HellersdorfBERLIN.(JF) Nach einem Angriff eines Linksextremisten droht ein Berliner Polizist auf einem Auge zu erblinden. Der Vorfall ereignete sich am Dienstag als etwa 600 Linksextremisten versuchten, eine NPD-Kundgebung vor einem Asylbewerberheim im Bezirk Marzahn-Hellersdorf zu stürmen.

Der Zivilbeamte, der durch eine Weste als Polizist zu erkennen war, wurde von dem Täter erst als „Scheiß Zivi“ bezeichnet und danach mit einer Flasche attackiert. Der Angriff war so heftig, daß dem Polizisten das Jochbein und Augenhöhlenbogen zertrümmert wurde. Der Täter wurde festgenommen und nach Feststellung seiner Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt.

Insgesamt wurden bei den Ausschreitungen 25 Personen vorläufig festgenommen. Unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Gefangenenbefreiung. Die Polizei war mit 250 Beamten im Einsatz.

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Mit dem Umweg über den EU-Haushalt will Schäuble erst gar nicht den Deutschen Bundestag über neue Griechenland-Hilfen entscheiden lassen (Foto: Consilium).

Mit dem Umweg über den EU-Haushalt will Schäuble erst gar nicht den Deutschen Bundestag über neue Griechenland-Hilfen entscheiden lassen (Foto: Consilium).

Finanzminister Schäuble hat überraschend vor der Bundestagwahl neue Hilfen für Griechenland angekündigt. Angela Merkel hat die Pläne im Prinzip bestätigt (hier). Nun sucht Schäuble nach einem Weg, wie er die nächste Phase der Euro-Rettung ohne den lästigen Umweg über den Deutschen Bundestag bewerkstelligen kann.

Ein direktes neues Bailout-Programm will Schäuble vermeiden. Dann nämlich müsste der Deutsche Bundestag über die neuen Gelder abstimmen. Und weil bei den letzten Abstimmungen dieser Art die Kanzlermehrheit nicht mehr erreicht wurde, will man lieber auf Nummer sicher gehen und den Bundestag außen vor lassen.

Angesichts der vielen Rettungspakete, der katastrophalen Entwicklungen in einigen Ländern und der von der Finanzelite immer abhängiger werdenden Politiker will man sich im Bundestag nicht die Blöße geben. Einerseits weiß Schäuble schon gar nicht mehr, was er den Abgeordneten noch sagen soll und andererseits ist einfach nicht sicher, dass die Abgeordneten noch einmal alles abnicken.

Neben einer Verlängerung der Kreditlaufzeiten rückt derzeit vor allem eine Variante ins Zentrum der Diskussion. Es wird erwägt, zumindest teilweise die neuen Gelder für Griechenland über den EU-Haushalt zu finanzieren, so die SZ.  Griechenland könnte zusätzliche Finanzmittel über die EU-Strukturfonds erhalten. Eine Variante, die Barroso auch dem zypriotischen Premier bereits in Aussicht stellte (mehr hier). Das sind im Endeffekt zwar auch deutsche Steuergelder, aber diese fließen ja erst in den Brüsseler Haushalt. Und ab dort hat der Deutsche Bundestag keinen Einfluss auf die Verwendung der Gelder.

In jedem Fall sollen auch die Auflagen für die neuen Hilfsgelder nicht so streng sein, wie bisher. „Weil Griechenland ja einen erheblichen Teil der nötigen Veränderungen bereits eingeleitet hat“, berichtet die SZ aus Berliner Regierungskreisen.

An Schäubles Ankündigung weiterer Gelder zeigt sich nur ein weiteres Mal wie abstrus die Euro-Rettungspolitik ist. Auch Länder wie Irland und Portugal, die bald wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren sollen, brauchen neue Gelder. Hier ist ebenfalls von einem Soft-Bailout die Rede (hier). In Italien wird sogar eine Bank mit Staatsgelder finanziert, um die Refinanzierungskosten für Staatsanleihen zu drücken (mehr hier).

Stetig werden neue Milliarden in die Euro-Rettung gesteckt. Neben den Fonds EFSF und ESM; die jeder demokratischen Kontrolle entzogen sind, gibt es noch die Strukturfonds, die ebenfalls keiner wirksamen Kontrolle unterliegen.

