Garri Kasparow, hier bei seinem Kampf gegen IBMs Deep Blue, wurde von den russischen Behörden zensiert - seine Website wurde wegen kritischer Kommentare abgeschaltet. (Foto: dpa)

Garri Kasparow, hier bei seinem Kampf gegen IBMs Deep Blue, wurde von den russischen Behörden zensiert – seine Website wurde wegen kritischer Kommentare abgeschaltet. (Foto: dpa)

Russland hat die Internet-Seiten führender Kritiker von Präsident Wladimir Putin gesperrt. Auf Anordnung der Generalstaatsanwaltschaft seien am Donnerstag der Blog von Alexej Nawalni und die Internetzeitung von Garri Kasparow vom Netz genommen worden, erklärte die staatliche Aufsichtsbehörde Roskomnadsor. Auch die Seiten grani.ru und ej.ju wurden blockiert. Nawalni habe mit dem Blog gegen seinen Hausarrest verstoßen, hieß es zur Begründung. Auf der Seite des als Schach-Profi bekanntgewordenen Kreml-Kritikers Kasparow und den anderen beiden Websites werde zu illegalen Handlungen aufgerufen.

Ej.ru-Redakteur Alexander Ryklin sprach dagegen von einem Verstoß gegen die Meinungsfreiheit. Die Regierung in Moskau weist Zensur-Vorwürfe stets zurück. Sie steht auch international derzeit wegen ihres Vorgehens im Streit um die ukrainische Halbinsel Krim in der Kritik.

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Zwischen prorussischen und prowestlichen Demonstranten kam es am Donnerstag zu schweren Auseinandersetzungen. Ein Mann wurde getötet, die Polizei hatte die Lage kaum unter Kontrolle. (Foto: dpa)

Zwischen prorussischen und prowestlichen Demonstranten kam es am Donnerstag zu schweren Auseinandersetzungen. Ein Mann wurde getötet, die Polizei hatte die Lage kaum unter Kontrolle. (Foto: dpa)

Bei Zusammenstößen zwischen prorussischen und prowestlichen Demonstranten im ostukrainischen Donezk ist mindestens ein Mensch getötet worden. 15 weitere wurden am Donnerstag wegen diverser Verletzungen in einem Krankenhaus behandelt, wie die örtlichen Gesundheitsbehörden ferner mitteilten. Aktivisten zufolge starben zudem zwei weitere Demonstranten. Dies wurde aber zunächst nicht offiziell bestätigt. Es war der schwerste Gewaltausbruch in der Ukraine seit dem Umsturz in Kiew vor knapp drei Wochen, als binnen weniger Tage in der Hauptstadt etwa 100 Menschen getötet wurden.

Bei dem Todesopfer am Donnerstag handelte es sich laut Behördenangaben um einen 22-Jährigen, der an den Folgen einer Messerstichwunde gestorben sei. Er gehörte Aktivisten zufolge dem Lager der Demonstranten an, die eine Annäherung der Ukraine an die Europäische Union forderten. Diese waren im Zentrum des russischgeprägten Donezk auf dem Lenin-Platz mit Hunderten Sympathisanten von Russlands Präsident Wladimir Putin aneinandergeraten. Die Polizei versuchte nach Angaben von Journalisten vor Ort vergeblich, die beiden Gruppen auseinanderzuhalten. Es flogen demnach Rauchbomben und andere Wurfgeschosse. Erst am späten Abend beruhigte sich die Lage.

Donezk liegt unweit der Grenze zu Russland. Ukrainische Behördenvertreter haben der Regierung in Moskau vorgeworfen, prorussische Gruppen gezielt zu unterstützen. Russland hat sich nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch das Recht vorgehalten, militärisch im Osten der Ukraine und auf der Krim einzugreifen, sollte die überwiegend russischstämmige Bevölkerung dort in Gefahr gerate.

Die Übergangsregierung in Kiew tritt für eine engere Anbindung an den Westen ein. Ein dazu über Monate hinweg ausgehandeltes Abkommen mit der EU hatte Janukowitsch im vergangenen Jahr kurzfristig platzen lassen und damit die Massenproteste ausgelöst, die nach gut einem Vierteljahr letztendlich zu seiner Absetzung führten.

