WIEN. Der Anteil der Bevölkerung mit ausländischen Wurzeln in Österreich hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Fast 2,1 Millionen Personen sind nach Österreich zugewandert oder haben Migrationshintergrund, geht aus dem Integrationsbericht hervor, der am Dienstag vorgestellt wurde. Dies entspricht fast einem Viertel der Gesamtbevölkerung.

Im Vergleich zu 2010 wuchs dieser Wert um 35 Prozent. Grund dafür ist auch die Flüchtlingswelle von 2015. Seit damals registrierten österreichische Behörden fast 120.000 Asylbewerber, was mehr sei als die Einwohnerzahl Klagenfurts, der Hauptstadt des Bundeslandes Kärnten, teilte das Integrationsministerium mit.

Eine noch deutlichere Entwicklung zeigt sich in den Schulen. Der Anteil der Schüler mit nichtdeutscher Umgangssprache stieg von 2010 bis 2019 von 17,6 auf 26,4 Prozent. An den Wiener Haupt- und Polytechnischen Schulen liege dieser Wert teilweise bereits bei über 75 Prozent, geht aus Daten der Statistik Austria hervor.

Eingewanderte Frauen arbeiten weniger

Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) sagte laut ORF, die Regierung wolle sich verstärkt der Mütter annehmen, da diese zu Integrationsmotoren werden könnten. Ein Hindernis dabei sei jedoch der geringe Anteil von eingewanderten Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Nur 13 Prozent der Syrerinnen und elf Prozent der Afghaninnen, die 2015 nach Österreich gekommen waren, hätten einen Arbeitsplatz.

Zudem wolle Raab sich dafür einsetzen, Einwanderer stärker in ehrenamtliche Funktionen einzubinden. Dadurch entstehe mehr Kontakt mit Österreichern und die Deutschkenntnisse der Zugewanderten verbesserten sich. In Wien zeichneten sich bereits Problemviertel wie in den französischen Banlieus, mahnte Raab. Die ÖVP-Politikerin wolle jedoch ein Zusammenleben und kein „Little Italy“ oder „Chinatown“.

Kritik kam von der FPÖ. Fraktionschef Herbert Kickl bezeichneten das Integrationspapier als „reinen Problembericht“. Schulen und Arbeitsmarkt seien durch die Masseneinwanderung überfordert. Verantwortlich dafür sei der frühere Integrationsminister und aktuelle Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Kurz: „Politik der offenen Grenze gibt es nicht mehr”

Dieser hatte am Wochenende in einem Interview mit dem Handelsblatt und der Neuen Zürcher Zeitung betont, eine Situation wie 2015 dürfe es nicht mehr geben. „Die Politik der offenen Grenze gibt es nicht mehr.” Er halte es für unrealistisch, „Staaten zur Aufnahme von Flüchtlingen zu zwingen”.

Er sei gegen die Politik der offenen Grenzen, weil er „jahrelang im Integrationsbereich gearbeitet und gesehen habe, daß der Erfolg der Integration von der Zahl der zu Integrierenden abhängt“. Was damals als rechts oder rechtsradikal abgetan worden sei, sei mittlerweile „Gott sei Dank mehrheitsfähig unter den Staats- und Regierungschefs in der Europäischen Union“, verdeutlichte Kurz. Von der EU-Kommission erwarte er konkrete Maßnahmen in diese Richtung. (ls)

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