Tausende Jugendliche ohne Ausbildungs-Platz

On October 31, 2013, in Endzeit, by admin

21.000 Jugendliche haben in diesem Jahr noch keine Ausbildungsstelle gefunden, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mit. Das sind 5.400 oder rund vier Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack gibt den Unternehmen die Schuld: „Der Ausbildungsmarkt nimmt krisenhafte Züge an. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen fliehen aus der Ausbildung.” Jugendliche mit Hauptschul- und mittlerem Schulabschluss haben schlechte Karten, wie auch die BA bestätigte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) klagt dagegen: „Den Betrieben gelingt es immer öfter nicht, Azubis zu finden.” Hauptgeschäftsführer Achim Dercks sagte, dass es in allen Branchen und Berufen unbesetzte Lehrstellen gebe – sich aber keine Jugendlichen zur Ausbildung anmelden.

Nach Angaben der Bundesagentur waren am Ende des Ausbildungsjahres noch 33.500 Stellen unbesetzt. „Die tatsächliche Zahl liegt jedoch weit höher, denn längst nicht jeder Betrieb meldet seine offenen Stellen”, sagte Dercks.

Eine der Gründe liegt in dem ungebremsten Andrang an die Universitäten: Die Zahl der Studienanfänger hat sich seit 1995 auf fast 500.000 verdoppelt.

Im Studium sehen die Jugendlichen den sicheren Weg zu einem guten Einkommen. Dank staatlicher Förderungen und Hilfe durch die Eltern kommen die Jungen vergleichsweise gut durch das Studium.

Was danach kommt, fragen sie meist erst später.

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Ökosteuer, Reichensteuer, Körperschaftssteuer. Alle Probleme in Frankreich werden über höhere Abgaben gelöst. (Foto: Consilium)

Ökosteuer, Reichensteuer, Körperschaftssteuer. Alle Probleme in Frankreich werden über höhere Abgaben gelöst. (Foto: Consilium)

Hollande muss erneut einen Rückzieher bei der Einführung einer Steuer machen. Die unter enormer Steuerlast stehende Bevölkerung hat ihrer Wut über die neue Ökosteuer in zahlreichen Protesten Verhör geschafft. Die angeschlagene Regierung sagte die Einführung der Steuer am Montag ab, berichtet die FT.

Die Ökosteuer sollte für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen erhoben werden, die große Straßen in Frankreich nutzen, die nicht bereits dem Mautsystem unterliegen. Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte, die Ökosteuer, mit dessen Hilfe eine Milliarde Euro für Infrastrukturprojekte aufgebracht werden sollte, sei „nur aufgeschoben, nicht aufgehoben“.

Französische Landwirte hatten Sammelstellen für die Ökosteuer angegriffen und Straßen mit Blumenkohl blockiert. Sollte die Ökosteuer endgültig gekippt werden, muss die Regierung 800 Millionen Euro als Kompensation an die Betreiber der Sammelstellen zahlen.

Die Fußball-Clubs der französischen Profi-Liga wollen am letzten Wochenende im November alle Spiele ausfallen lassen, um gegen die Einführung einer Reichensteuer zu protestieren, die bei 75 Prozent des Einkommens über einer Million Euro liegen soll (mehr hier).

Das ist bereits das zweite Mal, dass Hollande einen Steuervorschlag zurücknehmen musste. Bereits am vergangenen Wochenende wurde eine Abgabenerhöhung für weit verbreitete Sparprodukte verworfen, die schon von der Nationalversammlung verabschiedet worden war.

Auch die Unternehmen protestierten gehen eine erhöhte Steuer auf die erwirtschafteten Gewinne. Bislang ohne Erfolg. Stattdessen erhöhte die Regierung die Körperschaftssteuer.

Vor einigen Wochen hat Hollande bereits zugegeben, dass er seinem Volk zu hohe Steuer aufbürdet. In den vergangenen drei Jahren ist der Spitzensteuersatz in Frankreich auf 46 Prozent des BIP angestiegen, so hoch wie kaum eine andere entwickelte Wirtschaft. Ab Januar 2014 sollen neue Steuergesetze in Kraft treten, die die Franzosen um weitere 12 Milliarden Euro erleichtern sollen.

Offenbar sind Einführungen und Erhöhungen von Steuern die Universallösung für alle Probleme in Frankreich, wenn es nach der Regierung geht. Sogar eine Abgabe auf Internet-Daten, die ins Ausland geliefert werden, ist geplant (hier).

Die Umfragewerte von Hollande sind auf einem historischen Tiefpunkt. Die Sozialisten geraten unter Druck. Die französische Finanz- Tageszeitung Les Echos hat in einem Kommentar bereits das „Ende der Amtszeit Hollandes“ verkündet.

Die nächsten Parlamentswahlen in Frankreich finden aber erst in drei Jahren statt.