Allerdings fühlt sich ein großer Teil der Bevölkerung insbesondere im Osten und auf der Krim Russland deutlich näher als dem Westen. Die Lage in der Ukraine hat sich in den vergangenen Tagen auch deshalb zugespitzt, weil auf der Krim am Wochenende ein Referendum über die Zukunft der Halbinsel ansteht. Dabei geht es darum, ob sich die Krim abspalten und Teil Russlands werden soll. Westliche Staaten, darunter auch Deutschland, stufen das Referendum als illegal ein und drohen der Regierung in Moskau mit Sanktionen, sollte sie sich die Krim einverleiben. Der Chef der separatistischen Krim-Regionalregierung, Sergej Aksjonow, sagte in einem Reuters-Interview, mehr als 80 Prozent der Bevölkerung auf der Halbinsel befürworteten eine Eingliederung in die Russische Föderation.

Russland hat auf der Krim seine Schwarzmeerflotte stationiert und auf der Halbinsel de facto seit vergangener Woche die Kontrolle übernommen. Das Land verstärkte zudem seine Militärpräsenz an der ukrainischen Grenze. Die Armee begann am Donnerstag mit einer Reihe von Manövern mit 8500 Soldaten. Dabei kamen nach Angaben des Verteidigungsministeriums auch Artillerie und Raketenwerfer zum Einsatz.

Die Regierung in Kiew warf Russland vor, ein Aufklärungsflugzeug in der Nähe der Meeresenge beschossen zu haben, die das ukrainische Festland von der Krim trennt. Es sei der zweite derartige Beschuss innerhalb von fünf Tagen gewesen. Ob es Schäden an der Maschine gab, erklärt die Regierung nicht.

Die Ukraine-Krise belastet zunehmend die internationalen Finanzmärkte. Mit Spannung wird das an diesem Freitag angesetzte Treffen von US-Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in London erwartet. Kerry sagte, er hoffe, dass doch noch eine Entspannung kurz vor dem Referendum am Sonntag gelinge. Sollte die Abstimmung jedoch dazu führen, dass die Krim durch Russland annektiert werde, würden die USA und die EU ernsthafte Schritte gegen Russland unternehmen.

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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf dem Weg zur Bilanzpressekonferenz der Bundesbank in Frankfurt am Main. (Foto: dpa)

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf dem Weg zur Bilanzpressekonferenz der Bundesbank in Frankfurt am Main. (Foto: dpa)

Das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit im Euroraum ist nach Angaben der EZB im Jahr 2013 auf 3,2 Prozent gesunken. Im laufenden Jahr soll es noch 2,7 Prozent des gesamtstaatlichen Bruttoinlandsprodukts im Euro-Währungsgebiet betragen.

Dagegen werden die gesamten Staatsschulden – also der öffentliche Schuldenstand – im Euroraum einen Höchstwert von 93,5 Prozent im Jahr 2014 erreichen und im Jahr 2015 leicht zurückgehen, wie aus dem März-Monatsbericht der Bundesbank hervorgeht, der von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht wird.

Die Zahlen spiegeln das durchschnittliche Defizit bzw. die durchschnittlichen Staatsschulden der gesamten Eurozone wider und stellen lediglich einen Mittelwert dar.

Darunter fallen Länder wie Griechenland mit einer derzeitigen Staatsschuldenquote von 175 Prozent oder annähernd 320 Milliarden Euro.

Italiens Verschuldung kletterte binnen Jahresfrist, nämlich von 2012 bis 2013 von 126 auf 133 Prozent. Frankreichs Staatsverschuldung stieg innerhalb eines Jahres von 91 auf 94 Prozent. Spaniens gar von 78 auf 94 Prozent, und Portugals von 118 auf 131 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Kritiker rechnen damit, dass die Verschuldungsquote Italiens 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2016 übersteigen wird. Dazu passt, dass Italiens neuer Regierungschef Matteo Renzi ein massives Konjunkturprogramm mit neuen Schulden finanzieren will (mehr hier). Zudem erwarten Beobachter, dass Italien damit das im Maastricht-Vertrag verankerte Defizit-Ziel kaum halten können wird.