Bei der Euro-Rettung geht es um einen großen Plan.

Da gelten andere Gesetze.

Oft gelten auch gar keine Gesetze mehr.

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Möchten Sie von diesem Herrn ein komplexes Finanzprodukt kaufen? Die Deutschen trauen ihren Bankern jedenfalls nicht über den Weg. (Foto: consilium)

Möchten Sie von diesem Herrn ein komplexes Finanzprodukt kaufen? Die Deutschen trauen ihren Bankern jedenfalls nicht über den Weg. (Foto: consilium)

Die Deutschen liegen im europäischen Vergleich bei der Finanzbildung auf dem letzten Platz. 53 Prozent der Befragten einer Studie der ING-DiBa gaben zu, nicht genug Finanzbildung zu besitzen.

Da sind die Banken aber ganz baff.

Denn wer soll ihre komplizierten Produkte kaufen, wenn er sie nicht versteht?

„In absoluten Zahlen ausgedrückt outen sich damit 35 Millionen deutsche Erwachsene als finanzielle Analphabeten“, zeigt sich die Bank überaus besorgt.

Daher hat die Bank in ihrer Studie nachgelegt und ist wenig überraschend zu dem Ergebnis gelangt, dass die Banken das Übel an der Wurzel bekämpfen müssen: Die große Mehrheit der Befragten fordert nämlich angeblich, dass Finanzbildung in der Schule vermittelt werden sollte (78%). Doch nur 18 Prozent haben diese erhalten. „Damit haben 60 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland, dies entspricht 40 Mio. Menschen, gegen ihren Willen keine Finanzbildung in der Schule bekommen.“

Die Ergebnisse der Studie insgesamt belegen, dass Männer „weniger kompetent“ als Frauen angesehen werden. Die geringsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen in Deutschland. In Südeuropa sind die Unterschiede am größten.

Die Deutschen sind auch in den sozialen Medien noch nicht so sehr mit ihrer Bank in Kontakt getreten, wie andere Europäer. „Bankkunden in Deutschland sehen in Social Media mit nur 20% Nutzungsquote eher selten einen Kontaktkanal zur Bank.“

Ein Drittel aller Erwachsenen Deutschen nutzt Mobile Banking. Über die Hälfte aller Mobile Banking-Nutzer befindet sich dabei in den eigenen vier Wänden.

Die Banken wollen dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen: Die Banken drängen in die Schulen, um den Kindern zu erklären, wie man das Geld am besten verbrennt bei den Banken anlegt. Entsprechende Initiativen des deutschen Bankenverbandes stoßen Konsumenten-Schützern seit längerem auf (mehr zu diesen bemerkenswerten Entwicklungen – hier).

Gemeinsam mit dem Lobbyverband Schufa versuchen die Banken mittlerweile auch, den Kindern die Segnungen von Schulden beizubringen (hier).

Die Studie verfolgt darüber hinaus noch einen anderen Zweck: Es soll den Deutschen eingeredet werden, dass sie mehr Bankgeschäfte über Social Media machen müssten.

Hier kann man den Deutschen nur gratulieren – denn genau das tun die Deutschen nicht. Die aktuellen Datenskandale der US-Geheimdienste zeigen, dass die Behörden auf alle Daten zurückgreifen, derer sie habhaft werden können. Nicht ist so interessant wie Finanztransaktionen – und nicht ist so unsicher wie die Datenkraken von Facebook, Twitter und Google.

Möglicherweise unterliegen die Banken bei ihrer Umfrage insgesamt einem gravierenden Denkfehler: Es ist durchaus denkbar, dass sich die Deutschen in der Studie als propaganda-resistent geoutet haben und sagen: Wir verstehen viele Finanz-Produkte nicht, weil es da nichts zu verstehen gibt. Viele der von den Banken angebotenen Produkte verdienen diesen Namen nicht: Es handelt sich entweder um Wetten oder um Abzocker-Produkte, die nur dazu dienen, dass die Profis gegen diese Produkte wetten können.

