Von wegen freier Presse in Grossbritannien. Premierminister David Cameron hat dem Guardian und anderen britischen Medien unverblümt gedroht und sie aufgefordert, keine Informationen mehr von Edward Snowden zu veröffentlichen. Sollten weiter die Abhöraktionen der amerikanischen und britischen Geheidienste ans Tageslicht gebracht werden, dann wird die Regierung sogenannte D-Notices oder noch schärfere Massnahmen verhängen. Dabei handelt es sich um einen Maulkorberlass für die Medien. Cameron sagte, die Regierung wäre noch nicht “knallhart” vorgegangen, aber sollten die Medien solche Veröffentlichungen nicht beenden, dann wird die Regierung durchgreifen. Als Reaktion hat der Bürgermeister von London, Boris Johnson, den Guardian wegen seiner “herausstehenden und interessanten” Enthüllungen über die Aktivitäten der globalen Geheimdienste vehement verteidigt, wie die Bekanntmachung des Abhören Angela Merkel Handy durch die NSA.

Cameron drohte vor dem Parlament am Montag: “Ich möchte nicht gerichtliche Unterlassungsbefehle oder D-Notices oder noch strengere Massnahmen anwenden. Ich denke es ist viel besser an die soziale Verantwortung der Zeitungen zu appellieren. Aber wenn sie diese soziale Verantwortung nicht zeigen, dann wird es für die Regierung sehr schwer sein tatenlos zu bleiben und nicht zu handeln.” Er fügte hinzu, speziell der Guardian hätte “dieses Land weniger sicher gemacht“.

Zur Erläuterung, eine D-Notice ist eine offizielle Anforderung an Herausgeber, spezifische Informationen im Interesse der nationalen Sicherheit weder zu senden noch sonst in irgendeiner Form herauszugeben.

Während seiner Ansprache vor dem World Islamic Economic Forum (WIEF), sagte Boris Johnson am Dienstag, “Ich persönlich verteidige das Recht des Guardian, die interessanten Informationen zu veröffentlichen, wie zum Beispiel, das Barack Obama wissentlich das Handy von Angela Merkel abhören lässt. Ich bin der Meinung, die Öffentlichkeit hat das Recht das zu erfahren. Die Welt steht besser da, wenn Regierungen unter dem prüfenden Blick der Medien stehen und herausstehende und interessante Tatsachen über Spionagetätigkeiten ans Licht kommen.

Londons Bürgermeister widersprach der Behauptung Camerons, die Veröffentlichungen hätten die Sicherheit Grossbritanniens gefährdet. “Ich glaube nicht, dass die Tatsache, Angela Merkels Telefon wurde von der NSA abgehört, gefährdet irgend jemands Sicherheit, es ist nur eine kolossale Peinlichkeit und es sollte bekannt sein.

Zur Erinnerung, der Guardian begann seine laufende Berichterstattung im Juni, basierend auf den Informationen die Snowden über die weitreichenden Aktivitäten des amerikanischen NSA und des britischen GCHQ geliefert hat, wie die Massenüberwachung der EU-Bürger. Die neuesten Enthüllungen zeigen, die USA und UK haben die Führung ihrer Alliierten in Europa und sonst wo ausspioniert, was für Aufregung bei den “Partnern” gesorgt hat. Neben der Empörung von Hollande und Merkel, hört man auch aus Spanien, das Ausspionieren von “Freunden” wäre “unangebracht und unakzeptabel“.

Zur Erinnerung, im Juli hat die britische Regierung bereits verlasst, dass Agenten des GCHQ in die Redaktionsräume des Guardian eindrangen und dort die Zerstörung der Harddisks befahl und beaufsichtigte, welche angeblich die Dateien von Snowden beinhalteten. Der Chefredakteur Alan Rusbridger sagte damals, die Vernichtung hätte keine Auswirkung, weil der Guardian weiter aus seinem Büro in New York berichten würde.

Damit ist die doppelte Moral und schon kriminelle Rechtsauffassung welche die Regierungen der USA und UK an den Tag legen wieder deutlich sichtbar. Es werden die verfolgt und mit Strafen bedroht, die als Whistleblower die Verbrechen des Staates aufzeigen. Es werden die mundtot gemacht, welche als Medien die Verbrechen des Staates publik machen.

Was machen aber genau diese Regierung? Sie regen sich vehement auf, wenn genau das gleiche China oder Russland durchführen würde. Was heisst aufregen? Wenn der russische oder chinesische Geheimdienst die Telefongespräche der westlichen Staatschefs abhören würde, dann käme es zu einer Kriegserklärung. Wenn sie es selber machen ist es was anderes und niemand darf es wissen.

Was Londons Bürgermeister sagt ist völlig richtig. Es ist doch eine Lüge wenn Cameron behauptet, die Sicherheit Grossbritanniens wäre durch die Berichterstattung über den Abhörskandal gefährdet worden. Gefährdet ist nur das Ansehen der amerikanischen und britischen Regierungen, die sich als totalitäre Regime demaskieren. Mit dieser Drohung von Cameron an die Medien noch mehr. Willkommen im Faschismus!

Der Sinn der totalen Überwachung ist nicht Terroristen zu fangen, sondern der Sinn ist Zeugen zu identifizieren und zu eliminieren, welche die Verbrechen der Regierungen und ihrer Hintermänner aufdecken und verraten.” Freeman.