Frankreich hat sich entschlossen, die Notreserve anzuzapfen, um Einsparungen im Haushalt vermeiden zu können (mehr dazu hier). Es wird erwartet, dass neue Schulden über kurz oder lang auch in Frankreich das Defizit in die Höhe treiben werden.

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Wolfgang Schäuble sieht die EZB-Zinspolitik skeptisch. Mittelfristig sind ist das Zinsniveau für Deutschland zu niedrig. (Foto: dpa)

Wolfgang Schäuble sieht die EZB-Zinspolitik skeptisch. Mittelfristig sind ist das Zinsniveau für Deutschland zu niedrig. (Foto: dpa)

Die Zinsen in der Euro-Zone sind aus deutscher Sicht zu niedrig, so der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Deswegen sei Deutschland weiterhin gegen Maßnahmen wie Zinssenkungen der EZB. Die Zinsen sind bereits auf einem historischen Tief in der 18-köpfigen Euro-Gruppe. Der Leitzins liegt bei 0,25 Prozent. Vergangenen Woche beschloss die EZB keine neuen Konjunkturmaßnahmen (mehr hier).

Deutschland will dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent erreichen. Außerdem habe es immer noch einen starken Arbeitsmarkt, so Schäuble.

„Ich denke, wir haben ein Zinsniveau, das mittelfristig aus deutscher Sicht zu niedrig ist“, so Schäuble. „Ich weiß, dass diese Situation in anderen europäischen Ländern ganz anders ist. Das macht eine gemeinsame Geldpolitik in Europa so schwierig“, zitiert ihn das WSJ.

Die deutschen Steuerzahler haben im Jahr 2013 wegen der Niedrigzinspolitik der EZB 3,7 Milliarden Euro verloren (hier). Die EZB hat mit ihrer Politik der niedrigen Zinsen vor allem den Schuldenabbau der Euro-Staaten im Blick (hier).

Schäuble hofft, dass mit einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit anderer Staaten dazu führt, dass das Zinsniveau für alle Länder fairer wird. Er erwarte auch keine Deflation in der Eurozone.

EZB-Chef Mario Draghi ist hier derselben Meinung wie Schäuble. Doch Analysten warnen, dass die Gefahr einer Deflation bei „rund 35 Prozent“ liegt. Werden die Gefahren nicht rechtzeitig erkannt, drohe eine „Japanisierung“ der Euro-Zone (hier).

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Google-Chef Eric Schmidt kämpft gegen staatliche Zensur in China, unterwirft sich aber der Selbstzensur in Europa. (Foto: dpa)

Google-Chef Eric Schmidt kämpft gegen staatliche Zensur in China, unterwirft sich aber der Selbstzensur in Europa. (Foto: dpa)

Der Internet-Konzern Google beginnt mit der Verschlüsselung von Suchanfragen aus China. Chinesische Nutzer sollen damit die Möglichkeit erhalten, anonymisierte Suchen im Internet durchzuführen und um auf bisher gesperrte Inhalte zuzugreifen.

Das Unternehmen aus dem Silicon Valley fordert so die Zensoren der Kommunisten Partei heraus, wie die Washington Post berichtet. Google starte derzeit eine weltweite Datenschutz-Offensive und wolle die Überwachung der Nutzer durch staatliche Geheimdienste erschweren, behauptet das Blatt.

Der tatsächliche Grund dürfte wohl eher wirtschaftlicher Natur sein. Google droht den Kampf um den chinesischen Markt endgültig zu verlieren. Der größte Konkurrent Baidu kontrolliert mittlerweile über 75 Prozent der Suchanfragen. Google arbeitete bis 2009 noch unter Selbstzensur in China. Seit 2010 zog sich Google jedoch zunehmend aus China zurück und geht seitdem auf Konfrontationskurs mit den staatlichen Behörden. Durch die Verschlüsselung von chinesischen Suchanfragen, hofft der Konzern seine Umsätze in China wieder zu steigern.

„Egal, was der Grund dafür ist, aber dieser Schritt wird chinesischen Internetnutzern dabei helfen, Inhalte zu sehen, die sie nie zuvor gesehen haben“, sagte der chinesische Aktivist Percy Alpha. Er ist Mitbegründer der Plattform GreatFire.org, die die Aktivitäten der chinesischen Zensoren beobachtet.