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Am 10. März 2013 habe ich über Bitcoin berichtet, denn der Preis stieg auf einem damaligen Rekordhoch von 47 Dollar, nach dem er bei 16 Dollar im Januar lag. 7 Monate später ist der Preis aktuell 210 Dollar. Neben diesem phänomenalen Wertanstieg ist eine weitere Nachricht erwähnenswert. Der erste Bitcoin-Automat ist in Betrieb gegangen, in einem Kaffee in Vancouver, Kanada. Der Automat der Bargeld in Bitcoins und Bitcoins in Bargeld wechselt wurde am Dienstagabend im “Waves Coffee Shop” gestartet.

Bitcoin-Fans nutzen den ersten Bitcoin-Automaten in Vancouver

Wenn man Noten einschiebt, dann bekommt man eine Internet-Adresse als Link zu den gekauften Bitcoins. Und wenn man Bitcoins hat, dann gibt man einen Code ein und bekommt Bargeld.

Der Hersteller des Bitcoin-Automaten ist die Firma Robocoin, ein in Las Vegas ansässiger Automatenhersteller. “Wir glauben der Markt in Vancouver ist enorm und wir sind sehr glücklich dort zu sein,” erzählte der Chef der Firma Jordan Kelly gegenüber Reuters.

Bis Ende 2013 werden wir in ganz Kanada präsent sein. Bis Ende 2014 sind wir weltweit tätig, einschliesslich den Vereinigten Staaten.

Das digitale Geld Bitcoin wurde vor 5 Jahren geboren und hat seit dem eine beachtenswerte Erfolg hingelegt, in seiner Akzeptanz, Nutzung und im Wertzuwachs im Vergleich zu den Fiatwährungen. Mit dieser “Währung” kann man Waren und Dienstleistungen auf der ganzen Welt kaufen. Der grosse Vorteil, es benötigt keine Banken oder andere Zahlungsabwickler, es fallen praktisch keine Gebühren an und man bleibt weitesgehend anonym. Dazu kommt noch, die Zahlung erfolgt fast ohne Verzögerung.

Der Bitcoin-Automat sieht wie jeder andere Bankautomat aus, ausser er hat zusätzlich einen Hand- und Barcode-Scanner, um die Identität des Benutzers zu bestätigen. Danach wandern die Bitcoins aus oder in die eigene virtuelle Geldbörse. Das System beschränkt die Transaktion auf 1’000 Dollar pro Tag, um Geldwäsche oder Betrug zu verhindern.

Es ist einfach wie sonst auch, man scanned seine Hand, führt das Geld ein und kauft Bitcoins,” sagte Kelley. “Damit ist die Transaktion in 2 Minuten erledigt. Sonst dauert ein Online-Vorgang zwei Tage.

Bitcoiniacs heisst der lokale Händler der den Automat betreibt und er wird weitere Automaten in Kanada im Dezember in Betrieb nehmen. Robocoin sagt, Kanada ist der ideale Ort um mit den Automaten anzufangen, da es eine kritische Masse an Bitcoin-Butzern gibt und keine Aufsicht durch Behörden, im Gegensatz zu den USA, wo Bitcoin-Börsen wegen möglicher Geldwäsche überwacht werden.

Trotz der Schliessung des Online-Markplatzes “Silk Road” durch das FBI Anfang Oktober, die Beschlagnahmung von 26’000 Bitcoins und einem kurzfristigen Preisrückgang auf 119 Dollar, hat die digitale Währung keinen Schaden erlitten. Wie Reuters berichtet, haben Venture-Capital-Firmen 12 Mio. Dollar in Bitcoin-Startups alleine in den letzten drei Monaten investiert.

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Von wegen freier Presse in Grossbritannien. Premierminister David Cameron hat dem Guardian und anderen britischen Medien unverblümt gedroht und sie aufgefordert, keine Informationen mehr von Edward Snowden zu veröffentlichen. Sollten weiter die Abhöraktionen der amerikanischen und britischen Geheidienste ans Tageslicht gebracht werden, dann wird die Regierung sogenannte D-Notices oder noch schärfere Massnahmen verhängen. Dabei handelt es sich um einen Maulkorberlass für die Medien. Cameron sagte, die Regierung wäre noch nicht “knallhart” vorgegangen, aber sollten die Medien solche Veröffentlichungen nicht beenden, dann wird die Regierung durchgreifen. Als Reaktion hat der Bürgermeister von London, Boris Johnson, den Guardian wegen seiner “herausstehenden und interessanten” Enthüllungen über die Aktivitäten der globalen Geheimdienste vehement verteidigt, wie die Bekanntmachung des Abhören Angela Merkel Handy durch die NSA.

Cameron drohte vor dem Parlament am Montag: “Ich möchte nicht gerichtliche Unterlassungsbefehle oder D-Notices oder noch strengere Massnahmen anwenden. Ich denke es ist viel besser an die soziale Verantwortung der Zeitungen zu appellieren. Aber wenn sie diese soziale Verantwortung nicht zeigen, dann wird es für die Regierung sehr schwer sein tatenlos zu bleiben und nicht zu handeln.” Er fügte hinzu, speziell der Guardian hätte “dieses Land weniger sicher gemacht“.

Zur Erläuterung, eine D-Notice ist eine offizielle Anforderung an Herausgeber, spezifische Informationen im Interesse der nationalen Sicherheit weder zu senden noch sonst in irgendeiner Form herauszugeben.

