BERLIN. Die Autorin und Frauenrechtlerin Necla Kelek hat sich für ein Verbot des Kinderkopftuchs ausgesprochen. Besonders in der Schule sorge die Kopfverhüllung für ein „Spannungsfeld von Freiheit und religiösem Achtungsanspruch“. Eine Bestimmung gegen das Kinderkopftuch diene dem „Wohle aller Kinder und auch dem der Lehrerinnen und Lehrer, die bisher hilflos zusehen müssen“, begründete Kelek ihre Forderung in der Zeit.

Viele Mädchen, die das religiöse Kleidungsstück trugen, grenzten sich in der Schule von anderen Mädchen ab, schilderte die türkischstämmige Autorin. Grund dafür sei, daß sich einige Kinder als „besonders rein und islamkonform“ betrachteten. Wer so denke, teile die Welt in Gläubige und Ungläubige sowie in Reine und Unreine ein.

Das Kopftuch stigmatisiere die Mädchen schon vor der Pubertät als „sexuelle Wesen“. Häufig hindere es sie daran, unbefangen Kontakt zu Mitschülern aufzunehmen. Zudem fördere es Ausgrenzung und Mobbing. Letztlich gefährde es sogar den Schulfrieden. Deshalb spreche sich auch der Deutsche Lehrerverband für ein Kopftuchverbot in öffentlichen Einrichtungen aus.

Verbot sei verfassungsgemäß

Viele Gegner eines Verbots argumentierten, eine entsprechende Bestimmung widerspreche der Religionsfreiheit. Jüngst seien zwei eigenständige juristische Gutachten aber zu dem Schluß gekommen, daß ein Verbot nicht nur verfassungsgemäß, sondern im Sinne des Grundgesetzes sei. „Denn eine offene, demokratische Gesellschaft, wie sie unsere Verfassung ermöglichen will, braucht emanzipierte und selbstbewußte Bürgerinnen und Bürger“, führte Kelek aus.

Die entsprechenden Werte müßten nicht nur in der Familie, sondern auch im Unterricht vermittelt werden. Nicht zuletzt wegen dieses „Freiheitsauftrags“ stehe das Schulwesen unter staatlicher Aufsicht.

Mehrheit der Deutschen ist für Verbot

Die Bundesregierung widme sich dem Problem aber viel zu wenig. „Der Alltag der vielen muslimischen Mädchen interessierte, bis auf Christoph de Vries von der CDU, niemanden“, mahnte Kelek und verwies auf eine Bundestagsdebatte im Mai. Dabei war der Verbotsantrag an den Ausschuß für Inneres und Heimat verwiesen worden.

Die Mehrheit der Deutschen sei für ein Verbot des Kinderkopftuchs. Wie eine repräsentative Studie der Zeit ergeben hat, stimmen 71,2 Prozent einer solchen Verordnung zu. Rund 18,7 Prozent der Befragten sind dagegen. (zit)

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