Die Investmentbanken haben im Zuge der Subprime-Krise (zu Deutsch: Müll) zugegeben, gegen jene Produkte gewettet zu haben, die sie ihren Kunden verkauft haben.

Hier empfiehlt sich allerdings Sachverstand – denn die vom heutigen EZB-Vordenker beaufsichtigte IKB-Bank aus Düsseldorf hatte sich als die zweitdümmste Bank der Welt erwiesen, weil sie zur hellen Freude der Zocker den Müll (Banken-Deutsch: Subprime) massenweise gekauft und am Ende alles verloren hatten. Dümmer war nur noch die KfW und ihre legendäre Millionen-Überweisung an die nicht mehr existenzen Lehman Brothers.

Offenbar haben die Deutschen einen gesunden Instinkt, der sie davor schützt, dass sie der Propaganda der Banken auf den Leim gehen und versuchen, etwas zu verstehen, dass nichts ist als in Wortgeklingel gehüllte, heiße Luft.

Diese These wird durch die Tatsache gestützt, dass auch die Briten angeben, dass sie nicht mehr verstehen, worum bei all den komplexen Produkten geht.

Denn London ist das Zentrum der Finanzindustrie, die Briten haben einen scharfen Verstand, und sie können Englisch.

Daher kann man das Fazit ziehen: Wer die Finanzprodukte der Banken nicht versteht, ist nicht dumm, sondern hat recht.

Da gibt es nichts zu verstehen.

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„Ihr seid eine Schande für Italien. Gebt uns sofort unsere Löhne. Ihr habt 40 Familien ruiniert“, so ein Plakat der Arbeiter. (Screenshot: Gazzetta di Modena)

„Ihr seid eine Schande für Italien. Gebt uns sofort unsere Löhne. Ihr habt 40 Familien ruiniert“, so ein Plakat der Arbeiter. (Screenshot: Gazzetta di Modena)

Während der sommerlichen Betriebsferien schaffte der Unternehmer Fabrizio Pedroni Maschinen und Bauteile seiner Heizkörperfabrik nach Polen, um künftig dort zu produzieren. Nun beschimpfen ihn seine italienischen Arbeiter und drohen ihm sogar mit Gewalt.

„Ihr seid eine Schande für Italien. Gebt uns sofort unsere Löhne. Ihr habt 40 Familien ruiniert. Wenn ihr euch wie Diebe davonschleicht, zeigt ihr, dass ihr keine Menschlichkeit habt, ihr Feiglinge“, steht auf einem Plakat vor den Toren der Firma, wie ein Video der Gazzetta di Modena zeigt. Die Mitarbeiter campieren seit eineinhalb Wochen vor dem Firmengelände und blockieren die Ausfahrt des letzten Lkw, berichtet l’Unità. Mehr ist nicht mehr da.

Der Unternehmer begründet seinen Umzug mit der steigenden Steuerlast in Italien. Er informierte seine Arbeiter allerings erst im Nachhinein schriftlich über seine Entscheidung: „Verehrte Angestellte, wir informieren Sie, dass ihre Arbeit nicht am 26. August in Formigine (Modena) weitergeht, sondern am 2. September in Olawa, Polen.“

Das polnische Olawa in der Nähe von Warschau ist circa 1.300 Kilometer von Formigine entfernt. Die ersten Maschinen sollen dort schon im Probebetrieb laufen. Fabrizio Pedroni meint es offenbar ernst mit der Abwanderung. Die Nacht-und-Nebel-Aktion begründet er damit, dass die Mitarbeiter sonst den Firmenumzug und somit den Fortbestand der Firma verhindert hätten.

Viele Regionalpolitiker wollen die Abwanderung von Firem nicht einfach hinnehmen. Formigines Bürgermeister Franco Richeldi sagte, der Fall zeige den generell schlechten Zustand der italienischen Wirtschaft. „Die Freiheit des Arbeitgebers finde ich in Ordnung. Aber er hat auch eine soziale Funktion. Die Familien können nicht über Nacht auf die Straße gesetzt werden.“ Auch die Staatsanwaltschaft von Modena hat eine Untersuchung eingeleitet.