Während seiner Ansprache vor dem World Islamic Economic Forum (WIEF), sagte Boris Johnson am Dienstag, “Ich persönlich verteidige das Recht des Guardian, die interessanten Informationen zu veröffentlichen, wie zum Beispiel, das Barack Obama wissentlich das Handy von Angela Merkel abhören lässt. Ich bin der Meinung, die Öffentlichkeit hat das Recht das zu erfahren. Die Welt steht besser da, wenn Regierungen unter dem prüfenden Blick der Medien stehen und herausstehende und interessante Tatsachen über Spionagetätigkeiten ans Licht kommen.

Londons Bürgermeister widersprach der Behauptung Camerons, die Veröffentlichungen hätten die Sicherheit Grossbritanniens gefährdet. “Ich glaube nicht, dass die Tatsache, Angela Merkels Telefon wurde von der NSA abgehört, gefährdet irgend jemands Sicherheit, es ist nur eine kolossale Peinlichkeit und es sollte bekannt sein.

Zur Erinnerung, der Guardian begann seine laufende Berichterstattung im Juni, basierend auf den Informationen die Snowden über die weitreichenden Aktivitäten des amerikanischen NSA und des britischen GCHQ geliefert hat, wie die Massenüberwachung der EU-Bürger. Die neuesten Enthüllungen zeigen, die USA und UK haben die Führung ihrer Alliierten in Europa und sonst wo ausspioniert, was für Aufregung bei den “Partnern” gesorgt hat. Neben der Empörung von Hollande und Merkel, hört man auch aus Spanien, das Ausspionieren von “Freunden” wäre “unangebracht und unakzeptabel“.

Zur Erinnerung, im Juli hat die britische Regierung bereits verlasst, dass Agenten des GCHQ in die Redaktionsräume des Guardian eindrangen und dort die Zerstörung der Harddisks befahl und beaufsichtigte, welche angeblich die Dateien von Snowden beinhalteten. Der Chefredakteur Alan Rusbridger sagte damals, die Vernichtung hätte keine Auswirkung, weil der Guardian weiter aus seinem Büro in New York berichten würde.

Damit ist die doppelte Moral und schon kriminelle Rechtsauffassung welche die Regierungen der USA und UK an den Tag legen wieder deutlich sichtbar. Es werden die verfolgt und mit Strafen bedroht, die als Whistleblower die Verbrechen des Staates aufzeigen. Es werden die mundtot gemacht, welche als Medien die Verbrechen des Staates publik machen.

Was machen aber genau diese Regierung? Sie regen sich vehement auf, wenn genau das gleiche China oder Russland durchführen würde. Was heisst aufregen? Wenn der russische oder chinesische Geheimdienst die Telefongespräche der westlichen Staatschefs abhören würde, dann käme es zu einer Kriegserklärung. Wenn sie es selber machen ist es was anderes und niemand darf es wissen.

Was Londons Bürgermeister sagt ist völlig richtig. Es ist doch eine Lüge wenn Cameron behauptet, die Sicherheit Grossbritanniens wäre durch die Berichterstattung über den Abhörskandal gefährdet worden. Gefährdet ist nur das Ansehen der amerikanischen und britischen Regierungen, die sich als totalitäre Regime demaskieren. Mit dieser Drohung von Cameron an die Medien noch mehr. Willkommen im Faschismus!

Der Sinn der totalen Überwachung ist nicht Terroristen zu fangen, sondern der Sinn ist Zeugen zu identifizieren und zu eliminieren, welche die Verbrechen der Regierungen und ihrer Hintermänner aufdecken und verraten.” Freeman.

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Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen einen massiven Gewinneinbruch im dritten Quartal erklären. (Foto: dpa)

Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen einen massiven Gewinneinbruch im dritten Quartal erklären. (Foto: dpa)

Die Deutsche Bank meldet für das dritte Quartal einen massiven Gewinneinbruch. Die größte Bank Deutschlands musste unerwartet viel Geld für Rechtsstreitigkeiten zur Seite legen. Zudem leidet die Bank unter einem globalen Rückgang des Kredithandels.

Rücklagen für Prozesse in Höhe von 1,2 Milliarden Euro führten zu einem Einbruch der Nettogewinne auf 41 Millionen Euro, berichtet die FT. Ein Jahr zuvor lagen die Gewinne noch bei 747 Millionen Euro. Dies bedeutet einen Gewinn-Rückgang um 94 Prozent. Analysten waren vollkommen überrascht.

Die Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sagten in einer Stellungnahme: „Im dritten Quartal standen wir vor verschiedenen Herausforderungen. Wir hatten enorme Prozesskosten und einen Gewinnrückgang beim Investment-Banking, die zu niedrigeren Quartalszahlen führten.“

Der Umsatz der Bank sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Hauptursache ist ein Einbruch beim Trading um 48 Prozent. Der Rückgang des Handels mit Krediten traf die Deutsche Bank besonders hart. Sie macht mehr als die Hälfte ihrer Umsätze mit dem Handel von Krediten, Währungen und Rohstoffen.

