STUTTGART. Der Ernst-Klett-Verlag hat nach Rassismusvorwürfen eine Übungsheftreihe für Deutsch und Mathematik geändert. Statt „Meine Indianerhefte“ heiße sie nun „Meine Anoki-Übungshefte“, teilte der Stuttgarter Verlag mit. Ab Januar 2021 würden zudem alle Bilder angepaßt, so daß „künftig auf jegliche Bezüge zur indigenen Bevölkerung“ verzichtet werde.

Grund dafür war der Protest von Eltern aus Hamburg. Diese hatten den Begriff „Indianer“ als rassistisch und nicht mehr zeitgemäß kritisiert, berichtete der Spiegel. Ernst Klett begründete die Änderungen zudem mit einer grundlegend veränderten gesellschaftlichen Debatte zur Verwendung des Indianer-Begriffs. „Wir teilen die Ansicht, daß sich Schülerinnen und Schüler heute kritisch mit den Themen (Post)Kolonialismus, Rassismus, Diversität und Migration auseinandersetzen müssen.“ Dazu gehöre auch die Ausbildung eines „Bewußtseins für historische (Sprach-)Bilder, die auf kolonialen Weltbildern basieren“.

„Lebensformen diskriminierungsfrei präsentieren“

Es sei für das Unternehmen selbstverständlich, „daß Schulbücher und Unterrichtsmaterialien die Vielfalt gesellschaftlicher Lebensformen und Entwicklungen diskriminierungsfrei und vorurteilsfrei präsentieren“. Sie sollten dazu beitragen, „daß tolerantes Denken und Verhalten entstehen bzw. gefestigt werden können“. Als „führender Verlag“ sei sich Ernst Klett jederzeit seiner Verantwortung bewußt.

Anhänger der Postkolonialismus-Strömung fordern die Dekolonialisierung und die vollständige politische Souveränität ehemaliger Kolonien und wollen ein Bewußtsein für das angebliche Fortbestehen imperialistischer Strukturen schaffen. In Deutschland setzen sich linke Politiker und Gruppen mit Verweis auf den Postkolonialismus beispielsweise für die Umbenennung von Straßen und Plätzen ein. (ls)

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