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Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen einen massiven Gewinneinbruch im dritten Quartal erklären. (Foto: dpa)

Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen einen massiven Gewinneinbruch im dritten Quartal erklären. (Foto: dpa)

Die Deutsche Bank meldet für das dritte Quartal einen massiven Gewinneinbruch. Die größte Bank Deutschlands musste unerwartet viel Geld für Rechtsstreitigkeiten zur Seite legen. Zudem leidet die Bank unter einem globalen Rückgang des Kredithandels.

Rücklagen für Prozesse in Höhe von 1,2 Milliarden Euro führten zu einem Einbruch der Nettogewinne auf 41 Millionen Euro, berichtet die FT. Ein Jahr zuvor lagen die Gewinne noch bei 747 Millionen Euro. Dies bedeutet einen Gewinn-Rückgang um 94 Prozent. Analysten waren vollkommen überrascht.

Die Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sagten in einer Stellungnahme: „Im dritten Quartal standen wir vor verschiedenen Herausforderungen. Wir hatten enorme Prozesskosten und einen Gewinnrückgang beim Investment-Banking, die zu niedrigeren Quartalszahlen führten.“

Der Umsatz der Bank sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Hauptursache ist ein Einbruch beim Trading um 48 Prozent. Der Rückgang des Handels mit Krediten traf die Deutsche Bank besonders hart. Sie macht mehr als die Hälfte ihrer Umsätze mit dem Handel von Krediten, Währungen und Rohstoffen.

Bis 2015 muss die Deutsche Bank aufgrund stärkerer Regulierungen eine Eigenkapitalquote von mindestens 3 Prozent erreichen. Daher muss sie Vermögenswerte im Umfang von 250 Milliarden Euro verkaufen. Letzten Donnerstag sagte Jain, 36 Milliarden Euro davon seien bereits geschafft. Allerdings sagte der Bank-Chef, die Eigenkapitalquote sei kein geeignetes Maß für die Gesundheit einer Bank.

Bis zu zwei Drittel der neuen Rückstellungen bei der Deutschen Bank entfallen auf Klagen die US-Behörden wegen des Verkaufs hypothekenbesicherter Wertpapiere (MBS), berichtet Reuters. Die MBS verloren in der Finanzkrise drastisch an Wert. Wegen US-Prozesskosten musste die Bank bereits im März ihr Jahresergebnis für 2012 nach unten korrigieren.

Zudem hat die Deutsche Bank bis heute insgesamt 500 Millionen Euro zur Seite gelegt, um mögliche Strafen im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal zahlen zu können. Bisher musste die Bank keine Strafen zahlen. Gegen Barclays, UBS und die Royal Bank of Scotland hingegen wurden wegen der Beteiligung an der weltweiten Manipulation der Interbanken-Zinssätze hohe Strafen ausgesprochen. Das Frankfurter Geldhaus hat insgesamt mehr als 4 Milliarden Euro für Prozesse zur Seite gelegt.

Die Dividende soll in diesem Jahr mit 75 Cent je Aktie stabil bleiben. Jain und Fitschen sollen noch bis 2017 im Amt bleiben soll. „Wir wissen unser Haus bei ihnen in guten Händen“, sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Ziel sei es, in die Spitzengruppe der Banken-Weltliga an der Wall Street aufzusteigen, wie Reuters berichtet. Vor allem das Investment-Banking solle sich mit den ganz Großen messen können.

Risiken sieht die Bank nicht: Der Stress-Test der EZB werde für die Deutsche Bank positiv verlaufen, sagte Finanzvorstand Stefan Krause. Bisher erfüllt die Deutsche Bank die ohnehin minimalen Anforderungen der EZB nur mit Ach und Krach. Finanzmarkt-Experten machen sich schon seit längerem Sorgen um die hohen Risiken bei den Derivaten (hier).

Goldman Sachs ist von den Zahlen nicht überzeugt – und empfiehlt weiter, die Aktien zu verkaufen. Ohne Kostensenkungen hätte die Bank Verlust gemacht, sagten Goldman-Analysten.

Goldman?

Gut möglich, dass die Deutsche Bank bald in das Zentrum der großen Konsolidierungs-Debatte der Banken gerät (mehr zum Endspiel – hier).

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Die Banken sind immer gesprächsbereit, wenn sie mit den Mächtigen am Tisch sitzen: Josef Ackermann, Wolfgang Schäuble und DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. Wenn eigene Mitarbeiter auf die Einhaltung der Gesetze bestehen, kommen ganz andere Methoden zum Vorschein. (Foto: dpa)

Die Banken sind immer gesprächsbereit, wenn sie mit den Mächtigen am Tisch sitzen: Josef Ackermann, Wolfgang Schäuble und DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. Wenn eigene Mitarbeiter auf die Einhaltung der Gesetze bestehen, kommen ganz andere Methoden zum Vorschein. (Foto: dpa)

Die Wertpapierhändlerin Andrea Fuchs kämpft seit über 15 Jahren vor Gericht gegen die DZ Bank, ihren früheren Arbeitgeber. Hintergrund ist Insider-Handel im großen Stil, in den ihre Chefs bei der DZ Bank verwickelt waren. Fuchs widersprach ihren Chefs bei den illegalen Geschäften und wurde entlassen.

