FIVIZZANO. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat während einer Gedenkfeier in Italien um Vergebung für Kriegsverbrechen durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg gebeten. „Ich stehe heute vor Ihnen als deutscher Bundespräsident und empfinde ausschließlich Scham über das, was Deutsche Ihnen angetan haben. Mit Trauer verneige ich mich vor den Toten der Massaker in Fivizzano. Ich bitte Sie um Vergebung für die Verbrechen, die Deutsche hier verübt haben“, sagte das Staatsoberhaupt in seiner Rede vor Überlebenden und deren Nachfahren im norditalienischen Fivizzano.

Steinmeier betonte die Verantwortung Deutschlands für die 400 Toten. „Wir Deutsche wissen, welche Verantwortung wir für diese Verbrechen tragen. Es ist eine Verantwortung, die keinen Schlußstrich kennt.“ Zugleich beklagte er, es habe viel zu lange gedauert, bis diese Taten im Nachkriegsdeutschland juristisch aufgearbeitet worden seien.

Steinmeier warnt vor Nationalismus

Das heutige Europa sei gegründet auf dem Versprechen: „nie wieder entfesselter Nationalismus, nie wieder Krieg auf unserem Kontinent, nie wieder Rassismus, Hetze und Gewalt!“ Sich daran zu erinnern, sei gerade in Zeiten wichtig, in denen das Gift des Nationalismus wieder einsickere. Steinmeiern nahm gemeinsam mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella an der jährlichen Gedenkveranstaltung teil.

Während der Kämpfe in der Region kam es zwischen dem Herbst 1943 und dem Abrücken der deutschen Einheiten gegen Kriegsende wiederholt zu Massakern an der Zivilbevölkerung. In dem Gebiet kämpften deutsche und verbündete Einheiten der italienischen Schwarzen Brigaden gegen Partisanen. Ende August töteten Angehörige der 16. SS-Panzer-Grenadierdivision „Reichsführer SS“ 400 Zivilisten in Fivizzano. (ag)

1 Response » to “Gedenkveranstaltung in ItalienSteinmeier: Empfinde Scham für deutsche Verbrechen”

  1. Klaus says:

    Es mußte auch in Italien gegen Partisanen vorgegangen werden, welche aus dem Hinterhalt und mit Deckung durch die Zivilbevölkerung deutsche Soldaten meuchelmordeten. Ein solches Vorgehen, das zwangsläufig zum Tod der Mörder bzw. ihrer Helfershelfer führte, ist im Kriegsrecht “gewohnheitsrechtlich” legitim.

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