Diese Aufnahme habe ich hier nochmal in besserer Qualität hochgeladen: Teil 1: www.youtube.com Teil 2: www.youtube.com Teil 3: www.youtube.com Bruckner komponierte seine 9. Symphonie zwischen 1887 und 1896. Noch am Tage seines Todes 1896 arbeitete er am Finale.

Royal Scottish National Orchestra, Georg Tinter, Conductor
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BERLIN. Eine Gruppe vermummter Linksextremisten hat in der Nacht zum Montag ein Hotel im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg überfallen und verwüstet. Dabei wurden mehrere Fenster zerstört, die Fassade beschmiert und Teer in die Lobby geschüttet. „Es war ein Geräusch wie mehrere Explosionen gleichzeitig. Unsere Mitarbeiter dachten, Krieg sei ausgebrochen“, sagte die Hotelchefin der Berliner Zeitung. Offensichtlich gebe es eine Gruppe von Menschen, die durch Terror ihren Willen durchsetzen wolle.

Auch 15 vor dem Hotel abgestellte Fahrräder wurden zum Teil schwer beschädigt. Da eine politische Motivation nicht ausgeschlossen werden kann, hat der Berliner Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Auf der linksextremen Internetplattform „Indymedia Linksunten“ wurde ein Bekennerschreiben der noch unbekannten Täter veröffentlicht. Darin heißt es: „Um darauf hinzuweisen und zu zeigen, daß die von Gentrifizierung betroffenen Menschen keine Lust haben, sich verdrängen zu lassen, haben wir unserm Ärger an einem Paradebeispiel Luft gemacht.“

Das Bio-Hotel, das sich seiner vegetarischen Küche rühmt, war erst vor Kurzem eröffnet worden und liegt in der Nähe mehrerer linksextremer „Wohnprojekte“. Bereits vor der Eröffnung hatten linke Gruppen gegen das Bauvorhaben protestiert, da zehn mit Schädlingen befallene Pappeln gefällt werden mußten. Zuvor befand sich auf dem Gelände ein Gebrauchtwagenhändler. (ho)

DÜSSELDORF. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat am Dienstag den Weg für die finanzielle Förderung sogenannter „kommunaler Integrationszentren“ freigemacht. Kommunen und kreisfreien Städten ist es damit ab sofort möglich, Anträge zur Unterstützung von „Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern Jugendlichen aus Zuwandererfamilien“ bei der Landesregierung zu stellen. Das hochverschuldete Land finanziert das Projekt mit knapp zehn Millionen Euro im Jahr.

Während die Kommunen für die Büroausstattung und Räumlichkeiten zuständig sind, übernimmt die rot-grüne Landesregierung die Personal- und Weiterbildungskosten für zwei Sozialpädagogen, eine Verwaltungskraft und eine organisatorische Halbtagesstätte in jeder Einrichtung. Sollten alle 54 Kommunen im Land das Angebot annehmen, würden so 189 weitere mit Steuermitteln finanzierte Stellen geschaffen.

Deutsche sollen mehr Rücksicht nehmen

Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) begründete das Vorgehen mit dem angeblichen Facharbeitermangel in Deutschland. „Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, gerade auch aus dem Kreis der Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund.“ Auch Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) zeigte sich begeistert. Die Integrationszentren sollten eine „Kultur der Wertschätzung und Anerkennung“ befördern. „Wir wollen die Leistungen der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte für unser Land anerkennen und, wo nötig, die Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien unterstützen“, betonte die Grünen-Politikerin.

Zu den Aufgaben der regionalen Arbeitsstellen gehören unter anderem die Förderung von Unternehmern mit ausländischen Wurzeln, die Erstellung von Konzepten interkultureller Bildung, die Unterstützung des Projektes „Schule ohne Rassismus“ und die Berücksichtigung von „kultursensiblen Aspekten in der Altenhilfe“. Die Integrationszentren sind Teil des Integrationsgesetzes, das der Landtag im Februar beschlossen hatte. (ho)

OSLO. Die Chefin der rechten norwegischen „Fortschrittspartei“, Siv Jensen, hat ein härteres Vorgehen gegen bettelnde Zigeuner gefordert. Wer für seinen Lebensunterhalt nicht aufkommen könne und Verbrechen begehe, solle so schnell wie möglich abgeschoben werden, sagte Jensen nach einem Bericht der Aftenposten. „Setzt sie in einen Bus und schickt sie zurück nach Rumänien.“

