STUTTGART. Der frühere Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, hat der Behauptung widersprochen, für Asylsuchende sei in Deutschland Geld vorhanden, nicht aber für sozial schwach gestellte Deutsche. Das seien „Anmutungen und Behauptungen“, die insgesamt nicht stimmten, sagte Weise dem SWR.

„Ich finde es auch unglaublich, wie manche zu Zahlen kommen, die Flüchtlinge kosten uns 20 Milliarden Euro. Das sieht so aus, als bekommen das die Flüchtlinge. Das ist Unsinn. Wenn zum Beispiel jemand kocht, dann ist das eine ganz normale Arbeit, die ins Bruttoinlandsprodukt geht. Wofür er kocht, ist letztlich egal.“ Er warne deshalb vor solchen falschen Behauptungen, betonte Weise. Er kenne die Sätze für die Grundsicherung beim Arbeitslosengeld, und diese seien individuell höher.

„Und das andere ist eben unser christlicher Zehnt, den wir als Bundesrepublik zahlen, für unseren humanitären Auftrag gegenüber Flüchtlingen.“ Sicher sei es ratsam, daß in der EU eine Angleichung der Sozialstandards für Flüchtlinge angestrebt werde. Es stehe aber außer Frage, daß diese in Deutschland wegen der teureren Lebenshaltungskosten höher ausfielen als beispielsweise in Bulgarien. Insgesamt lehne er eine Diskussion darüber ab, „ob jemand einen Euro mehr oder weniger“ bekommt.

Weise für Familiennachzug

Das sei „Kleingeisterei“. Wer nach Deutschland komme und Schutz bekomme und sich an die Regeln halte, der sei willkommen. Wer sich dagegen kriminell werde, der habe in Deutschland nichts zu suchen. Darauf komme es an. „Diese Diskussion würde ich mir wünschen.“

Der Beauftragte des Bundesinnenministeriums für Flüchtlingsmanagement sprach sich zudem dafür aus, Flüchtlingen in Deutschland zu erlauben, ihre Familien nachzuholen. „Es gibt gute Argumente dafür, daß die Menschen, wenn sie ihre Familien hier haben, besser zu integrieren sind und sich ruhiger und sicherer fühlen.“ Auch sei es natürlich für die Familie „eine gute Situation“. Derzeit ist der Familiennachzug von Flüchtlingen, die nur einen subsidiären Schutz genießen, noch bis März 2018 ausgesetzt. (krk)

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