Junge Freiheit legt zu

On April 22, 2015, in Pauke, by admin

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Mittelmaß (22.4.2015)

Michael Winkler, der Mann mit Visionen

Michael Winkler, der Mann mit Visionen

In früheren Zeiten, also vor 30 bis 50 Jahren, wurden wichtige Straßen mit einer kleinen Zeremonie eröffnet: Der Bundes- oder Landesverkehrsminister erschien leicht verspätet, eine Blasmusik-Kapelle, gerne in Tracht, intonierte ein wenig Marschmusik. Unter dem Beifall lokaler Größen – Landrat, Bürgermeister, Stimmkreisabgeordneter – durchschnitt der Minister nach einem Grußwort ein Band in Bundes- oder Landesfarben und wünschte allzeit gute Fahrt. Eventuell gab es noch einen kleinen Autokorso der Prominenz, dann herrschte freie Fahrt für freie Bürger.

Das Ritual läuft heute ein wenig anders ab. Bundespräsident, Ministerpräsident, Verkehrsminister und Finanzminister erscheinen, und alle, wirklich alle, auch die Abgeordneten, Landräte und Bürgermeister, haben nun Scheren dabei. Das Sperrband wird nicht mehr durchgeschnitten, sondern zerstückelt. Alle sind unglaublich wichtig, so wichtig, daß sie alle zusammen den Weg vom Wertstoffhof zur Sondermüll-Deponie zu gemeinsamer Hand eröffnen müssen. Und ja, das hat sogar seine Berechtigung.

Es hat sie mal gegeben, die kleinen Dorfbürgermeister, die in ihrem Dorf alles und außerhalb nichts gekannt haben. Da war der Herr Minister ein Stück der großen weiten Welt, die man sonst nur auf dem Schwarz-Weiß-Fernseher bewundern durfte. Damals soll es auch noch Landtagsabgeordnete vom Typ Josef Filser gegeben haben, aber das ist lange her. Man mag über diese Leute lächeln, doch sie verdienen im Gegenteil unseren Respekt, da sie sich für ihr Gebiet und ihre Mitmenschen wirklich eingesetzt haben, anstatt auf jede Gelegenheit zu achten, weiter in der Hierarchie aufzusteigen.

Wobei das Wort “Hierarchie” ursprünglich Priesterherrschaft bedeutet hatte. Die Priester hatten eine klare Rangordnung, vom Novizen bis hinauf zum Hohepriester, und genau dieser Rangordnung verdankt es das Wort, daß es heute synonym mit “Rangordnung” benutzt wird. Wobei die Priester bereits das System des Mittelmaßes eingeführt haben. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Oberpriester, der Leiter eines Priesterseminars, also das, was bei den Katholiken “Regens” heißt. Nun stellen Sie fest, daß unter Ihren Novizen ein neuer Josef Ratzinger ist, ein scharf denkender und scharfzüngiger glaubensfester Theologe, der noch weit davon entfernt ist, altersmilde zu werden. Also im Prinzip das Material, aus dem Hohepriester geschnitzt sein sollten, bei den Katholiken werden die “Papst” genannt. Jetzt ist es Ihre Entscheidung, ob Sie den jungen Mann fördern wollen oder eben unterdrücken, damit der später nicht Ihr Chef wird. Aus einem Regens wird des öfteren ein Bischof, und mit einem tüchtigen Sekretär an Ihrer Seite prädestinieren Sie sich für höhere Aufgaben. Wenn allerdings herauskommt, daß nicht Sie, sondern Ihr Sekretär der brillante Kopf ist, landet der in Rom und wird Kirchenfürst…

Die Priester haben damit angefangen, da ihr weltliches Gegenstück, der Adel, ein zu starres System gewesen war. Der Sohn eines Ritters konnte davon ausgehen, ebenfalls Ritter zu werden. Die Würde eines Grafen lag außerhalb seiner Möglichkeiten, da mußte er schon seinem Kaiser eine Schlacht gewinnen oder das Leben retten, um aufzusteigen. Und der Sohn eines Leibeigenen hatte praktisch keinerlei Möglichkeit, im Feudalsystem aufzusteigen.