Hintergrund ist die zunehmende Einwanderung von Zigeunergruppen in das skandinavische Land. Allein in Oslo gibt es derzeit Probleme mit 200 bettelnden Zigeunern, von denen ein Großteil nach Polizeiangaben in Norwegen bereits Straftaten begangen hat. Nachdem den Einwanderern ein neuer Platz für ihre Wohnmobile zugeteilt wurde, kam es zu massiven Beschwerden von Anwohnern. Auch auf einem Kirchengelende wurden die Zigeuner nur wenige Tage geduldet.

Umfragehoch für Fortschrittspartei

Unterstützung bekam Jensen dabei vom Chef der Olsoer Stadtverwaltung, Stian Berger Røsland. Der konservative Politiker betonte, Menschen die nach Norwegen kommen und glaubten, der Staat müsse ihnen Geld und Wohnraum zur Verfügung stellen, sollten angewiesen werden, das Land wieder zu verlassen. Beim norwegischen Justizministerium trafen die Vorschläge allerdings auf wenig Gegenliebe: Es gäbe keine einfachen Lösungen für das Problem.

Jensens Fortschrittspartei konnte in den vergangenen Monaten in Umfragen deutliche Zugewinne verbuchen. Während die Partei bei den Kommunalwahlen wenige Wochen nach dem Attentat von Anders Behring Breivik auf lediglich elf Prozent kam, erreicht sie in Umfragen derzeit fast 23 Prozent der Stimmen. (ho)

MÜNCHEN. Die bayerische Landesregierung hat beschlossen, noch in diesem Jahr vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Länderfinanzausgleich klagen. Darauf einigte sich die schwarz-gelbe Koalition in München am Dienstag nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. Bis zum Herbst soll demnach eine Klageschrift erstellt werden.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte den Länderfinanzausgleich bereits in der Vergangenheit mehrfach kritisiert und gehofft, daß sich weitere Geberländer der Klage anschließen. Bayern war mit 3,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr der größte Finanzier des 7,3 Milliarden Euro schweren Umverteilungsmechanismus. Größtes Nehmerland war Berlin, das etwa 3 Milliarden Euro erhielt.

Seehofers Schritt war zuvor auf Kritik der Bayern-SPD im Landtag gestoßen: Fraktionschef Markus Rinderspacher, sprach von einem „kraftmeiernden Alleingang“ des Ministerpräsidenten. Staatskanzleichef Thomas Kreuzer (CSU) bezeichnete diese Äußerungen am Montag als „Verrat bayerischer Interessen“. Während die Sozialdemokraten aus den Schuldenländern ungeniert den bayerischen Steuerzahlern in die Tasche griffen, schaue die Bayern-SPD nur tatenlos zu. (ho)

BERLIN. Das traditionelle Gelöbnis der Bundeswehr am 20. Juli ist auch in diesem Jahr ins Visier mehrerer linksextremer Gruppierungen geraten. Man wolle den rei­bungs­lo­sen Ab­lauf der Ze­re­mo­nie im Berliner Bendlerblock stören und die Bundeswehr mit Widerstand konfrontieren, heißt es in einem im Internet verbreiteten Aufruf des „Berliner Bündnis gegen Krieg und Militarisierung“.

Unterstützt werden die Linksextremisten dabei von den „Naturfreunden Berlins“. Wie die Polizei auf Anfrage der JUNGEN FREIHEIT bestätigte, hat der linksparteinahe Verband am Freitag in Berlin Mitte eine Demonstration mit 200 Teilnehmern angemeldet. Zwar gehe man von einem friedlichen Verlauf des Aufzuges aus, es sei jedoch nicht auszuschließen, daß sich gewaltbereite Personengruppen an der Kundgebung beteiligten, sagte ein Sprecher der Polizei.

Erinnerung an den 20. Juli 1944

Bereits in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Versuche aus dem linken Spektrum, Bundeswehrveranstaltungen zu verhindern. So riefen 2010 Jusos und Grüne Jugend zusammen mit DKP und MLPD dazu auf, ein Gelöbnis in Stuttgart zu stören. Auch bei einem öffentlicher Appell von Afghanistan-Veteranen in Lüneburg im April dieses Jahres wurde zu Protesten aufgerufen.