Bis 2015 muss die Deutsche Bank aufgrund stärkerer Regulierungen eine Eigenkapitalquote von mindestens 3 Prozent erreichen. Daher muss sie Vermögenswerte im Umfang von 250 Milliarden Euro verkaufen. Letzten Donnerstag sagte Jain, 36 Milliarden Euro davon seien bereits geschafft. Allerdings sagte der Bank-Chef, die Eigenkapitalquote sei kein geeignetes Maß für die Gesundheit einer Bank.

Bis zu zwei Drittel der neuen Rückstellungen bei der Deutschen Bank entfallen auf Klagen die US-Behörden wegen des Verkaufs hypothekenbesicherter Wertpapiere (MBS), berichtet Reuters. Die MBS verloren in der Finanzkrise drastisch an Wert. Wegen US-Prozesskosten musste die Bank bereits im März ihr Jahresergebnis für 2012 nach unten korrigieren.

Zudem hat die Deutsche Bank bis heute insgesamt 500 Millionen Euro zur Seite gelegt, um mögliche Strafen im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal zahlen zu können. Bisher musste die Bank keine Strafen zahlen. Gegen Barclays, UBS und die Royal Bank of Scotland hingegen wurden wegen der Beteiligung an der weltweiten Manipulation der Interbanken-Zinssätze hohe Strafen ausgesprochen. Das Frankfurter Geldhaus hat insgesamt mehr als 4 Milliarden Euro für Prozesse zur Seite gelegt.

Die Dividende soll in diesem Jahr mit 75 Cent je Aktie stabil bleiben. Jain und Fitschen sollen noch bis 2017 im Amt bleiben soll. „Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen“, sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Ziel sei es, in die Spitzengruppe der Banken-Weltliga an der Wall Street aufzusteigen, wie Reuters berichtet. Vor allem das Investment-Banking solle sich mit den ganz Großen messen können.

Risiken sieht die Bank nicht: Der Stress-Test der EZB werde für die Deutsche Bank positiv verlaufen, sagte Finanzvorstand Stefan Krause. Bisher erfüllt die Deutsche Bank die ohnehin minimalen Anforderungen der EZB nur mit Ach und Krach. Finanzmarkt-Experten machen sich schon seit längerem Sorgen um die hohen Risiken bei den Derivaten (hier).

Goldman Sachs ist von den Zahlen nicht überzeugt – und empfiehlt weiter, die Aktien zu verkaufen. Ohne Kostensenkungen hätte die Bank Verlust gemacht, sagten Goldman-Analysten.

Goldman?

Gut möglich, dass die Deutsche Bank bald in das Zentrum der großen Konsolidierungs-Debatte der Banken gerät (mehr zum Endspiel – hier).

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Die Banken sind immer gesprächsbereit, wenn sie mit den Mächtigen am Tisch sitzen: Josef Ackermann, Wolfgang Schäuble und DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. Wenn eigene Mitarbeiter auf die Einhaltung der Gesetze bestehen, kommen ganz andere Methoden zum Vorschein. (Foto: dpa)

Die Banken sind immer gesprächsbereit, wenn sie mit den Mächtigen am Tisch sitzen: Josef Ackermann, Wolfgang Schäuble und DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. Wenn eigene Mitarbeiter auf die Einhaltung der Gesetze bestehen, kommen ganz andere Methoden zum Vorschein. (Foto: dpa)

Die Wertpapierhändlerin Andrea Fuchs kämpft seit über 15 Jahren vor Gericht gegen die DZ Bank, ihren früheren Arbeitgeber. Hintergrund ist Insider-Handel im großen Stil, in den ihre Chefs bei der DZ Bank verwickelt waren. Fuchs widersprach ihren Chefs bei den illegalen Geschäften und wurde entlassen.

Das Dokumentationszentrum ansTageslicht.de schildert den beklemmenden Fall in seinen Details.

Im Jahr 1996 wurde Fuchs beauftragt, für einen Kunden ein Aktiengeschäft im Umfang von mehr als 400 Millionen D-Mark abzuwickeln. Der Kunde bestand darauf, dass im Vorfeld niemand von dem Aktiengeschäft erfährt. So sollten Verluste durch Insider-Handel ausgeschlossen werden.

Andrea Fuchs sicherte dem Kunden daher zu, dass das Aktiengeschäft von der DZ Bank vertraulich behandelt wird. Aufgrund des hohen Transaktions-Volumens musste sie allerdings ihre Chefs einweihen. Diese brachen die gesetzlich vorgeschriebene Vertraulichkeit, auf der der Kunde aus London bestanden hatte, und informierten die betroffene Aktiengesellschaft, welche wiederum ihre Großaktionäre unterrichtete.

Die Vorgesetzten von Fuchs handelten dabei nicht nur gegen das Interesse ihres Kunden, sondern auch gegen das Wertpapier-Gesetz. Nachdem das Verhalten der Banker bekannt wurde, wurden sie gegen geringe Bußgelder ausgesprochen. Das Aktiengeschäft, das Fuchs hatte organisieren wollen, platzte. Ihrer Bank gingen dadurch Provisionen in Millionenhöhe verloren.