Die Verschlüsselung chinesischer Suchanfragen folgt auf eine Rede von Google-Chef Eric Schmidt. „Wir können die staatliche Zensur innerhalb eines Jahrzehnts beenden“, so Schmidt. Dafür verschlüssele Google nun Stück für Stück seine Dienste im Netz.

Der Internet-Aktivist Jeff Chester vom Centre of Digital Democracy hält das Google-Manöver für wenig überzeugend. „Es ist ein guter Zug, soviel wie möglich zu verschlüsseln, aber ich denke Google betreibt hier Effekthascherei“, so Chester.

Dafür spricht auch, dass Google in Europa nach wie vor eng mit den staatlichen Behörden zusammenarbeitet. Wie die FT berichtet, gestattet der Internetkonzern den britischen Behörden bevorzugte Zugangsrechte zu seiner Video-Plattform YouTube. Die Behörden können das Portal so in Echtzeit nach Inhalten absuchen, die „die nationale Sicherheit gefährden“, um diese umgehend löschen zu lassen. Begründet wird der Einschnitt mit dem „Kampf gegen den Terrorismus“.

„[Das Video-Material] mag nicht illegal sein, aber es ist sicher nicht das, was die Menschen sehen wollen“, sagte der britische Sicherheits- und Immigrationsminister James Brokenshire der FT.

Dadurch beugt sich Google dem Druck der britischen Regierung. Diese fordert schon länger von Suchmaschinen und Sozialen Medien, dass sie „extremistische Inhalte“ zensieren, auch wenn diese nicht gegen das Gesetz verstoßen. Zudem plant die Regierung die Einführung eines Filters, der pornografische, gewalttätige und esoterische Inhalte blockiert. Dadurch kehrte die Zensur endgültig zurück nach Europa (mehr hier).

Erst kürzlich wurde bekannt, dass der britische Geheimdienst Internetnutzer über deren Webcams ausspioniert (hier). Zudem unterwandert er gezielt kritische Webseiten mit Foren-Trollen und schreckt bei der Unterdrückung unerwünschter Stimmen auch vor Rufmord nicht zurück (hier).

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EU-Handelskommissar Karel de Gucht rückt von der Aufhebung aller Zölle auf US-Waren wieder ab. (Foto: dpa)

EU-Handelskommissar Karel de Gucht rückt von der Aufhebung aller Zölle auf US-Waren wieder ab. (Foto: dpa)

Die USA beschuldigen die EU, nicht wie versprochen alle Zölle abbauen zu wollen. EU-Verhandlungsführer sagten entgegen früherer Vereinbarungen, dass bestimmte Agrarprodukte wie Fleisch und Käse nur in begrenzten Kontingenten nach Europa eingeführt werden dürften.

US-Präsident Barack Obama und die europäischen Staats- und Regierungschefs sind nun laut einem Entwurf für die Abschlusserklärung des gemeinsamen Gipfels am 26. März in Brüssel überraschend bereit, sämtliche Zölle auf den Warenhandel beider Seiten abzuschaffen. Ob der Entwurf, den Reuters am Donnerstag einsehen konnte, so aber tatsächlich am Ende angenommen wird, steht nicht fest. Denn die EU steht untr erheblichem Druck. Die Amerikaner wollen vor allem im Lebensmittelbereich den europäischen Markt erobern. Dieser ist ihnen wegen strenger Konsumentenschutz-Auflagen in Europa bisher nämlich verwehrt.

Daher ziert sich die EU noch, allen Forderungen der Amerikaner nachzugeben, und fährt einen Zickzack-Kurs, um die Öffentlichkeit nicht auf eine Fährte zu locken, die die Verhandlungen erschweren könnten.

Die EU hatte Anfang Februar die Aufhebung fast aller Zölle auf US-Waren angekündigt (mehr hier). Der EU-Handelskommissar Karel de Gucht plädierte noch vor wenigen Wochen dafür, dass 96 Prozent aller Zölle zwischen den USA und Europa abgebaut werden. Die USA boten ihrerseits nur eine Reduzierung von 88 Prozent an.