Am kommenden Freitag werden etwa 400 Soldaten der Bundeswehr am Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums ihr feierliches Gelöbnis ablegen. Damit soll an die Widerstandsbewegung innerhalb der Wehrmacht um Claus Schenk Graf von Stauffenberg erinnert werden, der am 20. Juli 1944 ein gescheitertes Attentat auf Adolf Hitler verübte. Stauffenberg wurde kurz darauf im Bendlerblock erschossen. (ho)

NSU: Schoener geht es kaum!

On July 17, 2012, in Bilddokumente, by admin

NSU Quickly

Das Moped NSU Quickly war eines der ersten „echten“ Mopeds der deutschen Nachkriegsgeschichte. Es markierte den Beginn der Massenmotorisierung im Zuge des Wirtschaftswunders.

NSU Quickly, Bj. 1956 in original Farbgebung

Quickly S

NSU Quickly L

NSU Quickly

NSU Quickly (1957/58)

NSU Quickly Cavallino (1957)

NSU 51 ZT Quickly (1954) im Technik Museum Speyer

Das Moped wurde erstmals im Jahre 1953 zur Internationalen Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung (IFMA) präsentiert. Mit einer breit angelegten Werbekampagne unter Mitwirkung vieler prominenter Persönlichkeiten, u. a. auch Sophia Loren und Peter Alexander, wurde „der Kampf um den letzten Fußgänger“ laut Werbeaussage gestartet.

Vom bekannten NSU-Werbechef Artur Westrup stammte der Spruch: Nicht mehr laufen, Quickly kaufen!. Auch andere Sprüche zur Quickly sind überliefert. Anlässlich des Besuchs des sowjetischen Ministerpräsidenten Bulganin in der Bundesrepublik kam folgender (gewiss nicht authentischer) Spruch unter die Leute: Als Bulganin die Quickly sah, stand er tief beeindruckt da. Dann gab er zu, ganz unumwunden: Die ist nicht von uns erfunden! (gedacht als Anspielung auf die damaligen Versuche der Sowjets, alle wichtigen Erfindungen russischen Erfindern zuzuschreiben). In diesem Spruch kreuzt sich die „Geschlechts-Bestimmung“ einer/eines Quickly: NSU selbst gab zunächst vor, „DAS Quickly“ sei richtig. Die meisten Menschen aber sprachen das Moped mit „DIE Quickly“ an. In späteren offiziellen Verkaufsprospekten heißt es ebenfalls DIE Quickly.

BERLIN. Der Bundesregierung liegen keine Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen in der Deutschen Burschenschaft (DB) vor. Zwar könne die vom Chefredakteur der Burschenschaftlichen Blätter, Norbert Weidner, geäußerte Meinung, der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer sei ein „Landesverräter“, eventuell als verfassungsfeindliche Bestrebung gewertet werden, es gäbe jedoch keine Beweise, daß es sich dabei um eine vom Dachverband vertretene Auffassung handelt.

Einzelne Doppelmitgliedschaften von Burschenschaften und rechtsextremen Organisationen seien Ausnahmen, schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. „Die überwiegende Mehrzahl der Mitgliedsburschenschaften jedoch unterhält keine Kontakte zu Rechtsextremisten.“ Derzeit werde die DB außerdem nicht aus dem Bundeshaushalt gefördert.

Die Deutsche Burschenschaft hatte Anfang Juni auf dem jährlichen Burschentag in Eisenach über die politische Ausrichtung des Dachverbandes diskutiert und sich nach gescheiterten Verhandlungen auf ein Nottreffen Ende des Jahres geeinigt. Entzündet hatte sich der Streit an einem Beitrag Weidners in der internen Zeitung der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn, in der er sich mit Bonhoeffer auseinandergesetzt hatte. Dabei hatte er dessen Hinrichtung „rein juristisch“ als gerechtfertigt bezeichnet. (ho)

