Die British Broadcasting Corporation (BBC) muss um ihre Existenz bangen: Die britische Regierung unter Premierminister Boris Johnson plant, den “Rundfunkbeitrag” der öffentlich-rechtlichen Sendergruppe durch ein Bezahlmodell zu ersetzen.

Beliebt ist die BBC in keinem politischen Lager: Im Rahmen des Brexits wurde dem zwangsfinanzierten Sender immer wieder parteiische Berichterstattung vorgeworfen, in zwei Jahren wird das Geschäftsmodell der fast 100 Jahre alten Rundfunkanstalt erneut auf den Prüfstand gestellt, denn da finden Gespräche mit der Regierung statt, um das Modell des Senders neu auszuverhandeln.

Drastischer Marktanteilsverlust

Der oftmals tendenziöse „Haltungsjournalismus“ führte letztlich dazu, dass der Marktanteil der BBC in den vergangenen fünf Jahren von 40 auf 15 Prozent gefallen ist. Mit Streamingdiensten wie Netflix und Amazon kann die BBC nicht mehr mithalten.

Premierminister Boris Johnson stellt daher die Frage:

Die Frage ist berechtigt, ob eine solche Art der Finanzierung eines Medienunternehmens langfristig noch Sinn ergibt, wenn man den Vergleich zieht mit anderen Unternehmen, die sich selbst finanzieren müssen.

Freiwillige Abos statt Zwangsbeitrag

Für die BBC könnten die Verhandlungen jedenfalls schmerzhaft enden: Wie die Sunday Times aus Regierungskreisen erfahren haben will, soll die Finanzierung der BBC grundlegend neu geregelt werden. Etwa 3,7 Milliarden Pfund nimmt die Sendeanstalt jedes Jahr durch die zwangsweise erhobenen Rundfunkgebühren ein, (fast) jeder Haushalt muss mit 154,50 Euro tief in die Tasche greifen. Wie auch in Österreich und Deutschland, können Verweigerer sogar im Gefängnis langen – mit den Plänen der Regierung könnte sich die Belästigung der Rundfunkteilnehmer durch das System der öffentlich-rechtlichen Gebühren bald erledigt haben, künftig soll sich die BBC über Abonnements finanzieren.

Für dieses “Netflix-Modell” soll es auch nötig sein, die BBC massiv umzubauen, ein Großteil der Radiosender müsste für das neue Finanzierungs-Modell der Johnson-Regierung verkauft werden, nur die Radiosender für klassische Musik und Kultur würden erhalten bleiben. Auch mehrere nationale Nachrichtensender sollten eingestellt werden, zudem müsste am Internetauftritt der Gruppe gespart werden.

Medienlandschaft reagiert empört

Die BBC sowie andere britische Medienreagierten naturgemäß empört. Tony Hall, seit 2012 BBC-Generaldirektor, sieht gar den „Haltungsjournalismus“ und die Erziehungsmöglichkeiten der breiten Masse schwinden und warnt:

Wer bringt das Land zusammen bei Ereignissen wie dem Holocaustgedenktag und anderen, die für uns bedeutend sind? Sicher nicht die Streamingdienste.

Adam Boulton, Moderator bei Sky News, stößt ins gleiche Horn:

Wenn es Johnson gelingt, die BBC auszuschalten, dann sind danach auch andere etablierte Medien dran.

Inzwischen überschlagen sich auch die entsetzten deutschsprachigen Medien mit Horrorzenarien über die “Ausschaltung” des “kritischen Journalismus” auf der britischen Insel – würde sich Premierminister Johnson mit seinem Vorschlag durchsetzen können, hätte dies auch Signalwirkung für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf dem europäischen Festland. So leistet die BBC zwar um ein vielfaches mehr als die deutschen Staatssender ARD, ZDF und Co – deren Einnahmen im vergangenen Jahr sogar auf knapp acht Milliarden Euro stiegen – oder der österreichische ORF, jedoch konnten sich in allen drei Staaten die öffentlichen Sendeanstalten kaum mit ihrem jetzigem Programm auf dem Markt behaupten.

Parallelen zwischen Großbritannien und Österreich

Aktuell kämpft auch die FPÖ in Österreich gegen die unbeliebten GIS-Gebühren. Ziel ist es, auch hierzulande die Zwangsbeiträge abzuschaffen und die Bürger dadurch massiv zu entlassen.

Der Beitrag Vorbild Großbritannien: Johnson-Regierung will Zwangsbeiträge für BBC abschaffen erschien zuerst auf Unzensuriert – Demokratisch, kritisch, polemisch und selbstverständlich parteilich.

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