Die Mitarbeiter sagen: „Wir kämpfen nicht nur für uns, sondern auch um zu verhindern, dass unsere Firma ein gefährliches Vorbild für die ganze Nation wird. Nur wenn wir den Arbeitgebern zeigen, dass sie so etwas nicht machen können, werden wir die Rechte vieler anderer in Italien schützen.“

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Die Zyprioten wenden sich den russischen Oligarchen zu. (Foto: Flickr/tyo)

Die Zyprioten wenden sich den russischen Oligarchen zu. (Foto: Flickr/tyo)

Im Zuge des Bail-Ins im Rahmen der Zypern-Krise ist die EU davon ausgegangen, dass es vor allem die russischen Anleger hart treffen werde. Es wurden etwa 20 Milliarden Euro russische Bank-Einlagen auf Zypern vermutet.

Ein Großteil ihrer Einlagen sollten sie verlieren. Denn Einlagen von bis zu 100.000 Euro sollten zur Sanierung des Landes und seiner Kreditinstitute beitragen. Doch nun fällt schlagen die Russen zurück und übernehmen kurzerhand die Bank of Cyprus (BoC).

Die russischen Anleger werden nun zu Anteilseignern der Bank. Zyperns Präsident Nikos Anastasiades sagte im Juni, dass die Russen somit für den Hair-Cut ihrer Einlagen entschädigt werden sollen, berichtet RIA Novosti.

Damit  die von den Europäern so unbeliebten russischen Oligarchen das größte Geldinstitut der Republik Zypern und das zweitgrößte Unternehmen des Landes unter ihre Kontrolle. „Wer auch immer die Bank of Cyprus kontrolliert, kontrolliert auch die Insel“, zitiert die New York Times den zypriotischen Anwalt Andreas Marangos, der viele Russen unter seinen Mandanten hat.

Michael Olympios, der Chef eines Anlegerverbandes, sagt ganz offen, dass es sich um eine Revanche handelt – die nicht zuletzt auch gegen die Deutschen gerichtet ist. Die Deutschen wollten die Russen aus Zypen vertreiben – doch am Ende der Umstrukturierung des Bankensektors ist eine Aktionärsstruktur zu beobachten, die von den Russen dominiert wird und die Regierung in Nikosia möchte die Russen auf der Insel halten.

Der Industrieminister Zyperns, Giorgos Lakkotrypis, möchte russische Investoren dafür begeistern, Geld in den Glücksspiel-Sektor einfließen zu lassen.

Präsident Anastasiadis verspricht sogar staatliche Garantien von Investitionen. Hinzu kommen Erleichterungen beim Erwerb der zypriotischen Staatsbürgerschaft und beim Kauf von Immobilien.

„Zypern könnte für die Russen das werden, was Mallorca für die Deutschen ist“, zitiert Kathimerini den ehemaligen stellvertretenden Geschäftsführer der Casino Austria AG, Paul Herzfeld.

(187)

Die US-Technologiebörse Nasdaq ist am Donnerstag für mehrere Stunden ausgefallen. Als Grund wurden technische Probleme genannt. Erst vor einigen Tagen hatte Goldman Sachs Probleme mit der „Technik“ und verursachte einen kleinen Crash (hier).

Die Börsenaufsicht ermittelt, Marktteilnehmer fordern Strafen für Goldman.

Auf Englisch heißen solche Aussetzer „glitch“.

Tatsächlich weiß niemand, woher diese Aussetzer kommen. Die Händler der großen Investmentbanken arbeiten mit komplexen, aber unvollkommenen Computer-Systemen, wie Michael Lewis neulich in einer Recherche für Vanity Fair herausgefunden hat.

Die mäßigen Qualitäts-Standards in Technologie-Fragen entsprechen bei den meisten Finanz-Unternehmen den mäßigen Qualitäts-Standards im Hinblick auf Moral und Fairness.

Völlig unklar ist jedoch, inwieweit bewusste Manipulationen eine Rolle spielen. Der Börsenhandel ist seit geraumer Zeit ein völlig undurchschaubarer Markt. Es wird manipuliert, was das Zeug hält (mehr Details hier).

