Von Krieg und Kriegsgeschrei

Der Spatz im Gebälk

Sputnik berichtete kürzlich von einer Umfrage, wonach 30 % der Russen einen Atomkrieg mit Amerika für möglich halten. Auch hier herrscht angesichts der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten und vor Korea Sorge. Russische Politiker schließen einen solchen Krieg allerdings strickt aus, weil er das Ende unserer bewohnten Erde bedeuten würde. Ist das mehr als Angstrhetorik? H.G. Wells hatte bereits 1914 in seinem Roman „The World Set Free“ (Die Welt frei gesetzt) geschrieben, dass Atomwaffen (woher kannte er die damals eigentlich) letztlich die Kriege beenden und eine Eineweltregierung erzwingen werden. Doch warum sollte es zum Konflikt kommen?

Der eigentliche Grund wäre wirtschaftlicher Natur. Die stagnierende Wirtschaft zehrt an der Geduld der Amerikaner, meinte Mac Slavo bei Shiftplan.com am 19.4., und weckt den Wunsch, „klar Schiff“ zu machen und ein neues wirtschaftliches Aufbauprogramm wie nach dem Zweiten Weltkrieg einzuleiten. Denn dieser Krieg hatte ihrer Elite nicht nur den Sieg gebracht, sondern er hat die Große Weltwirtschaftskrise weggewischt und Amerika als Weltsupermacht etabliert.

Auf USAWatchdog.com findet man ein Interview mit dem politisch erfahrenen Hedge Fonds Manager Martin Armstrong. Er hält den Zusammenbruch des Dollars für etwas Positives, weil der die Welt weitgehend entschulden würde. Die eigentliche Gefahr für die Weltwirtschaft sieht er wie im Fall der Weltwirtschaftskrise 1929 von den Rändern aus kommen, dieses Mal von Europa oder China. Er meint, dass in nicht allzu ferner Zukunft der Dollar gespalten wird. (er sagt nicht, von wem.) Es wird dann einen internen Dollar für den US-Binnenmarkt geben und einen abgekoppelten Dollar für den internationalen Markt, der von einem internationalen Ausschuss reguliert würde. Er hoffe, dass dies nicht der IWF sein wird, denn der sei „way way too currupt“. Doch dann fuhr er unvermittelt fort: „Sie müssen verstehen, warum es zum Krieg kommt. Dazu kommt es nicht, wenn jeder satt und glücklich ist. Es ist ganz einfach. Man lässt die Wirtschaft niedergehen (turn down) und dann bekommt man Krieg. So funktioniert Politik“.

Paul Watson und sein Übersetzer, Yihan Dai, sprachen 2008 auf dem Höhepunkt der damaligen Krise von einem geheimen Bericht der Rand Corporation für das Pentagon, der in einflussreichen chinesischen Medien z.B. bei Sohu.com diskutiert worden sei. Die chinesischen Medien bezogen sich auf französische Quellen, möglicherweise auf das meist recht gut informierte Voltaire Netzwerk (https://www.infowars.com/rand-lobbies-pentagon-start-war-to-save-us-economy/). In dem Bericht habe die RAND Corporation einen Neuen Weltkrieg als „Starthilfe“ für einen wirklichen Wirtschaftsaufschwung vorgeschlagen. Als Zielgebiete zur Auslösung eines solchen Krieges seien Staaten wie Russland, China, der Iran und North Korea genannt worden, wobei man damals letzteres für zu klein und unbedeutend hielt, um einen Weltkrieg in Gang bringen zu können. Damals hatten viele bedeutende US-Politiker Obama vor schwerwiegenden Herausforderungen bei seinem Amtsantritt gewarnt. Vielleicht war eine indirekte Bestätigung solcher Pläne der Rücktritt von Admiral William Fallon, als Chef des US-Zentral-Kommandos wegen der Politik der damaligen Bush Regierung gegenüber dem Iran. Wird eine solche Strategie 9 Jahre später möglicherweise wieder aktuell?

