BERLIN. Nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria haben führende Politiker der Grünen die Aufnahme der Migranten von der Insel Lesbos gefordert. 13.000 Menschen bräuchten Schutz, schrieb Grünen-Chefin Annalena Baerbock auf Twitter. „Wir haben Platz.“

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, mahnte: „Das völlig überfüllte Lager Moria steht in Brand. Es hätte längst evakuiert werden müssen.“ Bundesländer und Kommunen seien bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen. Niemand dürfe zurückgelassen werden.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) forderte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf, den Weg frei für die Aufnahme der Flüchtlinge zu machen. „Wir müssen den Menschen endlich Schutz bieten und aufnehmen. Jetzt braucht es einen Schulterschluß für Menschlichkeit.“

Lager Moria stand wegen Corona unter Quarantäne

In dem Lager waren in der Nacht mehrere Brände ausgebrochen. Da Windböen die Feuer weiter anfachten, stand bald nahezu das gesamte Camp samt Wohncontainer in Flammen. Viele der Bewohner flüchteten sich in umliegende Wälder. Da es zuvor Corona-Fälle in dem Lager gegeben hatte, stand es unter Quarantäne. Gegen diese Maßnahmen hatte es teils heftige Proteste der Migranten gegeben.

Wie es zu den Feuern kam, ist laut deutschen Medien bislang unklar. Griechische Medien berichten jedoch, daß die Brände nahezu zeitgleich gegen 23 Uhr ausbrachen, was auf Brandstiftung hinweisen könne. Zuvor war es zu Unruhen gekommen, als einige positiv auf Corona getestete Flüchtlinge und deren Familien isoliert werden sollten, berichtet der griechische öffentlich-rechtliche Sender ERT. Laut seiner Darstellung gibt es bislang keine Hinweise auf Verletzte oder gar Tote.

Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt hatte hingegen auf Twitter geschrieben, Bewohner des Lagers berichteten „von vielen Toten“.

Mittlerweile sind die Flammen weitgehend gelöscht. Bei ihrem Einsatz waren auch Feuerwehrkräfte angegriffen worden, berichtet der Einsatzleiter im Fernsehn laut dpa.

Die Regierung in Athen hat Hilfskräfte und Militär nach Lesbos entsandt, um sich um die Versorgung der Flüchtlinge zu kümmern.

Erst zu Beginn der Woche hatten mehrere Flüchtlingsorganisationen die Evakuierung der Lager in Griechenland gefordert sowie für die Aufnahme der Flüchtlinge in Deutschland protestiert. Dazu stellten sie 13.000 leere Stühle vor dem Reichstag in Berlin auf. So viele Migranten befinden sich laut offiziellen Angaben im Lager Moria. (krk)

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