Die EU-Führer könnten eine böse Überraschung erleben: Wenn der Crash eines Schwellenlandes eine Kettenreaktion auslöst, dann steht Europa schutzlos da - und kann sich wegen seiner eigenen Schwäche nicht gegen den Schwarzen Schwan verteidigen. (Foto: consilium, Montage: DWN)

Die EU-Führer könnten eine böse Überraschung erleben: Wenn der Crash eines Schwellenlandes eine Kettenreaktion auslöst, dann steht Europa schutzlos da – und kann sich wegen seiner eigenen Schwäche nicht gegen den Schwarzen Schwan verteidigen. (Foto: consilium, Montage: DWN)

Die Schwellenländer wurden in den vergangenen Jahren massiv von der Finanzindustrie gehypt. Jahrelang gab es in der Propaganda der Finanzindustrie für die großen Schwellenländer nur eine einzige Richtung: Wirtschaftlichen Erfolg und damit den Weg in eine glanzvolle Zukunft.

 

Finanziert wurde der Hype mit dem billigen Geld der Zentralbanken.

Waren es früher die US-Immobilien, wurden es nach dem ersten Crash die Schwellenländer.

Bernanke, Draghi und die anderen druckten wie verrückt.

Das Geld suchte nach Anlagen. Suchte nach Hypes.

Die BRICS wurden zum Paradies für die Spekulanten.

Nun ist diese Party auch vorüber.

Und plötzlich ist die Euphorie verfolgen. Die Zahlen sind schlecht, die Schulden hoch. Die Märchen, die den Investoren versprochen wurden, erfüllen sich nirgendwo.

Die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) werden von der Wirklichkeit eingeholt.

Und das ist eine ganz schlechte Nachricht für die Finanzwirtschaft.

Das ist auch eine ganz schlechte Nachricht für die deutschen und die europäischen Banken.

Denn natürlich haben alle mitgemacht bei dem Hype.

Die Zahlen sind ernüchternd.

Die Forderungen allein aller deutscher Banken an die BRIC-Staaten belaufen sich nach Statistiken der Deutschen Bundesbank wie folgt: Brasilien 3,4 Milliarden Euro, Russland 16,5 Milliarden Euro, Indien 5,8 Milliarden Euro und China 13,4 Milliarden Euro.

Noch deutlicher sehen die Forderungen der europäischen Banken gegenüber allen Schwellenländern bzw. den „emerging markets“ aus. Laut Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ), die den DWN vorliegen, betragen die gesamten Forderungen aller europäischen Banken – einschließlich vergebener Kredite und Staatsanleihen – an die Schwellenländer 3,4 Billionen Dollar.

In der Weltwirtschaft ist alles miteinander so vernetzt, dass man am Ende nicht mehr genau sagen kann, warum das ganze System in die Luft fliegt.

Während sich alle Welt über die Euro-Krise Gedanken gemacht hat, sind die Probleme der Emerging Markets aus dem Blick geraten.

Doch die Probleme sind nicht mehr zu übersehen.

Alarmierende Anzeichen wie hohe Inflationsraten und steigende Arbeitslosigkeit machen sich bemerkbar. In Brasilien gingen die Menschen wegen einer Fahrpreiserhöhung von (umgerechnet) sieben Cent auf die Straße. Dies war jedoch nicht der eigentliche Grund. Es war vielmehr ein Anlass, gegen die herrschende Korruption, Milliardenausgaben für die Fußball-WM, mangelnde Bildungschancen und ungerechte Verteilung des Wohlstands zu protestieren – mit der Folge gewaltsamer Auseinandersetzungen (mehr hier).

Die Revolutionen in Tunesien, Ägypten und Syrien sowie die Unruhen in der Türkei haben wirtschaftliche Gründe: Kein Regime hat es geschafft, die Wirtschaft in seinem Land nachhaltig zu festigen. In den meisten Fällen ist das Wachstum auf Schulden aufgebaut.

Im Vergleich zu Europa ist diese Schuldenkrise noch viel gigantischer, weil die Staaten zwar eine junge Bevölkerung haben, in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung jedoch noch oftmals ganz am Anfang stehen.

In den vergangenen Wochen wurden auch die Kapitalmärkten der BRIC’s-Staaten erstmals von starken Abstürzen erschüttert.

Die Revolutionen und Abstürze an den Börsen sind Vorboten von größeren Verwerfungen.

Erst setzte eine Kapitalflucht ein, dann kamen Aktien, Anleihen und selbst die die Währungen unter Druck.

Die Weltwirtschaft setzte zu lange auf die Hoffnungsträger und exportierte wie wild in die Staaten. Nun versiegen die Quellen, und die Exportnationen wie Deutschland geraten unversehens selbst unter Druck.

Brasilien benötigte dringend Investitionen in seine Infrastruktur, Gesundheitswesen und vor allem Bildung, um weiterhin wirtschaftlich erfolgreich bestehen zu können.

Russland setzte bisher hauptsächlich auf Energie und Gasexporte. Eine erfolgreiche, zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik verlangt allerdings mehr Rechtssicherheit für ausländische Investoren, um neue Ideen und Produkte zu generieren.

Indien profitiert bislang durch die unternehmerische Mittelschicht, die wiederum unzählige ungelernte, unterbezahlte Arbeiter beschäftigt. Daneben existieren als wirtschaftliche Leuchttürme lediglich die Technologiezentren. Generell hat die indische Wirtschaft hat mit einer ausufernden Bürokratie und dem Mangel an moderner Infrastruktur zu kämpfen.

