BERLIN. Der mutmaßliche ICE-Attentäter ist womöglich im Auftrag der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gezielt nach Deutschland geschickt worden. Der Ende März festgenommene tatverdächtige Iraker soll den Ermittlern zufolge als Schläfer im Auftrag des IS gehandelt haben, berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Hintergrund sind Dokumente des IS, wonach die Miliz auch nach ihrer Niederlage in Syrien in Europa aktiv sein werde und Anschläge planen soll. Die Strategiepapiere sollen auf einer Festplatte nach einem Gefecht in Syrien gefunden worden sein, über die am Wochenende die britische Sunday Times berichtet hatte.

Unter den Dokumenten befand sich demnach auch ein Brief an IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi, der von sechs einflußreichen IS-Mitgliedern unterschrieben war. Darin ist unter anderem von einem Abu Khababa al-Muhajir die Rede, der zwei Terrorzellen in Deutschland und eine in Rußland koordiniere.

Zwei Anschläge in Deutschland und der Schweiz geplant

Die aus Syrien geschickten Kämpfer sollen zum einen Geld auftreiben, um das „Kalifat“ zu finanzieren. „Ungläubige Kapitalisten töten, Banken hacken, Banküberfäll“, schlagen die Anführer vor. Das erbeutete Geld müsse dann nach Syrien geschickt werden. Zum anderen sollen sie Anschläge wie die in Paris 2015 begehen.

In einem weiteren Dokument geht es um das IS-Mitglied Abu Taher al Tajiki, der zwei Anschläge in Deutschland und der Schweiz ausführen lassen wolle. Das erste Ziel ist demnach ein Schnellzug in Deutschland. „Mit Allahs Hilfe und Kraft wird der Zug mit einem Sprengsatz, der von den Brüdern aus Europa aus einfachen Mitteln hergestellt wurde, attackiert“, heißt es laut Sunday Timesin dem Schreiben.

Der Bild-Zeitung zufolge gehen die Ermittler davon aus, daß es sich dabei um die Anschläge des 42 Jahre alten Irakers handelt. Der Mann hatte Stahlseile über deutsche ICE-Strecken gespannt. Er war Ende März in Wien festgenommen worden. Zwei Komplizen von ihm verhaftete die Polizei in Prag.

Iraker gab an, aus Rache und aus Haß gehandelt zu haben

Der zweite von al-Tajiki angekündigte Anschlag fand den Angaben nach nicht statt. Er sollte auf eine Pipeline einer Basler Erdölraffinerie erfolgen. Ein Satellitenfoto der Raffinerie habe den Unterlagen beigelegen.  

Der verdächtige Iraker gab nach seiner Festnahme an, aus Rache und aus Haß auf den Westen gehandelt zu haben. Konkret sprach der Mann, der seit 2012 als anerkannter Flüchtling in Österreich lebte, von einem „politischen Statement gegen Deutschland“. Einen islamisch-terroristischen Hintergrund streitete er dagegen ab. (ls)

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