Das Dokumentationszentrum ansTageslicht.de schildert den beklemmenden Fall in seinen Details.

Im Jahr 1996 wurde Fuchs beauftragt, für einen Kunden ein Aktiengeschäft im Umfang von mehr als 400 Millionen D-Mark abzuwickeln. Der Kunde bestand darauf, dass im Vorfeld niemand von dem Aktiengeschäft erfährt. So sollten Verluste durch Insider-Handel ausgeschlossen werden.

Andrea Fuchs sicherte dem Kunden daher zu, dass das Aktiengeschäft von der DZ Bank vertraulich behandelt wird. Aufgrund des hohen Transaktions-Volumens musste sie allerdings ihre Chefs einweihen. Diese brachen die gesetzlich vorgeschriebene Vertraulichkeit, auf der der Kunde aus London bestanden hatte, und informierten die betroffene Aktiengesellschaft, welche wiederum ihre Großaktionäre unterrichtete.

Die Vorgesetzten von Fuchs handelten dabei nicht nur gegen das Interesse ihres Kunden, sondern auch gegen das Wertpapier-Gesetz. Nachdem das Verhalten der Banker bekannt wurde, wurden sie gegen geringe Bußgelder ausgesprochen. Das Aktiengeschäft, das Fuchs hatte organisieren wollen, platzte. Ihrer Bank gingen dadurch Provisionen in Millionenhöhe verloren.

Fuchs kritisierte wiederholt, dass ihre Vorgesetzten vertrauliche Informationen weitergegeben haben. Darüber kommt es zum Streit. Ihre Chefs machen nun sie für das geplatzte Geschäft verantwortlich. Die erfolgreiche Wertpapier-Händlerin wird plötzlich massiv gemobbt. In einem internen Dokument der damaligen DG Bank heißt es:

„Urlaub, bzw. freie Tage, und Geschäftsreisen sollen Frau Fuchs nicht mehr genehmigt werden. (…) Frau Fuchs soll mit trivialen Aufgaben betreut werden, um sie daran zu hindern, am normalen Geschäftsablauf teilnehmen zu können. (…) Der Kundenstamm von Frau Fuchs soll ihr peu à peu entzogen und auf andere Mitarbeiter verteilt werden. Dabei soll strikt darauf geachtet werden, dass man Frau Fuchs Fehler nachweist und diese mit angeblichen Kundenbeschwerden untermauert.“

Schließlich wird Fuchs gekündigt. Doch sie will sich nicht rauswerfen lassen. Denn sie hat sich kein Fehlverhalten vorzuwerfen, den Fehler haben ihre Vorgesetzten gemacht. Seit über 15 Jahren dauert die gerichtliche Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Arbeitgeber nun an. Einen Job bei einer Bank wird sie wohl nicht wieder bekommen. Die Bank behauptet vor dem Arbeitsgericht, das interne Dokument sei eine Fälschung.

Am 29. April 2013 bestätigte ein Richter des Landesarbeitsgerichts ihre Kündigung seitens der DZ Bank. Grund dafür ist unter anderem ein Buch, das Fuchs über ihren Kampf gegen die Bank geschrieben hat. Da sie ihren früheren Arbeitgeber darin heftig angreift, sei die Kündigung rechtens, so das Gericht.

Andrea Fuchs klagt nun vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen das Urteil. Dort wird sie voraussichtlich Recht bekommen. Denn der EGMR betrachtete Whistle-Blowing in früheren Verfahren als ein Menschenrecht.

„Whistle-Blowing ist notwendig, denn Sie brauchen jemanden, der auf Missstände aufmerksam macht“, sagt Johannes Ludwig, Professor an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit dem Schwerpunkt Investigativem Journalismus, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Viele Missstände können durch Whistle-Blowing vermieden werden. Weil Fehlverhalten an die Öffentlichkeit kommen und Konsequenzen haben kann, sind viele Unternehmen zur Anständigkeit gezwungen. Sie fürchten um den Image-Schaden, der sich negativ auf das Geschäft auswirken würde. Doch in vielen Fällen versagt dieser Kontroll-Mechanismus.

Denn Whistle-Blower haben es auch in Deutschland sehr schwer, sagt Ludwig. Dabei sollte man es ihnen leicht machen. Ihre Kritik könnte nämlich in vielen Fällen zu einer Verbesserung der Situation führen. Diese Leute hätten hohe ethische Ansprüche sowohl an sich selbst als auch an ihre Unternehmen.

Whistle-Blower müssen mit enormen negativen Konsequenzen rechnen, wenn sie Missstände in ihren Unternehmen oder Behörden aufdecken. Wie der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden planen sie das Whistle-Blowing daher meist sehr lange. „Auch mental muss man sich darauf vorbereiten, weil man viel aufgibt“, so Ludwig.

Sehr sinnvoll sei daher die Möglichkeit, Missstände anonym aufzuzeigen. In einigen Unternehmen gehöre dies bereits zum Management. Etwa bei Gustl Mollaths Entlassung aus der Psychiatrie leistete ein anonymer Whistle-Blower Unterstützung und machte entscheidende Dokumente öffentlich.