Chinas Wirtschaftsleistung stieg während der letzten drei Jahrzehnte um jährlich etwa 10 Prozent und liegt derzeit bei 7,8 Prozent mit einer erwarteten Aussicht von etwa 6,5 Prozent jährlich. Steigende Lohnkosten und die Währungsaufwertung behindern die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft.

Ein derart deutlicher wirtschaftlicher Abschwung wird auch als „hard landing“ bezeichnet. Es bedeutet den Rückfall einer aufstrebenden Volkswirtschaft in das Abgleiten in die Rezession. Gerade das „hard landing“ Chinas wird weltweit auch andere Schwellenländer hart treffen.

Die deutsche Industrie, die vor allem Investitionsgüter, Industrieanlagen und Fahrzeuge aller Art nach China liefern, profitierte bisher vom exorbitanten Wachstum in China. Gerät China in eine Rezession, zeitigt dies auch schwerwiegende Rückschläge für die deutsche Exportwirtschaft.

Insgesamt lassen sich weitere Faktoren berücksichtigen, um die gesamtwirtschaftliche Situation der Schwellenländer oder auch „emerging markets“ auf die Entwicklungen in der Eurozone und damit auch auf Deutschland abzuschätzen:

Argentinien, das zwar nicht den BRIC-Staaten, jedoch den Schwellenländern zuzurechnen ist, ist derzeit mit Forderungen nach Schuldenrückzahlungen konfrontiert. Allein Deutschland gegenüber belaufen sich die Schulden auf 2,43 Milliarden Euro. Darüber hinaus ringt das Land mit Rückzahlungen von umgeschuldeten Anleihen, die zu Krisenzeiten Argentiniens nicht von einem Schuldenschnitt betroffen waren. Sollte Argentinien diese Schulden abtragen müssen, drohte ein erneuter Staatsbankrott (mehr hier).

Indessen sorgt sich auch Italien um die Entwicklung in Argentinien, da die italienische Wirtschaft traditionell eng mit der des südamerikanischen Landes verwoben ist. Insbesondere würde es für Italien prekär, falls es in Argentinien tatsächlich zu einer wiederholten Staatsinsolvenz käme. Dies hätte einen Bail-Out Italiens durch die Eurozone zur Folge (hier).

Allein im Jahr 2012 trugen die BRIC-Staaten etwa 62 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Sollten sich die Wirtschaftsdaten in diesen Ländern weiterhin abschwächen, droht eine Blase zu platzen. Womöglich stehen in den Schwellenländern neben Argentinien auch weitere Staatspleiten an.

Mit der Folge von massiven Ausfällen der Forderungen der europäischen Banken.

In den offiziellen Zahlen noch nicht enthalten sind die Derivate. Die Deutsche Bank hat in ihren eben veröffentlichten Zahlen ein massives Deleveraging vorzuweisen: Das heißt, sie hat Risiken aus ihren Büchern gebracht. Und zwar in einem Tempo wie keine Bank es seit 2011 mehr gemacht hat.

Wohin die Risiken sind, weiß niemand.

Aber dass die Deutsche Bank nervös ist, belegt: Die Lage ist ernst.

Der Fall der italienischen Monte dei Paschi di Siena zeigt: Banken schieben sich gerne Risiken selbst zu, etwa in Form von Swap-Geschäften. Solche Geschäfte standen am Beginn der griechischen Tragödie.

Wenn es noch eines Beweises bedarf, dass die Lage auf den globalen Märkten vermutlich wegen der Emerging Marktes besonders angespannt ist: Goldman Sachs hat aktuell bekanntgegeben, verstärkt in europäische Unternehmen investieren zu wollen. In der etwas kryptischen Meldung stand sinngemäß zu lesen, dass die Goldmänner zwar nicht wissen, wann sich Europa erholen wird, dass aber europäischen Assets besser seien als andere.

Durch die Derivate und die Vernetzung der Banken hat ein Crash in Argentinien oder in China für die Europäer dieselbe Wirkung wie ein Crash in Italien oder Frankreich.

Ein Domino-Effekt wäre die Folge.

Das europäische Kartenhaus, in dem gerade wieder das Griechenland-Thema mit neuen Milliarden-Löchern hochkocht, ist nicht gewappnet gegen einen Tsunami aus dem Osten.

Alle behelfsmäßigen Brandmauern, Bazookas und Rettungsschirme der Europäer sind zu klein, um die Banken der Euro-Zone vor einem „Event“ in Schwellenländern wie China zu schützen.

Der Schwarze Schwan, so scheint es, könnte aus den Schwellenländern kommen.

Wegen der verantwortungslosen globalen Schuldenmacherei schwimmt der nächste Schwan jedoch nicht auf einem Teich.

Er kommt auf einer Flutwelle der Spekulationen, Risiken und Betrügereien daher, auf der die Finanzwirtschaft in den vergangenen Jahren mit Riesen-Profiten gesurft ist.

Die Flutwelle kann jederzeit aufschlagen.

Wenn sie wirklich kommt, bleibt nicht mehr viel Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Beobachter wollen festgestellt haben, dass sich bestimmte Banken wie die Deutsche Bank, Barclays oder Citigroup nur noch mit Mühe über die Nächte retten können, um nicht einen Overnight-Crash mit ihrer Liquidität zu produzieren.

Die Lage ist ernst.

Die Ruhe trügerisch.

