Schrecken ohne Ende

On November 21, 2017, in Junge Freiheit, by admin

Es war ein trüber Novemberabend. Heiko Maas war früh zu Bett gegangen. Er war rasch eingeschlafen und hatte von kommenden Aufgaben geträumt: Saarländischer Ministerpräsident, fürs erste, dann ein Ministeramt in Berlin und, wer weiß, irgendwann vielleicht sogar Kanzler.

Doch dann war er aufgewacht. Nun lag er mit offenen Augen in der Dunkelheit und versuchte, wieder in den Schlaf zu finden. Eine seltsame Unruhe hatte ihn erfaßt. Er grübelte, was die Ursache dafür war, konnte sich aber keinen Reim darauf machen. Plötzlich klingelte das Telefon. Mit schweißnassen Händen griff er zum Hörer.

„Maas, hallo?“

„Heiko, Anetta hier. Entschuldige, daß ich störe. Aber es ist wichtig. Das mußt du dir ansehen!“

Mehr als nur Geraune?

Die Stimme am anderen Ende der Leitung war vor Aufregung nur schwer zu verstehen und drohte, sich zu überschlagen.

„Im Internet, Heiko! Weißt Du nicht, was das bedeutet?! Du mußt das einfangen.“

Maas begriff schnell, daß sich da etwas Großes zusammenbraute. Etwas, von dem er immer gehofft hatte, es würde nicht eintreten. Er hatte immer wieder von entsprechenden Plänen gehört, diese aber als Geraune abgetan. Er schaltete das Licht ein und ging zu seinem Schreibtisch.

„Bist du noch dran, Heiko?“, hörte er es aus dem Telefon fragen. Doch er sah sich jetzt nicht in der Lage, das Gespräch fortzusetzen. Zu groß war seine Anspannung. Er wollte sich selbst ein Bild machen. Vielleicht war ja alles gar nicht so schlimm.

Schock mit Langzeitwirkung

„Ich ruf dich zurück, Anetta“, sagte er und legte auf. Dann schaltete er seinen Computer an. Trotz des neuen Betriebssystems Windows Vista kam es ihm vor wie eine Ewigkeit, bis der Rechner bereit war. Zögernd öffnete er den Browser, tippte, jede Taste sorgsam wählend, in die Adreßleiste und drückte auf Enter.

Langsam, Stück für Stück, baute sich die Seite auf. Maas begann zu lesen: „JF startet mit neuer Internetseite“. Ihm wurde heiß und kalt. „Tagesaktuelle Meldungen“, „Interaktion durch Kommentarfunktion“. Die Buchstaben begannen, vor seinen Augen zu tanzen, ihm wurde schwindelig. Sein Mund war wie ausgetrocknet. Sein Herz pochte, sein Puls raste. Das Zimmer begann sich zu drehen, die Wänder wurden zu einem Strudel, der ihn unauhaltsam in sich zog. Dann, wie eine Erlösung, hüllte die Dunkelheit ihn endlich ein und barg ihn in ihren schützenden, schwarzen Armen.

Zehn Jahre sind seit dieser Nacht vergangen – eine lange Zeit. Trotzdem hat sich Heiko Maas von seinem Schrecken nie richtig erholt. Er versuchte, die Situation zu verarbeiten, schrieb sich das Erlebte von der Seele, bis er einen Weg fand, mit der Angst umzugehen. Als Justizminister verschrieb er sich ganz und gar der Aufgabe, daß sich Derartiges nie wiederholen dürfe. Dafür würde er sorgen.

Des einen Leid ist des anderen Freud

Doch stets, wenn sich sein November-Erlebnis jährt, holen ihn die alten Geister wieder ein. Dann schließt sich Heiko Maas in seinem Zimmer ein. Im bleichen Licht seines Tablets kauert er Stunde um Stunde, die Welt und das Internet verfluchend, und hofft, daß der Moment endlich vorüberzieht und die lähmende Angst ihn wieder aus ihren Klauen entläßt.

Nun ist des einen Leid bekanntlich des anderen Freud. Und während Heiko Maas dieser Tage wieder in Schockstarre vor seinem Rechner verfällt, wollen wir von JF-Online die Gelegenheit nutzen, an dieser Stelle „Danke“ zu sagen. Danke für zehn Jahre treue Leserschaft. 25.000 Beiträge sind seitdem auf unserer Seite erschienen und 540.000 Leserkommentare.

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In diesem Sinne: Horrido und Juchei! Hoch die Tassen! Auf die nächsten zehn!

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