Auch die Enthüllungsplattform Wikileaks ermöglicht die anonyme Anzeige von Missständen. Bradley Manning, der bei Wikileaks Dokumente über Kriegsverbrechen der USA einreichte, wurde von den Behörden nur deshalb überführt, weil er mit Dritten über sein Whistle-Blowing kommunizierte. Ein US-Militärgericht hat ihn kürzlich zu einer Haftstrafe von 35 Jahren verurteilt (hier).

In den USA sieht NSA-Chef Keith Alexander in den Whistle-Blowern die eigentlichen Verbrecher. Er will daher auch Maßnahmen ergreifen, die die Pressefreiheit einschränken. Ähnliches droht die britische Regierung dem Guardian an, der die NSA-Dokumente veröffentlicht hat.

Johannes Ludwig will dem Thema Whistle-Blowing in Deutschland mehr Gehör verschaffen. Die Bekanntmachung von Missständen sei kein Denunziantentum. Denn Denunzianten handelten, um anderen zu schaden. Whistle-Blower wollen das System dagegen verbessern.

Andrea Fuchs hat in Deutschland kaum die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erhalten. Anders als Snowden hat Fuchs auf eine Inszenierung ihres Falls verzichtet.

Doch in der Sache ist ihre Aktion von noch größerer Bedeutung als der Auftritt Snowdens: Dass Geheimdienste schnüffeln, ist nicht ganz überraschend.

Fuchs hatte bis zuletzt versucht, ihren Hinweis, dass die Banken die Gesetze einhalten müssten, intern vorgetragen. Sie wurde abserviert.

Eigentlich wären Whistle-Blower gerade für die Banken ein Glücksfall: Wenn sie rechtzeitig auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen, können am Ende Milliarden an Strafzahlungen vermieden werden. Über diese beklagt sich jetzt die Deutsche Bank, die in allen möglichen Manipulations-Verfahren gegen den Vorwurf des strukturellen Fehlverhaltens kämpfen muss (mehr dazu hier).

Doch für die Banken ist es meist lukrativer, Strafzahlungen in Kauf zu nehmen und mit fragwürdigen Geschäften weiter viel Geld zu verdienen.

Der Fall von Andrea Fuchs ist kein Einzelfall. Auch bei der Weltbank wurde eine Whistle-Blowerin aus dem Job gemobbt (mehr dazu hier).

Früher hieß es einmal: Macht kaputt, was Euch kaputt macht.

Die Banken haben diesen Spruch gründlich missverstanden.

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Bei einem Polizeieinsatz in einem Viertel in Sao Paulo wurde ein Minderjähriger von einem Schuss getroffen. Der Jugendliche verstarb im Krankenhaus. Die Polizei gibt an, der Schuss habe sich versehentlich gelöst.

Am folgenden Abend wurde eine geplante Demonstration für kostenlosen Nahverkehr zum Protest gegen den tödlichen Polizeieinsatz. Daraufhin zogen Hunderte junge Menschen durch die Straßen von Sao Paulo. Die Nacht endete mit Tränengas. Laut Polizei wurden Geschäfte wurden geplündert, Busse angegriffen. Insgesamt wurden 90 Personen verhaftet.

Der Polizist, der den Schuss abgegeben hat, muss sich laut Polizeiangaben wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

In Brasilien finden seit dem Frühjahr Proteste statt (mehr hier). Die Bürger fordern soziale Gerechtigkeit und ein Ende der Korruption. In Rio kam es vor Kurzem zu schweren Ausschreitungen nach einer Lehrer-Demo (hier).

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Wo heute noch Wald ist, wollen die US-Streitkräfte sich von Deutschland ein riesiges Militärkrankenhaus bauen lassen. (Bild: SWR)

Wo heute noch Wald ist, wollen die US-Streitkräfte sich von Deutschland ein riesiges Militärkrankenhaus bauen lassen. (Bild: SWR)

Bis 2021 baut Deutschland im Auftrag der US-Streitkräfte ein neues Militärkrankenhaus bei Weilerbach in der Pfalz. Die geschätzten Kosten liegen bei 750 Millionen Euro. Das nur wenige Kilometer entfernte Landstuhl Regional Medical Center soll geschlossen werden. Mit 3.000 Mitarbeitern ist es das größte Militärkrankenhaus außerhalb der USA.

Zwar hatten die USA angekündigt, ihre in Deutschland stationierten Truppen zu reduzieren. Doch offenbar soll der Luftstützpunkt Ramstein als wichtigste europäische Drehscheibe für den Lufttransport von US-Truppen ausgebaut werden. Auch weiterhin wollen die USA größere Kapazitäten für die Versorgung verwundeter Soldaten aus Afrika und Asien aufrechterhalten.

Bereits 2011 hatte die Linken-Fraktion in einer kleinen Anfrage Aufklärung darüber gefordert, was die Bundesregierung über den Bau des neuen Militärkrankenhauses seit wann weiß und wie viel er den deutschen Steuerzahler kostet. Aus der Antwort der Bundesregierung geht hervor, dass sie in die Entscheidung der US-Armee für den Neubau des Militärkrankenhauses nicht eingebunden war.

