BERLIN. Eine linke Studentengruppe an der Berliner Humboldt-Universität hat der Hochschule institutionellen Rassismus und Racial Profiling vorgeworfen. Grund dafür ist eine Warnung an die Mitarbeiter der Technischen Abteilung vor einer „Gruppe ausländischer Jugendlicher“. Diese waren schon bei Diebstählen erwischt worden.

Ein Sicherheitsmitarbeiter sagte der Tageszeitung Neues Deutschland, bei den betroffenen Jugendlichen handele es sich um Kriminelle. Erst am vergangenen Mittwoch sei jemandem per „Zetteltrick“ ein Handy geklaut worden. „Wenn wir die sehen, verweisen wir die.“

„Leider mußte beobachtet werden, daß diese Gruppe nun auch andere Gebäude der HU mit unbekannten Ziel/Interesse betritt“, heißt es in der E-Mail weiter. „Wir bitten um Ihre erhöhte Aufmerksamkeit.“

Gedächtnisprotokoll anlegen und sich als Zeuge anbieten

Plakat gegen Racial Profiling an der Humboldt-Uni

Für einige Studenten ein Skandal, weswegen sie nun auf dem Universitätsgelände Plakate wegen des angeblich rassistischen Vorfalls aufhängen. war das der Anlaß, „Die Mail war für uns ein Anlaß, aktiv zu werden und Racial Profiling an der Uni zu thematisieren.“

Auf einer Kampagnenseite mit französischem Impressum fragen sich die Initiatoren unter anderem: „Warum ist es wichtig, daß es sich um eine Gruppe ‘ausländischer Jugendlicher’ handelt? Wurde ihre Staatsangehörigkeit überhaupt festgestellt, oder wurde ihnen nur zugeschrieben, nicht deutsch zu sein?“

Wer einen rassistischen Vorfall wie diesen beobachtet, solle ein Gedächtnisprotokoll anfertigen und sich der betroffenen Person als Zeuge anbieten. „Wenn Dich die Scheiße kraß mitnimmt, dann sprich vielleicht mit ein oder zwei Freund*innen darüber.“ Konkrete Handlungsanweisungen haben die selbsternannten Antirassisten auch für Universitäts-Mitarbeiter.

Begriff Ausländer nicht erwünscht

„Wir sehen die wiederkehrenden rassistischen Strukturen, die von Sicherheitspersonal und Polizei ausgehen. Und wir alle wachsen mit vielen rassistischen Meinungen auf, die wir verinnerlicht haben.“ Um für Sicherheit zu sorgen, müsse niemand rassistisch sein.

Die Begriffe Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund lehne die Gruppe ab. Statt dessen solle man von „People of Color“ oder „Schwarzen Menschen“ sprechen. (ls)

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