Mac Slavo klagte am 9.4. „Wir (Amerikaner) stimmten für George Bush, weil er uns eine nicht interventionistische Außenpolitik versprochen hatte. Wir stimmten für Obama, weil er uns versprochen hatte, er würde die Truppen aus Irak und Afghanistan nach Hause zurückholen. Wir stimmten für Trump, weil er versprochen hatte, die Politik des „Nation buildings“ seiner Vorgänger zu beenden. Und das ist nun die eigentliche Tragödie: Wir haben seit nahezu 20 Jahre für den Frieden gewählt und immer nur Krieg bekommen.“ Würden doch viele Amerikaner so denken.

2011 hat Ron Rosenbaum sein Buch Wie das Ende beginnt: Der Weg zu einem nuklearen Weltkrieg III (engl. Simon & Schuster) veröffentlicht. Er erzählt darin, wie den Weltkrieg potentielle “Unfällen”, die Zufälle oder Inszenierungen sein könnten, auslösen könnten. „Es wurden zwar Verträge geschlossen“, aber tausende nuklearer Waffen hängen am seidenen Faden eines Zufall-Alarms. Rosenbaum hatte Leute in den entsprechenden Einrichtungen kontaktiert, die mit solch einem Alarm umgehen würden und war schockiert, wie oft wir bereits haarscharf an einem atomaren Weltkrieg vorbeigeschrammt sind.

Gefährliche Zufälle, ja – aber wer könnte bewusst einen Atomkrieg selbst als Ausweg aus einem sicheren wirtschaftlichen Abstieg wirklich wollen? Wäre es nicht sinnvoller für die wackelige Elite (wenn sie es denn wäre) ihren bisherigen Wirtschaftskrieg in das damit verbundene Chaos weiter zu führen, als einen Atomkrieg mit der entsprechenden Zerstörung zu beginnen? Ein Chaos würde doch als “great financial reset” genügen. So ein “reset” oder Neuanfang könnte – wie bei Amstrong angedeutet – die vollständige Zentralisierung des Geldsystems der Welt mit sich bringen. Zu denken wäre an ein System ähnlich dem der Sonderziehungsrechte des IWF, bei dem die imperialistische Elite am einzigen Steuerhebel sitzt. Es müsste ja nicht der IWF sein, der angeblich zu korrupt ist. Wahrscheinlicher ist aber ein zentrales, bargeldloses also digitales Zahlungsmittel, das die gesamte Weltwirtschaft regelt. Es ließ sich in Übergangsphasen noch regional differenzieren, um ungute Auswirkungen, wie bei der Euro-Einführung zu vermeiden. Damit hätten wir die seit 1891 von Cecil Rhodes angestrebte einheitliche Weltregierung über Regionen mit einer allmählich einzuführenden west-demokratischen (Kreuzchen-) Selbstverwaltung. Dienen die aktuellen Spannungen einschließlich der Drohungen mit einem atomaren Weltkrieg vielleicht dazu, die Bereitschaft, sich einem solchen System zu beugen, vorzubereiten? Die Antwort auf die Frage auf diese Möglichkeit dürfte wahrscheinlich eher auf die Einschätzung der Führung in Russland und Chinas als die eines Donald Trump hinauslaufen. Werden Putin und Xi Jinping sich angesichts einer Weltkriegsdrohung einer solchen Regelung beugen, wenn man ihnen je einen Sitz in dem Geldkontrol-Gremium anbietet?

