BERLIN. Der wegen des Diebstahls von Daten Hunderter Politiker und Prominenter tatverdächtige Johannes S. soll in der Vergangenheit bereits das Bundeskriminalamt (BKA) gehackt haben. Der 20 Jahre alte Schüler habe vor etwa zwei Jahren auf seiner Internetseite vertrauliche Organisationspläne und mehr als hundert interne E-Mail-Adressen der Behörde veröffentlicht, berichtet der Focus unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise.

Zu den Betroffenen zählten demnach auch BKA-Chef Holger Münch, sein Stellvertreter, andere leitende Beamte sowie geheime Referate zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Den Ermittlern zufolge handelte Johannes S. aus Rache, weil er sich durch polizeiliche Maßnahmen gedemütigt gefühlt habe.

Das BKA wußte dem Bericht nach längere Zeit nichts davon. Erst durch einen Zeugen, der sich nach Bekanntwerden des Datendiebstahls Anfang des Monats per Twitter an die Berliner Polizei wandte, sollen die Beamten von dem zwei Jahre alten Cyberangriff erfahren haben. Der Zeuge habe der Polizeibehörde auch ein Dokument mit mehreren Hinweisen zu weiteren mutmaßlichen Hackerangriffen von Johannes S. gegeben. Darunter sollen sich auch Computerprogramme befunden haben, mit denen der Schüler seine Attacken ausgeführt haben soll.

Zweifel an Einzeltäterschaft

Am Mittwoch war der junge Mann laut Focus von Fachbeamten des BKA befragt worden. Dabei soll er angegeben haben, mit dem Hackerkollektiv „NWO“ kooperiert zu haben. Wie ARD und RBB am Mittwoch meldeten, bestünden bei den Ermittlern Zweifel an der These, Johannes S. habe allein gehandelt.

Demnach setzten ihn BKA-Beamte vor einen Rechner und baten ihn zu zeigen, wie er die Datendiebstähle vollzogen habe. „Dabei sei deutlich geworden, daß er beispielsweise nicht über die nötigen Kenntnisse verfügte, um die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen“, berichtete der RBB. (ls)

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