Zu den Kosten sagte die Bundesregierung: „Entsprechend dem ZA-NTS [Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut] und den nachgeordneten Ausführungsbestimmungen (ABG 75) werden die Baumaßnahmen der in Deutschland stationierten Gaststreitkräfte durch den Bund realisiert.“ Die Kosten für die Planung lägen bei insgesamt 170 Millionen Euro. Der deutsche Finanzierungsbeitrag betrage dabei 127 Millionen Euro.

Die „Reformkommission Bau von Großprojekten“ der Bundesregierung sagt, das Projekt sei aufgrund seiner Größe und der Komplexität „als sehr ehrgeizig“ zu betrachten, berichtet Die Welt. Es drohe sowohl eine Überschreitung der Kosten als auch eine Verschiebung der Eröffnung. Die Belastungen für den deutschen Steuerzahler dürften im mittleren dreistelligen Millionenbereich liegen.

Auch das Großprojekt Hamburger Elbphilharmonie wird von der Regierungskommission kritisiert, bei dem sich die Kosten auf 789 Millionen Euro mehr als verzehnfacht haben.

Seit Dienstag liegt eine Studie der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zur Umweltverträglichkeit des geplanten US-Krankenhauses vor. Diese kann bis zum 12. Dezember eingesehen werden, berichtet der SWR. Eine Sprecherin der zuständigen Behörde sagte, die Stellungnahmen zu der Studie würden Anfang Januar besprochen.

Das Bundesbauministerium von Rheinland-Pfalz wollte die Umweltverträglichkeit des künftigen Militärkrankenhauses zunächst nicht prüfen lassen. Dagegen klagten Naturschutzverbände. Sie fordern unter anderem, dass weniger Wald gerodet wird. Im Februar 2014 sollen die Rodungen beginnen.

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Die Brücke verbindet die ärmsten Regionen der EU. Vor vier Monaten fand die Eröffnung statt, nun droht bereits der Zusammenbruch. (Foto: dpa)

Die Brücke verbindet die ärmsten Regionen der EU. Vor vier Monaten fand die Eröffnung statt, nun droht bereits der Zusammenbruch. (Foto: dpa)

Mitte Juni wurde die längste Donaubrücke eröffnet. 3598 Meter verbinden die zwei ärmsten Regionen der EU: Bulgarien und Rumänien.

Der Bau der Brücke hat insgesamt 282 Millionen Euro gekostet. Zuschüsse kamen aus dem EU-Programm ISPA, dem „Strukturpolitischen Instrument zur Vorbereitung auf den Beitritt“, und der Agence Francaise Develeppement (AFD), der französischen Entwicklungshilfe. Kredite gaben die Europäischen Investitionsbank und die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Der bulgarische Staat hat 60 Millionen Euro beigetragen. Auf rumänischer Seite hat die EU den Großteil der Kosten übernommen.

Doch nur vier Monate nach Inbetriebnahme warnen die bulgarischen Behörden vor massiven Schäden in dem Bauwerk.

Zuerst wurde ein riesiges Schlagloch auf der Fahrbahn entdeckt, bei den folgenden Überprüfungen weitere 20 defekte Stellen, etwa tiefe Risse im Asphalt. Die Beleuchtungsanalgen und Ampeln würden auch nicht mehr funktionieren, so der bulgarische Transportminister Danail Papsow. Große Sorge bereite ihm der kommende Winter. Es bestehe sogar Einsturzgefahr, berichtet die Kronenzeitung.

Rumänien und Bulgarien bleiben wohl auf den Reparaturkosten für die Brücke sitzen. Gebaut hat zwar der spanische Bauriese FCC, doch das Bauwerk wurde bereits am 5. Juni 2013 übergeben. Mit der Abnahme ist der spanische Baukonzern aus allen Pflichten entlassen, so der Transportminister nach Überprüfung des Vertrages.

Die Testläufe auf der Fahrbahn und den Eisenbahnschienen der Donaubrücke wurden kurz vor der Übergabe von der spanischen Firma Eptisa durchgeführt, einem Subunternehmer von FCC. Das Ergebnis: die Konstruktion sei unzerstörbar.

Die Idee einer Donaubrücke an dieser Stelle stand von vornherein unter keinem guten Stern. Die ersten Planungen stammen aus dem Jahr 1909, aber Weltkriege, der Balkankrieg und die Politik des Kommunismus haben das Projekt immer verhindert. Im Jahr 2007 begann FCC schließlich mit den Bauarbeiten. Die Spanier hatten nach europaweiter Ausschreibung den Zuschlag erhalten. An die 1000 Arbeiter waren mit dem Bau beschäftigt, hauptsächlich Spanier, Portugiesen und Tschechen.

Hinter dem spanischen Baukonzern FCC steht Esther Koplowitz, ihr gehören 38 Prozent des Unternehmens. Als der spanische Baumarkt ab dem Jahr 2008 abgekühlte, hat sie die Auslandsexpansion von FCC beschleunigt, etwa mit dem Kauf des britischen Müllentsorgers Waste Recycling Group für zwei Milliarden Euro, so das Handelsblatt.

Eigentlich sollten bei dem Bau die Arbeiter vor Ort profitieren. Die „Strategie für die Donauregion“ der EU hat dies angekündigt. Deswegen findet sich wohl zur Imagereparatur auf einer offiziellen Seite der EU ein Video. Darin beschreibt ein rumänischer Vorarbeiter vom „Glück“ für die EU arbeiten zu dürfen.

