zuvor damit gedroht, die Autonomie Kataloniens auszusetzen und eine Abspaltung zu verhindern. „Die Regierung wird sicherstellen, daß jede Unabhängigkeitserklärung zu nichts führen wird“, sagte Rajo am Sonntag der spanischen Zeitung El País. Sollte die Regionalregierung ihren separatistischen Kurs nicht aufgeben, schließe er nicht aus, Katalonien die Teilautonomie zu entziehen. Eine Vermittlung lehnte er ebenso ab wie Neuwahlen.

Unternehmen ziehen weg

In der Zwischenzeit haben mehrere Konzerne angekündigt, ihren Firmensitz zu verlegen. Spaniens größte Sparkasse, La Caixa, gab den Umzug von Barcelona nach Valencia bekannt. Das Versorgungsunternehmen Gas Natural beschloß, mit dem Firmensitz nach Madrid zu wechseln. Auch die Banco Sabadell werde ihren Hauptsitz demnächst verlegen.

Die Regierung in Madrid hatte am Freitag ein Gesetzesdekret beschlossen, das bürokratische Hindernisse bei der Verlegung des Firmensitzes ausräumen soll. Künftig entscheiden allein die Firmenvorstände darüber. Die Aktionäre müssen nicht dazu befragt werden. (ls)

WARSCHAU. Zehntausende Katholiken haben sich am Samstag an Polens Außengrenzen versammelt, um ein gemeinsames Rosenkranzgebet abzuhalten. Nach Angaben der Warschauer Stiftung Solo Dios Basta (Gott allein genügt), die zur Andacht aufgerufen hatte, waren 4.000 Orte in die Aktion „Rosenkranz an der Grenze“ involviert. Die Stiftung geht dabei von rund 150.000 Gläubigen aus, die für die „Rettung Polens und der Welt“ beteten.

Polens Regierungschefin Beata Szydlo (Recht und Gerechtigkeit), die als sehr gläubig gilt, zeigte sich bei Twitter mit den Teilnehmern der Initiative solidarisch.

Pozdrawiam wszystkich uczestników #rozaniecDoGranic pic.twitter.com/fe9obLqBiO

— Beata Szydło (@BeataSzydlo) 7. Oktober 2017

Co-Organisator Maciej Bodasinski sprach von einer „Gruppe von gewöhnlichen Menschen, die hier etwas nie Dagewesenes auf die Beine gestellt haben“. Über 300 Kirchengemeinden seien beteiligt, 22 Diözesen eingebunden. „Das war eine ungeheure Arbeit“, sagte Bodasinski.

Gleichzeitig warnte er vor einer Gefahr, die kaum absehbar sei. „In dieses geistlich so schwache Europa kommt eine neue Zivilisation in einem seit vielen Jahrhunderten ungekannten Ausmaß. Das bedroht unsere Zivilisation. Denn geistlich viel stärkere Menschen nehmen Raum ein und dominieren schon an manchen Orten.“

Jahrestag der Schlacht von Lepanto

Auch die polnische Bischofskonferenz hatte sich am Aufruf zu den Gebeten an den Grenzen von Deutschland, der Ukraine, Weißrussland sowie an der Ostsee und auf den Gipfeln der Karpaten beteiligt. In einer live im katholischen Sender Radio Maryja übertragenen Messe erklärte Krakaus Erzbischof Marek Jedraszewski, er bete „für die anderen europäischen Nationen, damit sie die Notwendigkeit verstehen, zu den christlichen Wurzeln zurückzukehren, damit Europa Europa bleibt“.

Die Aktion fand am Tag des Fests „Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“ statt, das seit der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 gefeiert wird. Damals hatte ein Bündnis christlicher Länder vor Griechenland die Flotte des osmanischen Reiches besiegt und „Europa vor der Islamisierung“ gerettet, wie die Stiftung in ihrem Aufruf erklärte.

Die Organisatoren wiesen die Vorwürfe zurück, es handle sich um eine islamophobe Aktion. Das Gebet richte sich nicht gegen jemanden, sondern sei ausschließlich religiös motiviert. Die Grenze diene lediglich als symbolischer Ort, um das Gebet hinaus in die Welt zu tragen. (ha)

Putin weitet seinen Einfluß aus

On October 9, 2017, in Junge Freiheit, by admin

Bei allem Fanatismus, es gibt noch Realpolitik im Nahen Osten. Ein Beispiel dafür liefert ausgerechnet der saudische König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud. Sein Besuch in Moskau, der erste eines saudischen Monarchen in dieser Hauptstadt der Ungläubigen, kann zu Recht als Meilenstein bezeichnet werden, wie Putin das auch tat. Die beiden haben offenbar gemeinsame Interessen ausgemacht, die über die aktuelle Lage hinausgehen.

Putin ist der dominierende Einfluß der iranischen Mullahs auf das Regime Assad ein Dorn im Auge. Er traut den Iranern nicht. Gegenwärtig verhindert er bei der Endschlacht gegen den Islamischen Staat, daß die Mullahs eine Landverbindung von Teheran bis ans Mittelmeer aufbauen und den Schiiten-Raum ausdehnen. Das will auch Riad verhindern.