Die NZZ analysiert:

„Zwar kommt es immer wieder vor, dass einzelne Aktien vom Handel ausgesetzt werden müssen, ein derartiger Totalausfall wie am Donnerstag ist aber die Ausnahme, wenn nicht gar historisch einmalig. Der Vorfall dürfte denn auch das Vertrauen der Wall Street in den Aktienmarkt weiter untergraben. Seit dem ,Flash-Crash’ vom Mai 2010, als einige Aktien innert Minuten ins Bodenlose gerauscht waren, hatten immer wieder Software- und andere Pannen bei Börsenbetreibern und Händlern zu Handelsunterbrüchen einzelner Aktien geführt… Die Häufung von Fehlern wird zurückgeführt auf die Fragmentierung der Börsenlandschaft und die Verbreitung von auf Geschwindigkeit abzielenden Handelsstrategien.“

Etwa zur selben Zeit, als der Nasdaq am Donnerstag außer Gefecht gesetzt wurde, gab die Federal Reserve bekannt, in welchem Ausmaß sie den Aufkauf von US-Staatsanleihen zurückfahren wird.

Auch die asiatischen Börsen spielten am Donnerstag verrückt, allerdings war das Geschehen hier wenigsten transparent: Die Kurse der Schwellenländer rasselten weiter nach unten.

Noch hat niemand einen Hacker-Angriff von Islamisten gemeldet.

Das kann aber jederzeit kommen (hier).

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Noch ist Irland von der Troika abhängig. Ministerpräsident Enda Kenny will zum Ende des Jahres das Bailout-Programm verlassen. (Foto: Consilium)

Noch ist Irland von der Troika abhängig. Ministerpräsident Enda Kenny will zum Ende des Jahres das Bailout-Programm verlassen. (Foto: Consilium)

Von 2010 bis 2012 musste der irische Steuerzahler für 224 Millionen Euro aufkommen, die als Verwaltungsgebühr für die Nutzung von Krediten aus dem Bailout Irlands von der Regierung in Anspruch genommen wurden. Im Zuge der Staatspleite Irlands haben die internationalen Kreditgeber Irland mit einem Rettungspaket von 67 Milliarden Euro unterstützt.

Irlands Belastung durch die Verwaltungsgebühren ist zurückgegangen, berichtet der irische Independent. Im vergangenen Jahr mussten die Steuerzahler nur noch für 67,3 Millionen Euro aufkommen. Im Jahr davor waren es noch 113,8 Millionen Euro. Die Reduzierung bedeutet, dass Irland weniger Geld aus dem Verfügungsrahmen in Anspruch genommen hat.

Zusätzlich zu den Verwaltungsgebühren muss Irland – allein für 2012 – noch Kreditzinsen von 1,4 Milliarden Euro an die Troika zahlen.

Michael McGrath, Finanzsprecher der irischen Oppositionspartei Fianna Fáil, fordert die Aussetzung dieser Gebühren, da Irland von allen Krisenstaaten bei weitem „die besten Aussichten hat, das Bailoutprogramm der Troika zu verlassen“. Die Regierung in Irland muss noch mehr Steuern erheben und weitere Ausgaben kürzen. Die Forderungen der Troika fänden „wenig Beachtung für die Auswirkungen auf unsere Bürger“, sagte der Sprecher.

Zudem solle die Troika die bereits gezahlten Gebühren an den Schuldenstaat zurücküberweisen. Wenn man die Opfer in Betracht ziehe, die das irische Volk in den letzten Jahren gemacht habe, um die öffentlichen Finanzen wieder auf Kurs zu bringen, wäre es „eine sehr willkommene Geste“, wenn die Troika die bereits gezahlten Gebühren an den irischen Staat zurückzahle.

Irland will zum Ende des laufenden Jahres oder zu Beginn des kommenden Jahres die Troika des Landes verweisen. Der Sparplan wird verfolgt, aber die Politik verhandelt noch um jeden Posten, der zurückgezahlt werden muss. Im Laufe des Bailouts ist es der Regierung nur selten gelungen, Zugeständnisse von der Troika zu erhalten.

Der irische Finanzminister zweifelte zuletzt daran, dass Irland an den Finanzmärkten Kredite zu günstigen Konditionen erhalten werde. Er verlangte daher eine Kreditzusage, noch bevor Irland das Bailout-Programm verlässt (mehr hier).

