CHEMNITZ. Die AfD hat die Entlassung des Mannschaftskapitäns vom Chemnitzer FC (CFC), Daniel Frahn, aus politischen Gründen scharf kritisiert. „Diese Maßnahme steht in keinem Verhältnis und ist rein politisch motiviert“, sagte der AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter der JUNGEN FREIHEIT.

Für Hütter, der ein Bürgerbüro in Chemnitz unterhält, ist der Vorgang ein Beleg für die zunehmende Politisierung des Profifußballs. „Der CFC soll sich nicht in die Politik einmischen, sondern sich um seine Finanzen und den Nachwuchs kümmern. Dafür wird er von seinen Fans und Anhängern unterstützt – und nicht dafür, Politik zu betreiben.“

Der CFC hatte den Vertrag mit seinem Kapitän am Montag mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Anlaß war das jüngste Auswärtsspiel der Chemnitzer beim Halleschen FC am vergangenen Sonnabend. Frahn, der derzeit verletzt ist, hatte seine Mannschaft aus dem Gästeblock heraus angefeuert. Hierbei soll er auch Kontakt zu Fans aus der rechten Ultra-Szene gehabt haben. Zu dieser zählt unter anderem die Vereinigung „Kaotic Chemnitz“, deren Führungspersonen mit einem Hausverbot von dem Verein belegt sind.

Kritik wegen T-Shirt

Die stellvertretende Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Romy Polster, distanzierte sich am Montag scharf von Frahn. „Mit Entsetzen haben wir erkennen müssen, daß sich unser – nunmehr ehemaliger – Mannschaftskapitän Daniel Frahn als großer Sympathisant der rechtsradikalen und menschenverachtenden Gruppierung ‘Kaotic Chemnitz’ herausgestellt hat und damit großen Schaden für den Verein anrichtete. Es gibt Null Toleranz für dieses Verhalten.“ Es herrsche daher vollste Übereinstimmung, daß für Frahn künftig kein Platz mehr beim Chemnitzer FC sei.

Hütter hingegen kritsiert die Entlassung als „völlig überzogen“ und warnt: „Wenn man sich sich jetzt im Stadion beim Nebenmann nach dessen politischer Gesinnung erkundigen muß, bevor man sich in die Kurve stellt, dann können wir den Fußball auch gleich beerdigen“.

Der 32jährige Spieler war erst vor wenigen Wochen zum Mannschaftskapitän ernannt worden. Er war allerdings bereits im März schon einmal in die Kritik geraten, als er sich den Vorwurf einhandelte, mit rechtem Gedankengut zu sympathisieren. Damals hatte er nach einem Tor gegen die VSG Altglienicke ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Support your local Hools“ (Unterstütze Deine örtlichen Hooligans) hochgehalten.

Bei dem Spiel hatte es auch Trauerbekundungen für einen verstorbenen Chemnitz-Fan gegeben, der zu den Gründern der früheren Hooligan-Gruppierung „HooNaRa“ (Hooligans Nazis Rassisten) gehörte. Frahn entschuldigte sich im Anschluß für die T-Shirt-Aktion und bedauerte, er habe nicht gewußt, daß das Shirt „so tief in der Neo-Nazi-Szene verankert“ sei.

Verein fordert Haltung

Der Verein gab ihm daraufhin noch eine Chance. Diese Entscheidung bedauerte die Vize-Chefin der Gesellschafterversammlung, Polster, am Montag. „Seine Reue damals war eine Farce. Er konnte und wollte die Verantwortung als Spieler und Mannschaftskapitän im Fußballclub nicht umsetzen, denn dazu gehört eines mehr, als nur Tore zu schießen und sich bejubeln zu lassen: Haltung.“

Bei den Fans kam die Entlassung Frahns hingegen weniger gut an. Auf Facebook äußerten zahlreiche Anhänger ihr Unverständnis für die Entscheidung. Frahn habe die Mannschaft beim Spiel gegen Halle im Gästeblock unterstützt. Dafür gebühre ihm Respekt.

Bei den Fans ist Frahn auch deshalb beliebt, weil er trotz des Abstiegs des Chemnitzer FC in der Saison 2017/18 in die Regionalliga Nordost seinen Vertrag demonstrativ verlängert hatte. Im April 2018 hatte der CFC Insolvenz beantragt. Durch den damit verbundenen Punktabzug war der Klassenerhalt in der 3. Liga nicht mehr möglich.

Nach dem Wiederaufstieg in die 3. Liga wurde er dann Anfang Juli zum Kapitän bestimmt. Frahn, der zeitweise als Mannschaftskapitän und Torschützenkönig den Aufstieg von RB Leipzig in die zweite Bundesliga begleitete, war im Januar 2016 vom Zweitligisten FC Heidenheim nach Chemnitz gewechselt. Er absolvierte 127 Spiele für den Verein und schoß 64 Tore.

Das laufende Insolvenzverfahren belastet seit Monaten das Verhältnis zwischen Vereinsführung und Fans. Letztere werfen dem Insolvenzverwalter, dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Klaus Siemon, vor, den Verein systematisch zu Grunde zu richten. Dies zeigte sich auch beim Spiel gegen den Halleschen FC am Sonnabend, das nun der Anlaß für die Kündigung Frahns war.

Insolvenzverhalter schießt gegen AfD

Im Verlauf des Spiels wurde bekannt, daß im Zuge des Insolvenzverfahrens mehreren Mitarbeitern des CFC gekündigt worden war. Darauf stellten die mitgereisten Fans das Anfeuern weitgehend ein. Auf Facebook schrieben die „Ulras Chemnitz 99“: „Nachdem wir gestern in der 25. Spielminute davon erfahren haben, daß der ‘Chemnitzer FC-Fußballmörder’ Klaus Siemon den Mitarbeitern des Nachwuchsleistungszentrums und hauptamtlichen Mitarbeitern des Chemnitzer FC e.V. gekündigt hatte, war auch für uns klar: Einen laustarken Support kann es an diesem Spieltag nicht mehr geben.“ Mehrere Fans holten daraufhin ihre Fahnen ein und verließen zur Halbzeit das Stadion.

Auch für den AfD-Abgeordneten Hütter trägt die Entlassung Frahns die „die Handschrift Siemons“. Schließlich mache dieser „aus seiner politischen Gesinnung kein Geheimnis“. Auf Twitter warnt der Rechtsanwalt regelmäßig vor einem gesellschaftlichen Rechtsruck und der „Krake des Rechtsradikalismus“. Erst Anfang Juli rief er dazu auf, bei der Landtagswahl in Sachsen am 1. September die Direktkandidaten der CDU zu wählen, „damit die AfD möglichst wenig Sitze bekommt“. (krk)

1 Response » to “Angebliche Kontakte zu RechtenChemnitzer FC: AfD stellt sich hinter entlassenen Kapitän Frahn”

  1. Himalajapanier says:

    Der Name des PC-Sprachrohres Romy Polster erinnert mich irgendwie an „Ron Sommer“. Vielleicht haben die eine gleichartige Ausbildung durchlaufen. Wenn Ron von Aron abstammt, was mag dann Romy andeuten?

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