Fuchs kritisierte wiederholt, dass ihre Vorgesetzten vertrauliche Informationen weitergegeben haben. Darüber kommt es zum Streit. Ihre Chefs machen nun sie für das geplatzte Geschäft verantwortlich. Die erfolgreiche Wertpapier-Händlerin wird plötzlich massiv gemobbt. In einem internen Dokument der damaligen DG Bank heißt es:

„Urlaub, bzw. freie Tage, und Geschäftsreisen sollen Frau Fuchs nicht mehr genehmigt werden. (…) Frau Fuchs soll mit trivialen Aufgaben betreut werden, um sie daran zu hindern, am normalen Geschäftsablauf teilnehmen zu können. (…) Der Kundenstamm von Frau Fuchs soll ihr peu à peu entzogen und auf andere Mitarbeiter verteilt werden. Dabei soll strikt darauf geachtet werden, dass man Frau Fuchs Fehler nachweist und diese mit angeblichen Kundenbeschwerden untermauert.“

Schließlich wird Fuchs gekündigt. Doch sie will sich nicht rauswerfen lassen. Denn sie hat sich kein Fehlverhalten vorzuwerfen, den Fehler haben ihre Vorgesetzten gemacht. Seit über 15 Jahren dauert die gerichtliche Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Arbeitgeber nun an. Einen Job bei einer Bank wird sie wohl nicht wieder bekommen. Die Bank behauptet vor dem Arbeitsgericht, das interne Dokument sei eine Fälschung.

Am 29. April 2013 bestätigte ein Richter des Landesarbeitsgerichts ihre Kündigung seitens der DZ Bank. Grund dafür ist unter anderem ein Buch, das Fuchs über ihren Kampf gegen die Bank geschrieben hat. Da sie ihren früheren Arbeitgeber darin heftig angreift, sei die Kündigung rechtens, so das Gericht.

Andrea Fuchs klagt nun vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen das Urteil. Dort wird sie voraussichtlich Recht bekommen. Denn der EGMR betrachtete Whistle-Blowing in früheren Verfahren als ein Menschenrecht.

„Whistle-Blowing ist notwendig, denn Sie brauchen jemanden, der auf Missstände aufmerksam macht“, sagt Johannes Ludwig, Professor an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit dem Schwerpunkt Investigativem Journalismus, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Viele Missstände können durch Whistle-Blowing vermieden werden. Weil Fehlverhalten an die Öffentlichkeit kommen und Konsequenzen haben kann, sind viele Unternehmen zur Anständigkeit gezwungen. Sie fürchten um den Image-Schaden, der sich negativ auf das Geschäft auswirken würde. Doch in vielen Fällen versagt dieser Kontroll-Mechanismus.

Denn Whistle-Blower haben es auch in Deutschland sehr schwer, sagt Ludwig. Dabei sollte man es ihnen leicht machen. Ihre Kritik könnte nämlich in vielen Fällen zu einer Verbesserung der Situation führen. Diese Leute hätten hohe ethische Ansprüche sowohl an sich selbst als auch an ihre Unternehmen.

Whistle-Blower müssen mit enormen negativen Konsequenzen rechnen, wenn sie Missstände in ihren Unternehmen oder Behörden aufdecken. Wie der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden planen sie das Whistle-Blowing daher meist sehr lange. „Auch mental muss man sich darauf vorbereiten, weil man viel aufgibt“, so Ludwig.

Sehr sinnvoll sei daher die Möglichkeit, Missstände anonym aufzuzeigen. In einigen Unternehmen gehöre dies bereits zum Management. Etwa bei Gustl Mollaths Entlassung aus der Psychiatrie leistete ein anonymer Whistle-Blower Unterstützung und machte entscheidende Dokumente öffentlich.

Auch die Enthüllungsplattform Wikileaks ermöglicht die anonyme Anzeige von Missständen. Bradley Manning, der bei Wikileaks Dokumente über Kriegsverbrechen der USA einreichte, wurde von den Behörden nur deshalb überführt, weil er mit Dritten über sein Whistle-Blowing kommunizierte. Ein US-Militärgericht hat ihn kürzlich zu einer Haftstrafe von 35 Jahren verurteilt (hier).

In den USA sieht NSA-Chef Keith Alexander in den Whistle-Blowern die eigentlichen Verbrecher. Er will daher auch Maßnahmen ergreifen, die die Pressefreiheit einschränken. Ähnliches droht die britische Regierung dem Guardian an, der die NSA-Dokumente veröffentlicht hat.

Johannes Ludwig will dem Thema Whistle-Blowing in Deutschland mehr Gehör verschaffen. Die Bekanntmachung von Missständen sei kein Denunziantentum. Denn Denunzianten handelten, um anderen zu schaden. Whistle-Blower wollen das System dagegen verbessern.

Andrea Fuchs hat in Deutschland kaum die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erhalten. Anders als Snowden hat Fuchs auf eine Inszenierung ihres Falls verzichtet.

Doch in der Sache ist ihre Aktion von noch größerer Bedeutung als der Auftritt Snowdens: Dass Geheimdienste schnüffeln, ist nicht ganz überraschend.