Mitroi Nicolae Daniel, rumänischer Vorarbeiter, ist der EU zu großem Dank verpflichtet. Der Link zum Video hier

Mitroi Nicolae Daniel, rumänischer Vorarbeiter, ist der EU zu großem Dank verpflichtet. Der Link zum Video hier

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Mangelernährung im Alter hat viele Ursachen und sorgt für ebenso viele Probleme: Oft vergessen die Alten einfach auf das Essen. Die Folge: Das Immunsystem wird geschwächt. (Foto: dpa)

Mangelernährung im Alter hat viele Ursachen und sorgt für ebenso viele Probleme: Oft vergessen die Alten einfach auf das Essen. Die Folge: Das Immunsystem wird geschwächt. (Foto: dpa)

Bei der Diskussion um die Ernährung geht es häufig um Übergewicht und seine schädlichen Folgen für Herz, Kreislauf und Gelenke. Dabei gerät die Kehrseite der Medaille aus dem Blick: Mehr als 80 Prozent der alten Patienten, die in eine Klinik kommen, haben ein hohes Risiko für Mangelernährung oder sind akut mangelernährt – mit zum Teil dramatischen Folgen. Das Wiegen der Patienten und die Bestimmung des so genannten Body-Mass-Index reichen oft nicht aus, um die Bedrohung zu erkennen. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) empfiehlt daher ein einfaches Screening für die klinische Routine.

„Mangelernährung im Alter ist kein Randproblem“, betont der Präsident der DGG, Prof. Dr. Ralf-Joachim Schulz aus Köln. Eine neue Erhebung des Lehrstuhls für Geriatrie der Uniklinik Köln unter 1.252 ernährungstherapeutisch betreuten Patienten belegt dies. Danach sind lediglich 17,7 Prozent der durchschnittlich 80 Jahre alten Patienten gut ernährt, bei 58,7 Prozent besteht ein deutliches Risiko für Mangelernährung und 23,6 Prozent der Patienten sind akut mangelernährt.

Eine Mangelernährung hat für die Betreffenden erhebliche Auswirkungen: Das Immunsystem wird schwächer und die Muskelkraft sinkt, der Betreffende ist insgesamt krankheitsanfälliger, Wunden heilen schlechter. Außerdem sind mangelernährte Patienten eher müde und geistig weniger leistungsfähig, auch der Antrieb und die Lebensfreude gehen zurück. Mangelernährte Patienten erholen sich schwerer von Krankheiten und müssen häufig länger in der Klinik bleiben. Das Risiko, an Krankheiten zu sterben, ist deutlich höher.

Einen einfach zu ermittelnden Hinweis für eine Mangelernährung bietet der Body-Mass-Index. Er berechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch die Größe im Quadrat. Ein 1,80 Meter großer Mann, der 80 Kilogramm wiegt, hat einen BMI von 80/1,80^2, also 24,7 kg/m². Ein BMI unter 20 weist auf eine Mangelernährung hin, fällt der Wert unter 18,5 kg/m² ist der Betreffende sicherlich mangelernährt.

Die Kölner Untersuchung belegt aber, dass der BMI nicht ausreicht, um mangelernährte Patienten zu erkennen. Laboruntersuchungen auf die Nährstoffe Vitamin D, Cobalamin und Folsäure, bei denen im höheren Alter ein Risiko für eine Unterversorgung besteht, zeigten, dass viele mangelernährte Patienten einen unauffälligen BMI haben. „Wir empfehlen für die klinische Routine daher neben der Bestimmung des BMI sechs einfache Fragen, die den Ernährungszustand des Patienten beleuchten“, so Schulz. Diese betreffen

– einen Gewichtsverlust in den vergangenen Monaten
– die Mobilität des Patienten
– die Selbstständigkeit bei der Essensaufnahme
– die Zahl der Hauptmahlzeiten
– die Flüssigkeitszufuhr und
– die subjektive Gesamteinschätzung des Gesundheitszustandes durch den Patienten.

Der einfach auszufüllende Erhebungsbogen erfordert während des Patientengespräches in der Klinik knapp fünf Minuten.

Obgleich der Nutzen eines frühzeitigen Screenings auf Mangelernährung bekannt ist, stellte die Arbeitsgruppe Ernährung der DGG in einer Umfrage fest, dass nur 40 Prozent der geriatrischen Kliniken in Deutschland entsprechende Screenings umsetzen.

„Die Mangelernährung im Alter hat viele Ursachen“, betont Schulz. Ältere Menschen sind oft weniger hungrig, das Sättigungsgefühl stellt sich eher ein. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich der Magen bei älteren Menschen langsamer entleert. Wichtig und oft unterschätzt sind Geruchs- und Geschmacksstörungen: Sie vermindern den Genuss beim Essen und führen dazu, dass die Betreffenden Mahlzeiten auslassen. Geruchs- und Geschmacksstörungen sind häufig: Rund die Hälfte der älteren Menschen sind davon betroffen. Auch Kau- und Schluckbeschwerden sind als Ursachen für eine zu geringe Nahrungsaufnahme häufig.