Der deutsche Steuerzahler haftet mit 8,3 Milliarden Euro für die irischen Staatsschulden. Insgesamt wird Deutschland für den ESM 95,3 Milliarden Euro für die Krisenländer bereitstellen (mehr hier).

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Das Geschäft mit gestohlenen Kundendaten von Schweizer Bankkonten war nur für den deutschen Fiskus lukrativ.(Flickr/ReillyButler)

Das Geschäft mit gestohlenen Kundendaten von Schweizer Bankkonten war nur für den deutschen Fiskus lukrativ.(Flickr/ReillyButler)

Ein deutscher Informatiker muss in der Schweiz bis zu drei Jahre ins Gefängnis, berichtet die NZZ. Er hatte als Mitarbeiter der Bank Julius Bär in Zürich die Daten von 2.700 deutschen und niederländischen Bankkunden gestohlen.

Anschließend verkaufte er die Daten an die Steuerbehörden dieser Länder. Für die Steuer-CD kassierte er im Frühjahr 2012 über 1,1 Millionen Euro vom Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Die deutschen Steuerbehörden kauften die gestohlenen Daten, weil sie vermuteten, das in der Schweiz liegende Vermögen nachträglich besteuern zu können. Ein pensionierter Finanzbeamter signalisierte ihm, dass er seine Schulden durch den Diebstahl abtragen könne. Der Fiskus profitierte davon, dass ein Bürger in seinem Dienst zum Kriminellen wurde (mehr hier).

Von den 1,1 Millionen Euro, die für die Steuer-CDs bezahlt wurden, gingen 200.000 Euro an den Steuerfahnder, der den Deal vermittelt hat.

Einen Großteil des Geldes verwendete der Verurteilte dazu, seine eigenen Steuerschulden beim deutschen Fiskus zu begleichen – etwa 680.000 Euro. Der jahrelange Druck des deutschen Fiskus sei das Motiv für seine Strafhandlung gewesen, sagte der Verurteilte.

Der Prozess wurde verkürzt, weil sich der Angeklagte geständig zeigt. Der Deal ist im Sommer des vergangenen Jahres aufgeflogen. Der Deutsche wurde unter anderem in den Anklagepunkten Verletzung des Bankgeheimnisses schuldig gesprochen.

Von den drei Jahren Gefängnisstrafe, die die schweizerische Bundesanwaltschaft mit dem Angeklagten ausgehandelt hat, wird die Hälfte zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte befindet sich bereits im Strafvollzug. Das private Vermögen des Mannes wurde konfisziert. Die Schweizerische Eidgenossenschaft verhängte zusätzlich eine Ersatzforderung von 740.000 Euro

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Crashgefahr in Asien: Aktienkurse brechen ein

On August 23, 2013, in Endzeit, by admin
Einige Ökonomen vermuten eine Supernova auf den Asiatischen Märkten. Viel erinnert an die Asienkrise von 1997/1998 (Foto: Flickr/ernenn).

Einige Ökonomen vermuten eine Supernova auf den asiatischen Märkten. Viel erinnert an die Asienkrise von 1997/1998 (Foto: Flickr/ernenn).

Die angeschlagene Weltwirtschaft und die ungewisse Politik der westlichen Zentralbanken bereiten den asiatischen Ländern zunehmend Schwierigkeiten. Eine Wiederholung der Asienkrise von 1997/1998 droht. In großen Mengen ziehen die Investoren ihr Geld aus den asiatischen Märkten ab – der Abwärtstrend hat sich in den vergangenen Monaten dadurch sogar noch beschleunigt.

