In der Truppe wird man wohl aufatmen: Ursula von der Leyen (CDU) will als Verteidigungsministerin abtreten und nach Brüssel gehen, um EU-Kommissionschefin zu werden. Fraglich bleibt jedoch, wer eigentlich den Scherbenhaufen übernehmen soll, den die scheidende Ministerin und ihr Beraterstab hinterlassen haben? Denn unter Ursula von der Leyen blieb in den Streitkräften Deutschlands kein Stein auf dem anderen. Die heutige Bundeswehr ist nicht mehr die Armee unserer Väter und Großväter, die durch den Kalten Krieg und die blutigen Konflikte auf dem Balkan gegangen ist.

Sie gleicht nur noch einem schmalen Schatten, der beschämt abseits der gesellschaftspolitischen Debatte steht und lediglich für Lacher herangezogen wird. Bundeswehr? Davon reden die Leute nur noch im Spott, weil weder die Luftwaffe fliegen, noch die Marine in See stechen kann. Selbst das Heer ist kaum noch in der Lage, mehr als einen Landkreis zu verteidigen.

Als Ursula von der Leyen 2013 ihr Amt als Verteidigungsministerin antrat, war die Truppe bereits schwer angeschlagen und auf Sinnsuche. Statt sich aber mit der Wehrhaftigkeit und dem inneren Wesenskern des Soldatenberufs zu befassen, schaffte die Ministerin einen Selbstbedienungsapparat für Beraterfirmen und externe Experten, die gut bezahlt überdecken sollten, daß von der Leyen nichts, aber auch rein gar nichts von der Armee versteht.

Ideologisch gefärbte Bilderstürmerei

In den sechs Jahren ihrer Amtszeit hat die Bundeswehr materiell, personell und moralisch weiter abgebaut und wird von den Verbündeten innerhalb der Nato nur noch müde belächelt. Und umso mehr die Kampf- und Verteidigungsfertigkeiten nach außen abgegeben wurden, desto stärker wandte sich die Bundeswehr unter ihrer Führung gegen ihr eigenes Inneres.

Nach den exzentrischen Eskapaden des Offiziers Franco A. attestierte von der Leyen allen Soldaten der Truppe ein „Haltungsproblem“ und ließ alle Kasernen und Liegenschaften der Bundeswehr nach sogenannten „Wehrmachts-Devotionalien“ durchsuchen. Diesem ideologisch gefärbten Bildersturm fielen unter anderem die Fotos von Altkanzler Helmut Schmidt und dem militärischen Widerständler Kurt von Hammerstein-Equord zum Opfer, weil diese des Haltungsverbrechens schuldig sind, in der vorherigen deutschen Armee gedient zu haben.

Auch Rotkreuzfahnen aus dem Jahre 1945 wurden nicht geschont, weil Frau von der Leyen immer schon durch blinden Aktionismus glänzte. Von Schützenpanzern, die für schwangere Frauen tauglich sein sollen, bis hin zu Maulkorberlässen, um unliebsame Meinungsäußerungen aus der Truppe unter den Teppich zu kehren.

Das freie Wort ist nicht mehr viel wert

Unter ihrer Führung mußten sich diejenigen Soldaten fürchten, die ein freies Wort riskierten und den Ethos des Staatsbürgers in Uniform wirklich ernst nahmen. Man denke nur an Wencke Sarrach, Hauptmann der Reserve, die wegen einem kritischen Gastbeitrag in der Welt vor die Tür gesetzt wurde. Die Geschichte von Sarrach ist kein Einzelfall und legte allen Beobachtern in der Bundeswehr nahe, daß staatsbürgerlicher Patriotismus, Aufrichtigkeit und ein ehrliches Wort unerwünscht sind. In der Truppe herrscht die Angst vor Denunziation, vor den eigenen Vorgesetzten, Kameraden und der übergeordneten Führung in Berlin.

Weder „Treue um Treue“ noch ein würdevoller Umgang mit der eigenen Militärgeschichte ist den Soldaten der Bundeswehr noch gegönnt. Sie sind angehalten – das macht der neue Traditionserlaß unmißverständlich klar – sich nicht mehr als Soldaten im Kontinuum einer deutschen Geschichte zu sehen. Vielmehr sollen sie ihren Sinn und Zweck in der internationalen „Wertegemeinschaft“, der Nato und den Institutionen finden, die von den Bürokraten im Bundesverteidigungsministerium als ideologisch einwandfrei eingestuft werden.

Mehr genommen als nur die Waffen

Statt den ideellen Ethos ihrer Soldaten zu stärken, ihre Moral zu festigen und die Truppe für die Herausforderungen eines unsicheren 21. Jahrhunderts auszurüsten, sorgte sie nur für Verunsicherung und Desillusionierung innerhalb der Bundeswehr. Nach Jahrzehnten des Abrüstens und Wegtretens durch das seit 2005 von der Union geführte Verteidigungsressort scheint von der Leyen die Person zu sein, die der Truppe den Todesstoß geben sollte. Richtet man einen nüchternen Blick auf ihr Werk, könnte man fast meinen, daß sie im feindlichen Auftrag handelt. In einem derart katastrophalen Zustand befand sich die Bundeswehr noch nie.

Am Ende der Karriere der Verteidigungsministerin steht eine entkernte Armee ohne Tradition und Seele, die materiell und moralisch aufgerieben ist und von einem Auslandseinsatz zum nächsten jagt, ohne wirklich zu wissen, wohin die Reise letztlich gehen soll. Die leeren Vitrinen in den Kasernen sind die stummen Zeugen dafür, daß diese Frau der Armee mehr genommen hat als nur die Waffen selbst.

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