Wichtig sind außerdem unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie Mundtrockenheit oder Übelkeit. Auch sie führen dazu, dass die Patienten zu wenig essen. Schließlich kann nahezu jede akute oder chronische Erkrankung eine Mangelernährung auslösen. Wichtige Beispiele sind Infektionen, operative Eingriffe und Schilddrüsenerkrankungen.

Neben den körperlichen Ursachen betont Schulz auch die psychosozialen Hintergründe: „Ein häufiger Grund ist Einsamkeit. Allein zu kochen und zu essen macht den Betreffenden keine Freude, deshalb verringern sie ihre Mahlzeiten nach und nach immer mehr“, so der Geriater.

Immer bedeutsamer werden außerdem Demenzen. Die meisten Patienten verlieren im Verlauf der Erkrankung deutlich an Gewicht. In frühen Stadien sind dafür eher neurologische und hormonelle Faktoren verantwortlich, schreitet die Krankheit fort, führen die kognitiven Defizite zu immer größeren Problemen auch beim Essen.

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Einen zu hohen Choelsterin-Wert bekämpft man am besten mit einer radikalen Umstellung der Ernährung. Fettsenkende Medikamente können gravierende Nebenwirkungen haben. (Foto: dpa)

Einen zu hohen Choelsterin-Wert bekämpft man am besten mit einer radikalen Umstellung der Ernährung. Fettsenkende Medikamente können gravierende Nebenwirkungen haben. (Foto: dpa)

Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten bekommen regelmäßig vom Hausarzt ein Medikament zur Senkung dieser Fettwerte. In den meisten Fällen wird dabei ein Statin verordnet. Cholesterinsenkung reduziert das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei hohen LDL-Cholesterinwerten lohnt sich demnach die Einnahme der rezeptierten Medikamente.

Nun hat die Wissenschaftlergruppe von Annie Culver vom Rochester Methodist Hospital der Mayo Clinic Rochester eine interessante und alarmierende Studie veröffentlicht. Die Ergebnisse erschienen in den Archives of Internal Medicine. Das Fazit der Studie ist, dass postmenopausale Frauen unter einer Statintherapie ein erhöhtes Risiko haben, an Diabetes mellitus Typ-2 zu erkranken.

Der Typ-2 Diabetes ist eine Erkrankung des Zuckerstoffwechsels bei Erwachsenen. Er ist erworben und wird auch als nicht insulinpflichtige Form des Diabetes bezeichnet. Im Gegensatz dazu besteht beim Diabetes mellitus Typ-1 von Beginn an eine Insulinpflicht. Zudem tritt die Typ-1 Form bereits im Kindesalter auf.

In der Studie von Annie Culvers Forschungsgruppe wurden Daten von 153.840 Frauen ohne Diabetes mellitus-Erkrankung ausgewertet. Zu Beginn der Studie nahmen 7,04 Prozent der Frauen im Durchschnittsalter von 63,2 Jahren bereits ein Statin ein. Im Verlauf entwickelten 10.242 Frauen (6,66%) einen Diabetes mellitus Typ-2.

Die Wissenschaftler entdeckten im Rahmen der dreijährigen Studie, dass das Risiko vor allem für diejenigen Frauen am höchsten war, die vor Studienbeginn bereits ein Statin regelmäßig einnahmen. Welches Statin eingenommen wurde, war dabei irrelevant.

Statine werden weltweit zur Behandlung der Hypercholesterinämie (Cholesterinerhöhung im Blut) eingesetzt, daher werden weitere Studien zur Validierung dieser Ergebnisse erwartet. Vorerst empfehlen die Forscher die Fortsetzung der Statineinnahme bei Hochrisikopatienten, da Statine das kardiovaskuläre Risiko insgesamt senken können. Hier bedarf es vor allem der Aufklärung der Patienten und gemeinsamen Entscheidung nach Risiko-Nutzen-Abwägung.

Unabhängig von den Medikamenten lässt sich das kardiovaskuläre Risiko bereits durch allgemeine Maßnahmen reduzieren. Hierzu gehören regelmäßige Bewegung, Rauchabstinenz, maßvolle gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion und Stressminimierung. Wer sich daran hält, kann sich sehr wahrscheinlich jegliche medikamentöse Therapien sparen.

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Auch der Führer kann am Klo nicht mehr machen, was er will: Die EU reguliert die Spülungen - fürrr alle! (Foto: dpa)

Auch der Führer kann am Klo nicht mehr machen, was er will: Die EU reguliert die Spülungen – fürrr alle! (Foto: dpa)

Die EU hat zwei Jahre lang das Urinier-Verhalten der Europäer studiert. Nun liegt ein 60seitiger Bericht vor. Das Fazit der EU-Kommission: Die Klo-Spülungen müssen reguliert werden. Künftig dürfen die Bürger nicht mehr als 6 Liter pro Spülung verwenden. Kontrollen sind zunächst nicht vorgesehen.

In einer umfassenden Feldstudie hat sich die EU-Kommission in den vergangenen zwei Jahren mit den Toiletten-Gewohnheiten der Bürger beschäftigt. Eine Arbeitsgruppe hat sich zunächst in Brüssel getroffen und dann die Studien im schönen Sevilla fortgesetzt, berichtet Euractiv.