Im Computer-Zeitalter gibt es keine Vorwarn-Zeiten mehr.

Der Schwarze Schwan wird plötzlich da sein.

Und schon ist es zu spät.

Für alle.

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In Venezuela warf die Zentralbank die Druckerpresse an, um die massiven Ausgaben der Chavez-Ära zu finanzieren. Daraufhin stieg die Inflationsrate auf 250 Prozent. (Foto: Flickr/Venex_jpb)

In Venezuela warf die Zentralbank die Druckerpresse an, um die massiven Ausgaben der Chavez-Ära zu finanzieren. Daraufhin stieg die Inflationsrate auf 250 Prozent. (Foto: Flickr/Venex_jpb)

Die offiziellen Daten zur Inflation sind oft reine Fiktion. Steve Hanke von der Johns Hopkins University stellt in einer Studie des Cato Institutes stellten fest, dass die Inflationsdaten in sechs Ländern besonders unrealistisch sind: Iran, Argentinien, Venezuela, Ägypten, Syrien und Nordkorea.

Da die Währungen dieser Länder nicht frei gehandelt werden können, werden sie auf dem Schwarzmarkt getauscht. Die Forscher verglichen die Schwarzmarkt-Wechselkurse mit den offiziellen Kursen. Auch wenn die publizierten Teuerungsraten meist recht stabil aussahen, stieg die tatsächliche Inflation auf dem Schwarzmarkt mitunter extrem an. Die Bürger der sechs Länder haben das Vertrauen in die offiziellen Währungen verloren. Zwar hält die politische Führung die offiziellen Wechselkurse weitgehend stabil. Doch die Währungskrise treibt die Inflation an, das Vertrauen in die Währung wird weiter erschüttert. Folglich geht der Wechselkurs am Schwarzmarkt auf Talfahrt.

Die Idee für das Projekt wurde im Zuge der iranischen Inflationskrise im Herbst 2012 geboren. Die Sanktionen des Westens wirkten verheerend auf die iranische Volkswirtschaft. Laut Ökonom Steve Hanke war der Unterschied zwischen dem offiziellen Rial-Dollar-Wechselkurs und dem Kurs auf dem Schwarzmarkt im Juli 2010 vernachlässigbar. Doch seither haben sich die offiziellen und die Schwarzmarkt-Wechselkurse immer weiter voneinander entfernt. Schließlich kam es sogar zu einer Hyperinflation mit monatlichen Teuerungsraten von über 50 Prozent. Obwohl sich der Rial mittlerweile etwas stabilisiert hat, bleibt die Inflation nach Schwarzmarkt-Wechselkursen mit 74,2 Prozent enorm.

Auch wenn Nordkorea von seiner kommunistischen Regierung stark abschottet wird, wächst der Schwarzhandel zwischen Nordkorea und China. Die nordkoreanische Währung, der Won, spielt dabei zumindest bei inoffiziellen Geschäften kaum noch eine Rolle. Die Nordkoreaner nutzen vorzugsweise den chinesischen Yuan und den US-Dollar. Das Misstrauen gegenüber dem Won hat mit einer Währungsreform im Jahr 2009 zu tun. Damals wurde eine „neue“ Währung eingeführt, ein neuer Won, bei dem einfach zwei Nullen weggestrichen wurden. Die Bürger konnten aber nur einen Teil der alten Währung in die neue umtauschen. Das löste eine Panik aus, die Nachfrage nach Devisen erhöhte sich, die Nachfrage nach dem Won brach ein.

Die Inflation ist in Argentinien zum Alltag geworden. Das Land steht derzeit am Rande einer neuen Währungskrise. Kapitalkontrollen und eine sich verschlechternde Leistungsbilanz in Kombination mit einer wirtschaftsfeindlichen Politik setzen den Peso unter Druck. Johns Hopkins-Professor Hanke sagt:

„Aktuell erhält man auf dem Schwarzmarkt 8,2 Peso für einen Dollar, womit der Wert der argentinischen Währung 34 Prozent niedriger ist als offiziell vermeldet. Das bedeutet eine aufs Jahr hochgerechnete Inflationsrate von 24,8 Prozent.

Zwar wurden die Auswirkungen der hohen Inflationsrate bislang durch massive Preiskontrollen vertuscht. Doch dies kann auf Dauer nicht gut gehen.

Auch Venezuela hat versucht, das Problem mit der Inflation durch Preiskontrollen zu lösen und ist dabei spektakulär gescheitert. „Um die massiven Sozialausgaben der Chavez-Ära zu finanzieren, reichten die Devisen aus dem Öl nicht aus“, so Hanke. Die Zentralbank habe daraufhin die Druckerpresse angeworfen, was zum Verfall des Bolivar geführt habe. Auf dem Schwarzmarkt liegt der Wert des Bolivar mehr als 80 Prozent unter dem offiziellen Wechselkurs. Daraus ergibt sich eine aufs Jahr hochgerechnete Inflationsrate von 249 Prozent.

In Ägypten haben Preis- und Kapitalkontrollen unter Mohammed Mursi einen Verfall des ägyptischen Pfund ausgelöst. „Die Ägypter durften zusehen, wie als Konsequenz die Inflation ihren Lebensstandard zerstörte“, sagt Hanke. Die offiziellen Preis- und Inflationsstatistiken seien bald meilenweit von der Realität entfernt gewesen. Laut Hanke lag die Inflationsrate basierend auf Schwarzmarkt-Wechselkursen Anfang Juli bei 27 Prozent und somit dreimal so hoch wie die offizielle Inflationsrate.