Ein jüngerer Bericht des Londoner Instituts für Strategische Studien (IISS) äußerte: „Fortschritte Chinas in diesem Bereich (der Waffenentwicklung, erg.) führen vor Augen, dass dem Westen keine dominierenden Positionen bei der Entwicklung moderner Waffen mehr sicher sind… Die Ausbreitung modernster Waffen macht Militäroperationen des Westens immer riskanter und komplizierter.“ Der Bericht stellt auch die hohe Schlagkraft der russischen Streitkräfte heraus, nachdem veraltete Waffen zügig durch modernste Rüstung ersetzt werden. „Die Streitkräfte Russlands haben ihre hohe Kampfkraft sowohl im traditionellen Bereich als auch bei der elektronischen Kriegführung aufrechterhalten. Hoch bleibt auch das Potential der russischen Raketenartillerie. Einige Systeme übertreffen sogar ähnliche Rüstungen der NATO und der USA.“ Dies gelte insbesondere für neue luft- und seegestützte Raketen, die gegen IS-Terroristen in Syrien zum Einsatz gekommen sind. „Mit Marschflugkörpern vom Typ ‚Kalibr‘ werden russische Schiffe ausgestattet, unter anderen auch bei Patrouilleneinsätzen in der Arktis.“ Allerdings vermuten die IISS-Spezialisten, dass Russland sich „potentiell“ im Osten von China bedroht fühlen müsste, was kurzfristig eher westlichem Wunschdenken entspricht. Wenn Russland und China bedroht sind, dann durch Aufstachelungsversuche der Unzufriedenen im Land zu „bunten Revolutionen“ nach dem bewährten Gene Sharp’schen Muster. Jedenfalls hat Putin kürzlich auf diese „ernstzunehmende“ Bedrohung öffentlich hingewiesen.

Falls die Einschätzung des IISS stimmt, kann das zweierlei bedeuten. 1. Die Auslösung eines atomaren oder konventionellen Weltkriegs wird zunehmend riskanter und damit weniger wahrscheinlich. 2. Russland und China sind nicht genötigt, sich dem Diktat einer digitalen Weltwährung zu beugen, solange sie sich nicht daran beteiligen wollen. Die von beiden seither geforderte „Multipolarität“ widerspricht einem solchen Wunsch – doch wer weiß das schon genau.

Dass die internationale Finanzmafia eine neues Geldsystem und zwar ein bargeldloses anstrebt, ist dagegen offenkundig. Im Januar 2017 traf sich die globale Finanzelite zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort forderten die versammelten Spitzen-Ökonomen von Larry Summers, Kenneth Rogoff bis hin zum angeblich systemkritischen Nobelpreisträger Joseph Stiglitz die vollständige Abschaffung nicht nur von großen Banknoten, sondern von Bargeld insgesamt. Der progressive Stiglitz gab sich für die Behauptung her, dass nur Terroristen, Drogendealer und Steuerflüchtlinge auf Bargeld bestehen würden und es deshalb abgeschafft werden solle. Weiß er nicht, dass Terrororganisationen, das organisierte Verbrechen und selbst kleinere Steuerbetrüger und Geldwäscher längst für ihre Geschäfte Cryptocurrencies wie Bitcoin und das Dark-Net benutzen? Auf Bargeld beharren Leute, die sich nicht der Manipulation aufgrund der totalen Kontrolle ihrer Ausgabe-Gewohnheiten ausliefern wollen und verschrecke Sparer, die (negative oder) Strafzinsen bei der Bank vermeiden zu können hoffen. Was die in Davos versammelte Finanzmafia mit dem Bargeld wirklich fordert, lautet: „Gläserne Untergebene“ und „Alle Macht den Banken“ bis hin zur Handhabung der Ersparnisse und verbliebenen Geldvermögen der privaten Händen. Kurz nach diesen Forderungen veröffentlichte die EU-Kommission am 2. 2. 2017die Initiative ECFIN.DDG1.C.5, die eine Obergrenze von „Bargeld-Transaktionen“ als ersten Schritt zur Abschaffung des Bargeldes fordert und lobend feststellt: Verschiedene Mitgliedsstaaten haben bereits eine Obergrenze für Bargeldzahlungen eingeführt.“ Jedenfalls sind Sie ohne Bargeld so reiche, wie es die Internationale Finanz-Mafia für angemessen hält.

(0)

Leave a Reply

Free WordPress Themes


WordPress主题