Die Geburtstagsfeier des Publizisten Matthias Matussek hat in den vergangenen Tagen für Wirbel gesorgt. Linke Journalisten, Entertainer wie Jan Böhmermann und sogar der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) fühlten sich berufen, Stellung zu beziehen. Hintergrund waren einige Gäste der Feier, die rechts des linken Mainstreams stehen. Im Gespräch mit der JUNGEN FREIHEIT äußert Matussek seine Sicht der Dinge.

Ex-Außenminister und -SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich zu Ihrer Geburtstagsfeier geäußert, hätten Sie mit einem solchen Wirbel gerechnet?

Matthias Matussek: Ich dachte, ich sehe nicht richtig! Statt sich mit der sittlichen und politischen Verluderung der SPD zu beschäftigen (feministische Pornos, Abtreibungspropaganda, Enteignungen, kaputte Sozialsysteme für die einheimische Arbeiterschaft wegen Überlastung durch Geschenke an Immigranten) beschäftigt der sich tatsächlich mit meinem Geburtstag. Im übrigen sehr verwirrt: Er sagt, ich dürfe nicht mit „Rechten feiern“. Vor drei Jahren noch hat er dem Stern erklärt: „Jeder hat das demokratische Recht, deutschnational zu sein.“ Ich glaube, die politische Klasse kapituliert vor ihren Aufgaben und befindet sich im Zustand geistiger Auflösung. Daß das viele im Lande so sehen, belegen Umfragen, die am gestrigen Donnerstag auf Spiegel Online präsentiert wurden.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Sie würden durch die Mischung Ihrer Gäste rechtsextremes Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft tragen?

Matussek: Natürlich ist das Unsinn. Ich habe zwar in meiner launigen Begrüßung auch den Verfassungsschutz herbeiphantasiert, der sicher unter meinen Gästen sei, großes Gelächter war die Antwort, aber wenn es mit dem linken McCarthyismus in unserm Land so weitergeht – übrigens stammt diese Warnung von Jakob Augstein – ,wird sich, wie es damals in den USA mit der antikommunistischen Hysterie passierte, die Zivilgesellschaft zur Wehr setzen. Wenn zu einem privaten Geburtstag Gästelisten durchforstet werden, ist ein Grad an Hysterie erreicht, der sehr bald kippen wird – und dann stehen denunziationssüchtige Clowns wie Böhmermann mit runtergelassenen Hosen da. Mit denen wird keiner mehr was zu tun haben wollen. Ich sehe die Zeiten, die wir derzeit durchleiden, als Filmstoff von morgen: Jagd auf Abweichler!

„Ich will dem Verfassungsschutz Arbeit abnehmen“

Liest man einige Medienberichte, könnte man meinen, es habe sich bei der Feier um eines der größten Nazi-Treffen der vergangenen Jahre gehandelt.

Matussek: Ein Witzbold hat in die Gästeschar auf einem Foto meiner sehr vergnüglichen Familienfeier – ja, meine geliebten Brüder Johannes und Andreas waren auch vertreten – hinten rechts und vorne links den Föööhrer und Göring reinkopiert. Das alles ist mittlerweile Hochkomik!

War es ein Fehler, die Bilder Ihrer Gäste auf Facebook zu veröffentlichen?

Matussek: Wissen Sie, nachdem der letzte Gast gegangen war, war ich so euphorisch über diese gelungene Party, daß ich das auf Facebook erzählen mußte. Da erzähl ich sehr viel, praktisch alles. Im Moment zum Beispiel, wir sind wie jedes Frühjahr in Tel Aviv, über die zwei Raketen, die letzte Nacht abgefangen wurden. Und natürlich fotografiere ich nicht nur die Headline der Zeitung, sondern auch meinen Frühstücksteller, der daneben steht. Sagen wir mal so: Ich will dem Verfassungsschutz Arbeit abnehmen, deshalb mache ich offene bzw. öffentliche Buchführung.

Reinhold Beckmann sah sich gezwungen, sich am nächsten Morgen von seinem Kommen zu distanzieren.