Die Demokratie hat das geändert. In der Theorie kann der Bauernjunge zum Bundeskanzler aufsteigen, so er dazu befähigt ist. In der Praxis sieht das anders aus. Da muß der Bauernbengel sich erst mal in der Partei bewähren. Abitur und Hochschule sind ratsam, ohne geht es auch, aber das sind längst die Ausnahmen. In der Partei beginnt die Hierarchie. Sie sind Ortsvorsitzender und eine überaus fähige junge Frau tritt in Ihre Partei ein. Dank Frauenförderung und Frauenquote wissen Sie, die Dame wird es weit bringen. Sehr weit, auf jeden Fall weiter als Sie. Ihr Ortsverband ist nicht allzu groß, bei der Pöstchenverteilung steht Ihnen gerade ein Stadtrat zu – allenfalls können Sie noch einen zweiten Kandidaten auf einem aussichtslosen Listenplatz unterbringen. Wollen Sie wieder in den Stadtrat? Ja? Nun, dann müssen Sie die junge Dame ausbremsen. Sobald sie sich auf der nächsthöheren Parteiebene profiliert, sind Sie abgemeldet. Selbst als Zählkandidatin wird sie zur Gefahr, weil so das Auge der Parteioberen auf sie fällt… Nehmen Sie besser einen mittelmäßigen Parteifreund, und lassen Sie die junge Dame für sich und den Ortsverein arbeiten.

Das ist die reguläre, die menschliche Entscheidung, die jeder Funktionsträger treffen wird. Überholt die Dame den Ortsvorsitzenden, gelangt sie an den Kreisvorsitzenden. Da geht es um Kandidaten zum Bezirkstag, zum Landtag und zum Bundestag. Freiwillig verzichtet keiner. Lassen wir die Dame zum “Kompetenzteam” eines Abgeordneten stoßen. Ist dieser Abgeordnete jung, muß er für die nächsten Jahrzehnte verhindern, daß die fähige Dame seinen Stuhl absägt. Ist er älter, hat seinen Ruhestand vor sich, beginnen jene Parteifreunde das Hauen und Stechen, die sich selbst Chancen auf die Nachfolge ausrechnen.

Im Endeffekt werden die fähigen Leute abgenutzt und verschlissen, die unfähigen zwar durchgezogen, aber ohne Chance auf den Aufstieg. Dem Abgeordneten folgt demnach ein mittelmäßiger Parteifreund nach. Nur so ein Mittelmäßiger ist keine Gefahr für die Herrschaften weiter oben, die gerne Staatssekretäre und Minister bleiben wollen. Umgekehrt sind die untergeordneten Parteimitglieder nicht daran interessiert, starke Führungspersönlichkeiten an der Spitze zu haben. Ein starker Parteichef hält in der einen Hand die Zügel und in der anderen die Peitsche, was dazu führt, daß die Unterlinge sich ranhalten müssen. Bei einem schwachen Parteivorsitzenden bestimmen die Unterlinge, wo’s lang geht. Im Sinne der eigenen Macht sind diese Mittelmäßigen daran interessiert, daß sie eine mittelmäßige Führung bekommen.

Wobei dieses Verfahren hin und wieder daneben geht. Als die Prätorianer sich des Kaisers Caligula entledigt hatten, haben sie hinter einem Vorhang versteckt einen stotternden und hinkenden Volltrottel namens Claudius gefunden. Sie hatten die Eingebung, daß es Prätorianer nur weiterhin geben würde, wenn es auch einen neuen Kaiser gibt, und diesen Claudius zum Kaiser ausgerufen. Claudius hat sich als überraschend fähiger Kaiser entpuppt und dem Römischen Reich eine ruhige Phase der Prosperität zwischen Caligula und Nero beschert. Auf einen solchen Claudius warten wir in Merkeldeutschland seit Jahrzehnten und leider vergeblich.

Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, die doch einmal eine fähige Person an die Spitze gelangen läßt: eine verheerende Wahlniederlage. Dann fürchten alle Parteifreunde um ihre Pöstchen und sind tatsächlich bereit, einen starken Boß zu wählen. Leider kann ich dafür kein Beispiel anführen, vermutlich sind die Parteien in diesem Land bereits derart in der Mittelmäßigkeit erstarrt, daß dies nicht stattfindet.