Fuchs hatte bis zuletzt versucht, ihren Hinweis, dass die Banken die Gesetze einhalten müssten, intern vorgetragen. Sie wurde abserviert.

Eigentlich wären Whistle-Blower gerade für die Banken ein Glücksfall: Wenn sie rechtzeitig auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen, können am Ende Milliarden an Strafzahlungen vermieden werden. Über diese beklagt sich jetzt die Deutsche Bank, die in allen möglichen Manipulations-Verfahren gegen den Vorwurf des strukturellen Fehlverhaltens kämpfen muss (mehr dazu hier).

Doch für die Banken ist es meist lukrativer, Strafzahlungen in Kauf zu nehmen und mit fragwürdigen Geschäften weiter viel Geld zu verdienen.

Der Fall von Andrea Fuchs ist kein Einzelfall. Auch bei der Weltbank wurde eine Whistle-Blowerin aus dem Job gemobbt (mehr dazu hier).

Früher hieß es einmal: Macht kaputt, was Euch kaputt macht.

Die Banken haben diesen Spruch gründlich missverstanden.

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Bei einem Polizeieinsatz in einem Viertel in Sao Paulo wurde ein Minderjähriger von einem Schuss getroffen. Der Jugendliche verstarb im Krankenhaus. Die Polizei gibt an, der Schuss habe sich versehentlich gelöst.

Am folgenden Abend wurde eine geplante Demonstration für kostenlosen Nahverkehr zum Protest gegen den tödlichen Polizeieinsatz. Daraufhin zogen Hunderte junge Menschen durch die Straßen von Sao Paulo. Die Nacht endete mit Tränengas. Laut Polizei wurden Geschäfte wurden geplündert, Busse angegriffen. Insgesamt wurden 90 Personen verhaftet.

Der Polizist, der den Schuss abgegeben hat, muss sich laut Polizeiangaben wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

In Brasilien finden seit dem Frühjahr Proteste statt (mehr hier). Die Bürger fordern soziale Gerechtigkeit und ein Ende der Korruption. In Rio kam es vor Kurzem zu schweren Ausschreitungen nach einer Lehrer-Demo (hier).

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Wo heute noch Wald ist, wollen die US-Streitkräfte sich von Deutschland ein riesiges Militärkrankenhaus bauen lassen. (Bild: SWR)

Wo heute noch Wald ist, wollen die US-Streitkräfte sich von Deutschland ein riesiges Militärkrankenhaus bauen lassen. (Bild: SWR)

Bis 2021 baut Deutschland im Auftrag der US-Streitkräfte ein neues Militärkrankenhaus bei Weilerbach in der Pfalz. Die geschätzten Kosten liegen bei 750 Millionen Euro. Das nur wenige Kilometer entfernte Landstuhl Regional Medical Center soll geschlossen werden. Mit 3.000 Mitarbeitern ist es das größte Militärkrankenhaus außerhalb der USA.

Zwar hatten die USA angekündigt, ihre in Deutschland stationierten Truppen zu reduzieren. Doch offenbar soll der Luftstützpunkt Ramstein als wichtigste europäische Drehscheibe für den Lufttransport von US-Truppen ausgebaut werden. Auch weiterhin wollen die USA größere Kapazitäten für die Versorgung verwundeter Soldaten aus Afrika und Asien aufrechterhalten.

Bereits 2011 hatte die Linken-Fraktion in einer kleinen Anfrage Aufklärung darüber gefordert, was die Bundesregierung über den Bau des neuen Militärkrankenhauses seit wann weiß und wie viel er den deutschen Steuerzahler kostet. Aus der Antwort der Bundesregierung geht hervor, dass sie in die Entscheidung der US-Armee für den Neubau des Militärkrankenhauses nicht eingebunden war.

Zu den Kosten sagte die Bundesregierung: „Entsprechend dem ZA-NTS [Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut] und den nachgeordneten Ausführungsbestimmungen (ABG 75) werden die Baumaßnahmen der in Deutschland stationierten Gaststreitkräfte durch den Bund realisiert.“ Die Kosten für die Planung lägen bei insgesamt 170 Millionen Euro. Der deutsche Finanzierungsbeitrag betrage dabei 127 Millionen Euro.

Die „Reformkommission Bau von Großprojekten“ der Bundesregierung sagt, das Projekt sei aufgrund seiner Größe und der Komplexität „als sehr ehrgeizig“ zu betrachten, berichtet Die Welt. Es drohe sowohl eine Überschreitung der Kosten als auch eine Verschiebung der Eröffnung. Die Belastungen für den deutschen Steuerzahler dürften im mittleren dreistelligen Millionenbereich liegen.

Auch das Großprojekt Hamburger Elbphilharmonie wird von der Regierungskommission kritisiert, bei dem sich die Kosten auf 789 Millionen Euro mehr als verzehnfacht haben.

Seit Dienstag liegt eine Studie der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zur Umweltverträglichkeit des geplanten US-Krankenhauses vor. Diese kann bis zum 12. Dezember eingesehen werden, berichtet der SWR. Eine Sprecherin der zuständigen Behörde sagte, die Stellungnahmen zu der Studie würden Anfang Januar besprochen.