Matussek: Reinhold ist ein lieber Kerl, und als er mich am Tag vorher fragte, ob er mir ein Ständchen bringen dürfe, sagte ich selbstverständlich: „ Ja, wunderbar“. Ich kenne ihn seit Jahren, war auch auf seinem letzten Geburtstag, wo, huch, eine Stripperin auftrat, und sogar, huch, ein Joint kreiste. Ich mochte und mag ihn, und für seinen Schwächeanfall mache ich nicht ihn, sondern ganz marxistisch die Verhältnisse verantwortlich. Das Lied, mit dem er mich erziehen wollte, übrigens kannte ich, es stammt von seiner ersten CD, ich hatte ihn damit in der Welt porträtiert – es ist autobiographisch, ein resignativer, grandioser Song über das Altern, über die eigene Kaputtheit und nachlassende Virilität. Es ist autobiographisch. Er kommt vom Land, hat sich hochgearbeitet, er ist ein herzensguter Mensch.

Was ist nur aus dem Spiegel geworden?

Auch die Chefredaktion des „Spiegel“ hat sich geäußert und versichert, alle Mitarbeiter distanzierten sich selbstverständlich von rechtsextremem Gedankengut.

Matussek: Das nun ist McCarthyismus in Reinkultur: Der einst stolze Spiegel krümmt sich und versichert – wie der arme Brecht damals vorm McCarthy-Ausschuß: „I was never member of the communist party“. Was für eine Verkrümmung, und das nicht etwa vor einer gefährlichen Behörde, sondern vor einem denunzierenden TV-Clown! Was ist nur aus diesem Blatt geworden?! Man sollte sich dieser Tage noch einmal den großartigen Film mit Zero Mostel über diese Ära anschauen.

Offiziell handelte es sich um Ihren 65. Geburtstag. Die Quersumme von 65 ist 11. Addiert man die beiden Zahlen, kommt man auf 76. Die 7 steht im Alphabet für G, die 6 für F. Zufall? Wofür steht der Code GF? Großer Führer oder geile Feier?

Matussek: Ha ha, dreimal dürfen Sie raten. Auf seinem 65. Geburtstag hat Sloterdijk übrigens ein nettes Zahlenspiel gebracht. 65, sagte er, das sind eigentlich fünf 13jährige übereinander. Das große Kind, die ewige Pubertät (die Goethe noch mit 80 beschwor) – das ist doch eigentlich die Gewähr für anhaltende Produktivität. Übrigens war er auch eingeladen, er mußte absagen, weil er am gleichen Abend in Berlin eine Premiere hatte. Und Safranski sitzt in der Schlußphase zu seinem großen Hölderlin-Buch, aber er schickte das Nietzsche-Motto: „Nur im Angriff ist klingendes Spiel“. Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe hat sich beschwert, daß er nicht eingeladen war (ich war jüngst auf seinem Geburtstag); dabei war er eingeladen. Sie sehen also: lauter hochrangige Nazis!

Warum haben Sie sich die Feier und die Gästeliste nicht im Vorfeld von der Neo-Royal-Redaktion und Jan Böhmermann genehmigen lassen?

Matussek: Der Typ muß sich mal entscheiden. Er hat getwittert, es gehöre sich nicht für einen Journalisten, heimlich mit Nazis zu feiern. Und dann zeigt er in seiner Sendung, die kaum einer sieht, alle meine Facebook-Fotos. Also meine Party war übermütig, vergnüglich, anregend, alles, aber eines sicher nicht: heimlich!

„Jeder hat eine zweite Chance verdient“

Haben Sie wenigstens einen Warnhinweis auf die Einladung geschrieben? In etwa: „Betreten auf eigene Gefahr, Sie könnten am Buffet auf Nazis treffen“?

