BERLIN. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, hat sich gegen die Kritik an den in Deutschland lebenden türkischen Erdogan-Anhängern gewandt. Diese sollten wegen ihrer politischen Einstellung nicht als Antidemokraten diffamiert werden.

Sofuoglu wies im Gegenzug deutschen Politikern eine Mitverantwortung an dem hohen Wahlergebnis von Erdogans Partei AKP zu. „Deutsche Politiker machen es sich zu leicht, wenn sie Erdogans Anhänger als Integrationsverweigerer abstempeln.“ Statt dessen sollten einheimische Politiker „selbstkritisch nach ihrem eigenen Anteil dran fragen, daß eine seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Gruppe im Staatschef eines anderen Landes ihren Anführer sieht“, sagte er im Gespräch mit den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Kritik an öffentlichen Siegesfeiern

Kritik an dem hohen Wahlergebnis für Recep Tayyip Erdogan und den Autokorsos feiernder AKP-Anhängern äußerten hingegen türkischstämmige Politiker aus Nordrhein-Westfalen. Dort hatte s in der Nacht zu Montag in zahlreichen Städten Siegesfeiern gegeben.

Der türkischstämmige SPD-Landtagsabgeordnete Serad Yüskel nannte die Jubelszenen gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung „unerträglich“. Er fügte hinzu: „In der Türkei werden Demokratie und Rechtsstaatlichkeit beseitigt. Und hier stimmen Menschen, die die Vorzüge einer Demokratie genießen, für einen Diktator in der Türkei. Man möchte fast sagen: Dann geht doch und lebt in diesem System. Nach ein paar Wochen wollt ihr da wieder raus.“ Die Integrations-Staatssekretärin von Nordrhein-Westfalen, Serap Güler (CDU), bezeichnete die Siegesfeiern als „befremdlich und traurig“. (ag)

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