Die syrische Volkswirtschaft ist durch Bürgerkrieg und Wirtschaftssanktionen massiv beeinträchtigt worden. In der Analyse von Hanke heißt es:

„In einem verzweifelten, fehlgeleiteten Versuch, die Währung vor dem Verfall zu schützen, führte das Assad-Regime massive Strafen gegen den Handel der Währung auf dem Schwarzmarkt ein. Schon im Oktober 2012 erwies sich diese Strategie als nutzlos, nämlich als sie der Iran einsetzte. Genauso wie es auch im Iran der Fall war, führten die Versuche, den Handel mit der Währung zu unterbinden, zu einer Panik – einem Abverkauf des syrischen Pfund.“

Mit dem Währungsverfall ging laut Hanke ein dramatischer Anstieg der Inflation einher. Per Ende Juli weist das Cato Institute eine Inflationsrate von 214 Prozent aus. Am 10. Juli 2013 erreichte das syrische Pfund auf dem Schwarzmarkt ein Allzeittief bei 265 Pfund je US-Dollar.

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In der Tierhaltung eingesetzte Antibiotika lassen Bakterien immun werden – auch gegen die Therapie beim Menschen. (Foto: Flickr/NIAID)

In der Tierhaltung eingesetzte Antibiotika lassen Bakterien immun werden – auch gegen die Therapie beim Menschen. (Foto: Flickr/NIAID)

Die Umweltschützer beziehen sich auf erstmals vorliegende Daten der an Tierärzte abgegebenen Mengen an Antibiotika. Sie erlaubt auch eine regionale Zuordnung der vertriebenen Mengen nach den ersten beiden Postleitzahlen. Insgesamt wurden demnach im Jahr 2011 rund 1.706 Tonnen Antibiotika für den Veterinärbereich abgegeben.

Nach den vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ausgewerteten Zahlen wird allein in Landkreisen mit der Postleitzahl 49 etwa ein Drittel der gesamten Antibiotikamenge verabreicht. Dies sind Hochburgen der Massentierhaltung wie Osnabrück, Münster oder Vechta.

Die Behandlungs-Intensität von Tieren kann mit den vorliegenden Mengenangaben der eingesetzten Antibiotika zwar nicht festgestellt werden. Jedoch geht es bei der potentiellen Gefährdung des Menschen in erster Linie um die Belastung, die in einem bestimmten Gebiet in die Umwelt gelangt. „90 Prozent der Antibiotika werden von den Tieren wieder ausgeschieden und gelangen dann in den Boden“, sagte Kathrin Birkel vom BUND den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

antibiotika tierhaltung„In Landkreisen mit den Anfangsziffern 49 entspricht das mehr als 600 Tonnen Antibiotika-Wirkstoffen pro Jahr“, so Birkner weiter. Die Arzneien landeten mit der Gülle in Ackerböden, auf Wiesen und teils auch in Gewässern. Antibiotika-Rückstände in der Umwelt trügen dazu bei, dass Keime zunehmend Resistenzen gegen Antibiotika entwickelten und diese verbreiteten. Für Menschen bestehe das Risiko, sich mit resistenten Keimen zu kontaminieren, die im Krankheitsfall eine Antibiotika-Therapie wirkungslos machen könne. „Wir züchten uns in einen Therapie-Notstand“, so Birkel.

 

Ein Großteil, nämlich 41 Prozent der Antibiotika würden in einer Massentierhaltungs-Region verkauft, die nur zwei Prozent des Bundesgebietes entspricht. Dort befänden sich bereits besonders viele Intensivtierhaltungen. Zudem seien genau in diesen Gebieten viele neue Tierhaltungen für Hühner und Schweine geplant, so die Umweltschützerin. Überhaupt sei die auf Masse ausgelegte Tierhaltung in Deutschland das eigentliche Problem. „In der Intensivtierhaltung zählt heute Leistung. Die Robustheit der Tiere wird vernachlässigt“, sagt Birkel.

„Dem maßlosen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden“, sagt auch der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen, Martin Häusling. Über ein entsprechendes Gesetz liegen Bundesregierung und die Grün-regierten Länder im Bundesrat nach wie vor im Streit. Auch eine EU-weit einheitliche Regelung ist in näherer Zukunft nicht absehbar.

BUND und die Grünen fordern die Einführung konsequenter Kontrollsysteme. „Diejenigen, denen ein Antibiotika-Missbrauch nachgewiesen wird, sollten endlich die ‚Rote Karte‘ erhalten und Sanktionen tragen müssen“, fordert Häusling, und knüpft damit an das in Dänemark praktizierte System an. Wenn ein Betrieb dort die besonders hochdosierten „Notfall-Antibiotika“ zum Einsatz bringt, erhält er die gelbe Karte. Daraufhin muss er Änderungen an den Haltungsmethoden vornehmen. Bei wiederholten Vergehen droht die rote Karte, das heißt die Schließung des Betriebs. Auch die Niederlande seien laut Birkel ein Vorreiter in Sachen Antibiotika-Reduktion. Dort wurde der Einsatz innerhalb von nur drei Jahren um 50 Prozent reduziert.