Bei Gesprächen zum Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) in Brüssel entkräfteten EU-Abgesandte ihr ursprüngliches Angebot wieder. Sie machten ihren US-Verhandlungspartnern klar, dass sie besonders die Einfuhr von Rinder-, Hühnchen- und Schweinefleisch nur in begrenzten Kontingenten erfolgen werde, wie die FT berichtet.

Doch der Vorstoß der EU dient nicht wirklich dem Schutz der europäischen Konsumenten vor Klonfleisch und Chlorhühnchen. Vielmehr versucht die EU so Druck auf die US-Verhandlungspartner aufzubauen, damit diese ebenfalls alle Zölle fallen lassen. Die USA reagierten sichtlich verstimmt auf den Rückzieher der Europäer.

„Die Frage, die wir ihnen stellen, ist: Stehen sie [die EU-Verhandler] noch zu unserem vereinbarten Ziel einer kompletten Zoll-Reduktion? Denn wir tun das“, sagte ein führender US-Verhandler der FT.

Die Zölle auf Agrarprodukte sind jedoch nicht der einzige Streitpunkt. Auch die Kennzeichnungspflicht bleibt ein strittiges Thema. Die USA wollen ihre Käsesorten unter bekannten Namen verkaufen. So sollen Feta-Käse oder Parmesan auch unter diesem Namen vertrieben werden können, auch wenn sie nicht aus Italien oder Griechenland stammen. Die EU besteht dagegen auf eine regionale Kennzeichnung.

Die US-Verhandlungsführer sehen sich auch in ihrem Heimatland immensem Druck durch die Agrarlobby ausgesetzt. Diese drängt auch verstärkt darauf, die aufkeimenden Zweifler im Kongress einfach zu umgehen, in dem man das Abkommen im Schnellverfahren verabschiedet (hier).

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Die neuerlichen Proteste in der Türkei forderten bereits zwei Todesopfer. (Foto: dpa)

Die neuerlichen Proteste in der Türkei forderten bereits zwei Todesopfer. (Foto: dpa)

Auch am Donnerstag ist es in Istanbul zu Auseinandersetzungen gekommen. Diesmal gerieten zwei Gruppierungen im Stadtteil Kasımpaşa aneinander. Die Stimmung heizte sich kurz vor der Beerdigung eines jungen Mannes auf, der am Rande einer Demonstration für das 15-jährige Gezi Park Opfer Berkin Elvan erschossen wurde.

Am Nachmittag hatten sich Tausende in Kasımpaşa versammelt, um gemeinsam nach Okmeydanı zu marschieren. Dort war der 22-jährige Burak Can Karamanoğlu im Zuge einer Schießerei, die am späten Mittwochabend gegen 22.30 Uhr zwischen zwei rivalisierenden Gruppen losgebrochen sein soll, getötet worden. Bei dem Vorfall wurden zwei weitere junge Männer verletzt.

„Ein junger Mann, der als Burak Can Karamanoğlu identifiziert wurde, starb infolge eines Streites, der schließlich in einem Kampf mündete und in dem auch Schusswaffen zum Einsatz kamen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet eine Erklärung des Gouverneurs von Istanbul. Noch scheinen die exakten Umstände des Todes von Karamanoğlu nicht klar. Polizeibeamte sollen sich zur Tatzeit aber nicht dort aufgehalten haben.

Der Vater des Opfers wies Behauptungen, wonach es vor dem Zwischenfall einen Streit gegeben haben soll, jedoch zurück. Er selbst ist überzeugt, dass sein Sohn durch eine „verirrte Kugel“ starb, die von Demonstranten abgefeuert wurde. „In der Nachbarschaft, in der wir leben, passiert so etwas nicht“, sagte Halil Karamanoğlu den Reportern vor dem Gerichtsmedizinischen Institut, in dem die Autopsie seines Sohnes durchgeführt wurde. Das Ganze sei nur 200 Meter von seinem Wohnort entfernt geschehen. Eine Gruppe von Leuten sei vorübermarschiert, als die Lichter in den Straßen aus waren. Sein Sohn habe sich lediglich seinen Freunden angeschlossen, um die Proteste anzusehen. Arm in Arm hätten die Drei die Demonstranten vom Straßenrand aus beobachtet. Dann seien sie angegriffen worden. Das Ganze sei binnen fünf Minuten geschehen. Halil Karamanoğlu mahnte die Mengen während der Beerdigung seines Sohnes zur Zurückhaltung. Er habe weder mit den Rechten noch den Linken etwas zu schaffen.

