„Danke Vergewaltiger.“ Mit dieser Formel beendet das Mädchen ihren Auftritt beim U20-Poetry-Slam in Frankfurt. Ihr Gedicht, mit dem sie den zweiten Platz errang, handelt von einem Mann, der sich wieder und wieder an ihr vergeht. Das Mädchen schildert die Szenen völlig unverblümt, teils verstörend: „Dein Blick noch ausstaffiert mit deinen groben Taten, mit deinen harten Gliedmaßen, mußte ich das alles hinnehmen, um zu überleben muß es schlucken, darf mich nicht einfach so wegducken.“

Ein Video des Auftritts sorgt gerade in sozialen Netzwerken für heftige Empörung, auch wenn es bereits aus dem Mai stammt. Das hat seinen Grund: Denn bei der Nachwuchskünstlerin handelt es sich um Malvina Ewering.

Bekannt aus KiKA-Doku

Malvinas Gesicht zierte vor anderthalb Jahren deutschlandweit Zeitungsartikel und Beiträge in sozialen Medien, weil das Mädchen Protagonistin in einer Sendung des öffentlich-rechtlichen Kinderkanals KiKA war. In einer Folge der Reihe „Schau in meine Welt!“ ging esum die problembehaftete Liebe zwischen der damals 16jährigen und einem erwachsenen Syrer ging.

Grüne nehmen KiKA-Doku über Flüchtlingsliebe in Schutz

In dem nun viel diskutierten Gedicht mit dem Titel „Schwarzer Boden“ beschreibt Malvina die Geschichte eines Einwanderers, der auf seiner Flucht von Schleusern mißbraucht wurde. „Sie haben dich damals ausgezogen, deine Seele ausgesogen und die Konsequenzen so einfach, zu einfach abgewogen, haben ihren Penis schnell in dich reingesteckt, hast ihre Hoden mehrmals geleckt.“

Um seine Vergangenheit zu bewältigen, wolle der Mann nun sein Leid an das lyrische Ich des Mädchens übertragen:

„Warum gabst du mir diese Last, ich dachte, es sei das, was du selber am meisten haßt. Ich hab mich doch nur in dich verliebt, doch du steckst ihn weiter tiefer, härter in mich rein, dein Glied. Willst mich aus Sexlust doch nicht gehen lassen, möchtest keinen Orgasmus verpassen, findest gefallen an Vergewaltigen, um deine Vergangenheit zu bewältigen, dabei haben sie dich doch verstümmelt. Mit diesem Haß erfüllt und dich verkrüppelt, dich deiner Ehre bestohlen, warum willst du dir jetzt meine holen.“

Parallelen mit echter Liebesgeschichte

In den sozialen Medien wird nun darüber spekuliert, ob das Gedicht auf den Erfahrungen Malvinas mit dem Syrer Diaa basiert. Der Hessische Rundfunk, der die KiKA-Sendung damals produziert hatte, teilte mit, er habe mit dem Mädchen Rücksprache gehalten: „Sie hat uns gegenüber versichert, daß das Gedicht Fiktion und der Inhalt erfunden ist.“

Liebe Silke, wir haben mit Malvina bereits Rücksprache in Bezug auf den Poetry-Slam gehalten. Sie hat uns gegenüber versichert, dass das Gedicht Fiktion und der Inhalt erfunden ist.

— hr-fernsehen (@hrfernsehen) September 5, 2019

Doch es gibt Parallelen zu ihrer auf jeden Fall wahren Beziehung mit dem Syrer Diaa, dessen Alter KiKA nachträglich nach oben korrigieren mußte. Damals erzählte die 16jährige lächelnd im Fernsehen, daß die Beziehung trotz der kulturellen Unterschiede funktioniere, weil einer meistens nachgäbe, und das sei fast immer sie.

Auch in dem Gedicht kann das Mädchen ihren Vergewaltiger schließlich auch verstehen. „Ich weiß auch, daß ich nicht gehe, egal wie viel ich von dem hier auch sehe. Ja, denn irgendwie verzeihe ich dir das, denn mein Problem ist doch nicht, was du machst, die Art und Weise, alles durch Zwang und mich doch nur zum Ersaufen zum Laufen auf schwarzem Boden.“

Es wirft ihm vor: „Nein, wolltest mich doch nie berauben, tust es doch nur aus Glauben, aus Glauben, deine Vergewaltigungen zu vergessen. Bist hiervon allzu sehr besessen.“ Am Ende sind das Mädchen und der Peiniger in dem Gedicht vereint im Leid, bis in alle Ewigkeit.



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