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Die Schweiz wil sich ihre Steuer-Autonomie nicht nehmen lassen: Entwicklung der Steuereinnahmen im Vergleich zum BIP (1970 = 100). (Grafik: eidgenössische finanzverwaltung (efV), Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco))

Die Schweiz wil sich ihre Steuer-Autonomie nicht nehmen lassen: Entwicklung der Steuereinnahmen im Vergleich zum BIP (1970 = 100). (Grafik: eidgenössische finanzverwaltung (efV), Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco))

Die Schweizer Wirtschaft will ihre steuerlichen Vorteile nicht aus der Hand zu geben. Der Verhaltens-Kodex der EU zur Bekämpfung eines „schädlichen Steuerwettbewerbs“ soll auch für die Schweiz geltend gemacht werden:  „Ziel der EU ist es, dass sich die Schweiz dem EU-internen Verhaltenskodex zur Unternehmensbesteuerung anschließt“, sagte Christian Frey, vom Dachverband der Schweizerischen Wirtschaft Economiesuisse den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. „Der Verhaltenskodex kann für Drittstaaten wie die Schweiz jedoch keine Gültigkeit beanspruchen.“

In einer Studie haben die Schweizer nun nachgewiesen, dass es in der EU viel mehr steuerpolitischen Wildwuchs gibt als in der Schweiz (mehr dazu hier).

Als Kriterien für einen schädlichen Steuerwettbewerb gelten eine „deutlich niedrigere Effektivbesteuerung“ und Steuervorteile für „Gebietsfremde“. Schädlich ist der Wettbewerb auch dann, wenn die Steuervorteile „völlig von der inländischen Wirtschaft isoliert“ sind oder „wenn gar keine echte Wirtschaftstätigkeit vorhanden ist. Die EU geht davon aus, dass auf das Steuersystem der Schweiz einige dieser angeführten Kriterien zutreffen.

Die EU kritisiert „konkret einzelne kantonale Steuerregimes (Holding-, Domizil- und gemischte Gesellschaften), die nur mehrheitlich im Ausland tätigen Unternehmen offenstehen. Solche Sonderregeln werden als ‚ring-fencing‘ bezeichnet, sagte Frey den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Trotz Verhaltenskodex finden sich in EU-Staaten immer noch viele steuerliche Sonderregelungen mit dem Ziel, Unternehmen besonders gering zu besteuern und sich Standortvorteile zu verschaffen. „Im Unterschied zu vielen Sonderregeln in der EU sind die Steuerregimes der Schweiz transparent gesetzlich geregelt. Dadurch sind sie eben auch besonders einfach zu kritisieren“, sagte Frey den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Die Schweiz ist ein bedeutender Standort für die Konzernzentralen der global Player. Das interkantonale Steuersystem zieht seit je her Akteure aus dem Handel, aus Forschung und Entwicklung und aus dem Dienstleistungssektor an. Wenn sich die steuerlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz ändern sollten, „droht eine schleichende Verlagerung von Aktivitäten an Konkurrenzstandorte. Damit verbunden wäre der Verlust von bedeutender wirtschaftlicher Substanz, einer Vielzahl von hochqualifizierten Arbeitsplätzen sowie von substantiellen Steuereinnahmen“, sagte Frey.

Economiesuisse sieht in dem Aktionsplan gegen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung der EU ein „Risiko“ für die Schweiz. Darin geht es unter anderem um die Beseitigung von Schlupflöchern bei der Besteuerung von Zinserträgen sowie um die „Anwendung von Mindeststandards für verantwortungsvolles staatliches Handeln im Steuerwesen“ durch Drittländer wie die Schweiz.

Auch seitens der OECD gerät das Steuersystem der Schweiz unter Druck. Die OECD will die Erosion der steuerlichen Basis durch ein Projekt verhindern, welches „maßgeblich durch große Staaten vorangetrieben“ werde, so Frey. Dadurch bestehe „die Gefahr, dass schließlich für kleinere Staaten schärfere Spielregeln gelten als für die Großen“. Ein Beispiel sei Frankreich. Die Regierung unterstütze Unternehmen ganz direkt durch staatliche Beträge. Frey kritisiert, dass auch solche Subventionen in die Diskussion mit einbezogen werden müssten, „da die Wettbewerbsfähigkeit dadurch direkt beeinflusst wird.“

Als Nicht-Mitglied unterliegt die Schweiz nicht der Jurisdiktion der EU. Andererseits will man durch einen fairen und geregelten internationalen Steuerwettbewerb profitieren. Die Regierung tritt daher in den Dialog mit der EU und hat im Mai bereits die Eckpunkte einer geplanten Unternehmenssteuerreform vorgelegt. Dadurch soll die „internationale Akzeptanz sowie die steuerliche Wettbewerbsfähigkeit des Steuersystems“ sichergestellt werden, sagte Frey.

Die Schweiz sei aber nicht nur aus steuerlichen, sondern auch aus andern Gründen sehr attraktiv für Unternehmen. Frey nennt als Beispiel die gute ausgebaute Infrastruktur, hochqualifizierte Arbeitskräfte, ein liberales Gesellschafts- und Arbeitsrecht und die Rechtssicherheit.

(163)

Schwedens Premierminster Anders Borg ist besogt: „Die Krise hinterlässt tiefe Narben". (Foto: Flickr/FinansdepSV)

Schwedens Premierminster Anders Borg ist besogt: „Die Krise hinterlässt tiefe Narben”. (Foto: Flickr/FinansdepSV)

Von April bis Juni ist das schwedische BIP um 0,1 Prozent geschrumpft. Noch im Quartal zuvor gab es ein Wachstum von 0,6 Prozent. Das jährliche Wachstum ist damit um 1,1 Prozent gesunken und beträgt nur noch 0,6 Prozent. Das ist unerwartet, denn einer Umfrage von Bloomberg zufolge sollte die Wirtschaft Schwedens eigentlich um 0,1 Prozent pro Quartal wachsen.