Dursun Eker, ein Verwandter des Getöteten, stellt sich ebenfalls gegen die Version des Gouverneurbüros. Einen Kampf zwischen rivalisierenden Gruppen soll es nicht gegeben haben. Der 22-Jährige sei gestorben, nachdem Unbekannte in der Menge das Feuer eröffnet hätten. Ihm zufolge sollen der junge Mann und seine Begleiter auch keine Schlagstöcke bei sich gehabt haben, wie ebenfalls behauptet wurde.

Die Gegend, in der der 22-jährige ums Leben kam, gilt als eine der sensibelsten Areale der Stadt. Okmeydanı ist ein Arbeiterviertel, in dem Menschen aus verschiedenen Regionen und Religionen zusammen leben. Viele Aleviten haben dort ein Zuhause gefunden und viele linke Gruppen erfahren hier starke Unterstützung. In Kasımpaşa ist die Bevölkerung eher konservativ mit Verbindungen zu nationalistischen oder religiösen Gruppen. Von hier stammt auch der türkische Premier.

In der vergangenen Nacht kam es zu teils heftigen Ausschreitungen in der gesamten Türkei. Der exzessive Tränengas-Einsatz forderte auch ein Opfer in den Reihen der Polizei. Bei Ausschreitungen in der türkischen Provinz Tunceli erstickte der Beamte Ahmet Küçüktağ an den Folgen von Tränengas-Einwirkung.

Erdoğan gerät nur wenige Tage vor den Kommunalwahlen immer mehr unter Druck. Der Vater des am Dienstag verstorbenen 15-jährigen Gezi Park Opfers, Berkin Elvan, erhebt schwere Vorwürfe gegen ihn und verlangt, dass er den Mörder seines Sohnes umgehend präsentiere. Am Mittwoch trat der Premier in Mardin erneut verbal um sich, in dem er erklärte:

„Der Versuch, die Straßen 18 Tage vor den Wahlen in Brand zu stecken, ist keine demokratische Haltung. Ich appelliere an die Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und NGOs, die solche Vorfälle provoziert haben, Verantwortung zu zeigen. Wer Probleme hat, der sollte sie am 30. März an der Urne lösen.

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Die ukrainische Regierung hat Russland vorgeworfen, ein Aufklärungsflugzeug über der umstrittenen Halbinsel Krim beschossen zu haben. Das Feuer sei von einem Panzerwagen aus eröffnet worden, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Der Vorfall habe sich in der Nähe der Meeresenge ereignet, die das ukrainische Festland von der Halbinsel trennt. Es sei der zweite derartige Beschuss innerhalb von fünf Tagen gewesen. Ob es Schäden an der Maschine gab, erklärt die Regierung nicht.

Russland soll nach Angaben der OSZE erstmals offiziell eine Entsendung von Beobachtern der internationalen Sicherheitsorganisation gebilligt. Russland habe am Donnerstag zugestimmt, dass rasch ein Team in die Ukraine und auch auf die umstrittene Halbinsel geschickt werde, sagte der Schweizer Botschafter bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Thomas Greminger, nach einem OSZE-Treffen in Wien vor Journalisten. Dies sei eindeutig eine neue, positive Entwicklung, die es zu nutzen gelte. Die Schweiz hält derzeit den OSZE-Vorsitz und hatte die Entsendung eines rund 100-köpfigen Beobachter-Teams in die Ukraine vorgeschlagen. Ein solcher Einsatz bedarf der Zustimmung aller 57 OSZE-Mitgliedsstaaten – also auch Russlands.