So ist die indische Rupie am Mittwoch auf ein neues Rekordtief gegenüber dem Dollar gesunken: 64,54 Rupie kostet aktuell ein Dollar. Der Rupie ist damit eine der am schlechtesten abschneidenden Währungen in diesem Jahr. Insgesamt ist der Wert seit Anfang des Jahres um 18,6 Prozent gesunken. Seit Ende Mai gab es  Netto-Abflüsse aus dem Anleihen- und Aktien-Markt in Höhe von 11,4 Milliarden Dollar (hier). Die Rupie ist „außer Kontrolle“, zitiert CNBC Lasanka Perera von Global FX Partners. „Wir haben eine hohe Inflation, kontinuierliche Downgrades und die Zentralbank ist bei dem Versuch, Stabilität und Vertrauen zu generieren, gescheitert.“

Innerhalb eines Jahres hat auch die indonesische Währung 10 Prozent gegenüber dem Dollar verloren. Allein am Montag verkauften ausländische Investoren an der indonesischen Börse Papiere im Wert von 162 Millionen Dollar, so das WSJ. Der Zentralbank zufolge sanken die ausländischen Währungsreserven im Juli von 98,095 Milliarden im Juni auf 92,67 Milliarden Dollar. Sowohl in Indien als auch in Indonesien sind die Renditen für Staatsanleihen zeitgleich stark angestiegen.

Ähnliches spielt sich auch in der Türkei ab. Die türkische Zentralbank versucht, die anhaltende Abwertung der türkischen Lira zu stoppen, und erhöhte am Dienstag den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 7,75 Prozent. Seit Beginn des Jahres hat die türkische Lira 8,7 Prozentpunkte verloren.

Das Problem sind vor allem die abfließenden ausländischen Investitionen. Im Zuge der lockeren Geldpolitik der Fed und beispielsweise auch der EZB hatten sich viele Investoren hinsichtlich neuer Investitionen für die asiatischen Markt und andere Länder der BRICS entschieden. Doch die schwachen wirtschaftlichen Daten dieser Länder und das drohende Ende der Fed-Einkäufe führen zu einem Abzug genau dieser Investoren.

Reuters zufolge haben die 38 größten Staatsfonds beispielsweise etwa 900 Milliarden Dollar in Aktiengesellschaften investiert – allein 383 Milliarden davon flossen in die BRICS. Die sinkenden Aktienkurse in den asiatischen Ländern bereiten die Staatsfonds nun jedoch große Verluste – weshalb auch von dieser Seite ein Ausverkauf droht.

Die hohe Verschuldung einiger asiatischer Länder bei ausländischen Gläubigern kann durch die massive Abwertung der Währungen zusätzlich zu einem Problem werden. Die Schulden erhöhen sich dadurch effektiv und die Unternehmen in Asien werden kaum in der Lage sein, die angehäuften Schulden zu begleichen. Das wiederum schwächt die Wirtschaft durch drohende Pleiten.

Thailand etwa befindet sich in einer Rezession, die Verschuldung der Haushalte stieg von 55 Prozent 2009 auf derzeit 80 Prozent gemessen am BIP. Die Gesamtverschuldung liegt nun sogar bei 180 Prozent, so die HSBC. Auch in Malaysia hat sich der Staat verschuldet, um die Wirtschaft anzukurbeln – von China ganz zu schweigen. In China sitzen die Lokalregierungen auf riesigen Schuldenbergen und die Unternehmen haben sich am Schwarzmarkt verschuldet. Die Kreditklemme in vielen asiatischen Ländern verschärft diesen Trend.

„All dieses Gelddrucken hat zu einer massiven Kredit-Inflations-Blase in Asien geführt“, sagt Kevin Kai, Chefökonom bei Daiwa Securities. „Das Verbrechen wurde begangen und nun müssen wir alle mit den Folgen zurechtkommen“, zitiert die FT Lai. Es werde eine Menge Schaden geben. „Es ist wie ein Ausverkauf. Haushalte müssen ihre Vermögenswerte verkaufen und es wird eine Menge Reichtum zerstört werden“, so Lai.

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Die drei Grafiken zeigen, dass die marktbasierten Indikatoren der verschiedenen Branchen sich ganz anders entwickelt haben als die offiziellen Daten (Grafik: zerohedge, DWN).

Die drei Grafiken zeigen, dass die marktbasierten Indikatoren der verschiedenen Branchen sich ganz anders entwickelt haben als die offiziellen Daten (Grafik: zerohedge, DWN).