Trotz der schwachen Zahlen werde Kurs der Geldpolitik nicht geändert, sagte Tobjoern Isaksson, Chaf-Analytiker bei der schwedischen Nordea Bank. Wenn man „das erste und zweite Quartal zusammen betrachtet, zeigt sich ein leichtes Wachstum“, so Isaksson. Die schwedische Zentralbank will die Kreditzinsen im Herbst wieder erhöhen, wenn die Wirtschaft sich im zweiten Halbjahr wieder erholt.

Wie die meisten Staaten in Europa ist auch Schweden stark vom europäischen Binnenmarkt abhängig. Einem Bericht des IWF zufolge wird sich die Lage weiter verschlimmern. (mehr hier). Die Exporte sind im zweiten Quartal um gesunken (-0,8%). Auch der private Konsum ging zurück, wenn auch nur leicht (-0,1%).

Die Zentralbank erwartet einen Schub durch das produzierende Gewerbe. Dieser wird jedoch durch Schulden finanziert. Finanzminister Anders Borg sagte, die Regierung müsse die Wirtschaft im nächsten Jahr weiter ankurbeln. Bereits dieses Jahr gibt sie 23 Milliarden Kronen (etwa 2,7 Milliarden Euro) für Infrastrukturprojekte und Forschung aus.

Auch die Senkung der Unternehmenssteuer von 26,3 auf 22 Prozent wird damit erkauft. Aufgrund der hohen Steuerlast können Unternehmen in Skandinavien oft nur in der Schattenwirtschaft profitabel funktionieren (mehr hier).

Durch die Senkung der Unternehmenssteuer erhofft sich die Regierung positive Effekte auf dem Arbeitsmarkt. Im Mai sind in Schweden schwere Unruhen ausgebrochen. Die steigende Arbeitslosigkeit bei den Einwanderern setzt die Regierung unter Druck (mehr hier). Autos und Schulen wurden angezündet (hier).

Die Arbeitslosigkeit in Schweden liegt bei acht Prozent und ist im Vergleich zum Vormonat leicht nur gestiegen. Der schwedische Premier zeigte sich jedoch besorgt. „Die langwierige Krise hinterlässt tiefe Narben und die Erholung in Europa hat Schwierigkeiten, Fahrt aufzunehmen“, sagte Borg in einem Statement.

(190)

Joe Kaeser will Siemens wieder zu altem Glanz verhelfen. (Foto: Siemens)

Joe Kaeser will Siemens wieder zu altem Glanz verhelfen. (Foto: Siemens)

Der Nachfolger von Peter Löscher als Siemens-Chef steht fest: Joe Kaeser will den Konzern nun aus der Krise führen. Siemens sei kein Sanierungsfall: „Wir haben uns zuletzt aber zu viel mit uns selbst beschäftigt und etwas die Ertragsdynamik gegenüber dem Wettbewerb verloren“, sagte Kaeser.

Nachdem die Gewinnprognose für Siemens im laufenden Jahr bereits das zweite Mal korrigiert werden musste (hier), kam das Ende für Peter Löscher. Der Aufsichtsrat feuerte „Pete Delete“, wie Löscher im Siemens-Slang genannt wurde. Nach einem kurzen Kampf resignierte Löscher und sagte, eine vertrauensvolle Basis sei seine Arbeit sei danach „nicht mehr gegeben“.

Die Probleme des größten deutschen Technologiekonzerns sind damit aber noch nicht gelöst: Siemens ist ein Spielball von Finanzinteressen und eitlen Managern geworden. Wenn sich das nicht ändert, wird der Konzern in Zukunft kaum noch auf die Beine kommen (mehr zu den Ausmaßen der Probleme bei Siemens hier).

Besonders der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme ist nach dem Rauswurf von Löscher angeschlagen. Aber auch seine Widersacher, Allianz-Chef Michael Diekmann und Ex-Deutsche Chef Joe Ackermann, haben Schrammen abgekommen – nicht zuletzt, weil sie außer Taktieren keine Lösungen für Siemens präsentieren konnte.

Der Beweis für die prekäre Lage: Im zweiten Quartal ist der Gewinn der fortgeführten Aktivitäten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent zurückgegangen, gab der Konzern in einer Pressemitteilung bekannt.

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Der Umsatz im deutschen Einzelhandel war im Juni um drei Prozent geringer als im Vorjahresmonat. (Grafik: Statistisches Bundesamt)

Der Umsatz im deutschen Einzelhandel war im Juni um drei Prozent geringer als im Vorjahresmonat. (Grafik: Statistisches Bundesamt)

Die Einzelhandelsunternehmen in Deutschland setzten im Juni nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes nominal 1,0 Prozent und real 2,8 Prozent weniger um als im Juni 2012.

Der der diesjährige Juni jedoch mit 25 Verkaufstagen einen Verkaufstag weniger als der Vorjahresmonat hatte, ist der Vergleich zum diesjährige Mai aussagekräftiger. Im Vergleich zu Mai 2013 lag der Umsatz im Juni kalender- und saisonbereinigt nominal um 1,2 Prozent und real um 1,5 Prozent niedriger. Insgesamt wurde im deutschen Einzelhandel von Januar bis Juni 2013 real in etwa gleich viel umgesetzt wie im ersten Halbjahr 2012.

