Bonifatius gilt als einer der bekanntesten christlichen Missionare. Der um 673 im südenglischen Crediton unter dem Namen Wynfreth Geborene hinterließ im heutigen Deutschland seine Spuren als Kirchenreformer im damaligen östlichen Frankenreich. Dort machte er sich im 8. Jahrhundert einen Namen durch die Gründung der Bistümer Büraburg, Würzburg Eichstätt und Erfurt. Die bereits bestehenden Bistümer Regensburg, Passau, Salzburg und Freising reorganisierte er. Doch in Erinnerung geblieben ist in erster Linie sein Wirken als Missionar.

Nachdem er 716 eine erste Missionsreise zu den Friesen schon nach kurzer Zeit wegen des Widerstands der Heiden abbrechen mußte, pilgerte er 718 nach Rom. In der Ewigen Stadt gab ihm am 15. Mai 719 Papst Gregor II. einen neuen Missionsauftrag. Vom Pontifex erhielt der Angelsachse den Namen Bonifatius, den er fortan führte. Die folgenden 14 Jahre zog Bonifatius mit seinem Gefolge durch die Gebiete des heutigen Hessens, Thüringens und Bayerns.

Der Missionar fällt die Donareiche

Berühmtheit erlangte er durch das Fällen der Donareiche, eines heidnischen Heiligtums, das nach dem germanischen Donnergott Donar benannt war. Über den genauen Standort der Kultstätte herrscht bis heute Unklarheit. Sie soll sich in der Nähe der Ortschaft Geismar in Hessen befunden haben. Dort, nahe der von christlichen fränkischen Truppen bemannten Büraburg, wollte Bonifatius dem Stamm der Chatten die Überlegenheit des christlichen Glaubens beweisen.

Als nach dem Fällen der Eiche eine unmittelbare Reaktion ihrer Götter ausblieb, beeindruckte das die anwesenden Heiden, berichtet der Geistliche Willibald von Mainz in seiner Schrift über das Leben des Missionars. Laut der Überlieferung ließ Bonifatius aus dem Holz der heidnischen Götzenbilder eine dem heiligen Petrus geweihte Kapelle errichten. Forscher bewerten die Tat jedoch keinesfalls als Heldenstück. Denn der Missionar konnte sich der Unterstützung der fränkischen Soldaten in der nahen Büraburg sicher sein, falls die Chatten ihn attackiert hätten.

Bonifatius-Statue in Fulda Foto: picture alliance

Wegen seiner unermüdlichen Missionstätigkeit im damals noch mehrheitlich heidnischen Germanien erhielt der Kirchenmann im 16. Jahrhundert den Beinamen „Apostel der Deutschen“. Sein Werben für den christlichen Glauben wurde ihm am 5. Juni 754 schließlich zum Verhängnis.

Raubmord oder gesuchtes Martyrium?

Im Alter von über 80 Jahren war Bonifatius noch einmal aufgebrochen, um sich erneut daran zu versuchen, die Friesen zu bekehren. Doch gemeinsam mit seinem Gefolge erschlugen ihn heidnische Angreifer am Ufer des Flusses Boorne bei der Ortschaft Dokkum in den heutigen Niederlanden.

War es nur reiner Missionseifer, der Bonifatius noch einmal in den Norden des Reiches trieb? Eine andere These lautet, daß er bewußt sein Leben opfern und das Martyrium für seinen Glauben erleiden wollte. Für einen Kirchenmann war dies jedenfalls der konsequente Schritt, um seiner Vita den krönenden Abschluß in der Nachfolge der frühen Gefolgsleute Jesu zu geben. Aber auch ein schlichter Raubmord durch Wegelagerer kann nicht ausgeschlossen werden.

Seine Wirkung verfehlte sein Tod durch die Hand der Heiden jedenfalls nicht. Schon kurz nach seinem Ende setzte eine kultische Verehrung des Missionars ein. Das führte auch zu einem Streit über seine Reliquien zwischen dem Bistum Mainz und dem Kloster Fulda. Letzteres hatte Bonifatius selbst als seine Grablege auserkoren.

Karl der Große missionierte mit dem Schwert

Der Geistliche aus Britannien hatte durch sein Wirken die Christianisierung des heutigen Deutschlands vorangetrieben und die kirchliche Infrastruktur gestärkt. Im Gegensatz zu ihm forcierte der spätere Kaiser Karl der Große die Verbreitung des Christentums unter den sächsischen Stämmen mit dem Schwert. Das Blutgericht von Verden, dem Tausende Sachsen zum Opfer fielen, legt Zeugnis vom Vorgehen des Herrschers ab.

In seinem rund dreißig Jahre dauernden Krieg gegen die Sachsen weitete der fränkische Herrscher nicht nur sein Territorium aus, sondern zwang die Unterlegenen zur Annahme des christlichen Glaubens. Auch Karl betätigte sich als Bilderstürmer, als er 772 das zentrale Heiligtum der Sachsen, die Irminsul, zerstören ließ.

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