BERLIN. Die deutsche Schauspielerin Claudia Eisinger hat Berlinale-Direktor Dieter Koßlick aufgefordert, den Festivalteppich angesichts der #MeToo-Debatte schwarz einzufärben. Damit solle ein Zeichen gegen sexistische Übergriffe, Diskriminierung und Mißbrauch in der Filmbranche gesetzt werden, erklärte sie gegenüber dem RBB.

In einer eigens dafür gestarteten Petition auf der Internetplattform change.org kamen bis Dienstag rund 16.000 Unterschriften zusammen. „#MeToo ist der kathartische Wirbelsturm, der sich endlich Bahn bricht“, heißt es darin. „Endlich fällt Licht auf ein längst überholtes System und legt die Mißstände nicht nur einer Branche, sondern einer ganzen Gesellschaft offen, die so lange stillschweigend hingenommen wurden.“

Die Gewinnerin des Deutschen Schauspielerpreises 2016 verwies auch auf Hollywood, wo bei der Verleihung der Golden Globes im Januar zahlreiche Schauspielerinnen ganz in Schwarz gekleidet waren.

Kleiderordnung auf dem roten Teppich ist überholt

Zuvor hatte bereits die Schauspielerin Anna Brüggemann dazu aufgerufen, bei der Berlinale auf die klassische Rollenverteilung in der Kleiderordnung zu verzichten. Das Frauen-, aber auch Männerbild, das bei Festivaleröffnungen, Premieren und Preisverleihungen erwartet werde, komme ihr vor wie aus den fünfziger Jahren. „Die Frauen zwängen sich in enge Röcke, zeigen Dekolleté, balancieren auf sehr hohen, sehr dünnen Absätzen, und die Männer versuchen, möglichst markant und nonchalant ihre Bodies zu präsentieren.“

Die 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin beginnen am Donnerstag. Mit mehr als 300.000 verkauften Tickets ist es das weltweit größte Publikumsfestival. Zu allen großen Premieren wird vor dem Theater am Potsdamer Platz der rote Teppich ausgerollt.

Zuletzt hatten mehrere prominente Französinnen in der #MeToo-Debatte vor einem „Klima der totalitären Gesellschaft“ gewarnt. „Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist kein Delikt, und eine Galanterie auch keine chauvinistische Aggression“, schrieben unter anderen die Schauspielerin Catherine Deneuve sowie die Schriftstellerinnen Catherine Millet und Catherine Robbe-Grillet in einem Gastbeitrag für die französischen Zeitung Le Monde.(ha)

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