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren war im Juni 2013 real 3,0 Prozent geringer, der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln gar um 5,1 Prozent geringer als im Juni 2012. Auch der Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln ging zurück – ein Minus von 2,9 Prozent.

Der Rückgang dürfte für viele Analysten durchaus überraschend kommen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute GfK und DIW wollen eine seit Monaten steigende Tendenz bei Geschäftsklima- und Einkommenserwartungen registriert haben (hier). Bei den deutschen Konsumenten ist dieser Aufschwung scheinbar noch nicht angekommen.

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Niederlande: Die Immobilien-Blase platzt

On August 1, 2013, in Endzeit, by admin
Statistik des niederländischen Hausmarktes. (Grafik: Standard & Poor's)

Statistik des niederländischen Hausmarktes. (Grafik: Standard & Poor’s)

In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind die Immobilienpreise im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozentpunkte gefallen. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise haben niederländische Immobilien fast ein Fünftel ihres Wertes verloren (18%). Einem Bericht von Standard & Poor’s (S&P) zufolge gibt es wenig Anzeichen für eine Besserung.

Auch die Preise für Eigentumswohnungen sind im ersten Quartal um 2,5 Prozentpunkte gefallen, zwölf Mal stärker als im letzten Quartal 2012 (0,2%). Aufgrund der Vielzahl der gesetzlichen Änderungen bei Kreditvergabe und Steuerabschreibungen bleiben die Marktteilnehmer verunsichert. Die Preise werden sich daher nicht stabilisieren.

Die Zahl der Immobilienkäufe ging im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls zurück (-11,6%). Das Volumen am Immobilienmarkt hat sich seit der Finanzkrise nahezu halbiert. „Die Zahl der Transaktionen liegt momentan bei der Hälfte der Transaktionen zwischen 2000 und 2006“, heißt es in dem Bericht von S&P.

Aufgrund der geringen Nachfrage fällt auch die Kreditvergabe für Immobilien schwächer aus. Die Einkommen der Menschen sinken und ihr abrufbares Kreditvolumen geht mithin auch zurück. Da nützen auch die niedrigen Zinsen auf Hypotheken nichts.

Der Preisfall werde zwar im nächsten Jahr etwas zurückgehen, aber noch nicht zum Stillstand kommen. Auch für die Wirtschaft der Niederlande hat S&P keine guten Nachrichten: „Wir erwarten dass, das reale BIP um 0,8 Prozent schrumpfen wird.“

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Ungewöhnlich viele Sonnentage im Juli haben die Wende in der Krise gebracht: Der GfK Konsumindex schoss in die Höhe.

Ungewöhnlich viele Sonnentage im Juli haben die Wende in der Krise gebracht: Der GfK Konsumindex schoss in die Höhe.

Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sind der Jahreszeit entsprechend sehr optimistisch. Seit Jahren habe die deutsche Wirtschaft nicht so gut dagestanden wie heute. Man merkt an den Prognosen: Es ist Vorwahlzeit. Und Hochsommer zugleich.

Beides zusammen beeinträchtigt Denkvermögen und Scharfsinn.

Die Untersuchungen beziehen sich auf so schwammige Kriterien, dass man unwillkürlich fragt: Wurde hier einfach der Wetterbericht kopiert?

Die Stimmung der deutschen Verbraucher habe sich weiter verbessert, sagt die GfK in ihrer aktuellen Konsumklimastudie. So gut wie im Juli sei das Konsumklima zuletzt vor der Krise im September 2007 gewesen.

Was ist eigentlich die Stimmung? Wie misst man sie? Was sagt sie aus? Woher wissen die Konsumenten eigentlich, welcher Stimmung sie anhängen.

Sowohl die Konjunktur- als auch Einkommenserwartung hätten im Juli höher gelegen als in den Monaten zuvor. Und die Anschaffungsneigung habe sogar ein neues 18-Monats-Hoch erreicht. In der Presseerklärung der GfK heißt es:

Nicht nur das Wetter zeigte sich in diesem Monat von seiner sommerlichen Seite, auch die deutschen Konsumenten befinden sich in einem Sommerhoch. Anhaltend stabile Beschäftigungsaussichten sowie eine moderate Inflationsrate lassen den Optimismus im Juli noch einmal ansteigen.“

Der Trend der Konjunkturaussichten ist seit Ende letzten Jahres aufwärts gerichtet, so die GfK. Die Rezession in einigen Ländern der Eurozone verhindere derzeit allerdings eine rasche Besserung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Und auch die Wachstumsdynamik in China beginne, sich leicht abzuschwächen. „Dies könnte die Exportaussichten der deutschen Wirtschaft ebenfalls belasten“, so die GfK.

Es ist bemerkenswert, dass eine vermeintlich seriöse Umfrage-Organisation den Sonnenschein bemühen muss, um die Stimmung der Konsumenten zu beschreiben.

Auch der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland ist bereits das dritte Mal in Folge gestiegen.

Auch die Einkommenserwartung ist im Juli deutlich gestiegen. Dies ist bereits der vierte Anstieg in Folge. Ein höherer Wert wurde zuletzt im Juni 2011 erreicht. Der Trend ist bereits seit Ende letzten Jahres aufwärts gerichtet. Der maßgebliche Grund für diese überaus optimistische Einschätzung der eigenen finanziellen Entwicklung sei der stabile Arbeitsmarkt, so die GfK.