Das Bundesbauministerium von Rheinland-Pfalz wollte die Umweltverträglichkeit des künftigen Militärkrankenhauses zunächst nicht prüfen lassen. Dagegen klagten Naturschutzverbände. Sie fordern unter anderem, dass weniger Wald gerodet wird. Im Februar 2014 sollen die Rodungen beginnen.

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Die Brücke verbindet die ärmsten Regionen der EU. Vor vier Monaten fand die Eröffnung statt, nun droht bereits der Zusammenbruch. (Foto: dpa)

Die Brücke verbindet die ärmsten Regionen der EU. Vor vier Monaten fand die Eröffnung statt, nun droht bereits der Zusammenbruch. (Foto: dpa)

Mitte Juni wurde die längste Donaubrücke eröffnet. 3598 Meter verbinden die zwei ärmsten Regionen der EU: Bulgarien und Rumänien.

Der Bau der Brücke hat insgesamt 282 Millionen Euro gekostet. Zuschüsse kamen aus dem EU-Programm ISPA, dem „Strukturpolitischen Instrument zur Vorbereitung auf den Beitritt“, und der Agence Francaise Develeppement (AFD), der französischen Entwicklungshilfe. Kredite gaben die Europäischen Investitionsbank und die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Der bulgarische Staat hat 60 Millionen Euro beigetragen. Auf rumänischer Seite hat die EU den Großteil der Kosten übernommen.

Doch nur vier Monate nach Inbetriebnahme warnen die bulgarischen Behörden vor massiven Schäden in dem Bauwerk.

Zuerst wurde ein riesiges Schlagloch auf der Fahrbahn entdeckt, bei den folgenden Überprüfungen weitere 20 defekte Stellen, etwa tiefe Risse im Asphalt. Die Beleuchtungsanalgen und Ampeln würden auch nicht mehr funktionieren, so der bulgarische Transportminister Danail Papsow. Große Sorge bereite ihm der kommende Winter. Es bestehe sogar Einsturzgefahr, berichtet die Kronenzeitung.

Rumänien und Bulgarien bleiben wohl auf den Reparaturkosten für die Brücke sitzen. Gebaut hat zwar der spanische Bauriese FCC, doch das Bauwerk wurde bereits am 5. Juni 2013 übergeben. Mit der Abnahme ist der spanische Baukonzern aus allen Pflichten entlassen, so der Transportminister nach Überprüfung des Vertrages.

Die Testläufe auf der Fahrbahn und den Eisenbahnschienen der Donaubrücke wurden kurz vor der Übergabe von der spanischen Firma Eptisa durchgeführt, einem Subunternehmer von FCC. Das Ergebnis: die Konstruktion sei unzerstörbar.

Die Idee einer Donaubrücke an dieser Stelle stand von vornherein unter keinem guten Stern. Die ersten Planungen stammen aus dem Jahr 1909, aber Weltkriege, der Balkankrieg und die Politik des Kommunismus haben das Projekt immer verhindert. Im Jahr 2007 begann FCC schließlich mit den Bauarbeiten. Die Spanier hatten nach europaweiter Ausschreibung den Zuschlag erhalten. An die 1000 Arbeiter waren mit dem Bau beschäftigt, hauptsächlich Spanier, Portugiesen und Tschechen.

Hinter dem spanischen Baukonzern FCC steht Esther Koplowitz, ihr gehören 38 Prozent des Unternehmens. Als der spanische Baumarkt ab dem Jahr 2008 abgekühlte, hat sie die Auslandsexpansion von FCC beschleunigt, etwa mit dem Kauf des britischen Müllentsorgers Waste Recycling Group für zwei Milliarden Euro, so das Handelsblatt.

Eigentlich sollten bei dem Bau die Arbeiter vor Ort profitieren. Die „Strategie für die Donauregion“ der EU hat dies angekündigt. Deswegen findet sich wohl zur Imagereparatur auf einer offiziellen Seite der EU ein Video. Darin beschreibt ein rumänischer Vorarbeiter vom „Glück“ für die EU arbeiten zu dürfen.

Mitroi Nicolae Daniel, rumänischer Vorarbeiter, ist der EU zu großem Dank verpflichtet. Der Link zum Video hier

Mitroi Nicolae Daniel, rumänischer Vorarbeiter, ist der EU zu großem Dank verpflichtet. Der Link zum Video hier

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Mangelernährung im Alter hat viele Ursachen und sorgt für ebenso viele Probleme: Oft vergessen die Alten einfach auf das Essen. Die Folge: Das Immunsystem wird geschwächt. (Foto: dpa)

Mangelernährung im Alter hat viele Ursachen und sorgt für ebenso viele Probleme: Oft vergessen die Alten einfach auf das Essen. Die Folge: Das Immunsystem wird geschwächt. (Foto: dpa)

Bei der Diskussion um die Ernährung geht es häufig um Übergewicht und seine schädlichen Folgen für Herz, Kreislauf und Gelenke. Dabei gerät die Kehrseite der Medaille aus dem Blick: Mehr als 80 Prozent der alten Patienten, die in eine Klinik kommen, haben ein hohes Risiko für Mangelernährung oder sind akut mangelernährt – mit zum Teil dramatischen Folgen. Das Wiegen der Patienten und die Bestimmung des so genannten Body-Mass-Index reichen oft nicht aus, um die Bedrohung zu erkennen. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) empfiehlt daher ein einfaches Screening für die klinische Routine.