Putin ist der Gewinner der Lage

Die Russen wollen mehr als nur im Assad‘schen Alawitengebiet ihren Flughafen in Latakieh und ihren Tiefseehafen in Tarsus absichern, sie wollen auch Gestaltungsmacht in der Region erlangen oder wenigstens mitreden, wenn nach der Eroberung der letzten Hochburgen des IS die Karten in Syrien und im Irak neu verteilt werden. Salman öffnet Putin dafür eine kleine Tür und zeigt gleichzeitig Washington, daß Riad auch in andere Richtungen allianzfähig ist.

In diesem Sinn sind auch die (unbedeutenden) Waffenkäufe zu verstehen. Sie sind ein Signal. Wichtig ist für die Saudis, daß die schiitischen Todfeinde im Iran regional eingedämmt werden. Amerikas Schwanken gegenüber dem Iran macht sie unsicher.

Putin ist der Gewinner der Lage. Er redet mit allen, mit Erdogan, den Israelis, mit Assad, den Iranern und jetzt mit den Saudis. Selbst mit den Kurden ist er im Gespräch. Er hat das Vakuum genutzt, das Obama hinterlassen hatte und das Trump bisher nicht in der Lage war neu zu füllen. Ohne militärische Präsenz läßt sich in diesem Raum eben keine Real-Politik machen.

De Gaulles Wort vom „Schwert als Achse der Welt“ trifft auf keine andere Region so schneidend zu wie in Nahost. Als angenehmes Kollateral-Ergebnis kann man die Absprachen über die Ölproduktion und damit den Ölpreis betrachten. Davon werden beide profitieren. Und die Europäer werden zahlen.

BERLIN. Die Grünen haben die Übereinkunft von CDU und CSU für eine Begrenzung des Flüchtlingszuzugs als nicht tragfähig kritisiert. „Die Einigung atmet den Geist eines Formelkompromisses, über den beiden wissen, daß er nicht länger halten muß, als bis zum nächsten Gespräch mit FDP und Grünen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckart der Nachrichtenagentur dpa.

Die „eintätige Krisensitzung“ habe gezeigt, daß die Einheit der Union vor der Bundestagswahl nur eine Inszenierung gewesen sei. Immerhin hätten sie nun einen ersten Schritt getan, um verhandlungsfähig zu werden. Auch Grünen-Chefin Simone Peter lehnte den Kompromiß ab. „Das ist eine Einigung zwischen CDU und CSU und noch lange nicht das Ergebnis der Jamaika-Sondierung“, mahnte sie gegenüber der Nachrichteagentur Reuters.

Ausnahmen nach oben möglich

CDU und CSU hatten sich am Sonntag nach einem mehrmonatigen Streit über eine Flüchtlings-Obergrenze auf das Ziel geeinigt, in kommende Sondierungsgespräche mit FDP und Grünen mit der Forderung zu gehen, maximal 200.000 Personen pro Jahr aufzunehmen. In Sondersituationen sei eine Ausnahme möglich. Auch künftig soll niemand abgewiesen werden, der an der deutschen Grenze um Asyl bittet.

In einer der dpa vorliegenden Endfassung der Einigung heißt es: „Wir wollen erreichen, daß die Gesamtzahl der Aufnahmen aus humanitären Gründen (Flüchtlinge und Asylbewerber, subsidiär Geschützte, Familiennachzug, Relocation und Resettlement, abzüglich Rückführungen und freiwillige Ausreisen künftiger Flüchtlinge) die Zahl von 200.000 Menschen im Jahr nicht übersteigt.“

„Subsidiär Geschützte“ sind Einwanderer mit eingeschränktem Schutzstatus, „Relocation und Resettlement“ meint die gesteuerte Umverteilung von Asylsuchenden. In dem Kompromiß nicht eingerechnet ist die Zuwanderung von Arbeitskräften oder EU-Ausländern.

Flüchtlinge sollen in „Entscheidungs- und Rückführungszentren“ bleiben

Um die Obergrenze einzuhalten, sollen Flüchtlinge zunächst in „Entscheidungs- und Rückführungszentren“ bleiben, bis über ihre Verfahren entschieden ist. Vorbild dafür seien entsprechende Einrichtungen in den bayerischen Städten Manching und Bamberg sowie im baden-württembergischen Heidelberg.

Überdies soll die Liste der sicheren Herkunftsländer erweitert, der Familiennachzug von subsidiär geschützten Einwanderern ausgesetzt und die Abschiebungen von Ausreisepflichtigen erweitert werden. In Ausnahmesituationen könnten Bundesregierung und Bundestag eine Anpassung nach unten oder oben beschließen. Für die Einwanderung in den Arbeitsmarkt soll ein „Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz“ erarbeitet werden. Diese Zuwanderer würden nicht in die gesetzte Begrenzung von 200.000 fallen.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zeigte sich „sehr zufrieden“ über die Lösung und wies die Kritik des potentiellen Regierungspartners zurück. „Die Grünen müssen endlich einmal zur Realität zurückkehren“, sagte Scheuer im ZDF-„Morgenmagazin“. In der nächsten Koalition werde es einen „Realitätsverlust mit offenen Grenzen – jeder kann zu uns kommen ohne Regel“ nicht mehr geben. „Und das müssen sich die Grünen überlegen, ob sie da springen.“ (ls)

Die spanischen Konservativen von Premier Rajoy haben de Gegner der Unabhängigkeit Kataloniens mobilisiert.

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