Deutschland sei das einzige Land in Europa, in dem die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist. Als Folge der stabilen Beschäftigungssituation habe sich auch die tatsächliche Einkommenssituation für viele Arbeitnehmer verbessert, so die GfK. Vor dem Hintergrund einer moderaten Inflation stärke dies die Kaufkraft der Beschäftigten.

Auch die Anschaffungsneigung legte im Juli noch einmal zu. Höher lag der entsprechende Index seit Januar 2012 nicht mehr.

„Nach wie vor halten die Verbraucher es mehrheitlich für ratsam, größere Anschaffungen zu tätigen. Bei historisch niedrigen Zinsen, die zum Beispiel bei der klassischen Festgeldanlage bei weitem nicht einmal die Inflationsrate kompensieren, ist es für die Konsumenten momentan auch nicht sehr attraktiv, Geld zu sparen oder anzulegen.“

Statt des Sparens bevorzugten die Deutschen derzeit das sogenannte „Betongold“, die Anlage der finanziellen Mittel in Immobilien. Daher könnten sich auch die Möbelbranche und der Renovierungsbereich über gute Geschäfte freuen.

Auch das DIW ist optimistisch und beruft sich darauf ebenfalls auf meteorologische Vergleiche: Sein Konjunkturbarometer zeigt für das zweite Quartal einen Anstieg des BIP um 0,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal an. „Die Industrieproduktion wurde merklich ausgeweitet“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Aufgrund der sich weiter aufhellenden Unternehmens-Stimmung könnte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal um 0,4 Prozent wachsen.

„Entscheidend für ein kräftiges Wachstum sind die Investitionen“, sagt DIW-Deutschlandexperte Simon Junker. Diese sind seit anderthalb Jahren rückläufig. Doch Junker erwartet nun Besserung: „Da die Unsicherheit seit Spätsommer letzten Jahres aber etwas abgeebbt ist und die Kapazitätsauslastung in der Industrie mittlerweile wieder im langjährigen Durchschnitt liegt, dürften die Unternehmen mehr und mehr das günstige Finanzierungsumfeld für Investitionen nutzen.“

Das Baromter gibt offenbar nicjht genug her für eine freundlich Prognose. Also zieht das DIW sein Fazit mit einem Argument ex futuro: Die Unternehmen dürften vielleicht unter Umständen in Erwägung ziehen, weitere Investitionen nicht ganz auszuschließen.

Bravo.

Das DIW präzisiert:

„Die konjunkturelle Flaute dürfte überstanden sein und sich daher kaum auf die Beschäftigtenzahlen auswirken“, sagte Fichtner. Die Berliner Konjunkturforscher erwarten, dass sich der Beschäftigungsaufbau mit nachlassendem Tempo fortsetzt. Bei anhaltend kräftigen Lohnzuwächsen dürften die Einkommen der privaten Haushalte weiter spürbar anziehen und den privaten Verbrauch beflügeln.“

Was genau soll man sich unter einem Beschäftigungsaufbau mit nachlassendem Tempo vorstellen?  Wie kommt man aus einer überstandenen Flaute in den Modus des beflügelten Anziehens?

Die Prognosen der Institutionen haben die Qualität von Sommerlöchern.

Fazit: Für den Herbst erwarten die Experten mit zunehmender Eintrübung durch Quellwolken eine weiter rückläufige Messbarkeit der Stimmungsschwankungen bei Meinungsforschern, die sich jedoch nach dem Ergebnis der Bundestagswahl eindeutig in die eine oder andere Richtung entwickeln werden.

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Anders als andere Länder hat Russland im Juni seine Goldreserven leicht erhöht und so von den niedrigen Preisen profitiert. (Foto: Flickr/josef.stuefer)

Anders als andere Länder hat Russland im Juni seine Goldreserven leicht erhöht und so von den niedrigen Preisen profitiert. (Foto: Flickr/josef.stuefer)

Im Juni haben die Zentralbanken Russlands und Kasachstans die niedrigen Goldpreise genutzt. Den neunten Monat in Folge erhöhten sie ihre Goldreserven. Die Türkei hingegen trennte sich erstmals seit einem Jahr von staatlichen Goldbeständen.

Russland verfügt über die siebthöchsten Goldreserven der Welt. Im Juni stiegen sie um weitere 0,3 Tonnen auf nunmehr 996,4 Tonnen, zitiert format.at die Daten des IWF. Dies ist allerdings der geringste Anstieg seit Beginn der russischen Goldkäufe im Oktober letzten Jahres entsprach.

Kasachstan erhöhte seine Goldbestände immerhin um 1,4 Tonnen auf 130,9 Tonnen. Die Türkei hingegen wies erstmals seit einem Jahr niedrigere Goldbestände aus. Sie sanken im Juni um 3,8 Tonnen auf 441,5 Tonnen. Auch Mexiko, Deutschland, Guatemala und Surinam reduzierten ihre Goldbestände. Die Schweiz hingegen hält seit den fatalen Goldverkäufen in den Jahren bis 2008 konstant 1.040 Tonnen Gold (hier).

„Die Goldflüsse sind derzeit eher niedrig und die großen Umsätze der Zentralbanken gehören eher der Vergangenheit an“, so Justin Smirk von Westpac Banking in Sydney. In den letzten zwei Jahren hatte vor allem China seine Goldreserven kontinuierlich aufgestockt. Seit Ende 2011 hat China fast 2.000 Tonnen Gold importiert (mehr hier).

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