Zusätzlich zu den Querelen rund um HC Strache versuchte man noch kurz vor den Nationalratswahlen einen weiteren „Skandal“ zu konstruieren, indem man die angesehene FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel übelst bewarf. Man hielt Stenzel vor, an einer vermeintlichen Veranstaltung der Identitären teilgenommen zu haben. Verfälschte Fotos und in ORF-Berichten hineinmontierte Symbole der Identitären sollten die Wahrheit so verdrehen, um die gewünschte Empörung und linke Erregung auszulösen.

Französisches Magazin interviewt Stenzel

So bot man Stenzel nur wenig Gelegenheit die Wahrheit zurechtzurücken. Es ist daher bemerkenswert, dass dem das französisches Online-Magazin eurolibertes nachkam. Stenzel führt in dem Interview auch die Gründe an, warum sie von der ÖVP zur FPÖ wechselte, und gibt auch Familiäres preis. Lesen sie hier das Interview:

Eurolibertes: Sie wurden über mehrere Jahre von der ÖVP als Europaabgeordnete und seit 2005 als Bezirksobfrau in Wien aufgestellt. Warum haben Sie sich dann 2015 als unabhängige Kandidatin der Wiener FPÖ-Liste angeschlossen, um dort ein ähnliches Mandat zu erhalten? Wie unterscheidet sich Ihre politische Tätigkeit als Mandatarin zu ÖVP-Zeiten von der als Wiener Stadträtin/Abgeordnete zum Wiener Landtag auf FPÖ-Ticket?

Ursula Stenzel: Der Schritt von der ÖVP zur FPÖ war veranlasst durch die sogenannte Flüchtlingskrise des Jahres 2015, die mich an der Entschlossenheit der ÖVP sowie der EVP zweifeln ließ, dieser „Invasion ohne Waffen“ etwas entgegenzustellen. Diesen Eindruck gewann ich nach einem Gespräch mit dem langjährigen Vorsitzenden des außenpolitischen und sicherheitspolitischen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok, den ich in dieser für Europa schwierigsten Krise telefonisch kontaktierte und der als einziges Mittel die sogenannten Hot Spots nannte, die bis heute nicht funktionieren, ebenso wenig wie der nachfolgende Pakt mit der Türkei.

Eurolibertes: Vor dem Eintritt in die Politik hatten Sie wichtige journalistische Positionen inne: Sie waren Redakteurin und Moderatorin beim ORF. Hat sich die Objektivität der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien in den letzten Jahren weiterentwickelt?

Ursula Stenzel: Die Objektivität hat sich nicht weiterentwickelt. Das Gegenteil ist der Fall. Die subjektive zumeist parteipolitische Färbung hat im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber auch in den privaten Medien die Oberhand gewonnen. In Österreich ist die lang bewährte großkoalitionäre Farbenlehre Schwarz-Rot beherrschend, die Umfärbung in Türkis nur oberflächlich. Subjektivität in den Wahlsendungen wird durch das „Jeder gegen Jeden“ Prinzip vorgetäuscht, was eher einer Verwirrtaktik gleicht.

Eurolibertes: Der mütterliche Zweig Ihrer Familie entstammt dem Judentum, und Ihr Urgroßvater war Rabbiner in Wien. Hat sich dies in negativer Form auf Ihre Beziehungen zur FPÖ und auf Ihre Teilnahme an der politischen Tätigkeit für diese Partei ausgewirkt, die manchmal von ihren Gegnern als ungünstig für Menschen aus dieser Religion dargestellt wird?

Ursula Stenzel: Meine jüdische Abstammung mütterlicherseits, auf die ich sehr stolz bin, hat sich in keiner Weise in der FPÖ negativ auf mich ausgewirkt. Ich bin übrigens katholisch erzogen und sozialisiert. Meine Mutter ist zum katholischen Glauben konvertiert.

Eurolibertes: Die österreichische Hauptstadt, oft tituliert „Das rote Wien“, ist eine Stadt sozialdemokratischen Zuschnitts. Glauben Sie, dass in Zukunft eine FPÖ-ÖVP-Koalition die Führung über die Stadt übernehmen könnte? Stünde eine solche mögliche Koalition nicht im Widerspruch zum Geist des Roten Wiens? Wäre andererseits in Wien künftig eine Koalition der FPÖ mit der SPÖ denkbar?

Ursula Stenzel: Ich bin kein Prophet, aber zur Zeit scheint es so zu sein, dass SPÖ und ÖVP miteinander flirten und auf eine Schwächung der FPÖ hoffen. Es wäre zu wünschen, dass die FPÖ trotz aller Bemühungen der politischen Gegner, sie im Gefolge von Ibiza und Spesenvorwürfen des zurückgetretenen Vizekanzlers und Bundesparteiobmannes HC Strache zu schwächen, ihre Stärke verteidigen und annähernd halten kann, schon um die diversen Spenden- und Widmungsskandale in der Wiener Stadtregierung von Rot-Grün aufzudecken. Das hätten die Wiener verdient.

Eurolibertes: Sie haben an der heurigen Gedenkkundgebung für die Schlacht am Kahlenberg im Jahre 1683 als Mitglied des Wiener Akademikerbundes (Co-Veranstalter) teilgenommen und eine Rede gehalten. Warum beschuldigt man Sie, Sie hätten mit der Identitären gemeinsame Sache gemacht, obwohl diese dort gar nicht mit ihren üblichen Symbolen (Transparente und Lamda-Fahnen) aufgetreten sind? Wie erklären Sie sich dieses angebliche Foto, das in der Kronen-Zeitung publiziert wurde?

Ursula Stenzel: Ich ging zu diesem Gedenken auf Einladung des Wiener Akademikerbundes: Dass die Identitären ebenfalls daran teilnehmen würden, war mir wirklich nicht bewusst. Die Fahnen, die mitgetragen wurden, waren die Fahnen mit dem Wiener Wappen. Das Foto, das mich im Hintergrund mit den Fahnen der Identitären zeigt, ist meiner Ansicht nach eine Montage und ein Fake.

Der Beitrag Wiener FPÖ-Politikerin Stenzel im Interview mit einem französischen Magazin erschien zuerst auf Unzensuriert – Demokratisch, kritisch, polemisch und selbstverständlich parteilich.

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