Das Ergebnis ist eindeutig: Das Verhalten der Bürger auf den Toiletten ist nicht zufriedenstellend und muss reguliert werden. In einem 60seitigen technischen Report kommt die EU zu dem Schluss, dass keinesfalls mehr als 6 Liter pro Spülung verwendet werden dürfen (EU-Präsentation – hier).

Die EU ist bei ihrer Feldforschung mit der gewohnten Akribie vorgegangen: Für Urinier-Vorgänge reichen 0,5 Liter, für größere Geschäfte sollten die Bürger mit weniger als 5 Litern auskommen. Die radikale Vorlage der EU wurde jedoch von anderen Experten verwässert – sie sagen, es sei akzeptabel, den Bürgern generell 6 Liter pro Spülung zu genehmigen. Der erzielte Kompromiss ist Beschränkungen in einigen Mitgliedsländern geschuldet: In den Niederlanden, Frankreich und Portugal müssten sonst alle Toiletten erneuert werden – weil bei den herkömmlichen Anlagen eine Abrüstung nach den neuen EU-Normen nicht möglich ist.

Die Briten bekommen für eine Übergangszeit die obligate Ausnahme-Regelung zugestanden: Für einen begrenzten Zeitraum dürfen sie 7 bis 9 Liter pro Toiletten-Besuch verwenden.

Die Experten haben sich auch umfassend mit ergonomischen Fragestellungen auf dem Klo beschäftigt und sind zu den überraschenden Erkenntnis gelangt, dass die Bürger oft unterschiedlich auf dem Klo sitzen. Es gäbe auch Toiletten, bei denen die Klo-Brillen separat verkauft werden, ein Umstand, der die EU etwas ratlos machte. Bei einigen Klo-Deckeln kritisiert die EU, dass die „Klo-Deckel in keinem Bezug zu ihrer Produkt-Funktion stehen“. Abbildungen sind zu diesem Vorwurf leider nicht vorhanden, weshalb jeder EU-Bürger prüfen sollte, ob sein Klo-Deckel den Vorstellungen von José Manuel Barroso entspricht.

Wegen physischer Unterschiede, die die Kommission bei den Bürgern ausgemacht haben, wurde eine wissenschaftliche Formel gefunden, wie viel Wasser der EU-Bürger pro Spülung verwenden darf: „Nach Diskussionen mit den Betroffenen“ ist man zu dem Schluss gekommen, dass die durchschnittliche Spülung „der arithmetische Durchschnitt aus einer vollen Spülung und drei reduzierten Spülungen“ sein soll.

Die EU-Kommission, die mit dieser überfälligen Regulierung den Wasser-Verbrauch in Europa reduzieren will, hat vorerst darauf verzichtet, die korrekte Umsetzung der neuen Regulierung durch eine eigene Behörde zu kontrollieren. Brüssel hofft, dass sich die Bürger in der ersten Phase gegenseitig kontrollieren können, etwa in Form der Nachbarschaftshilfe.

Als nächste Phasen ist vermutlich eine gemeinsame Überwachung geplant: Es wird überlegt, dass die vorgeschriebene Nutzung von Glühbirnen (hier), Staubsaugern (hier) und den Toiletten in Zusammenarbeit mit dem EU-Geheimdienst (hier) über militärische Drohnen (hier) erfolgen soll.

Die hochinteressante Studie im Wortlaut: Hier

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Der österreichische Notenbank-Chef Ewald Nowotny hat in einem Interview mit Market News International die Hoffnungen auf weitere Senkung der Zinsen gedämpft. Nowotny sagte, eine Zins-Senkung sei derzeit keine realistische Erwartung. Der Kurs des Euro stieg darauf hin deutlich. Allerdings gebe es noch andere Methoden, um mehr Geld in den Markt zu pumpen: Der Zentralbanker sagte, dass die EZB noch weitere Möglichkeiten zu Geld-Drucken habe, wenn die Banken mehr Liquidität brauchen.

Für die deutschen Sparer, die in den vergangenen Monaten durch die niedrigen Zinsen erhebliche Vermögenseinbußen hatten hinnehmen müssen, sind das keine guten Nachrichten. Sie verlieren real an Vermögen, wenn sie die Nerven haben und auf die Verlockungen einer Umschichtung in Aktien verzichten. Eine solche Umschichtung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt besonders gefährlich, weil die Kurse viel zu hoch und die meisten Werte aufgeblasen sind.

In einer solchen Phase sollte nur Profi-Zocker in die Börsen gehen.

Doch selbst die großen Investoren machen sich zunehmend Sorgen über die globale Blasen-Bildung. Nach Marc Faber warnen nun auch Bill Gross, Pimco und BlackRock vor der offensichtlichen Blasen-Bildung.

Die Algorithmen an den Börsen kümmert es wenig: Die Kurse gehen nach oben und ziehen den Euro mit.

Damit beginnen auch die Exporteure zu schwitzen: Der starke Euro macht vor allem den Unternehmen in den südeuropäischen Ländern zu schaffen.

Die Entwicklung zeigt, dass die niedrigen Zinsen in der Euro-Zone den Pleite-Staaten nutzen, den privaten Sektor aber weiter in die Krise treiben. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit, die in der Euro-Zone unverändert auf Rekord-Niveau verharrt.

Es ist ziemlich klar, wer am Ende die Zeche zahlt.

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