Schweigen im Sturm, Teil 3

Schweigen im Sturm Teil dreiSie hat gleich Ja gesagt. Ich musste es ihr nur kurz erklären, sie hörte zu und sagte: »Ja, das kannst du gerne machen. Ich backe auch was.«Jetzt sitze ich an ihrem PC, neue Email-Adresse, Proxyserver, GPG-Verschlüsselung und die versprochenen Brownies. Am anderen Ende des Datenozeans sitzt ein junger Mann vor seinem Bildschirm. Ein Treffen meinte er, wäre zu gefährlich, und auch sonst muss er anonym bleiben. Vor fast zwei Jahren hat er an einer Polizeischule angefangen,jetzt redet er, er will es, hat einen Freund gebeten, Kontakt herzustellen.Wie ist das für dich, also mit mir zu »reden«? Ich meine, eigentlich musst du deinen Arbeitgeber ja vor Menschen wie mir schützen. Komisch. Das liegt aber nicht an dir, sondern an dem Umstand, unter dem wir hier miteinander reden müssen. Wir beide müssen aufpassen. Ich könnte meine Arbeit verlieren, bei dir könnte man ja zum Beispiel die Wohnung durchsuchen und deinen Rechner und das Übliche mitnehmen. Das hätte ich vor ein paar Monaten noch für unmöglich gehalten.Zweifelst du an deinem Beruf? An meinem Beruf selber nicht, es macht mir echt Spaß Polizist zu sein, oder es zu werden. Woran ich mehr zweifel, sind die Sachen, für die man uns einsetzt.Ihr müsst hunderte Wohnungen durchsuchen. Zum Beispiel. Ich war zwar noch nie bei einer Wohungsdurchsuchung dabei, aber ich finde, dieser schwere Eingriff in die privaten Räume eines Menschen wird hier viel zu oft eingesetzt. Ich glaube, es geht nicht um die Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden könnten, sondern um den warnend erhobenen Zeigefinger, den man den Betroffenen vor die Nase halten möchte.Sehen das viele Kollegen so? Für viele von uns [Polizeischüler, Anm. d. Red.] ist einfach alles neu und das fasziniert uns. Die Uniform wird wie eine zweite Haut. Die schützt uns nach Außen hin und schweißt uns nach Innen zusammen. Mir kommt es fast so vor, als würden sich einige von den Schülerinnen und Schülern hier gerne zu Actionhelden entwickeln.Und sie hinterfragen nicht ihre Einsätze? Das ist interessant zu beobachten: Bei uns in den Zügen geht es danach oft zu, wie nach einer krassen Achterbahnfahrt, jeder erzählt wie geil es war, man prahlt in der Wir-Form und das schweißt zusammen. Bei Leuten die schon länger im Dienst sind, ist das anscheinend nicht mehr so. Die gehen entweder nüchtern an den Papierkram oder klopfen sich kurz auf die Schulter, weil sie froh sind, dass es allen gut geht. Das sind zumindest meine Eindrücke.Sie sitzt hinter mir, kaut einen ihrer selbstgebackenen Brownies. Die müssen köstlich sein. Ich hatte ihr davor in einem längeren Gespräch erzählt, was ich so für Bekanntschaften hatte. Sie meint, dass sich schlechte Erinnerungen oft besser einprägen als gute. Ein paar gute sind mir eingefallen, Polizisten die mich gut behandelt haben. Vielleicht ist das auch nur ein Fehler in der menschlichen Psyche, aber ich bleibe dabei: In der Summe überwiegen die schlechten Erfahrungen.Dein erster Einsatz, wie hast du dich dabei gefühlt? Stark. Wie gesagt: Die Uniform wird zur zweiten Haut.Vielleicht eher zu einem Panzer? Ja, das kann gut sein, aber das braucht man. Man hat vor Polizisten heute keinen Respekt mehr. Gerade als Beamter in der Bereitschaft oder einer Hundertschaft spürt man die Ablehnung, oder den Hass - immer. Wenn du Anweisungen gibst, wirst du ausgelacht, nicht für voll genommen, beleidigt und mit körperlicher Gewalt musst du eigentlich immer rechnen.Aber woher kommt das? Keine Ahnung, wirklich nicht. In Migrantenvierteln kommt es vermutlich von der zunehmenden Deutschfeindlichkeit, in irgendwelchen alternativen Vierteln liegt es wohl an den Lebensideen der Bewohner, bei brisanten Fußballspielen