„Mangelernährung im Alter ist kein Randproblem“, betont der Präsident der DGG, Prof. Dr. Ralf-Joachim Schulz aus Köln. Eine neue Erhebung des Lehrstuhls für Geriatrie der Uniklinik Köln unter 1.252 ernährungstherapeutisch betreuten Patienten belegt dies. Danach sind lediglich 17,7 Prozent der durchschnittlich 80 Jahre alten Patienten gut ernährt, bei 58,7 Prozent besteht ein deutliches Risiko für Mangelernährung und 23,6 Prozent der Patienten sind akut mangelernährt.

Eine Mangelernährung hat für die Betreffenden erhebliche Auswirkungen: Das Immunsystem wird schwächer und die Muskelkraft sinkt, der Betreffende ist insgesamt krankheitsanfälliger, Wunden heilen schlechter. Außerdem sind mangelernährte Patienten eher müde und geistig weniger leistungsfähig, auch der Antrieb und die Lebensfreude gehen zurück. Mangelernährte Patienten erholen sich schwerer von Krankheiten und müssen häufig länger in der Klinik bleiben. Das Risiko, an Krankheiten zu sterben, ist deutlich höher.

Einen einfach zu ermittelnden Hinweis für eine Mangelernährung bietet der Body-Mass-Index. Er berechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch die Größe im Quadrat. Ein 1,80 Meter großer Mann, der 80 Kilogramm wiegt, hat einen BMI von 80/1,80^2, also 24,7 kg/m². Ein BMI unter 20 weist auf eine Mangelernährung hin, fällt der Wert unter 18,5 kg/m² ist der Betreffende sicherlich mangelernährt.

Die Kölner Untersuchung belegt aber, dass der BMI nicht ausreicht, um mangelernährte Patienten zu erkennen. Laboruntersuchungen auf die Nährstoffe Vitamin D, Cobalamin und Folsäure, bei denen im höheren Alter ein Risiko für eine Unterversorgung besteht, zeigten, dass viele mangelernährte Patienten einen unauffälligen BMI haben. „Wir empfehlen für die klinische Routine daher neben der Bestimmung des BMI sechs einfache Fragen, die den Ernährungszustand des Patienten beleuchten“, so Schulz. Diese betreffen

– einen Gewichtsverlust in den vergangenen Monaten
– die Mobilität des Patienten
– die Selbstständigkeit bei der Essensaufnahme
– die Zahl der Hauptmahlzeiten
– die Flüssigkeitszufuhr und
– die subjektive Gesamteinschätzung des Gesundheitszustandes durch den Patienten.

Der einfach auszufüllende Erhebungsbogen erfordert während des Patientengespräches in der Klinik knapp fünf Minuten.

Obgleich der Nutzen eines frühzeitigen Screenings auf Mangelernährung bekannt ist, stellte die Arbeitsgruppe Ernährung der DGG in einer Umfrage fest, dass nur 40 Prozent der geriatrischen Kliniken in Deutschland entsprechende Screenings umsetzen.

„Die Mangelernährung im Alter hat viele Ursachen“, betont Schulz. Ältere Menschen sind oft weniger hungrig, das Sättigungsgefühl stellt sich eher ein. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich der Magen bei älteren Menschen langsamer entleert. Wichtig und oft unterschätzt sind Geruchs- und Geschmacksstörungen: Sie vermindern den Genuss beim Essen und führen dazu, dass die Betreffenden Mahlzeiten auslassen. Geruchs- und Geschmacksstörungen sind häufig: Rund die Hälfte der älteren Menschen sind davon betroffen. Auch Kau- und Schluckbeschwerden sind als Ursachen für eine zu geringe Nahrungsaufnahme häufig.

Wichtig sind außerdem unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie Mundtrockenheit oder Übelkeit. Auch sie führen dazu, dass die Patienten zu wenig essen. Schließlich kann nahezu jede akute oder chronische Erkrankung eine Mangelernährung auslösen. Wichtige Beispiele sind Infektionen, operative Eingriffe und Schilddrüsenerkrankungen.

Neben den körperlichen Ursachen betont Schulz auch die psychosozialen Hintergründe: „Ein häufiger Grund ist Einsamkeit. Allein zu kochen und zu essen macht den Betreffenden keine Freude, deshalb verringern sie ihre Mahlzeiten nach und nach immer mehr“, so der Geriater.

Immer bedeutsamer werden außerdem Demenzen. Die meisten Patienten verlieren im Verlauf der Erkrankung deutlich an Gewicht. In frühen Stadien sind dafür eher neurologische und hormonelle Faktoren verantwortlich, schreitet die Krankheit fort, führen die kognitiven Defizite zu immer größeren Problemen auch beim Essen.

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