BERLIN. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat Bedenken wegen der schnellen Entwicklung von Corona-Impfstoffen zurückgewiesen. Bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 seien zwar die zeitlichen Abläufe beschleunigt, die Standards aber nicht abgesenkt worden, sagte Karliczek im NDR. Dies sei schließlich auch eine Frage des Vertrauens.

Die CDU-Politikern erklärte, man habe lediglich dafür gesorgt, daß beispielsweise durch größere Studien schneller Daten gesammelt werden könnten. „Auch in dem Zulassungsverfahren haben wir nur die Zeit optimiert, die Standards sind die gleichen wie auch sonst immer.“ Der Einsatz von solchen Impfstoffen sei „auf jeden Fall“ verantwortbar.

Der Nachrichtenagentur dpa hatte Karliczek zuvor gesagt, beim Thema Corona-Impfungen gebe es noch viel Aufklärungsbedarf. Sie versicherte jedoch: „Die zugelassenen Impfstoffe werden daher wirksam und vor allem sicher sein.“ Es freue sie aber, daß Umfragen zufolge sich jeder Zweite bereit erkläre, sich impfen zu lassen. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge braucht es eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent, um die Corona-Pandemie wirksam zu bekämpfen.

„Es bleibt dabei: Die Impfung wird freiwillig sein“

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Tagesspiegel hatte Mitte November ergeben, daß jeder zweite Deutsche bei einem bald zugelassenen Impfstoff „mit unvorhersehbaren Risiken und Nebenwirkungen“ rechnet. Am heutigen Montag teilte der US-Pharmakonzern Moderna mit, als erstes Unternehmen die Zulassung eines Corona-Impfstoffs in der Europäischen Union zu beantragen.

Karliczek wies Befürchtungen, wonach es einen Impfzwang geben soll, zurück. „Es bleibt dabei: Die Impfung wird freiwillig sein“, verdeutlichte sie gegenüber der dpa. Mehrere Politiker hatten in der Vergangenheit gefordert, einen Impfnachweis an bestimmte Privilegien zu koppeln.

Internationale Luftverkehrsvereinigung prüft Einführung von Impf-Reisepaß

„Man muß den Menschen so viel Freiheit wie möglich geben, das heißt eben auch, daß Menschen mit Impfung mehr möglich ist, als für Menschen, die sich aus persönlichen Gründen dagegen entscheiden“, sagte etwa der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament, Peter Liese. „Schon heute ist es gang und gäbe, daß man bestimmte Länder der Welt nur bereisen kann, wenn man sich gegen bestimmte Erkrankungen, wie zum Beispiel Gelbfieber, impfen läßt. Das ist kein Zwang zur Impfung, sondern eine Voraussetzung, etwas Bestimmtes zu tun.“

Unterdessen prüft die Internationale Luftverkehrsvereinigung die Einführung eines Impf-Reisepasses. Wer sich impfen läßt, soll in eine Datenbank aufgenommen werden, die dann mit Daten des konventionellen Reisepasses verbunden werden könnte, berichtete die US-amerikanische Zeitung The Hill. Ein solcher Impfreisepässe könne potenziellen Reisenden die Angst nehmen, hofft demnach der Dachverband der Fluggesellschaften. Die australische Fluglinie Quantas hatte zuvor angekündigt, Reisende auf internationalen Verbindungen nur dann an Bord zu lassen, wenn sie eine Impfung nachweisen können. (ls)

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