Matussek: Ich wußte ja bis zuletzt nicht, wer kommt. Viele hatten sich trotz Bitten um Ankündigung nicht gemeldet und sind trotzdem erschienen. Andere, wie mein Freund Alex Schaumburg, nicht. Insgesamt aber hatte ich den Eindruck – ich hatte ja in meiner Einladung von alten und neuen Freunden geschrieben – ,daß mir an diesem Abend ein Stück gelebter Utopie gelungen ist, nämlich Leute aus Lagern, Linke wie Rechte, Schwule und Heteros, Christen und Atheisten zusammenzubringen unter dem, was Habermas mal den „herrschaftsfreien Diskurs“ genannt hat. Mit Wein, Weib, Gesang. Mein Freund Alexander Wendt hat das auf Tichys Einblick wunderbar aufgeschrieben.

Schade, daß dieser Versuch nachträglich durch Denunzianten wie Böhmermann, der wirklich ein schrecklich-deutscher Archetyp ist, geschreddert wurde. Und durch die Bild, die mit ihrer Zeile „Vorbestrafter Rechtsradikaler auf Autor Matusseks Party“. Das ist ein Framing, das auf die soziale Vernichtung abzielte, nicht nur meiner, sondern auch meiner Frau, meines Sohnes. Zu diesem „Rechtsradikalen“ noch ein Wort. Mario ist ein Identitärer, mit dem ich durch Syrien gereist bin. Wir haben uns angefreundet, ich hatte über ihn und die Identitären bereits ausgiebig geschrieben.

Er hat sich gegen militante Antifanten, die ihn und seine Freundin einkesselten, zur Wehr gesetzt. Das ist sein gutes Recht. Er ist dann wegen des rätselhaften Vorwurfs der „Notwehrprovokation“ auf Bewährung verknackt worden und gilt als vorbestraft – zu unserer Justiz will ich jetzt nichts sagen …

In seiner Jugend mag er mit dem falschen Haufen mitgetanzt sein, aber ich finde, jeder hat eine zweite Chance verdient. Mein Gott, ich war Maoist und hab vom Umsturz der Verhältnisse geträumt. Unser linkes Establishment hat mit Mördern der RAF später fraternisiert, der linksradikale Polizistentreter Fischer war Außenminister, RAF-Anwalt Schily ist später ein knallharter Innenminister geworden. Kaum ein hochrangiger SPDler oder Grüner, der nicht im Kommunistischen Bund war. Unsere Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth läuft hinter einem Transparent her auf dem „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“ steht, und da will man diesen Jungen Mario zur Nazibestie machen? Ich glaub es hakt.

„Irre Ideologeme verpesten derzeit die Luft“

Was sagt die Aufregung über ihre Party über die derzeitige gesellschaftliche Situation in Deutschland aus?

Matussek: Mein Freund Jan Fleischhauer hat dazu eine gute Kolumne im Spiegel geschrieben – bis auf die Zeile, ich sei ein „politischer Wirrkopf“. Der Spiegel hat dann auch das ursprüngliche Porträtfoto ausgetauscht gegen eines, das mich als Verrückten auf einer Bierkiste zeigt. Die übrigens ein hochdemokratisches Utensil ist, die Bühne des kleinen Mannes, im Speaker’s Corner in Londons Hydepark kommt es zu Ehren. Da kann jeder Luft ablassen. Bei uns gilt so etwas als igitt.

Wie ich oben schon sagte, ich glaube, daß dieser linke McCarthyismus sich selbst bald ad absurdum führt. Wie überhaupt viele der irren Ideologeme, die derzeit die Luft verpesten. Etwa wenn diese Lehrerin und Feministin ein Buch schreibt, daß sie sich wegen des ökologischen Abdrucks, also aus Angst vor Umweltzerstörung, keine Kinder wünscht. Und die Kanzlerin es toll findet, daß Kinder unter der Führung einer 16jährigen die Schule schwänzen, um den Planeten zu retten – das alles hat wahnhafte Züge wie die grausame Wiedertäuferbewegung damals in Münster im 16. Jahrhundert. Ein Spuk, ein religiöser Wahn, der so schnell verschwand, wie er auftauchte.

Werden Sie jemals wieder Geburtstag feiern?

Matussek: Es haben sich unfaßbar viele Leute beklagt, daß sie nicht eingeladen waren, deshalb plane ich den nächsten Geburtstag im Hamburger Congress Centrum auszurichten – der Vorverkauf beginnt morgen.

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