an dem woher auch immer herkommenden Hass, dem Alkohol oder der Lust sich zu schlagen.Klingt irgendwie sehr einfach und auch ein bisschen planlos. Ja ich weiß, du gibst dem Staat die Schuld.Kann man das denn nicht? Immerhin hat die Regierung die Zustände zu verantworten, in denen du arbeiten musst. Der Mensch muss doch aber in der Lage sein, sich selber zu Entscheiden, wie er mit anderen Menschen umgeht. Einerseits schimpfen alle über uns, nennen uns Bullenschweine, aber auf der anderen Seite weiß jeder unsere Nummer und würde sie im Notfall wohl auch wählen, weil er weiß, dass wir ihm helfen.Das gleiche gilt aber auch für Polizisten. Negativbeispiele muss ich dir jetzt nicht aufzählen. Das hat mich zum Beispiel sehr enttäuscht: Ich weiß, vielen platzt irgendwann der Hals, wenn sie Wochenende für Wochenende beleidigt und auch angriffen werden, das finde ich im übrigen sehr menschlich. Aber manche haben sich verändern lassen. Das sind Rohlinge. Die klappen ihr Visier runter und kommunizieren ab da an nur noch non verbal. Der psyschiche Druck ist immens, manche halten das nicht durch und wie in vielen Fällen ist das Ventil Gewalt.Ich erkläre meiner Kommilitonin, dass 2009 gegen 2980 namentlich bekannte Polizeibeamte intern ermittelt wurde. Die Vorwürfe: Amtsmissbrauch, Gewalt im Amt und Totschlag. Über 95% der Verfahren wurden eingestellt, lediglich 32 verurteilt. Dazu kommen hunderte, vermutlich tausende Anzeigen gegen Unbekannt, denn die identifizierung der Täter ist oft unmöglich. Namen und Dienstnummern werden verschwiegen, Polizisten vermummen sich mit Sturmhauben, vernichten Videomaterial.Gerade dann, wenn man sich sicher sein kann, dass man nicht strafrechtlich verfolgt wird? Das streiten viele gerne ab, aber ja, es ist so. Als Polizist im Dienst gibt es einige Hände, die sich schützend über dich legen. Versetzungen und zeitlich begrenzte Beförderungsverbote sind wenn überhaupt die Konsequenzen.Stell dir vor, du müsstest meine Wohnung durchsuchen … Ich würde es machen, aber ich würde dich angemessen und höflich behandeln. Auch wenn es dieser Staat vielleicht nicht tut: Ich versuche mir meine Erziehung, mein Rechtsbewusstsein und mein Wertegefühl so lange wie möglich zu behalten.Und wenn dieser Staat in eine ähnliche Situation kommt, wie es in Griechenland oder Spanien passierte oder gerade passiert? Daran will ich ehrlich nicht denken. Ich weiß, ich und meine Kollegen werden gut ausgebildet, um uns und andere zu schützen, aber da ist dann diese ganz einfache Frage: wofür? Ich habe Angst, irgendwann nicht mehr nur vor betrunkenen Hooligans oder aus Gewohnheit randalierenden Linken zu stehen. In Griechenland wurden Polizisten von alten Freunden, Nachbarn, vielleicht sogar Familienmitgliedern angegriffen, weil die einfach so eine Wut hatten. Soweit ist es hier zum Glück noch nicht, aber ich halte es nicht mehr für so unwahrscheinlich. Vielen geht es hier schon echt scheiße, viele stehen mit den Politikern Stirn an Stirn und unser Wohlstand ist endlich.Aber du würdest dir deine Uniform anziehen und in den Einsatz gehen? Sicher. Vermutlich nicht für den Staat oder irgendwelcher Hoheitsabzeichen, aber für und wegen meiner Kollegen, die will ich beschützen.Unsere Reihe ist damit zu Ende, das Schweigen auch - der Sturm nicht. Der alte weht noch immer und ein neuer zieht schon auf. Ich bedanke mich bei ihm, lösche so, wie er mich darum gebeten hatte, die genutzte Email-Adresse. Endlich kann ich mir einen der köstlichen Brownies schnappen. Sie hat die ganze Zeit mitgelesen. Wir unterhalten uns noch lange. Im ersten Teil unserer Reihe hatte ein Betroffener der Hausdurchsuchungen im Zuge des Spreelichter-Verbots ein gutes Wort, für Menschen wie sie - ein stiller Symphatisant.