Es gibt bei den spanischen Statistiken einige Ungereimtheiten. So sanken beispielsweise die Steuereinnahmen des Landes zwischen 2007 und 2011 auf minus 5,7 Prozent des BIPs, trotzdem die Steuern stark angestiegen waren. Selbst Griechenland weist für diesen Zeitraum aber immerhin um 1,3 Prozent gestiegene Steuereinnahmen gemessen am BIP auf. Und auch im vergangenen Jahr sind trotz weiterer Steuererhöhungen die Steuereinnahmen in Spanien nur marginal gestiegen. Das und die Arbeitslosigkeit im Land legen den Verdacht nah, dass das tatsächliche BIP Spaniens deutlich niedriger sein müsste als offiziell angegeben.

So hat Spanien beispielsweise eine ähnlich erhöhte Arbeitslosigkeit wie Griechenland. Nur, dass das BIP in Griechenland in den vergangenen Jahren deutlich stärker zurückgegangen ist als in Spanien.

Die spanische Zeitung El Confidencial hat sich aus diesem Grund mal die drei wichtigsten Sektoren des Landes angeschaut: Baugewerbe, Industrie und Dienstleistungen. In allen drei Sektoren stellt die Zeitung markt-basierte Indikatoren wie den Zementverbrauch den offiziellen Indikatoren gegenüber und schaut sich die historische Entwicklung der beiden im Vergleich an.

Das heißt beispielsweise, dass für die Entwicklung in der Baubranche der Zementverbrauch seit 1993 mit dem offiziellen Indikator für Bau ISCOF verglichen wurde. Bis 2008 entwickeln sich beide ähnlich, aber ab 2008 gibt es einen Bruch (Grafik1). Während der marktbasierte Wert Zementverbrauch rapide fällt, sinkt der ISCOF deutlich langsamer. Die tatsächliche Aktivität in der Baubranche ist derzeit als etwa ein Drittel niedriger als es der offizielle ISCOF-Index vermuten lässt, so El Confidencial.

Auch in der Industrie lässt sich eine ähnliche Entwicklung feststellen. Hier vergleicht die Zeitung den Industriellen Produktions Index (IPI) mit dem offiziellen, aus verschiedenen Indikatoren zusammengesetzten ISA (dem synthetischen Indikator der Industrie). Wie im Bausektor steigen beide Indikatoren bis 2008 ähnlich stark an, dann jedoch gehen auch hier die Daten der beiden Indikatoren extrem auseinander. Hier liegt der marktbasierte Index  etwa ein Fünftel unter dem offiziellen.

Die größte Differenz befindet sich jedoch in der Dienstleistungsbranche. Um hier die offiziellen Zahlen (ISS) mit der tatsächlichen Aktivität der Branche zu vergleichen wurde der IASS-Index, der Aktivitäts-Indikator für Dienstleistungen, herangezogen und preisbereinigt. Während der offizielle Indikator, der ISS, ab 2009 nach einer kurzen Abkühlung weiter stieg, sank der marktbasierte IASS-Index dramatisch ab. Der Unterschied zwischen beiden Indikatoren entspricht in etwa einem Drittel der gesamten Aktivität im Dienstleistungssektor.

„Wenn wir davon ausgehen, dass die anderen Indikatoren (Landwirtschaft, Einfuhrsteuern, Produktion etc.), die zum BIP beitragen, richtig sind, würde dies bedeuten, dass das reale BIP eigentlich 21 Prozent niedriger ist, als angegeben“, so die Zeitung. Schon allein der intensive Blick in drei wichtige Branchen zeigt also, dass die spanische Regierung die Daten möglicher Weise schönt.

Denn ein niedrigeres BIP, wie es die Vergleiche mit den marktbasierten Indikatoren nahe legen, würde auch erklären, warum beispielsweise die Steuereinnahmen trotz der Steuererhöhungen so stark zurückgegangen sind. Auch die immense Arbeitslosigkeit erscheint unter dieser Annahme deutlich logischer.

Entsprechend des niedrigeren BIPs ist auch das von der Regierung offiziell angegebene Defizit von 3,9 Prozent im ersten Halbjahr nicht korrekt. Ist das erwirtschaftete Defizit etwa 21 Prozent niedriger, so ergibt sich aus den öffentlichen Schulden, die ja am BIP gemessen werden, auch ein größeres Defizit. Dies wäre den neuen Berechnungen bei über 4,6 Prozent.

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Weboy