Daß ihre Flagge feierlich eingeholt wird, ist für Briten nichts neues. Ob im früheren Mandatsgebiet Palästina, in der ehemaligen Kolonie Indien oder zuletzt in Hong Kong: der eingeholte Union Jack stand dabei stets symbolisch für das schleichende Ende eines Reiches, in dem die Sonne einst niemals unterging.

Bereits untergegangen wird die Sonne dagegen am 31. Januar sein, wenn abermals die Einholung der britischen Nationalflagge ansteht. Diesmal vor dem Gebäude des EU-Parlaments in Brüssel. Doch während in der Vergangenheit die heruntergelassene „Union Flag“ für den internationalen Bedeutungsverlust einer Nation mit Weltmachtanspruch stand, sollte es diesmal eine Zeremonie werden, die die neu erlangte Freiheit und Unabhängigkeit des Landes nach dem Austritt aus der Europäischen Union symbolisiert.

Farage: „Gott sei Dank gehen wir“

Doch daraus wird nichts. Einen entsprechenden Antrag der Brexit-Partei lehnten die Parlamentarier schroff ab. „Das ist kein Anlaß zum feiern“, zitiert der Telegraph aus Parlamentskreisen. Nun soll die Fahne in einer Nacht- und Nebelaktion eingeholt werden, ohne Publikum, ohne Zeremonie. 47 Jahre EU-Mitgliedschaft verschwinden im Dunkel der Brüsseler Nacht.

Zuletzt bekamen die Brexit-Abgeordneten bereits einen Vorgeschmack darauf, wie in den letzten Tagen der EU-Zugehörigkeit der Umgang mit Symbolen des Landes aussieht, das es gewagt hat, dem Brüsseler Bürokratenclub den Rücken zu kehren. Auf Weisung des Präsidiums mußten die Abgeordneten die britischen Aufstellflaggen von ihren Tischen im Plenarsaal entfernen, was Brexit-Parteichef Nigel Farage zur Weißglut brachte. „Nationale Symbole sind jetzt verboten, Gott sei Dank gehen wir.“

Big Ben wird nicht läuten

Weitere Demütigungen der Eurokraten wird sich Farage am Austrittstag nicht antun. Er organisiert mit seiner Partei eine „Brexit Celebration“-Party auf dem Parliament Square in London. Einer seiner größten Wünsche wird sich ihm in dieser Nacht allerdings nicht erfüllen. Sein Plan, daß die derzeit in Reparatur befindliche Big Ben-Glocke auf dem Westminster-Palast das Ende der Mitgliedschaft des Landes einläutet, ist am Widerstand der Unterhausverwaltung gescheitert.

Und das, obwohl bereits 270.000 Pfund an Spenden zusammenkamen. Rund 500.000 wären für den Stopp der Reparaturarbeiten und das außerplanmäßige Schlagen der Glocke notwendig gewesen. Aber zumindest wird an diesem Abend in London – anders als in der belgischen Hauptstadt – der Union Jack im Wind wehen und von der neu errungenen Freiheit der Engländer, Schotten, Waliser und Nordiren künden.

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