Wem in der DDR gedroht wurde: „Ich melde Dich“, dem war klar, daß er bei der Staatssicherheit angeschwärzt würde. Das Unwesen, jemanden oder etwas „zu melden“ greift nun auch im vereinigten Deutschland immer mehr um sich. Neuestes Beispiel: Seit Mittwoch ruft die Seite „Pinkstinks“ dazu auf, vermeintlich sexistisch Werbung zu „melden“.

Die mit Steuergeldern finanzierte Aktion liegt in den Händen einer Organisation, die sich bereits daran stört, wenn Mädchen oder deren Spielzeug in rosa, also pink, gezeigt werden. Dies sei ein Geschlechter-Stereotyp. Daher auch der Name „Pinkstinks“ – zu Deutsch: Rosa stinkt. Die Verteilung klarer Geschlechterrollen wolle man aufbrechen. Es lebe der Einheits-Mensch! Denn das Feindbild der Organisation besteht nicht nur im Dessous-Model von H&M. Vielmehr geht es gegen die Weiblichkeit allgemein.

Vermeintlich sexistische Werbung fotografieren und hochladen

Die Initiative bedauert zwar, daß es nicht machbar sei, „einer einzelnen Firma vorzuschreiben, dieses Jahr ihre Bikinis an einer 50-jährigen zu bewerben“. Aber man wolle zeigen, „wie viele Firmen und Kampagnen mit einem unglaublich limitierten Frauenrollenbild werben“. Das solle demonstrieren, „wie stark Frauen in Deutschland unter Druck gesetzt werden“.

Natürlich verwenden die Macher konsequent das sogenannte Gendersternchen. Selbst die Denunziationsseite heißt „Werbemelder*in“. Der Aufruf fordert konkret, sexistische Werbung überall in Deutschland zu fotografieren, auf der Internetseite oder einer App hochzuladen und den Ort der Aufnahme anzugeben. „Wir machen deine Beschwerde auf einer Deutschlandkarte sichtbar und informieren dich, was wir dagegen unternommen haben.“

Kontrolleure deutscher Litfaßsäulen

Daß die eifrigen „Werbemelder*innen“ nicht vielleicht sogar etwas auf eigene Faust unternehmen, kann natürlich niemand garantieren. Ob die von der Bürgerwehr für die Reinheit deutscher PR als sexistisch eingeordnete Werbung dasselbe Schicksal erleidet wie die meisten AfD-Plakate im Wahlkampf? Wer weiß? Die wurden entweder zerstört oder komplett entwendet.

Die Denunzianten dürfen sich dabei sogar geadelt fühlen. Denn sie handeln in höchstem Namen – dem der Bundesregierung. Das Familienministerium beauftragte im März dieses Jahres – damals noch unter Führung von Manuela Schwesig (SPD) – „Pinkstinks“ ganz offiziell mit der „Kontrolle“ deutscher Litfaßsäulen. Offenbar ist man in Berlin der Meinung, der Werberat sei unfähig. Denn dem Selbstkontrollorgan der deutschen Werbewirtschaft wird „Pinkstinks“ ganz offiziell zur Seite gestellt. Na dann auf zum fröhlichen „Melden“ im Auftrag des Staates.

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