Die CDU hat, als die Parteispenden-Affäre sie durcheinander gewirbelt hat, eine Übergangsvorsitzende gewählt, um Gras über die Sache wachsen zu lassen. Stoiber als Kanzlerkandidat hat der CDU geholfen, den Selbstfindungsprozeß zu verlängern. Dank Schröders Rochade nach der verlorenen NRW-Wahl 2005 ist die CDU ins offene Messer gelaufen und mußte die Übergangskandidatin als Kanzlerin aufstellen. Diese Dame konnte zwar nicht regieren, sie hat es aber großartig verstanden, jegliche Köpfe aus der CDU zu entfernen und das mittelmäßigste Mittelmaß aller Zeiten in der Partei nach oben zu befördern. Bei der FDP hat sich bis jetzt auch nichts getan, da sind ebenfalls weder fähige Leute noch ein besseres Parteiprogramm herausgekommen. Offenbar werden Parteien, die jahrzehntelang auf das Mittelmaß gesetzt haben, derart von diesem Mittelmaß durchsetzt, daß ein Neuanfang nicht mehr möglich ist.

Der einfache Dorfbürgermeister weiß heute, daß der Herr Minister genauso ein mittelmäßiger Parteiidiot ist wie er selbst. Sein Respekt hält sich in Grenzen, auch wenn er ganz gut Unterwürfigkeit heucheln wird. Und weil sie alle das sind, was in Bayern “ein Gschwart’l” heißt, also ein mittelmäßiger Haufen ausnehmender Mittelmäßigkeit, schneiden sie alle gemeinsam ein Band in kleine Stücke. Sie sind sich ebenbürtig – und alle gleich wenig wert.

Das Hochkommen des Mittelmaßes ist kein Konstruktionsfehler der Demokratie, es ist ein Konstruktionsfehler der Demokraten. Diese Demokraten sind allesamt Menschen, allesamt behaftet mit menschlichen Fehlern. Die Wahlperioden dauern vier, fünf oder sechs Jahre, das ist die Zeit, mit der ein Demokrat sicher rechnen kann. Nach all den Mühen, um ins Parlament zu kommen, nach all den Kröten, die der Kandidat schlucken mußte, ist er am Ziel angelangt, aber eben nur für begrenzte Zeit. Solange er diesen Posten innehat, regnen die Sterntaler auf ihn herab. Dies sind nicht nur die Diäten oder die Gehälter, das sind die Kleinigkeiten wie Dienstwagen und Fahrbereitschaft, das ist das Hofieren der Bittsteller, das ist der Status, den jeder eingeräumt bekommt. Und nach diesen vier bis sechs Jahren droht der Sturz ins Nichts, in die Bedeutungslosigkeit. Ist es da nicht verständlich, daß jeder versucht, sich die Wiederwahl zu sichern? Auch gegen Leute, die besser, ja viel besser für den eigenen Posten geeignet sind?

Der Demokrat hat nicht nur die Machtposition seines Amtes oder Mandats, er ist zudem Parteifunktionär. In der Partei wird entschieden, wer vorankommt und sich profiliert. Und es wird entschieden, wer vorsorglich aus dem Weg geräumt wird. Das nützt jeder aus, denn keiner, der es in einer Partei nach oben geschafft hat, ist ein selbstloser Altruist. Parteifunktionäre als Hyänen zu bezeichnen, ist eine Beleidigung für die Tiere.

Wenn ein Bauer seinen Hof, ein Chef seinen Betrieb oder ein König sein Land an seinen Sohn oder seine Tochter übergibt, weil er diese(n) für besser hält als sich selbst, wird er zum Senior, zum älteren, weisen Ratgeber. Es bleibt alles in der Familie, das Lebenswerk wird fortgeführt, und wenn der Senior recht behält, von noch besseren Händen. Der Politiker ist danach nur noch der “Ehemalige”, der “Gestrige”. Er wird noch begrüßt, in dritter Reihe, als “unser langjähriger Alt…” Das war es dann. Ende der Karriere, vielleicht wirft ihm noch ein mitleidiger Parteifreund ein Bundesverdienstkreuz hinterher, Macht und Status sind trotzdem dahin.

Wenn der Nachfolger dann auch noch besser ist, wird der Vorgänger vergessen. Für das eigene Denkmal ist es deshalb wichtig, daß nur Mittelmaß nachfolgt.

Das Lehrbuch verspricht uns die Herrschaft der Besten, der Auserlesenen. Diese Auslese findet statt, nur leider nicht im positiven Sinne. Deshalb zerfällt ein Staat unter der Herrschaft der Demokraten, weil mittelmäßige Leute keine Spitzenleistungen erbringen. Die Mittelmäßigen fürchten sich vor Alternativen, denn diese könnten sich als besser erweisen als das, was sie selbst vorgesehen haben. Die Mittelmäßigen fürchten sich vor abweichenden Meinungen, denn da könnte sich herausstellen, daß sie das Problem gar nicht begriffen haben. Die Mittelmäßigen fürchten sich vor Bloßstellungen, deshalb sind sie die Feinde der Besseren.

