BERLIN. Die Migrationsforscherin Naika Foroutan hat Ostdeutschen unterstellt, sich mit Moslems zu vergleichen und als Opfer von Diskriminierung wahrzunehmen. „Ostdeutsche platzieren sich durchgehend auf einer Ebene mit Muslimen. Sie nehmen sich und Muslime zu gleichen Anteilen als Bürger zweiter Klasse wahr“, sagte sie Zeit Online. Das sei möglicherweise ein Hinweis auf Empathie.

Foroutan untersuchte für eine Studie Stereotype über Ostdeutsche und Moslems. Demnach haben Ostdeutsche Angst vor der Statusbedrohung durch Zuwanderer. „Fast jeder zweite Ostdeutsche sagt, ich hätte ein schlechtes Gefühl, wenn immer mehr Muslime in Führungspositionen gelangten.“

Ablehnung des Islam sei gesamtdeutsches Phänomen

Die Wissenschaftlerin betonte jedoch, die Ablehnung des Islam sei ein gesamtdeutsches Phänomen und in den östlichen Bundesländern lediglich stärker ausgeprägt. „Die Erzählung eines flächendeckenden braunen Ostens aber ist genauso falsch wie die der größtenteils sexistischen und antisemitischen Muslime.“ Als Grund für Wahlerfolge der AfD in Sachsen nannte Foroutan, daß Rassismuskritik dort nicht gelernt worden sei und ethnische Ungleichheitsvorstellungen vorherrschten.

Die Diskriminierungserfahrung der Ostdeutschen seien von den Westdeutschen geleugnet worden. „Mit dem Stigma des Jammerossis wurde über 30 Jahre weggeschoben, daß es im Osten einen berechtigten Grund für Beschwerde gibt. Aber das war für viele Ostdeutsche kein Gefühl, sondern eine reale Erfahrung, also eine Erkenntnis.“

In der Vergangenheit hatte Foroutan vor einem Erstarken des Faschismus in Europa gewarnt. Die wachsende Zahl konservativer Regierungen beunruhige sie. (ag)

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