Schweigen im Sturm Teil drei

Sie hat gleich Ja gesagt. Ich musste es ihr nur kurz erklären, sie hörte zu und sagte: »Ja, das kannst du gerne machen. Ich backe auch was.«Jetzt sitze ich an ihrem PC, neue Email-Adresse, Proxyserver, GPG-Verschlüsselung und die versprochenen Brownies. Am anderen Ende des Datenozeans sitzt ein junger Mann vor seinem Bildschirm. Ein Treffen meinte er, wäre zu gefährlich, und auch sonst muss er anonym bleiben. Vor fast zwei Jahren hat er an einer Polizeischule angefangen,jetzt redet er, er will es, hat einen Freund gebeten, Kontakt herzustellen.

Wie ist das für dich, also mit mir zu »reden«? Ich meine, eigentlich musst du deinen Arbeitgeber ja vor Menschen wie mir schützen. Komisch. Das liegt aber nicht an dir, sondern an dem Umstand, unter dem wir hier miteinander reden müssen. Wir beide müssen aufpassen. Ich könnte meine Arbeit verlieren, bei dir könnte man ja zum Beispiel die Wohnung durchsuchen und deinen Rechner und das Übliche mitnehmen. Das hätte ich vor ein paar Monaten noch für unmöglich gehalten.

Zweifelst du an deinem Beruf? An meinem Beruf selber nicht, es macht mir echt Spaß Polizist zu sein, oder es zu werden. Woran ich mehr zweifel, sind die Sachen, für die man uns einsetzt.

Ihr müsst hunderte Wohnungen durchsuchen. Zum Beispiel. Ich war zwar noch nie bei einer Wohungsdurchsuchung dabei, aber ich finde, dieser schwere Eingriff in die privaten Räume eines Menschen wird hier viel zu oft eingesetzt. Ich glaube, es geht nicht um die Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden könnten, sondern um den warnend erhobenen Zeigefinger, den man den Betroffenen vor die Nase halten möchte.

Sehen das viele Kollegen so? Für viele von uns [Polizeischüler, Anm. d. Red.] ist einfach alles neu und das fasziniert uns. Die Uniform wird wie eine zweite Haut. Die schützt uns nach Außen hin und schweißt uns nach Innen zusammen. Mir kommt es fast so vor, als würden sich einige von den Schülerinnen und Schülern hier gerne zu Actionhelden entwickeln.

Und sie hinterfragen nicht ihre Einsätze? Das ist interessant zu beobachten: Bei uns in den Zügen geht es danach oft zu, wie nach einer krassen Achterbahnfahrt, jeder erzählt wie geil es war, man prahlt in der Wir-Form und das schweißt zusammen. Bei Leuten die schon länger im Dienst sind, ist das anscheinend nicht mehr so. Die gehen entweder nüchtern an den Papierkram oder klopfen sich kurz auf die Schulter, weil sie froh sind, dass es allen gut geht. Das sind zumindest meine Eindrücke.

Sie sitzt hinter mir, kaut einen ihrer selbstgebackenen Brownies. Die müssen köstlich sein. Ich hatte ihr davor in einem längeren Gespräch erzählt, was ich so für Bekanntschaften hatte. Sie meint, dass sich schlechte Erinnerungen oft besser einprägen als gute. Ein paar gute sind mir eingefallen, Polizisten die mich gut behandelt haben. Vielleicht ist das auch nur ein Fehler in der menschlichen Psyche, aber ich bleibe dabei: In der Summe überwiegen die schlechten Erfahrungen.

Dein erster Einsatz, wie hast du dich dabei gefühlt? Stark. Wie gesagt: Die Uniform wird zur zweiten Haut.

Vielleicht eher zu einem Panzer? Ja, das kann gut sein, aber das braucht man. Man hat vor Polizisten heute keinen Respekt mehr. Gerade als Beamter in der Bereitschaft oder einer Hundertschaft spürt man die Ablehnung, oder den Hass – immer. Wenn du Anweisungen gibst, wirst du ausgelacht, nicht für voll genommen, beleidigt und mit körperlicher Gewalt musst du eigentlich immer rechnen.

Aber woher kommt das? Keine Ahnung, wirklich nicht. In Migrantenvierteln kommt es vermutlich von der zunehmenden Deutschfeindlichkeit, in irgendwelchen alternativen Vierteln liegt es wohl an den Lebensideen der Bewohner, bei brisanten Fußballspielen an dem woher auch immer herkommenden Hass, dem Alkohol oder der Lust sich zu schlagen.

