BERLIN. Die Integrationsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Aydan Oezoguz, hat Moslemverbände in Deutschland zum Boykott der Islamkonferenz aufgerufen: „Die Muslime sollten nicht mehr an der Islamkonferenz teilnehmen, bis ein anderer die Leitung übernimmt“, sagte sie dem Hamburger Abendblatt.

Die SPD-Politikerin wies zwar auf die Dringlichkeit hin, mit der viele Probleme des Islam in Deutschland gelöst werden müssten, jedoch solle man sich vom Innenminister nichts erhoffen. „Er wird keine weiterführenden Ergebnisse erzielen, denn diese will er auch gar nicht.“

Kritik kam auch von der integrationspolitische Sprecherin der Linken, Sevim Dagdelen. Die Konferenz stelle Muslime in Deutschland unter einen Generalverdacht. „Gesellschaftlicher Dialog und eine emanzipatorische Integrationspolitik sehen anders aus", sagte die Linken-Politikerin. Besonders die fehlende Auseinandersetzung mit der „Islamfeindlichkeit“ in Deutschland sei problematisch. So sei schon jeder dritte Moslem in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Diskriminierungen geworden. Zudem repräsentiere die Konferenz nicht den gesamten Islam in Deutschland.

Friedrich lehnt Entschuldigung ab

SPD und Grüne forderten Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) auf, sich bei den Muslimen in Deutschland für seine Äußerung, der Islam sei historisch kein Teil von Deutschland, zu entschuldigen. Die Islamkonferenz biete Friedrich die letzte Chance, die bewusste Provokation von Millionen Muslimen zurückzunehmen, sagte der migrationspolitische Sprecher der Grünen Memet Kilic der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Friedrich selbst betonte vor Beginn der Konferenz noch einmal die christliche Prägung Deutschlands. Er könne nicht nachvollziehen, weshalb man sich „so darüber aufregen“ könne, berichtet der Focus. Eine Entschuldigung bei den Muslimen lehnte er ab. Diese seien jedoch selbstverständlich ein Teil der deutschen Gesellschaft.

Unterstützung bekam der Innenminister vom stellvertretenden Vorsitzenden der Alevitischen Gemeinde Deutschland, Ertan Toprak. „Ganz unrecht“ habe der Minister nicht, wenn er auf das christlich-jüdische Fundament Deutschlands hinweise. (ho)

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