Wir erleben derzeit die Endphase, das Mittelmaß hat das Land in die Schulden geführt, es hat zugelassen, daß Straßen und Gebäude verfallen. Das Mittelmaß hat uns “Toleranz” beschert, den Islam und sonstige Zudringlinge ins Land gelassen, den Keim des Unfriedens, wenn nicht des Bürgerkriegs gesät. Das Mittelmaß hat unser Schulsystem heruntergewirtschaftet, dem Nachwuchs die Zukunftschancen geraubt. Deutschland lebt von Ideen, braucht Ingenieure und Meister, keine Genderbeauftragten und Schwafologen. Oh ja, wir brauchen auch Dichter und Denker, doch wer dichten will, muß die deutsche Sprache beherrschen, und wer Denken will, bei dem muß es zu mehr reichen als zum Auswendiglernen dessen, was ihm vorgegeben wird.

Das Mittelmaß kann nur lizensierte Dichter und Denker dulden, bevorzugt Schwafologen gegenüber Naturwissenschaftlern. Das Mittelmaß kann nur nachbeten, stellt den akademischen und oft brotlosen akademischen Titel eines “Masters” über den voll im Leben stehenden, produktiven und volkswirtschaftlichen Nutzen bringenden Meister. Das Mittelmaß wird sich nicht halten können, wenn dieser Staat und diese Welt zusammenbricht. Und es wird untergehen, weil ihm die Fähigkeiten fehlen, sich in der Zukunft zu behaupten.

Die Republik, das Alte und Morsche, wird zusammenbrechen. Es lebe das Neue, es lebe die Deutsche Monarchie!

© Michael Winkler

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Die EU will Militär-Aktionen gegen Flüchtlings-Schlepper im Mittelmeer durchführen. Nach Angaben der Kommission sollen die EU-Staaten nach dem Vorbild der Piraten-Bekämpfung vor der Küste Somalias verfahren. Schiffe von Schleppern sollen gezielt versenkt werden.

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Die EZB denkt darüber nach, die „Notfall-Kredite“ für griechische Banken einzuschränken. Die Maßnahmen sehen vor, größere Abschläge auf Sicherheiten von den Banken fordern. Die EZB will damit den Druck auf Athen erhöhen, um die griechische Regierung im Schulden-Poker zum Einlenken zu bewegen.

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Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO stuft in einer Studie Glyphosat als krebserregend ein. Der Monsanto-Cheflobbyist Philip Miller kritisiert die WHO-Forscher scharf und widerspricht: Glyphosat sei weder giftig noch krebserregend. Monsanto verlangt, dass die WHO ihre kritische Studie zurückzieht.

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Die Clintons sollen sich an Spenden-Geldern, die an ihre Foundation geflossen sind, bereichert haben. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gehört ebenfalls zu den Geldgebern. Doch bei den Geldern soll es sich um „zweckgebundene Zuschüsse“ handeln, um Projekte in Malawi zu finanzieren. Der US-amerikanische Autor Peter Schweizer erhebt in seinem neuesten Buch schwere Vorwürfe gegen Bill und Hillary Clinton.

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Die Exporte nach Russland werden infolge der Sanktionen um 25 Prozent einbrechen. Bis zu 45.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Ein Studie aus Österreich räumt mit der Illusion auf, die Sanktionen träfen Russlands Präsident Wladimir Putin oder die mächtigen Staatskonzerne. Betroffen ist der Mittelstand in Russland und der EU: Russische Klein- und Mittelbetriebe bekommen keine Kredite mehr. Europäische Industrieunternehmen können nicht mehr nach Russland liefern.

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Saudi-Arabien bereitet sich offenbar auf eine Bodeoffensive im Jemen vor. Das islamistische Königreich erklärte, dass die Bombardierung des souveränen Staats ihr Ziel erreicht habe. König Salman hat die Mobilisierung der Nationalgarde für mögliche Bodeneinsätze angeordnet. Die Saudis werden bei ihren Aktionen von den USA unterstützt.

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Die EU gibt ihren Widerstand gegen die Zusammenarbeit Ungarns mit Russland bei der Atom-Energie auf. Mangels Alternativen dürfen die Ungarn ihre Atomkraftwerke zehn Jahre lang mit Brennstäben aus Russland ausstatten.

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