Klingt irgendwie sehr einfach und auch ein bisschen planlos. Ja ich weiß, du gibst dem Staat die Schuld.

Kann man das denn nicht? Immerhin hat die Regierung die Zustände zu verantworten, in denen du arbeiten musst. Der Mensch muss doch aber in der Lage sein, sich selber zu Entscheiden, wie er mit anderen Menschen umgeht. Einerseits schimpfen alle über uns, nennen uns Bullenschweine, aber auf der anderen Seite weiß jeder unsere Nummer und würde sie im Notfall wohl auch wählen, weil er weiß, dass wir ihm helfen.

Das gleiche gilt aber auch für Polizisten. Negativbeispiele muss ich dir jetzt nicht aufzählen. Das hat mich zum Beispiel sehr enttäuscht: Ich weiß, vielen platzt irgendwann der Hals, wenn sie Wochenende für Wochenende beleidigt und auch angriffen werden, das finde ich im übrigen sehr menschlich. Aber manche haben sich verändern lassen. Das sind Rohlinge. Die klappen ihr Visier runter und kommunizieren ab da an nur noch non verbal. Der psyschiche Druck ist immens, manche halten das nicht durch und wie in vielen Fällen ist das Ventil Gewalt.

Ich erkläre meiner Kommilitonin, dass 2009 gegen 2980 namentlich bekannte Polizeibeamte intern ermittelt wurde. Die Vorwürfe: Amtsmissbrauch, Gewalt im Amt und Totschlag. Über 95% der Verfahren wurden eingestellt, lediglich 32 verurteilt. Dazu kommen hunderte, vermutlich tausende Anzeigen gegen Unbekannt, denn die identifizierung der Täter ist oft unmöglich. Namen und Dienstnummern werden verschwiegen, Polizisten vermummen sich mit Sturmhauben, vernichten Videomaterial.

Gerade dann, wenn man sich sicher sein kann, dass man nicht strafrechtlich verfolgt wird? Das streiten viele gerne ab, aber ja, es ist so. Als Polizist im Dienst gibt es einige Hände, die sich schützend über dich legen. Versetzungen und zeitlich begrenzte Beförderungsverbote sind wenn überhaupt die Konsequenzen.

Stell dir vor, du müsstest meine Wohnung durchsuchen … Ich würde es machen, aber ich würde dich angemessen und höflich behandeln. Auch wenn es dieser Staat vielleicht nicht tut: Ich versuche mir meine Erziehung, mein Rechtsbewusstsein und mein Wertegefühl so lange wie möglich zu behalten.

Und wenn dieser Staat in eine ähnliche Situation kommt, wie es in Griechenland oder Spanien passierte oder gerade passiert? Daran will ich ehrlich nicht denken. Ich weiß, ich und meine Kollegen werden gut ausgebildet, um uns und andere zu schützen, aber da ist dann diese ganz einfache Frage: wofür? Ich habe Angst, irgendwann nicht mehr nur vor betrunkenen Hooligans oder aus Gewohnheit randalierenden Linken zu stehen. In Griechenland wurden Polizisten von alten Freunden, Nachbarn, vielleicht sogar Familienmitgliedern angegriffen, weil die einfach so eine Wut hatten. Soweit ist es hier zum Glück noch nicht, aber ich halte es nicht mehr für so unwahrscheinlich. Vielen geht es hier schon echt scheiße, viele stehen mit den Politikern Stirn an Stirn und unser Wohlstand ist endlich.

Aber du würdest dir deine Uniform anziehen und in den Einsatz gehen? Sicher. Vermutlich nicht für den Staat oder irgendwelcher Hoheitsabzeichen, aber für und wegen meiner Kollegen, die will ich beschützen.

Unsere Reihe ist damit zu Ende, das Schweigen auch – der Sturm nicht. Der alte weht noch immer und ein neuer zieht schon auf. Ich bedanke mich bei ihm, lösche so, wie er mich darum gebeten hatte, die genutzte Email-Adresse. Endlich kann ich mir einen der köstlichen Brownies schnappen. Sie hat die ganze Zeit mitgelesen. Wir unterhalten uns noch lange. Im ersten Teil unserer Reihe hatte ein Betroffener der Hausdurchsuchungen im Zuge des Spreelichter-Verbots ein gutes Wort, für Menschen wie sie – ein stiller Symphatisant.

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