BERLIN. Der frühere Linksparteivorsitzende Oskar Lafontaine hat seine Teilnahme an einer Veranstaltung mit dem Publizisten Thilo Sarrazin verteidigt. „Wo kommen wir denn hin, wenn wir nicht mehr mit Politikern diskutieren, die völlig konträre Auffassungen haben, solange sie keine Nazis sind“, sagte Lafontaine dem Neuen Deutschland (ND).

Der Fraktionschef der Linkspartei im saarländischen Landtag hatte am Montag in München auf Einladung von Sarrazins Verlag an einer Diskussion über dessen neues Buch „Der Staat an seinen Grenzen teilgenommen. Über Wirkung von Einwanderung in Geschichte und Gegenwart“. Auch der frühere CSU-Vizechef Peter Gauweiler beteiligte sich daran. Lafontaine hatte dabei unter anderem die Kosten für einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling mit den Bezügen einer deutschen Rentnerin verglichen, berichtete der Bayerische Rundfunk.

Er erklärte, ein solches Einwandererkind koste rund 5.000 Euro im Monat. Das könne er einer Sozialrentnerin nicht erklären. Deutschland gebe zu viel Geld für zu wenige Notleidende aus. Für den Auftritt hatte Lafontaine harsche Kritik von Parteifreunden erhalten. „Jemand, der sich mit Rassisten wie Sarrazin ein Podium teilt und die Interessen Geflüchteter gegen deutsche Rentner ausspielt, darf kein öffentliches Amt für die Linke bekleiden“, forderte das Mitglied im Linken-Vorstand, Lucy Redler gegenüber dem Spiegel.

Linksextreme Parteivereinigung fordert Konsequenzen

Die vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestufte Parteivereinigung „Antikapitalistische Linke“ (AKL) rief Lafontaine ebenso zum Rücktritt auf. „Die AKL fordert, daß Oskar Lafontaine unverzüglich alle politischen Ämter niederlegt, in denen er die Politik der Linken vertreten müßte.“

Lafontaine erklärte gegenüber dem ND, er sei im Gegensatz zu Sarrazins Thesen der Meinung, „daß die Mittelschichten profitieren, während die Ärmsten Nachteile haben – in den Herkunftsländern durch die Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte und in den Aufnahmeländern durch den entstehenden Lohndruck im Niedriglohnbereich und die steigenden Mieten“.

Auch andere Linken-Politiker kritisierten Lafontaine scharf. Die Bundestagsabgeordnete Niema Movassat schrieb auf Twitter: „Ekelhafter geht es wirklich nicht mehr. Da tritt Oskar Lafontaine zusammen mit dem Rassisten Sarrazin auf und erzählt, daß geflüchtete Kinder zu viel kosten. Ein solches drauftreten auf die Ärmsten und ausspielen gegen andere Arme ist inakzeptabel.“

„Ich hatte bei Lafontaine immer ein sehr ungutes Gefühl“

Sarrazin: „Der Staat an seinen Grenzen“
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Der stellvertretende Landtagspräsident von Sachsen-Anhalt, Wulff Gallert, sagte: „Ich hatte bei Lafontaine spätestens ab 2007 immer ein sehr ungutes Gefühl. Sein Auftritt zusammen mit Sarrazin bestätigt mich im Nachhinein auf eine Art, die ich mir nicht gewünscht habe.“

Sarrazin war unter anderem wegen seiner islam- und einwanderungskritischen Äußerungen von der SPD ausgeschlossen worden. In seinem jüngst veröffentlichten Buch beleuchtet der frühere Berliner Finanzsenator die Geschichte der Einwanderung und kritisiert die Ansicht, wonach es einen moralischen Anspruch auf Einwanderung gebe. (ls)

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