In den vergangenen zwei Wochen hatten die Vertreter der russischen Regierung bei der OSZE noch Diplomaten zufolge faktisch den Plan der Schweiz blockiert. Sie hätten bei den OSZE-Treffen stets erklärt, zu der Frage keine Weisung aus Moskau erhalten zu haben, hieß es. Einige OSZE-Militärbeobachter sind in der Region, doch der Zugang zur Krim wurde ihnen bereits mehrere Male verwehrt.

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Eine Boeing 737 hob heute am Flughafen in Kuala Lumpur ab. Von der vermissten Boeing 777 fehlt hingegen jede Spur. (Foto: dpa)

Eine Boeing 737 hob heute am Flughafen in Kuala Lumpur ab. Von der vermissten Boeing 777 fehlt hingegen jede Spur. (Foto: dpa)

Die Daten von Triebwerk-Hersteller Rolls-Royce zeigen, dass die fehlende Malaysia-Airlines-Maschine noch vier Stunden in der Luft war, nachdem es vom Radar verschwunden war. Damit soll die Maschine nach Start insgesamt fünf Stunden geflogen sein.

Das Flugzeug könnte so rund 4.000 Kilometer mehr zurückgelegt haben als bisher angenommen. Das erweitert den Radius bis zur indisch-pakistanischen Grenze und Richtung Süden bis Australien, berichtet Derby Telegraph.

Die „Trent 800“-Triebwerke haben ihre Daten an den Rolls-Royce-Firmenstandort ins britische Derby gesendet. Die Motordaten sollen nun analysiert werden, um Rückschlüsse auf die Flugrichtung zu erhalten.

Bisher gab es mehrfach Spekulationen, um angebliche Wrackteile, zuletzt im südchinesischen Meer (mehr hier).

Eine chinesische Regierungs-Agentur hat Satellitenbilder veröffentlicht, die angeblich Wrackteile des verschollenen Malaysia Airlines Flug MH370 zeigen sollen.

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Vor den Regionalbanken auf Krim versuchen Sparer an ihr Geld zu kommen. Sie befürchten Bankschließungen. (Foto: h/t @MarquardtA)

Vor den Regionalbanken auf Krim versuchen Sparer an ihr Geld zu kommen. Sie befürchten Bankschließungen. (Foto: h/t @MarquardtA)

Auf der Halbinsel Krim deuten lange Schlangen vor den Geldautomaten auf einen beginnenden Bankrun hin. Die Bewohner der Krim sorgen sich darum, dass die „Banken schließen“, wie Zero Hedge berichtet.

Angeheizt wurde Panik der Sparer durch Aussagen der Deutschen Bank. Diese hält es für wahrscheinlich, dass ein mögliches Rettungspaket durch den IWF an „Bail-In“-Maßnahmen wie in Zypern gebunden ist. Demnach könnten Anteilseigner und Sparer an der Schuldenlast beteiligt werden.

„Angesichts der jüngsten Erfahrungen mit IWF-Programmen, ist es wohl natürlich zu fragen, ob es eine Form von privater Beteiligung bei einem möglichen Rettungspaket geben wird“, so die Deutsche Bank. „Private Beteiligung kann natürlich viele Formen annehmen: Schuldenschnitt, Haircut der Anteilseigner oder Spareinleger.“

Während sich die Ukraine auf die Staatsinsolvenz zubewegt, denkt die Zentralbank nun über Kapitalverkehrskontrollen auf der Krim nach. Die Verfügungsrahmen an den Geldautomaten wurden bereits gesenkt. So will sie der steigenden Kapitalflucht begegnen und einen Kollaps des regionalen Bankensektors verhindern.

Die Zinsen für kurzfristige, dreimonatige Staatsanleihen explodierten auf über 50 Prozent. Der Druck auf Lokalbanken steigt stetig, weil es für diese schwieriger wird an Dollars zu kommen, um ihre Schulden günstig zu bedienen.

Investoren hatten der Ukraine zu einem sofortigen Schuldenschnitt geraten, anstatt neue Kredite aufzunehmen (mehr hier). Sie warnten zudem davor, die Auswirkungen eines ukrainischen Staatsbankrotts auf die Finanzmärkte zu unterschätzen (hier).

Bankrun auf der Krim. (Foto: h/t @MarquardtA)

Bankrun auf der Krim. (Foto: h/t @MarquardtA)

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